Kompositionen in Weiß

weisser Palast copy

weißer Palast. Copyright Gerda Kazakou

Merkwürdiger Weise ist die Farbe Weiß, wenn sie auf dunklen Grund aufgetragen wird, nicht lichtvoll, sondern dumpf, so als sauge sie das Licht auf. Die Technik hier: Akryllpigmente, Kleister auf Leinwand. Die Linien sind mit dem Pinselstiel eingekratzt.

Ganz anders wirkt Weiß, wenn man es als Grundfarbe des Papiers oder der Leinwand stehen lässt. Da macht es leicht ein „Loch“ in der Fläche. Es ist schwierig zu handhaben. Daher haben nur wenige Maler das Weiß als Farbe eingesetzt. Wenn sie es taten, wie zB Henri Matisse, hielten sie die weißen Objekte durch Linien oder geringe Beimischungen von Blau oder Gelb in der Bildfläche.

Auch im folgenden Bild zeigt sich, dass Weiß keineswegs lichtvoll, sondern eher geisterhaft wirkt. Eine künstlich beleuchtete Welt. Kunstlicht,  wie wir sie heute vom Neonlicht kennen, hebt das Gittergeflecht vom dunklen Hintergrund ab. Wie anders waren die Farbeindrücke, als die Maler bei Kerzenlicht, Ölfunzeln oder Gaslaternen malten! Die Technik: Akryllpigmente und Kleister, darüber weiße Plastikfarbe, gegossen und durch Bewegung der Leinwand verteilt.

Giessbild b copy

Im dritten Bild habe ich den Bildraum durch Weiß fast ganz  „verschlossen“, indem ich auf den bräunlichen, durch Klebestreifen und Lochstreifen gegliederten Hintergrund (Pappe) weiße Ölkreide breitflächig auftrug. Ich mag dieses Bild sehr, es beschäftigt mich. „Mit Brettern vernagelt“ scheint die Welt. Aber wenn ich mich einlasse und nicht ängstlich zurückweiche, wird sich ein Durchgang zeigen. Und ich schreite hindurch in eine Zauberwelt, wie Alice durch den Spiegel schritt. Oder täusche ich mich?

IMG_7509

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, die schöne Welt des Scheins, Kunst, Leben, Malerei, Methode, Psyche, Umwelt abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten zu Kompositionen in Weiß

  1. kunstschaffende schreibt:

    Wenn ich das sagen darf, das 3 Bild an erster Stelle und Nummer 1 an zweiter Stelle gesetzt, dann könnte ich mir ein Durchschreiten in die Zauberwelt vorstellen.
    Bild Nr. 2 finde ich total gut, weil durch den dunklen Hintergrund ein dreidimensionaler Eindruck entsteht.

    So sehe ich es halt.

    Schöne gute Nacht Grüße liebe Gerda

    Babsi

    Gefällt 1 Person

  2. Myriade schreibt:

    Interessante Betrachtungen zum weiß und interessante Bilder. Was mir wieder einmal auffällt, ist dass du das Motiv von Türen und Toren sehr gerne benützt …

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      ich sehe jetzt erst deinen Kommentar, Myriade. Danke dafür. Ja, es ist wahr, Türe und Tore, offene und vernagelte spielen eine große Rolle in meinen Bildern. Tore, die ein Hindurchschreiten erlauben, liebe ich, verwehrte Durchgänge sind für mich eine Herausforderung. Ganz glücklich bin ich, wenn ich viele Schlüssel zu vielen Türen besitze. Und wenn ich auf ein verschlossenes Tor oder einen Zaun treffe, versuche ich, dennoch weiterzugehen, notfalls mit Drahtschere. Das gilt auch im übertragenen Sinne….:)

      Gefällt mir

  3. mmandarin schreibt:

    BILD Nummer 2 berührt mich sehr, diese Krustigkeit, das aufwühlende Rot… Und dann die filigranen Fäden … Ein spannendes Werk. Marie

    Gefällt 1 Person

  4. Sarah schreibt:

    guten Morgen Gerda deine Bilder sind sehr schön ,lange kann man rein schaun

    Gefällt 1 Person

  5. Sarah schreibt:

    und sieht immer wieder etwas anderes….zu deiner Technik -lerne dazu.Danke!

    Gefällt 1 Person

  6. Ulli schreibt:

    Ich denke gerade an Cambra Skade (siehe mein Blogroll) sie hatte einmal eine Phase, da malte sie weiss auf weiss und das war wirklich spannend. ich gebe dir Recht, oft wirkt weiss eher geisterhaft und kühl, dann wieder magisch, wie in deinem dritten Bild, das auch für mich in dieser Serie ein Favorit ist, weil ich hineingehen kann, die Welt, die sich öffnet ist eine andere, nicht schöner, nicht hässlicher, einfach nur anders.
    Liebe Gerda, vielleicht schwimmst du gerade singend im Meer, ich war heute Morgen schlaflos und schwimmen darf ich noch nicht wieder, aber bald…
    herzliche Morgengrüsse an dich
    Ulli

    Gefällt 1 Person

  7. Pingback: Donnerstag, den 07. Juli 2016 | Kulturnews

  8. Pingback: Ein schwarzes Bild | GERDA KAZAKOU

  9. bruni8wortbehagen schreibt:

    Ich wollte gerade schon schreiben, ich komme beim dritten Bild absolut nicht in diese Zauberwelt, da nehme ich mir die Klebestreifen zu Hilfe und siehe da, ich erkenne eine Treppe, deren Stufen mich sicher hineingeleiten und nun bin ich da und ich erkenne das, was mich an der Kunst so
    fasziniert, liebe Gerda. Es ist das Spiel mit Farben, Weißem und Schwarzem und der Fantasie und ich ich lasse das Schwere los…

    Aber davor ich endgültige davonfliege, möchte ich Dir noch sagen, wie wunderschön Dein Bild Nr. 2 bei mir ankommt. Es erinnert mich an einen uralten verwunschenen Balkon, den ich mal in der
    Haut Provence fotografierte. Seine Farben waren sehr anders, aber Dein Bild und ert hneln sich sehr.

    Das erste Bild erscheint mir wie eine Kulisse, bei der die Fassade tonangebend ist.

    Liebe beeindruckte Grüße von mir

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      Wie gern lese ich deine einfühlsamen Kommentare, Bruni! Jedesmal erweiterst du damit auch mein Sehen.
      In der Provence habe ich auch mal gelebt, in Aix (1962). Du? – Solche Balkons habe ich sonst eher von der Insel Chios in der östlichen Ägäis in Erinnerung: einstmals reiche Handelstreibende und Reeder haben herrliche Häuser mit schmiedeeisernen Balkonen gebaut, die nun weitgehend zerfallen sind. Daran hast du mich erinnert.

      Gefällt mir

  10. bruni8wortbehagen schreibt:

    Bei mir war es immer die Gegend um Sault herum, in der Nähe des Mont Ventoux, oder mal in Vaison la romaine. Es waren ca. 6 – 7 Urlaube dort oder auch mehr.
    Der Balkon, an den mich Dein feines Bild erinnert, ist in Sault. Seine Umrandung ist nicht in Schmiedeeisen, sondern, so viel ich gesehen habe, in Holz. Aber in einer Art und Weise gestaltet,
    daß das Holz aussieht, ais hätte es sich seinem Meister gefügt, der über einen ungewöhnlichen Kunstsinn verfügte und genau wußte, wie man sich dem Holz mitteilt.

    Also ist Dein Motiv wirklich ein Balkon? Ich strahle, freue mich, daß ich auf das Richtige tippte und diese Häuser in der Ägäis hätte ich auch gerne gesehen, liebe Gerda

    Gefällt 1 Person

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s