Ägypten 2007: unterwegs nach Siwa

Nadia Baumgart, deren Kunst-Blog ich mit großem Interesse verfolge, war dieser Tage in Ägypten 

Und so wachte in mir die Sehnsucht nach Ägypten auf – was nicht schwer ist, denn sie lauert immer unter der Oberfläche. Ich war zweimal dort, vor 12 und vor 10 Jahren, und sicher hat sich seither vieles verändert. Aber einiges ist sicherlich noch genau so wie es vor tausenden von Jahren war…..

in Siwa

Jedenfalls habe ich Lust, nach und nach ein paar meiner Fotos hier zu posten. Und beginne mit der Oase Siwa – dem Ort, wo Alexander der Große sich bestätigen ließ, dass er göttlicher Abkunft sei. Er machte den weiten Weg von Issos („333 war Issos Keilerei“. Alexander schlug den persischen Großkaiser Dareios) mit Schiffen, Reittieren und Tross, ich mit dem Flugzeug von Athen nach Alexandria (von Alexander einst entworfen – den Bau der Stadt erlebte er nicht mehr), dann mit dem Reisebus immer westwärts an der Küste entlang bis El Alamein (ich schrieb darüber).

Und schließlich auf einer endlos scheinenden Straße durchs Nirgendwo einer wüstenartigen Landschaft ins Landesinnere, mit nächtlichem Notstopp an der wohl einzigen Bar weit und breit (der Bus hatte einen Platten)  . ….

Siwa also, mit seinem Marktgewimmel, seinen Eseln und ansehnlichen Ruinen, seiner Geschichte, die bis in die Frühzeit Ägyptens zurückreicht, mit seinen Dattelpalmwäldern und nomadisierenden Bettlern und dem Brunnen der Kleopatra – der letzten der Dynastie der Ptolemäer, die Alexanders Nachfolger begründete und die der römische Kaiser Augustus dreihundert Jahre später vernichtete.

Danke, Nadia, dass du mich noch einmal auf diese Erinnerungsreise geschickt hast!

Veröffentlicht unter Allgemein, alte Kulturen, Fotografie, griechische Helden, Leben, Mythologie, Natur, Psyche, Reisen, Tiere, Träumen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 14 Kommentare

Mut

(Bildquelle unbekannt)

Heute, am 18.7., dem Tag, der Nelson Mandela gewidmet ist, fand ich ein Interview in der griechischen Internet-Zeitung News 24/7. Es handelt vom Leben eines Griechen, des heute 89jährigen und immer noch aktiven Rechtsanwalt Giorgos Bizos, den man auch das alter ego Mandelas nannte.  Seiner Klugheit und Entschlossenheit rechnet man bis heute dankbar an, dass Mandela nicht zum Tod durch Erhängen, sondern „nur“ zu lebenslänglicher Haftstrafe verurteilt wurde.
Ich habe mir die Mühe gemacht, das Interview aus dem Griechischen zu übersetzen und zusammenzufassen, denn es zeigt den Lebensgang eines mutigen Menschen – eines griechischen Kriegs-Flüchtlings, der in entscheidender Weise geholfen hat, das Schicksal seines Gastlandes Südafrika zum Besseren zu wenden. Den Titel habe ich gewählt, um an die bei  Ulli begonnene Diskussion über „Mut“ anzuschließen.

Das Interview, das in G. Bizos Büro in Johannesburg stattfand, wurde von Nikoletta Avloniti geführt. (Wörtliche Zitate setze ich kursiv.)

Vorgeschichte: 1941 – Giorgos ist 13 Jahre alt – versteckt sein Vater Antonis, Gemeindevorsteher des Dorfes Vassilitzi im Westpeloponnes, sieben neuseeländische Soldaten in seinem Haus vor den deutschen Besatzern. Wegen der erwartbaren Strafaktion der Nazis nehmen Vater, Sohn und noch ein paar Dörfler zusammen mit den Neuseeländern in Koroni ein Fischerboot. Mutter und Geschwister bleiben zurück. Unterwegs sahen wir 16 Schiffe, die nach Kreta unterwegs waren. Einer der Neuseeländer hatte einen kleinen Spiegel dabei, damit machte er SOS-Signale, und ein britischer Kreuzer nahm uns an Bord. Sie sagten uns, dass die Deutschen Kreta eingenommen hatten, darum fuhren wir nach Ägypten.

Doch auch dort war kein Bleiben, als die Italiener wenig später Ägypten besetzten. Für die Flüchtlinge gab es nur zwei offene Länder: Indien oder Süd-Afrika. Der Vater entschied sich für Südafrika.
Dort fanden sie mithilfe der griechischen Gemeinde Unterkunft und Arbeit: der Vater als Arbeiter in einer Munitionsfabrik, der Sohn als Gehilfe in einem Laden. In den Augen der herrschenden Buren waren die Flüchtlinge „Dreck“.
Eines Tages wurde ich krank. Ein griechischer Arzt kam ins Zimmer hinter dem Laden und untersuchte mich. Ich sagte ihm, dass der Sohn vom Chauffeur des Ladenbesitzers ebenfalls krank sei, und ob er den nicht auch ansehen könnte. Die Antwort „Ich untersuche keine Schwarzen“. Schließlich kam ein Arzt vom ANC (Afrikanischen Nationalen Kongress) und untersuchte James. All das machte auf mich einen starken Eindruck, denn ich konnte nicht akzeptieren, dass die Schwarzen weniger Mensch sind als die Weißen“.
Inzwischen war ein Artikel über den Vater in einer Zeitung erschienen (Der griechische Bauer, der neuseeländische Soldaten rettete), darin auch ein Foto von Vater und Sohn Bizos. Am Tag drauf erschien eine Lehrerin, Cecilia Feinstein, im Laden, und fragte, ob ich zur Schule gehe. Nein. Am Montag begann sie ihn zu unterrichten. So schaffte er es, in sieben Jahren die nötigen Kenntnisse zu erwerben, um 1948 zum Jura-Studium zugelassen zu werden.

Wie Bizos Mandela kennenlernte: 1950 monierte der damalige Premierminister Daniel François Malan, dass in der Universität Schwarze und Weiße auf einer Bank säßen und Schwarze mit weißen Mädchen Arm in Arm promenierten. Die Univerwaltung verwies auf eine kleine Gruppe von Linken, die gegen die Apartheitsgesetze kämpfe. Am nächsten Tag hielt ich eine Rede und sagte: Wenn es mich zu einem Linken macht, dass ich mich mit meinen schwarzen Kommilitonen gleich fühle, dann bin ich stolz, links zu sein. Sein Kommilitone Nelson Mandela, Mitglied des ANC, las das in der Zeitung und suchte mich auf.  Nelson meinte, die Schwarzen müssten allein für ihre Rechte kämpfen. Er fragte mich, woher ich stamme, ich erzählte ihm von Griechenland und erklärte ihm meine Positionen und dass mich meine Erlebnisse radikalisiert hatten. Und so wurden wir Freunde.
… Es war nicht einfach, uns zu treffen, man brauchte eine spezielle Erlaubnis, um von Schwarzen bewohnte Stadtteile zu besuchen. Ich schaffte es ein paar mal heimlich. Seine Kindern fragten ihn, wieso er es zulasse, dass ein Weißer zu ihnen nach Hause kam. Er antwortete: Manchmal haben weiße Gesichter ein schwarzes Herz.”

Der Prozess von Rivonia: Sehr früh schon entschied sich Giorgos Bizos, die Verteidigung von Menschenrechtskämpfern zu übernehmen. Und so bekam er auch eine führende Rolle in der Verteidigung der 13 Angeklagten im „Prozess des Jahrhunderts“, der vom 8. Oktober 1963 bis zum 12. Juni 1964 dauerte. Damals, so heißt es, habe Giorgos Bizos Nelson Mandela vorm Galgen gerettet. Mandela, damals 46, hielt eine Verteidigungsrede, die später zur ideologischen Grundlage des Kampfes gegen die Apartheit wurde. „Ich kämpfte gegen die Vorherrschaft der Weißen und gegen die Vorherrschaft der Schwarzen. Ich träumte vom Ideal einer demokratischen und freien Gesellschaft, wo alle Menschen in Harmonie und mit gleichen Chancen zusammen leben. Es ist ein Ideal, für das ich hoffe zu leben und es zu erreichen. Wenn es aber nötig ist …, so ist es ein Ideal, für das ich auch bereit bin zu sterben.“

Bizos: „Ich warnte ihn, dass seine Formulierung – er sei bereit zu sterben -, ihm die Anklage einbringen werde, dass er Märtyrer zu werden wünsche. Ich sprach ihm von Sokrates und dessen Verteidigungsrede…Schließlich kamen wir überein, dass er das Wörtchen „notfalls“ (if needs be) einfügte. Diese drei Wörtchen – und der weltweite Protest gegen ein Todesurteil – veränderten den Gang der südafrikanischen Geschichte. Mandela wurde zu lebenslänglich verurteilt und kam am 11. Februar 1990 nach 27 Jahren schwerer Haft frei.
Giorgos Bizos hat bis heute nicht aufgehört, Menschenrechtsaktivisten zu verteidigen. Er und seine Familie wurden oft mit dem Tod bedroht, und sogar einige Mitglieder der griechischen Gemeinde distanzierten sich, da sie Ärger fürchteten.

Der Tag der Vereidigung von Nelson Mandela zum Präsidenten der Republik Südafrika im Mai 1994 sei der erschütterndste seines Lebens gewesen. Er saß bei den Ehrengästen, als Mandela ihn vor den versammelten 80 000 Menschen übers Mikrofon rief, sich an seine Seite aufs Podium zu stellen. Oft hat Mandela ihm politische Ämter angetragen. Aber er wollte nicht indie Politik. „Ich war es zufrieden, die Menschenrechte zu verteidigen“, sagt er.

Heimweh: Dreißig Jahre vergingen, bis Bizos seine alte Heimat und seine Familie in Vassilitzi wiedersah.  1941 hatte ich zuletzt meine Mutter gesehen, sie kam dann 1964 nach Südafrika. Ich selbst konnte nicht nach Griechenland und hatte Angst, man würde mir auch die Wiedereinreise nach Südafrika verweigern. Wegen seines politischen Engagements wurde ihm die griechische Staatsbürgerschaft verweigert. 1972 half ihm endlich ein Richter, das Problem zu lösen. 1974 beteiligte sich Bizos an der Gründung einer griechischen Schule in Johannesburg, die vom ersten Tag an auch für schwarze Schüler offenstand.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Flüchtlinge, griechische Helden, Katastrophe, Krieg, Leben | Verschlagwortet mit , , , , , , | 29 Kommentare

Nach dem Unwetter

Nach dem Unwetter prangen Himmel und Meer in Feuerfarben. Am Morgen wissen sie nichts mehr davon. Hellblau und unschuldig, mit sanftem Schimmer, empfangen sie den morgendlichen Schwimmer.

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Leben, Natur, Psyche, Vom Meere, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 21 Kommentare

Montags ist Fototermin. Naturformen – Kunstformen

Es hat geregnet, welch Genuss! Draußen türmen sich neue Wolken. Doch für den heutigen Fototermin möchte ich nichts Neues zeigen, sondern in mein Archiv greifen. Was sich da nicht alles findet!

Ein Schneckenhaus und ein schönes Kunstwerk, das ich auf einer Athener Kunstmesse fotografierte (leider habe ich den Namen des Künstlers nicht notiert) – , eine Wüstenrose aus Ägypten und ein Akanthos von einer Tür in Stavropygio Mani-Dorf), ein blauer Glasklumpen von der Halde einer Glasfabrik in Jordanien, ein Blattgerippe auf verschieden farbigen Untergründen… Na schön, ich höre schon auf. Die Sonne ist auch wieder herausgekommen.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Kunst, Natur, Reisen, Skulptur | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 9 Kommentare

auf dem Rücken des Schwans

  Verschwitzt und müde träume ich mich auf den Rücken eines Schwans. Das Bild ist schon älter, der Traum ist immer jung.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen erholsamen Sonntag.

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Kunst zum Sonntag, Malerei, Meine Kunst, Psyche, Tiere, Träumen | Verschlagwortet mit , , , , | 7 Kommentare

Sein und Schein in der Malerei

Jedes abstrakte Bild hat in sich die Potenz, Konkretes zu gebären. Drum sehen auch die meisten in abstrakten Figurationen  irgendeine Person, einen Gegenstand, eine Situation… Viele können sich erst dann mit dem abstrakten Bild anfreunden, wenn sie etwas gefunden haben, das sie „kennen“.

Jetzt zeig ich euch erst mal mein letztes (abstraktes) Oeuvre, das ich „Chiffre“ nenne.

Es handelt sich um eine Zeichnung mit Kohle auf Papier, auf die ich zwei Packpapierestücke geklebt  und das Ganze mit einer zweifarbigen Pinsel-Zeichnung übergangen habe. Das ist die „Wahrheit“, ist das „Sein“ des Bildes: Papier, farbige Striche und Flecken…

Was danach kommt, ist die Illusion – die Welt des schönen Scheins. Dafür habe ich ein wenig nachgeholfen, und zwar so:

Das dunkle Gekrakel habe ich ein wenig nach oben hin ergänzt, habe den „Ölfarben-Filter“ von Fotoshop eingesetzt,   habe einen Bildausschnitt gewählt, den „Hintergrund“ der „Figur“ vereinheitlicht und ein wenig gedreht, damit sie aufrechter sitzt. Was entstanden ist, ist eine Szene mit einem konkreten Inhalt. Der Beschauer kann, wenn er will, sich in die Figur hineinversetzen. Vielleicht bist du es jetzt, die (der) dort in einem Rollstuhl oder Sessel sitzt. Du wendest den Kopf in die Tiefe des Bildes und träumst dich inmitten bläulicher Pflanzen hinaus in den verbleichenden Abend.

Veröffentlicht unter Allgemein, die schöne Welt des Scheins, Kunst, Leben, Malerei, Meine Kunst, Methode, Psyche, Träumen, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | 26 Kommentare

Kopenhagen 1801 (Sten Nadolny)

Ich lese mich grad ein zweites Mal durch Nadolnys Roman „Die Entdeckung der Langsamkeit„*. Eine Szene, die mir schon beim ersten Lesen hängengeblieben ist und nun mit erneuter Wucht zuschlägt, ist die Seeschlacht von Kopenhagen (Kapitel Kopenhagen 1801). Ein Meisterstück der Genauigkeit und zugleich Absurdität des Krieges. „Der Trekroner und die anderen Geschütze trafen in einem fort. Für einen, der immer etwas spät reagiert, geht bei solchen Stößen jeder Halt verloren. Am schlimmsten waren die eigenen Breitseiten. Das Schiff schien jedesmal einen Satz zu machen. Die gute Ordnung ging weiter, wie er sie gelernt hatte. Nur war ihr Zweck jetzt, dem Gegner das Chaos zu schicken, und das kam wieder zurück mit jener Plötzlichkeit, die John nicht liebte.“

Prägendes Erlebnis für den Helden der Geschichte, John Franklin, der erstmals einen ihm völlig unbekannten Menschen umbringt. „Die Kehle war warm, die Haut weich. John hatte noch nie einen Menschen so lange angefasst. Jetzt war das Chaos wirklich da, die Schlacht innerhalb seines Körpers. Denn die Nerven, die zu seinen Fingern gehörten, fühlten …., wie die Kehle – schnurrte! Sie vibrierte, zart und elend, ein tief elendes Schnurren.“ (S. 64). Und dann all die anderen Toten, denen er sich zugehöriger fühlt als den Lebenden: „Ein Ausruf ließ ihn nach unten blicken: im klaren flachen Wasser lagen zahllose Erschlagene auf dem Grund, etliche mit blauen Rücken, viele mit geöffneten Augen nach oben sehend. Schrecken? Nein. Natürlich lagen sie da.“ (S. 65-66)

BILDAUSSCHNITT

 

Dies Bild entstand gestern, nach gründlicher Überarbeitung eines früheren. Es ist keine Illustration (meine Bilder sind nie Illustrationen) und steht für sich, aber ich finde, es gibt ein wenig vom sinnlosen Schrecken einer Seeschlacht wieder. Pappe, Kohle, mit etlichen eingeklebten, übermalten Papieren, Akryllpulver, Kleister.  Format 60 x 120 cm.

——

*Sten Nadolny, Die Entdeckung der Langsamkeit, April 1987. Piper Verlag, München. Das Titelbild der Taschenbuchausgabe (von Isolde Ohlbaum) basiert auf einem Gemälde von William Turner: The Fighting Temeraire tugged to her last berth to be broken up, 1838. Alles Wissenswerte dazu findest du hier. Und hier das Gemälde von Turner, den Briten von 2005 ihr „liebstes Bild“.

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Dichtung, Katastrophe, Krieg, Kunst, Malerei, Meine Kunst, Psyche, Vom Meere, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 21 Kommentare

Fluchtweg

 

Woher, wohin? durch Dickichte und Wüsten, Steppen und Städte, durch Ungemach. Vorwärts, immer vorwärts. Wohin? Quo vadis? Ins Freie.

ins Freie

Fluchtweg (c) Gerda Kazakou

Kohlezeichnung auf Papier, 50 x 70 cm

 

Dies habe ich eben unter dem Stichwort Wohin, quo vadis auf dem Mitmachblog veröffentlicht. Leider fand ich dort keine Einstellung zum Rebloggen.

Für meine Kunst-interessierten Leserinnen und Leser noch eine Vorstufe der Zeichnung und ein paar Details.

zum Vergrößern bitte anklicken.

Mit Erschütterung las ich heute  vom Tod des chinesischen Kämpfers für Freiheit und Menschwürde  Liu Xiaobo, der in Abwesenheit mit dem Nobelpreis geehrt wurde. Für ihn gab es keinen anderen Fluchtweg in die Freiheit als durch die Pforte des Todes.

Ich fand den Bericht im Checkpint Tagesspiegel (newsletter)

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Flüchtlinge, Leben, Meine Kunst, Psyche, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 12 Kommentare

Feuerwellen – Meereswellen

An Tagen wie diesen, an denen das Thermometer tagsüber um die 40-Grad-Marke herumschwankt, kühle ich mich in Meereswellen, sobald die Feuerwellen der Sonne meinem Organismus allzu heftig zusetzen. Im Bild stellte sich mir dieses Wechselbad so dar:

Ich mag das Bild auch gedreht. Dann sehe ich ein gewaltiges Meer auf mich zurauschen, während sich ganz oben, lächerlich schwach und unbedeutend, schwankend die Aktivitäten der Menschen entfalten.

Das Bild hat dasselbe Format wie die vorigen: 70 x 100 cm, graue Pappe, Kohlezeichnung, Akryllpigment, Kleister als Bindemittel.

Veröffentlicht unter Allgemein, Leben, Malerei, Meine Kunst, Natur, Psyche, Vom Meere, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 9 Kommentare

Poseidonisches

Das gestrige Bild zeigte die Wirkung des Seismos (Erdbeben). Ich habe es heute überarbeitet und es nun dem „Erderschütterer“ Poseidon gewidmet. Er ist ein älterer Bruder von Zeus, herrscht über die Meere und lässt, wenn er wütend ist, die Erde beben.

Poseidon, der Erderschütterer

Meine Überarbeitung ist die bildnerische Fortsetzung der Passage aus der „Klassischen Walpurgisnacht“ (Faust II), aus der ich gestern zitierte. Es ist eine wüste Anfangswelt, die Goethe uns zeigt und durch die seine Helden Faust und Mephistopheles ihren Weg bahnen. Eben ist ein neuer Berg entstanden – eine gute Gelegenheit für die beiden Philosophen Thales* und Anaxagoras*, sich über das „erste Prinzip“ der Weltentstehung zu streiten.** Ist es das Poseidonische (Neptunische) oder das Vulkanische (Plutonische) , das Wasser oder das Feuer?

Anaxagoras (zu Thales).
Dein starrer Sinn will sich nicht beugen,
Bedarf es weit’res dich zu überzeugen?

Thales.
Die Welle beugt sich jedem Winde gern,
Doch hält sie sich vom schroffen Felsen fern.

Anaxagoras.
Durch Feuerdunst ist dieser Fels zu Handen.

Thales.
Im Feuchten ist Lebendiges erstanden.

Anaxagoras.
Hast du, o Thales, je, in Einer Nacht,
Solch einen Berg aus Schlamm hervorgebracht?

Thales.
Nie war Natur und ihr lebendiges Fließen
Auf Tag und Nacht und Stunden angewiesen.
Sie bildet regelnd jegliche Gestalt,
Und selbst im Großen ist es nicht Gewalt.

Anaxagoras.
Hier aber war’s! Plutonisch grimmig Feuer,
Aeolischer Dünste Knallkraft, ungeheuer,
Durchbrach des flachen Bodens alte Kruste
Daß neu ein Berg sogleich entstehen mußte.

Thales.
Was wird dadurch nun weiter fortgesetzt?
Er ist auch da, und das ist gut zuletzt.
Mit solchem Streit verliert man Zeit und Weile
Und führt doch nur geduldig Volk am Seile.

 

 


 

*Thales (6. Jh vor Chr) vermutete als „erste Ursache“ das Wasser, Anaxagoras (5. Jh vor Chr) das feurige Element oder auch den Geist. Jedenfalls nimmt man das an, denn das wenige, was uns von den beiden Philosophen überliefert ist, stammt von Aristoteles.

**Zu Goethes Zeit tobte ein heftiger Streit unter den Gelehrten,  welches die treibenden Kräfte bei der Bildung der Erdoberfläche gewesen seien: die vulkanischen oder die neptunischen. (Der römische Gott Neptun entspricht ungefähr dem griechischen Poseidon). Goethe war an dem Thema sehr interessiert, und so lässt er in Faust II, in der „Klassischen Walpurgisnacht“ die beiden antiken Natur-Philosophen auftreten.

Es scheint mir, dass Goethe dem Thales mehr Sympathie entgegenbrachte, denn er hasste die Vorstellung abrupter Entwicklungen und Brüche.  Ein wenig macht sich Goethe hier wohl auch lustig über die hitzköpfigen Gelehrten seiner Zeit.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, alte Kulturen, Dichtung, Malerei, Meine Kunst, Mythologie, Natur, Umwelt, Vom Meere, Zeichnung | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | 12 Kommentare