Liebster-Award: Soll i aus meim Hause raus? Soll i aus meim Hause nit raus?

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Tikerscherk hat mich mit dem Liebster-Award ausgezeichnet und möchte, dass ich mich, wie so viele meiner ehrenwerten MitbloggerInnen vor, neben und nach mir, zu meinen Stärken und Schwächen bekenne. Ich soll reden über mich, nach einem Katalog, den sich die Leute von der FAZ ausgedacht haben. Originalzitat tikersherk: „Ich mach´s mir leicht, modifiziere den Award nach Gusto und  übernehme sämtliche Fragen des bekannten FAZ-Fragebogens. Beantwortet sie alle, oder pickt Euch einfach 10 raus, wie beim Liebster Award eigentlich vorgesehen.“

Bisher habe ich mich vor solchen Ehrungen gedrückt. Diesmal sage ich zu mir: „Drück dich nicht immer. Mut hat auch der kleinste  Muck!“ Ich verbeuge mich vor der großherzigen Spenderin des Preises und sage: „Danke für die Nominierung. liebste tikerscherk. Den Lorbeerkranz darfst du behalten, ich schenke ihn dir“.

 

 

Hier die Fragen, wie sie mir tikerscherk schickte (die leeren Zellen gehören nicht dazu).

Was ist für Sie das größte Unglück?
Wo möchten Sie leben?
Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Ihre liebsten Romanhelden?
Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte?
Ihr wichtigster Lehrmeister?
Ihr Lieblingskomponist?
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mann am meisten?
Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?
Ihre Lieblingstugend?
Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Wer oder was hätten Sie sein mögen?
Ihr Hauptcharakterzug?
Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?
Ihre größte Schwäche?

Ihr Traum vom Glück?
Was wäre für Sie das größte Unglück?
Was möchten Sie sein?
Ihre Lieblingsfarbe?
Ihre Lieblingsblume?
Ihr Lieblingstier?
Ihr Lieblingsschriftsteller?
Ihr Lieblingslyriker?
Ihre Helden in der Wirklichkeit?
Ihre Lieblingsheldinnen in der Wirklichkeit?
Was verabscheuen Sie am meisten?
Welche Erfindung bewundern Sie am meisten?
Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Wie möchten Sie sterben?
Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Ihr Motto?

Was ist für Sie das größte Unglück? Wenn sich mein Kopf spaltet.

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Wo möchten Sie am liebsten leben?  In einer Idylle mit Tieren, nah am Meer (tue ich bereits)

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Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück? Harmonie und Vielfalt auf allen Ebenen des Seins.

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Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten? Die aus Unwissenheit, aber liebevoll begangenen.

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Ihre liebsten Romanhelden? Teja! Jetzt ist es endlich raus. Ihr dürft es alle erfahren: Ich liebte Teja! Ja! Das war ein bleicher schwarzhaariger Gote. „… Wir sind die letzten Goten. Wir tragen keinen König mit, wir tragen einen Toten“. (Ein Kampf um Rom). Tote Helden waren mir immer schon die liebsten.

Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte? Hm. Hm. Vielleicht der adlige Herr, der Walther von der Vogelweide ein Lehen gab und ihn so zu dem schönen Gedicht anregte: „I han min lehen, alle werlt, i han min lehen!“

Ihr Lieblingskomponist? JS Bach-Meldelsohn-Schubert-Mahler-Händel-Schumann-Schostakovitsch-A. Webern-Vivaldi-Stockhausen-Anonymus griechischer Volkslieder…

Welche Eigenschaften schätzen sie beim Mann, bei der Frau am meisten? Ihre Lieblingstugend? drei Fragen mit einer Klappe: Freundlichkeit. Klugheit. Gelasssenheit.

Uff, geschafft. Zehn Fragen beantwortet. Das ist das Liebster-Award-Standardmaß. Mein Motto (letzte Frage) als Zugabe? Gern!

p a n t a  r h e i – alles fließt

In die leeren Zellen, die ich nicht wegkriege,  darfst du, meine liebe Leserin und lieber Leser, gern jede dich bewegende Frage einsetzen. Ich ernenne dich zum Träger des Liebsten-Award. Dein sind die Fragen – dein die Antworten.

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Die eigene Handschrift.

Immer wieder höre ich von ansonsten klugen Menschen, sie könnten nicht zeichnen. Hierzulande heißt die Formel: „Ich kann keine gerade Linie ziehen“. Dann antworte ich: Wenn das dein Problem ist, warum nimmst du nicht ein Lineal? Ich benutze allerdings keins. (Hier: Tempelruine auf Samothrake, Aquarell, vielleicht 1992)

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Aber das ist natürlich nicht dein Problem. Dein Problem ist dein Glaube an die eigenen Fähigkeiten, der dir in der Schule ausgetrieben wurde. Mir zB wurde weisgemacht, dass ich intelligent und sprachbegabt sei, während meine Schwester die Künstlerin sei. Diese Talentverteilung ist in Familien nicht selten und wird in der Schule bestätigt. Man übt dich in dem Glauben ein, dass es einer magischen Fähigkeit, eines besonderen Talents bedürfe, um Zeichnen (oder Mathematik oder Sprachen) zu können. Doch in Wirklichkeit ist es wie mit dem Schreiben: wenn du in die erste Klasse gehst, kannst du es gewöhnlich nicht – aber irgendwann hast du es gelernt. Und nicht nur das: du hast deine eigene Handschrift entwickelt, und die Graphologen können an die Arbeit gehen.

(Hier eine Probe: gestern, Kohle auf Papier) IMG_7550

Ich beispielsweise war 40, als ich anfing zu zeichnen und zu malen. Einer, der sich auskennt (er wurde später Professor an der Kunstakademie), sagte zu mir: du hast Talent. Und plötzlich traute ich mich und zeichnete und malte in jeder freien Minute, um dieses neu entdeckte Ding, das bisher unbekannte Talent, zu entwickeln.

Und worauf kommt es an beim Zeichnenlernen? Zuerst vielleicht, dass das gemalte A auch ungefähr so aussieht, wie das vom Lehrer an die Tafel gezeichnete A (hier: Kopie nach Toulouse-Lautrec, 1982)

IMG_6410Dann beginnst du vielleicht, Gesehenes nachzubilden: einen Tempel (Thesseion, Aquarell, ca 1983)

IMG_7492 oder den Blick vom Balkon deiner Wohnung (Kohlezeichnung, 1984)

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oder du beginnst damit, deine eigenen Sachen auszuspinnen und zu fantasieren (hier: „Gruppe“, ein sehr früher Versuch, Wasserfarben auf Papier)

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und kehrst später reumütig zu deinen Übungen zurück (hier: Vergleich von Kokoschka links und Schiele Mitte-rechts)

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Und wenn du das fleißig betreibst und am Ball bleibst, dann hast du am Ende deine eigene Handschrift entwickelt. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Vielleicht bleibst du auch dabei zu kopieren:  andere Künstler, die du höher schätzt als dich selbst – oder die Natur, die sich dir in so vielen Formen offenbart (hier: meine eigenen Hände, Bleistift, und die Nike, Rötel, nach der im Museum von Samothrake befindlichen Kopie).

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So manche/r sagt dir dann: Toll, wie du das machst. Und ja, das Ergebnis mag beachtenswert sein. Es freut dich, dass du es so gut hingekriegt hast.

Aber das Wesentliche fehlt. „Wenn du keine eigene Handschrift entwickelt hast, ist deine ganze Kunstfertigkeit nichts“. So grummelte ich gestern vor mich hin, und warf eine Handschriftenprobe nach der anderen auf das geduldige Papier.

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Ag. Marina – eine ferne Erinnerung

 

Noch ein Kloster aus längst versunkenen Zeiten. Dieses Kloster existiert nur noch in der Erinnerung. Die Berge rundum dienten als Steinbruch für den Bau der Autobahn Athen-Korinth. Das Kloster und seine wenigen Nönnchen mussten weichen.

Hätte ich nicht damals mit meinen Ölkreiden am Hang gesessen und hinabgeschaut auf die hübschen roten Dächer und die himmelblaue Haube des Kirchturms – vielleicht hätte auch ich es längst vergessen. Nun holte ich das Bildchen hervor und zeige es dir.

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Das Kloster Gonia von Kolimbari und der Bischof Irinaios Galanakis

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Gestern erfreute uns Jeannette mit einer Fotoserie über das Kloster Gonia von Kolimbari auf Westkreta. https://ringanapaterakis.wordpress.com/2016/07/14/kloster-gonia-kolimbari-kreta/

Gonia heißt das Kloster – und das bedeutet: Ecke, Knie. Eine Flut von Erinnerungen brach über mich herein, damals….  als wir zur Orthodoxen Akademie im Kloster von Kolymbari eingeladen waren, die der damalige ganz und gar unvergessliche Bischof Irinaios gegründet hatte*. Ach, was war das für ein wunderbarer Mensch! Viele Griechen, die in Deutschland als Gastarbeiter oder Asylanten während der Militärdiktatur (1967-74) lebten, werden sich an ihn erinnern**, und für die kretische Bevölkerung ist er fast ein Heiliger. Unermüdlich hat er für seine Mitmenschen gewirkt, fuhr in einem klapprigen VW-Bus die Dörfer ab, verließ internationale Konferenzen, wenn er zu einer armen Bäuerin gerufen wurde, die im Sterben lag,  half, den Olivenanbau und die Schafzucht zu modernisieren, gründete die ANEK – eine Schifffahrtslinie, die durch das Volk von Kreta betrieben wird -, gründete eine Menge sozialer Einrichtungen, kümmerte sich um die Bildung von Frauen und reformierte ganz nebenbei auch die Liturgie. Unvergesslich ein Weihnachtsgottesdienst in einer weitläufigen Höhle, in der sich die Gemeinde versammelte. Kerzen überall auf den schweren grauen Felsen, und in der Höhle – ganz unorthodox – die Krippe. Irineos war damals schon sehr alt und schwer erkältet und in der Höhle war es nasskalt, aber was kümmerte es ihn. Die viele Stunden dauernde Liturgie hielt er durch und legte sich erst danach mit hohem Fieber ins Bett. Er starb nicht, wie Kleingläubige wie ich vielleicht befürchteten, sondern erreichte in guter Gesundheit das gesegnete Alter von 102 Jahren.

So viele Geschichten gibt es über diesen Mann zu erzählen! Aber das ist nicht die Aufgabe dieses Blogs. Vielleicht magst du, Jeannette, den Faden aufnehmen?

Ich begann damals gerade mit dem Aquarellieren. Vermutlich saß ich auf einem Felsen im Meer (oder gab es dort eine Mole?), als ich diese Skizzen machte, die vielleicht ein wenig von der grandiosen Lage des Klosters vermitteln.

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*Irineos Galanakis – Wikipedia

Irineos Galanakis (griechisch Ειρηναίος Γαλανάκης, auch Irenäos oder Irenaios umschrieben, mit bürgerlichem Namen Michail Galanakis, * 10. November 1911 im Dorf Nerochori (Νεροχώρι) in Apokoronas; † 30. April 2013)[1] war von 1957 bis 1971 und wieder von 1982 bis 2005 Bischof bzw. Metropolit der Diözese Kissamos und Selino auf Kreta und von 1971 bis 1980 Metropolit der Griechisch-orthodoxen Metropolie von Deutschland. Er galt zeitlebens wegen seines sozialen Engagements als populärster Kirchenführer Kretas….

**Orthodoxe Akademie Kreta – Wikipedia

Metropolit Irineos ist Gründer der Orthodoxen Akademie Kretas, einer ökumenischen Begegnungs- und Tagungsstätte, die 1971 im Kloster Gonias eingerichtet wurde und während der Zeit der Griechischen Militärdiktatur als Ort des geistigen Widerstands galt.[10]

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Manche mögens heiß

Und so habe ich, um den Faden meiner letzten Skizze wieder aufzunehmen, sie in glühende Farben getaucht. Das kann man ja mit ein bisschen Elektronik leicht zustande bringen.

Das Original findest du bei https://gerdakazakou.com/2016/07/11/entwicklung-ein-vergleich/, das dritte Bild.

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Oder darf es noch ein bisschen heißer sein? Ich bin nicht auf dem Laufenden, wie das Wetter bei dir grad ist. kann sein, du brauchst ein bisschen Hitze.

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Heute war ein wirklich heißer Tag hier in der Mani, und so dachte ich mir, eine hellgrüne Variante könnte auch nicht schaden, zwecks Abkühlung.

IMG_7534aaaaAch, wäre das Malen doch so einfach wie das elektronische Herumspielen! Ich habe mich dann doch diszipliniert und bin ins Atelier hinunter gestiegen, anstatt nur im Meer zu planschen. Die Ergebnisse zeige ich dir in einem anderen Post. Für jetzt: Gute Nacht und süße Träume.

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Eine Zwillingsgeburt

Aller guten Dinge sind 3. Du musst es 3 mal sagen. Und was der 3-Sätze mehr sind. Also machte ich vor ein paar Tagen noch einen dritten Anlauf, um aus dem Chaos der Kräfte  ein Individuum zu entbinden.

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Doch wieder war es nicht eines, sondern eine Zwillingsgeburt. Fischlein! Die beiden waren sich sehr ähnlich. Würden sie es schaffen, sich als Individuen zu etablieren?

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Wie schwierig war es für diese Geschöpfe, sich aus der Geburtsmatrix abzusondern! Vor allem wussten sie nicht, wie sie es anstellen sollten, sich von ihrem Zwilling zu trennen. Der kleinere, leichtere löste sich zuerst aus seinem Grund und begann, nach oben zu schwimmen.

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Da bewegte sich auch der Schwerfällige, und so konnten sie sich endlich gegenseitig beäugen.

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Schließlich gelang es dem Kleinen, ins Freie zu schwimmen, während der Dicke von seiner Umgebung fast aufgesogen wurde. Wäre nicht sein Auge, man sähe ihn kaum. Mimikri nennt man das.

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Schließlich, hallo! fanden sie beide den Ausgang. Und da hocken sie nun, noch ein wenig erschöpft, und ruhen sich aus.

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Das wars für heute. Neue Geburtsgeschichten gibt es erst mal nicht, denn nun will ich den Faden aufnehmen, den ich mit meiner vorerst letzten Skizze zu spinnen begann (das 3. Bild des Beitrags „Entwicklung?“)

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Attraktion. Ein Familiendrama.

Einmal ist keinmal, sagte ich mir. Also wiederholte ich vor ein paar Tagen das Experiment mit der Geburt von Individuen aus dem Gewimmel der Kräfte, die auf sie einwirken. In der Mitte wieder der bewegliche Teil, drumrum das „Milljöh“, wie der herrliche Zille sagen würde.

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Doch nun? Wie geht es weiter? Die Kräfte des Umfeldes sind schwach, dagegen toben sie im Mittelfeld, aus dem die Geburt erfolgen soll. Kurzentschlossen mache ich aus dem „Unteilbaren“ zwei und beschnippele sie ein wenig. Das kann ich tun, denn schließlich bin ich hier der Meister. Und dann schiebe ich sie herum. Die rechte Figur eignet sich gleich die väterliche Seite an – ein Übergriff. Die linke (jetzt mittlere) Gestalt fühlt sich stark zur nun kannenartigen Rechten hingezogen. Sie wirft einen Blick zurück auf Mama, die allein steht.IMG_7521

Doch schon wachsen die beiden neu erschaffenen Figuren zusammen in einem innigen ….

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… bis leidenschaftlichen Kuss.

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Natürlich fangen sie an, sich zu bewegen und im Tanz zu verschmelzen. Mütterchen wölbt sich ihnen entgegen. Ach, wie gern würde auch sie sich noch einmal im Tanz finden! Aber Väterchen ist nicht mehr zu erblicken. Er ist im tanzenden Paar aufgegangen.

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Individuum und Milieu

Individuum – das Unteilbare. Das Besondere, Gesonderte, Abgesonderte. Das Einmalige, das hervorgetreten ist aus dem Ungesonderten, Vermischten, Undefinierten.

Wie tritt ein Individuum aus dem recht gleichmäßig auf alle einwirkenden Umfeld einer Familie, eines Landes, einer Epoche als ein Besonderes hervor? Nein, nein, ich will hier keine Antwort geben, auch keinen Vortrag halten, sondern nur zeigen, wie mich diese Frage zu einem bildnerischen Experiment führte. Das war vor ein paar Tagen.

Ich nahm meinen Zeichenblock und legte in das Mittelfeld ein etwas dunkleres kleineres Blatt. Dann überzeichnete ich alles mit Kohle und Ölkreiden.

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Nahm ich das Mittelstück weg, blieb rechts und links ein „Umfeld“, ein „Milieu“. Nennen wir die rechte und linke Form mal versuchsweise Vater und Mutter.

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Das Mittelstück wäre dann ihre recht robuste, lebenslustige „Tochter“.

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Die leere Fläche im Zentrum provozierte mich, eine andere Form aus denselben dominierenden Linien und Farben des Umfeldes hervorwachsen zu lassen.

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Es entstand eine zweite „Tochter“,  viel zarter und sensibler als die erste.

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Würden sich die beiden so verschiedenen Schwestern miteinander vertragen? Hm, ein paar gemeinsame Linien fanden sich rasch. Die beiden stammten ja von denselben Eltern und entwuchsen demselben „Milieu“.

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Würden sie vielleicht sogar zusammenleben können? Ich probierte es aus.  Es ging ganz gut, wenn ich die Außeneinflüsse kappte  und die beiden „Individuen“ auf einige ihrer peripheren Merkmale verzichteten.

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Aber so richtig glücklich ist ihr Zusammenleben wohl nicht. Die Zartere scheint sich der allzu vitalen Schwester entziehen zu wollen.  Sie reduziert sich immer mehr und sucht, um nicht ganz zu verdunsten, schließlich Rückhalt im zarteren Aspekt ihres Geburtsmilieus.

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Entwicklung? ein Vergleich

Ich bin in einer gewissen Verlegenheit. Seit geraumer Zeit habe ich euch ältere oder sogar sehr frühe Malversuche gezeigt, und ihr habt diese Rückblenden interessiert bis gnädig aufgenommen. Doch bin ich da ja schon lange nicht mehr, bin ganz woanders. Und es tut mir vielleicht doch nicht so gut, länger in der Vergangenheit zu verweilen. Ich kritzele, experimentiere, suche nach Formen und Ausdruck ganz anderer Art. Diese neuen Sachen sind für mich viel interessanter, da sie eben jetzt entstehen. Aber lassen sie sich bereits zeigen?

Ich mache mal einen Versuch. Zunächst ein Aquarell der Anfänge (1984): ein Fruchtkorb „klassischer Art“. Daneben? ein Fruchtkorb, wie ich ihn, zu Demonstrationszwecken, gestern zusammenstrichelte: Graphitstift, Kohle, Ölkreiden auf Papier, das Hintergrunds-Blau ist elektronisch hinzugefügt.

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Immerhin: ein Fruchtkorb. Das ist doch etwas, an das man sich halten kann. Aber was ist das, was ich heute mit  Graphitstift, Kohle und ein wenig Ölkreide auf Papier skizzierte? Es beschäftigt mich. Einen Titel habe ich noch nicht.

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Montags ist Fototermin: Lichtwellen

Sie lassen sich ungern einfangen, denn ihr Wesen ist Flüchtigkeit.

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Über die bewegte Wasserfläche, den sandige Boden huschen sie, glückliche leichte Geschöpfe des Moments.

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034Mit feinem Gefunkel, das sich als bewegliches Netz auf alle Oberflächen legt, nehmen sie den Steinen ihre Schwere und der Tiefe ihre Melancholie.

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Mögen sie sich auf unsere Tage legen, die oft schwer von Gedanken und Sorgen sind, und uns mit ihrem leichten Spiel erquicken.

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