Heute trieb ichs bunt

Ich habe den Eindruck, dieser heiße Juli lässt sich am besten mit viel Farbe und wenig Kopfbedenken aushalten und sogar genießen. Und also poste ich mal, was ich heute so malte.

Und hier noch mal als Bildausschnitte:

Wie? Kohlezeichnung auf Papier übermalt mit borstenpinselig aufgetragenem Akryllpigment und Wasser. Titel? Meinetwegen nenn es:

Und sie weidete ihr Schaf.

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Montags ist Fototermin: Sonnenblume, El Alamein und die Schwanenwege.

Knallblau ist der Himmel, der Wind hat das Meer dunkelblau mit weißen Schaumkronen gefärbt. Nach dem morgendlichen Schwimmen mache ich einen kleinen Rundgang ums Haus. Es ist nichts Dramatisches, was sich da dem Auge bietet: eine kleine Sonnenblume auf hohem Stängel, eine Hibiskusblüte, die an langem Stil im Blau schwankt,  ein rostiges Objekt, das ich einst heimschleppte in der Meinung, es sei ein Kunstwerk, und, im Flur und im Bad, zwei Nester, Kunstwerke auch sie, geschaffen  und aufgegeben vielleicht von Wespen.

Im Moment bleiben, im Augenblick leben. So sagen alle Ratgeber. Bleib im Realen, im Hier und Jetzt. Doch der Moment, was ist das? Er dehnt und weitet sich in alle denkbaren Richtungen.  Sonnenblume  ich denke an: „Blinde Sonnenblumen“ – diesen bemerkenswerten Roman von Alberto Méndez  über das Ende des Spanischen Bürgerkriegs, da war ich noch nicht geboren. Und ich denke: „Unternehmen Sonnenblume“ – das war das Codewort für das Eingreifen deutscher Truppen in den Afrikakrieg der Italiener -, denke an den Juli 1942 und die Schlachten von El Alamein.  Da war ich zwei Monate alt.

Ich war tatsächlich mal da – in El Alamein. Und ich schrieb über diese Schlacht, schon bevor ich da war.  In meinem Romanfragment „Schwanenwege“: Der Vater von Elisabeth – ist dort umgekommen. Gehören solche Assoziationen zum Moment? Darf eine Sonnenblume nicht einfach nur eine Sonnenblume sein,  mühsam genug ist das Leben für sie in diesem Sturm und bei dieser Hitze, der Boden ist auch ärmlich, und ich bin froh, dass sie es geschafft hat zu blühen.

Doch El Alamein setzt sich in meinem Kopf durch. Das westliche Ägypten, die schier endlose Ödnis, durch die ich vor Jahren fuhr. Und drüben Libyen, wo heute die Armseligen Afrikas leiden und hoffen auf eine Überfahrt. Die darauf warten, dass sich in meinem Herzen ein Anker findet, um daran festzumachen.

Doch nicht sie sind es, es ist der längst vergangene Krieg in der Wüste, der diesen meinen Gegenwartsmoment weitet.

 

 

Wer Lust hat, liest nun hier weiter im Romanfragment „Schwanenwege“, 5. Tag.  Auch da geht es um die Kontexte, in die die Protagonisten ihre Erlebnisse einstellen: März 2005  – ein Krankenhaus in Genua, eine Mutter (Elisabeth, 76), ein sterbender (Swen, 32) und ein ihr beistehender Sohn (Harald, 43).

Elisabeth und der Vater

Harald traf seine Mutter am Krankenbett. (…) Ihre Augen, die sie flüchtig dem Eintretenden zuwandte, hatten einen merkwürdigen Glanz, der wie eine fremde Haut über der blassen Iris lag.
Harald zog sich einen Stuhl ans Bett. Swens Zustand schien unverändert ernst zu sein. Manchmal flackerten seine Lider und es kam Harald vor, als blitzte ein Wiedererkennen in den Augen auf. Doch dann drehten sie sich wieder weg, die von roten Adern durchzogenen Augäpfel erschienen zwischen flackernden Lidern, der Mund zuckte und bewegte sich in einer lautlosen Sprache. (…….)

(In Harald steigen Erinnerungen an die Mutter auf)

Es konnte vorkommen, dass er aus dem Internat heimkam und sie ihn umarmte und auf das Sofa neben sich zog, ihn anstrahlte und mit ihrer leicht Wienerisch gefärbten, melodischen Stimme aufforderte: „Erzähl, Harald, was gibt es Neues in der großen weiten Welt?“. Dann fühlte er sich behaglich und wichtig und sein Herz wollte ihm aufgehen. Doch schon nach wenigen Sätzen spürte er, dass sie gar nicht bei der Sache war. Mitten im Satz konnte sie aufstehen und ans Fenster treten, um hinauszustarren, oder, noch schlimmer, einfach weggehen, und wenig später hörte er dann den Flügel im Musikzimmer, auf dem sie einen schwierigen Lauf wieder und wieder übte, bis sie mit wütender Hand in die Tasten griff, eine Serie von Missklängen hineinhämmerte und den Deckel geräuschvoll schloss. Danach war es dann still, und sie erschien auch nicht wieder. Er war vergessen und nahm seine Reisetasche, um sie auf sein Zimmer zu tragen.
Jetzt saß diese Frau, seine Mutter, neben ihm und hielt ihren gläsernen Blick auf den kleinen Bruder gerichtet, dessen mühsamen Atem sie ängstlich verfolgte. Ob sie wohl auch so besorgt wäre, wenn er da läge? (…..)

Unwillkürlich seufzte er ein zweites Mal und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. Elisabeth sah flüchtig zu ihm hin, wie fragend; doch ohne eine Antwort abzuwarten wandte sie sich wieder dem Kranken zu. Harald hatte schwere Sorgen, ja Panik in ihrem Blick gelesen. Sollte es tatsächlich so schlecht um Swen stehen, oder steigerte sie sich gerade mal wieder in eine ihrer tragischen Rollen hinein? Es war vielleicht gut, ihre Stimmung zu versachlichen, sie auf andere Gedanken zu bringen. Doch womit nur?
Da fiel ihm seine gestrige Frage ein, und in ihren ihm zugewandten Rücken hinein fragte er: „Sag mal, Mutter, war Vater eigentlich als junger Mann in Ägypten?“

(Zur Erklärung: Harald hat zuvor die Information erhalten, dass sich Swens verschollene Zwillingsschwester Swantje  in Ägypten befindet….)

Elisabeth fuhr herum, starrte ihn einen Moment verständnislos an: „Vater? Wie kommst du da drauf!“
„Mir kam heute Nacht so eine Erinnerung, als ich etwas über Carsten Niebuhr, einen deutschen Forscher in dänischen Diensten, nachlas. Der war zu einer Expedition in der arabischen Welt..“
„Kenn ich nicht. Kann mich zumindest nicht erinnern. Ich war ja noch ganz klein, als Vater starb.“
Jetzt war es an Harald, verwirrt zu sein. Doch ja, natürlich, sie sprach von ihrem Vater. Von diesem Großvater hatte er gar keine Vorstellung. Wann war er gleich gestorben? Und wie alt war sie da gewesen? Vor Harald tat sich ein Riss auf, auf den er nicht gefasst war. Mutter lebte in ihrer Vergangenheit, geradeso wie er, ja, wie er in der seinen. „Vater“, das war für sie ein ganz anderer als für ihn, das war ein Fremder, der in weit zurückliegender Zeit gestorben war. Gestorben oder gefallen? Nicht einmal das wusste er mit Sicherheit, wie er beschämt feststellte. Sollte er nachfragen? Jetzt?
„Wie alt warst du eigentlich, als dein Vater starb?“, fragte er schließlich in ihren Rücken.
Jetzt drehte sie sich ihm endlich voll zu. „Elf“, sagte sie. Sie sagte nichts als „elf“, und sah ihn dabei mit einem Blick an, den er sich nicht zu deuten wusste. Ein wilder Vorwurf lag darin, und eine Qual.
Vor diesem Blick senkte Harald die Augen, schaute dann hilfesuchend zu Swen hinüber, der aber weiterhin in seiner Alptraumwelt befangen war. Sein Mund, die spröden, weiß geränderten Lippen arbeiteten, als wollten sie dringend etwas mitteilen. Seine freie Hand fuhr gestikulierend hin und her, die andere, in die Seren tropften, war mit einer Binde ans Bett gefesselt. Wieder riss etwas in Haralds Brust, und ein warmes Mitgefühl für den kleinen Bruder, für seine unbekannte Agonie ergriff ihn und trat ihm in die Augen, mit denen er die Mutter suchte.
Elisabeth blickte immer noch in seine Richtung, aber es war jetzt mehr ein Starren, als täte sich vor ihr der Abgrund einer fernen Zeit auf. Dann fing sie an zu sprechen, erst zögernd, dann immer hektischer. „Du willst wissen, ob Vater in Ägypten war? Nein, ganz bis hin hat er es nicht geschafft. Im Mai einundvierzig haben sie ihn eingezogen und auf die Schnelle zum Panzergrenadier ausgebildet. Er kam dann an die Afrikafront. Seine Arbeit als Musiker hat ihn nicht mehr geschützt, ich weiß nicht, warum. Mutter sagte, er sei dem Regime nicht genehm gewesen. Ich erinnere mich aber gar nicht, dass zu Haus viel von Politik die Rede war“.
Sie schwieg, stand abrupt auf, trat ans Fenster. Sie legte ihre Stirn an die Scheibe, starrte hinaus. Harald kannte das. O wie gut er das kannte!
„Im Juni zweiundvierzig war er dann das letzte Mal auf Heimaturlaub bei uns.“
Harald hatte Mühe zu verstehen, die Wörter kamen wie verwaschen aus ihrem Mund.
„Von seinen Erlebnissen an der Front erzählte er sonst nichts, nur am letzten Tag, da ging er mit mir im Schönbrunner Tiergarten spazieren. Plötzlich blieb er stehen, atmete tief durch und sagte ganz glücklich: ‘Welch herrliche Luft, es duftet so schön nach Gras und Sommerwind’.“
Elisabeths schmale Schultern hoben und senkten sich. Ihr Atem beschlug die Fensterscheibe. Dann drehte sie sich um und starrte Harald an. Er hatte nicht den Eindruck, dass sie ihn sah.
„Dann sagte er noch, ich kann mich fast an den Wortlaut erinnern, vielleicht, weil es das letzte Mal war, dass wir zwei so beisammen waren: Das Schlimmste am Krieg in der Wüste, musst du wissen, das ist nicht der Feind mit seinen Bomben und Kanonen. Das Schlimmste ist der Staub, das verschlägt einem schon den Atem. Unsere Panzer zerwühlen die Straßen, die oft nur Sandpisten sind, und wenn dann der Sturm dreinfährt, ist es kaum zum Aushalten. Dieser feine Wüstenstaub geht in die Augen, er verstopft die Ohren und verklebt Nase und Mund. Dazu der Schweiß. Du würdest deinen Papa gar nicht erkennen mit all dem Staub auf seinem Gesicht und in den Haaren. Da sehen alle gleich aus, Menschen und Fahrzeuge und Gerät, alles mit einer dicken Schicht Staub überkrustet. Wegen der Staubwolken kann man auch nicht weit sehen, nur ein paar Meter.“
Wieder verstummte Elisabeth und begann, unruhig im Raum umherzuwandern. „Ich fand das irgendwie beruhigend“, flüsterte sie, als spräche sie zu sich selbst oder vielleicht auch zu dem Toten, „mit all dem Staub, sagte ich, kann euch der Feind nicht entdecken. Vater lachte und legte seinen Arm um mich. Bist mir eine ganz Gescheite, sagte er, ja, der Rommel, der Fuchs, hat den Sand wohl extra bestellt, zur Tarnung.“
Elisabeths Stimme wurde eindringlich. Den Kranken schien sie ganz vergessen zu haben. „Als dann die Bombardierung von Wien anging und sich alles in Staub verwandelte, da fiel’s mir wieder ein. Wenn dann der Sturm in die Trümmer fuhr, war das Atmen schwierig, grad wie in der Wüste, dacht ich. Und gegen die Tiefflieger half es auch nicht. Hat auch dem Vater nichts geholfen. Im Wüstenstaub haben sie ihn begraben“. Ihr Mund war bitter. „Später haben sie die Knochen eingesammelt, die sahen sich nun wirklich alle gleich, aber man hat sie doch umgebettet und über die einen ein teutonisches Denkmal getürmt und über die anderen ein italienisches oder ein britisches, und all die Namen der Gefallenen eingemeißelt in die Wände. Tausende und Tausende.“
Ihre Stimme brach ab, Stille breitete sich aus, in das nur das gequälte Atmen des Kranken klang. Doch Elisabeth hörte es nicht, sie war in Wien, damals, vor dreiundsechzig Jahren. Sie war ein kleines Mädchen, das zwischen Vater und Mutter ging, an jenem letzten Abend, bevor der Vater für immer aus ihrem Leben verschwand. Sie gingen ins Kino, in den neuen Mozart-Film, der gerade in den Kinos angelaufen war. Harald Holt war in der Hauptrolle zu sehen, die Wiener Philharmoniker spielten. Wen die Götter lieben, hieß der Film. Wen die Götter lieben, den rufen sie früh zu sich, das war auf Mozart gemünzt, er wurde ja nur 35. Der Vater starb schon mit 34, und vielleicht stimmte es ja, dass die Götter ihn geliebt hatten, denn was dann noch alles kam, all das Elend und die Kälte und die vielen Toten immerzu, das musste er jedenfalls nicht miterleben.
Plötzlich begann Elisabeth wieder zu reden, das Gesicht bleich und verzerrt. Harald hatte Mühe, den Zusammenhang zu finden. Sie sprach von den Wiener Philharmonikern, zu denen auch ihr Vater gehört hatte. „Die taten ja so, als wäre alles Bestens. Musik war alles, das andere zählte überhaupt nicht. Musik war das A und das O. Noch vierundvierzig feierten sie mit Pomp und großen Reden den Achtzigsten von Richard Strauß, und Karl Böhm dirigierte den Rosenkavalier. Mutter war auch geladen, als Kollegenfrau und Heldenwitwe, sie nahm mich mit und zeigte mir die Bonzen, die da in der ersten Reihe saßen, alle in Gala-Uniform. An den Schirach erinnere ich mich, und an den Herrn Bürgermeister Blaschke, der war bei der SS. Ich glaube, ich habe sie damals richtig gehasst, all diese Leute, die lebten, und mein Vater war tot. Tot und im Wüstensand verscharrt!“
Abrupt und für Harald erschreckend drehte sie sich um. Mit großer anklagender Gebärde wies sie auf Swen: „Und jetzt stirbt dieser hier! Auch er ein Götterliebling, und ist noch nicht mal dreiunddreißig. Ich wollt, die Götter würden ihn weniger lieben!“ Sie ballte die Fäuste: „Ich hasse euch und eure mörderische Liebe! Ich geb ihn nicht her, diesen nicht! Den Vater habt ihr mir genommen, jetzt wollt ihr auch den Sohn? Ihr sollt verflucht sein!“
Sie wandte sich zu Harald, ihr Gesicht eine tragische Maske: „Dein Vater fand den Satz ja herrlich, wie alles Griechische! ‘Am besten, nicht geboren zu sein, am zweitbesten, jung zu sterben’ – das gefiel ihm! Gefiel ihm!! Wozu habe ich fünf Kinder in diese Welt gesetzt, unter Schmerzen und Qual? Wozu wird man Mutter? Wär ich doch umgekommen damals im Bombenhagel, aber nein! Ich lebte, unser Haus blieb verschont, während alles ringsum zu Staub wurde, und Großmutters Flügel stand heil und glänzend in der Stube.“
Die Knöchel ihrer Hände, mit denen sie die Stuhllehne umklammerte, traten weiß hervor: „Der Flügel. Der war ja Papas Vermächtnis. Papa hatte mir die ersten Töne drauf beigebracht und gesagt: Der ist für dich, meine geliebte kleine Tochter. Seine Mutter hatte drauf gespielt, und er sollte ihn dann erben, aber er liebte die Oboe weit mehr, das war ihr großer Kummer. Die Wiener Oboe speziell hatte es ihm angetan, von Kind an schon. ‘Wer wird nach mir auf dem Flügel spielen? jammerte sie. Ja, das bist nun du, meine kleine Tochter, du wirst ihm Ehre machen, nicht wahr?’ Ach Papa, ich hab’s ja versucht, aber dann kamen die Kinder, und ich hab dich verraten, und nun stirbt mir dieser hier, und es war alles vergebens.“
Elisabeths Lippen bebten, und große Kindertränen füllten ihre Augen. Sprach sie mit ihrem toten Vater? Sie schien ihn anzuflehen, sie zu sich zu nehmen. Sie wimmerte und klagte sich an. Immer wieder dies „Verrat“, „ich hab dich verraten, verzeih mir“. Was sollte er nur tun? Warum war sie nur hergekommen, das hielten ihre Nerven ja gar nicht aus! Er konnte doch nicht einfach auf seinem Stuhl sitzen bleiben, er musste etwas unternehmen! Einen Arzt rufen? Die Schwester?
Ratlos stand er auf, da gaben seine Knie nach, und er umschlang Elisabeth, legte seine Wange an ihre, wisperte ihr Sinnlos-Tröstliches ins Ohr: „Ist ja gut. Alles wird gut. Sch, sch. Ich bin ja hier, bei dir. Es wird alles gut, du wirst schon sehen“. Und wie er sie so in seinen Armen hielt, quoll eine Seligkeit in ihm auf, dass es schmerzte und ihm Tränen in die Augen trieb.
Eine Ewigkeit hätte er so bleiben mögen, doch der Moment ging schnell vorüber. Elisabeth machte sich frei und versteifte den Rücken. „Bitte, Harald“, murmelte sie, „da in meiner Handtasche hab ich Taschentücher und meine Pillen, sei so gut und gib sie mir“.
Er richtete sich etwas unbeholfen auf, reichte ihr das Gewünschte, goss auch ein Glas Wasser ein. Setzte sich wieder auf seinen Stuhl, steif nun auch er, die Hände auf den Knien zusammengenommen. Peinlich, dieser Ausbruch von Intimität, peinigend auch das erschöpfte Schweigen, das sich zwischen ihnen ausbreitete. Der unruhige Atem von Swen, sein Stammeln, das stete Tropfen der Seren und das Surren der Apparaturen klangen gespenstisch in die Stille hinein.
Wenig später erschien die Krankenschwester und erlöste sie. Die Besuchszeit war beendet.

 

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Juli = Hitze = Αkte

Mit einer heftigen Hitzewelle, die 42 Grad erreichte, hat uns der Juli begrüßt. Um sie zu ehren, habe ich zwei ältere Bilder mit Akten herausgesucht. Es handelt sich um Übungen mit Ölfarben, die ich unter Anleitung eines bekannten griechischen Malers anfertigte (ich wollte die Ölmaltechnik lernen, habe sie dann aber wenig benutzt). Die Dame mit dem wohlproportionierten Hintern ist nach akademischen Kriterien besser gemalt, aber die andere gefällt mir bei weitem besser, denn sie ist expressiv, d.h. drückt sehr gut aus, was ich darstellen wollte: Ermattung durch Hitze.

Da ich viel Zeit für die Wiedergabe des Lakens verbrauchte, rfeichte es dann nicht mehr für die herunterhängende Hand. Der erste Akt ist bei Kunstlicht fotografiert, die anderen Bilder bei spärlichem Abendlicht, das durchs Atelierfenster fällt.

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Bild im Entstehen und Vergehen

Ein Bild entsteht, verändert sich zum Besseren oder Schlechteren, strebt einer Harmonisierung seiner Teile zu, und vielleicht stirbt es auch. Insofern gleicht es dem lebendigen Menschen, der es hervorbringt.

Erste Phase:

Elektronisch leicht bearbeitet farbig und in SW, zwei Detailaufnahmen

 

2. und 3. Phase. Wenn du willst, beachtest du, wie der Hintergrund des Raums beim Aufbau der Zeichnung mitspielt (Bücherstapel, Rundform eines Hockers).  Ich habe die Fotos dann wieder leicht elektronisch bearbeitet in farbig und SW.  Die zweite SW-Fassung hilft mir, die Linienführung (den Bildaufbau) deutlicher zu sehen. Detail.

4. Phase. Ich hatte plötzlich das Bedürfnis, einen Teil des Bildes blau zu übergehen und es zu drehen. Die linke und rechte Seite zu integrieren, fand ich schwierig.

Endfassung (gegenwärtiger Zustand)

Für die Herstellung des Bildes habe ich benutzt: weißen Zeichenkarton 70×50 cm, Kohle, diverse Papiere, Klebebänder und Kleber, Akryllpigment preußischblau und weiß, Wasser

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Sommerkopf -Sommerzopf

Gestern abend fragte mich A, die am Tavernentisch zufällig neben mir saß, ob sie meinen Zopf fotografieren dürfe. Ja, warum nicht? Noch feucht vom Schwimmen und verzottelt, ist er ein Kunstwerk der anderen Art. So gefalle ich mir.

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Brechung, Scherben, Glasbruch

Hitze und Lichtwellen brechen sich in Glas.

Zeichnung mit Klebeband und Ölkreiden auf Papier, ganz und im Ausschnitt. Format ca 15x20cm.

Dies erinnert mich an eine Foto-Serie, die ich vor ein paar Jahren machte und aus dem Archiv fischte. „Scherben“.

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Blind gezeichnet.

Im Atelier war es mir heute abend stickig. Das Licht konnte ich bei geöffneter Tür nicht anlassen, ohne die mir die gesamte Mottenwelt hereinzulocken. Also entschloss ich mich, im Stockdunklen zu zeichnen. Ich suchte mir eine große Zeichenpappe, fixierte sie, nahm ein Stück Kohle, löschte das Licht und tastete mich an die Zeichenfläche heran. Natürlich war ich dann neugierig, was dabei herausgekommen war. Ein Faun, befand ich.

Na schön, ein Picasso-Faun ist es nicht geworden. (Sah ich im Februar 2016 in Athen)

Im zweiten Anlauf stellte ich mir eine Szene vor, die ich heute am Strand beobachtet hatte. Eine dicke Mama mit zwei schmächtigen überbehüteten Kindern näherte sich dem Wasser, in dem zwei dunkelbraun gebrannte wilde Kinder mit Wasserpistolen herumtobten.

Ich machte dann noch einen dritten Anlauf mit demselben Thema, baute die Zeichnung mit Ölkreiden aus, die ich mir bei Licht zurechtlegte, kontrollierte die Wirkung, drehte das Bild und zeichnete noch mal kräftig blind mit Kohle hinein. Voila!

 

Es hat Spaß gemacht, im Dunkeln zu zeichnen. Ich musste mir eine ungefähre Vorstellung vom Bildformat, dem Strich, der gewünschten Darstellung machen, ohne dass das Auge die Möglichkeit der Kontrolle hatte. Spannend dann, wenn ich das Licht anmachte, zu entdecken, was ich gezeichnet hatte.

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Hitzewelle

Nun ist sie angesagt, die flirrende Hitze des Sommers. Noch geht ein feines Lüftchen, vom Meer kommend, noch ist die Temperatur erträglich. In Erwartung der großen Hitze möchte ich ein paar Zeichnungen posten, die mir beim Anblick der am Strand Hingelagerten in den Sinn kamen. Es sind kleine aquarellierte Federzeichnungen, aus den 80er Jahren. Ich benutzte damals die Feder, um dem Aquarell mehr Struktur zu geben. (Manche Skizze wirst du wiedererkennen).

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Pflanzliches: Nähe und Weite.

 

Dies Bild machte ich heute auf einer weiß grundierten Leinwand 50 x 70 cm mit Kohle, stark verdünntem Englisch-Rot-Pigment und Teilen aus meiner Schnipselsammlung, die ich aufklebte.

Noch wirkte in mir Ullis „Nah und Weit“, darin das Rilke-Gedicht Ich ließ meinen Engel lange nicht los, und er verarmte mir in den Armen…. Wie kann zwei Wesen Nähe und Weite zugleich gelingen? fragte ich mich, zeichnend. Es wurde ein Pflanzliches: zunächst das angstvolle Zurückweichen und Versteifen der einen gegen den weichen enthusiastischen Ansturm des anderen, dann eine Umkehrung:

Was folgt, ist weder Nähe noch Weite, sondern Aufrichtung, zunehmende Verquickung, Überwucherung, Blüten- und Fruchtbildung.

Hier die Entstehung des Bildes in Phasen und Detailaufnahmen.

Mal sehen, ob ich das Thema fortsetzen kann.


							
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12-Monatsbild: mein Atelier im Juni

Zeilenendes Projekt – ihr kennt es: es gilt, am Ende jeden Monats dasselbe Motiv zu fotografieren. Montags ist bei mir Fototermin, und so fotografierte ich heute um 7 Uhr abends mein Atelier. Aber was soll sich da drinnen denn groß geändert haben?  Ein anderes Bild auf der zerbrochenen Staffelei, mein gesundernder Hund Tito mit Kopf-Kragen, Mme Kolokytha auf dem Fensterbrett und die Puppe mit den blauen Haaren ausquartiert, die Türe geschlossen, um die Hitze draußen zu halten.

Die Welt draußen zeigt den normalen Reifeprozess: die Feigen werden dicker, das Quittenbäumchen hängt voller noch unreifer Früchte. Der Olivenbaum ist immergrün: er wirft sein Blattwerk ab wie der Hund die Haare – was runterfällt, wird gleich wieder ersetzt.

Weitere BloggerInnen, die am Projekt teilnehmen:

365tageimleben erlebt ihr kleines grünes Wunder

Agnes dokumentiert die Baustelle der Groth-Gruppe am Berliner Mauerpark

Amerdale zeigt das Wohnzimmer

Arno von Rosen zeigt die Eiche in Nachbars Garten

babelpapa baut einen Balkon

Chris zeigt den Baum vor seinem Fenster

frauholle52 blickt auf ihre Terrasse

Frau Rebis begleitet ihren Baum

Gerda Kazakou nimmt uns mit in ihr Atelier

Impressions of Life blickt auf Balkon und Garten

Lovely Rita Flowermaid zeigt die Discotasche

lukaslastofthetimelords begleitet seinen persönlichen Party- und Entspannungsbaum

lunarterminiert beobachtet ihren Schreibtisch

Meermond zeigt ihre Füße her

Mein Name sei MAMA nimmt uns mit unter den alten Kirschbaum

Mitzi Irsaj erinnert sich an den Ort, an dem 24 Olivenkerne im Münchner Rosengarten ruhen

Multicolorina rastet an einer Feldweg-Bank

Neues vom Schreibtisch zeigt den Park rund um die Reste des Garnisons-/Katharinenfriedhofs in Braunschweig

Petra Elsner zeigt die Bleiche am Döllnfließ

Random Randomsen hat einen geheimnisvollen Baum gewählt

rina.p macht einen Hofgang

Rubinkatze blickt über die Dächer Münchens

solera1847 nimmt uns mit auf die Gartenbaustelle

tallyshome zeigt ihr Wohnzimmer-Sofa

trienchen2607 richtet ihre Wohnung neu ein

Ulli blickt in die Weite

Wili lässt uns auf und in ihren schmucken neuen Topf gucken

wortgeflumselkritzelkram ist im Vorgarten

 

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