Gestern war ich, ich schrieb es, unterwegs im Taygetos. Eine Freundin hatte mich mitgenommen zum Kirchlein des Propheten Elias, denn es war sein Namenstag – Anlass für ein „Panigiri“. Obgleich recht schwer zugänglich über einer gewaltigen Schlucht gebaut, hatten sich viele Menschen eingefunden in dem mit Fresken und alten Ikonen geschmückten Kirchenraum, und auch davor versammelten sich viele, denn man kennt sich, man freut sich, bei solch einem Anlass aus den Städten zurückzukehren in den ehemals heimatlichen dörflichen Zusammenhang.
Da traf mich mitten im heiteren Licht des Vormittags und während die Priester im Kirchlein des Propheten Elias die Liturgie sangen, ein uraltes Grauen, und ich floh weg von den Menschen, nahm die Straße unter meine Füße. Der Grund: ich habe eine kleine gefesselte Ziege gesehen,
dann noch eine und ein wolliges Schaf, und in meinem Inneren rollen Bilder von Schlachtung und Opfer ab. Sie würden die Tierlein schlachten, die Innereien verbrennen, um sie den Göttern zu opfern, die Kadaver braten, aufteilen und verzehren. So war es immer, so wird es auch heute sein.
Panik. Stammelnd flüstere ich meiner Freundin zu: ich muss hier weg. Sie werden die Tiere töten. Ach was! sagt sie, sie werden verlost. Hast du nicht gesehen, dass sie Lose verkaufen?
Verlost also. Ich kann wieder atmen. Aber weg muss ich dennoch, schnell, um mein seelisches Gleichgewicht wieder zu finden.
Unterwegs treffe ich einen älteren Mann, er spricht mich an, hat Lust zu klönen. Einen kleinen „Baktse“ (Gärtchen) hat er unter den Olivenbäumen angelegt, lebt von den Tieren: Ziegen und Schafe.
Gemeinsam schauen wir hinunter zum Meer, das sich hellblau zwischen den Kuppen der Hügel zeigt. Der Tod ist noch einmal an mir vorbeigegangen.

Was einige weise Griechen zum Verzehren von Fleisch sagen:
Pythagoras (um 582–496 v. Chr.): Welch ein vermessenes Tun, im Fleische das Fleisch zu versenken, den begehrlichen Leib mit verschlungenem Leibe zu mästen und mit des Lebenden Tod ein Lebender sich zu erhalten!
Pythagoras: Wer mit dem Messer die Kehle eines Rindes durchtrennt und beim Brüllen der Angst taub bleibt, wer kaltblütig das schreiende Böcklein abzuschlachten vermag und den Vogel verspeist, dem er selber das Futter gereicht hat – wie weit ist ein solcher noch vom Verbrechen entfernt?
Aristoteles (384–322 v. Chr.): Wie der Mensch in seiner Vollendung das edelste aller Geschöpfe ist, so ist er, losgerissen von Gesetz und Recht, das schlimmste von allen.
Plutarch (45–125 n. Chr.): Könnt ihr wirklich die Frage stellen, aus welchem Grunde sich Pythagoras des Fleischessens enthielt? Ich für meinen Teil frage mich, unter welchen Umständen und in welchem Geisteszustand es ein Mensch das erstemal über sich brachte, mit seinem Mund Blut zu berühren, seine Lippen zum Fleisch eines Kadavers zu führen und seinen Tisch mit toten, verwesenden Körpern zu zieren, und es sich dann erlaubt hat, die Teile, die kurz zuvor noch gebrüllt und geschrien, sich bewegt und gelebt haben, Nahrung zu nennen.
Plutarch: Um des Fleisches willen rauben wir ihnen die Sonne, das Licht und die Lebensdauer, die ihnen von Geburt an zustehen. …. Wenn ihr nun behaupten wollt, daß die Natur solche Nahrung für euch vorgesehen hätte, dann tötet selbst, was ihr zu essen gedenkt – jedoch mit euren naturgegebenen Mitteln, nicht mit Hilfe eines Schlachtmessers, einer Keule oder eines Beils.
Empedokles (um 483–423 v. Chr., griechischer Naturphilosoph und Prophet): Werdet ihr nicht der fluchbeladenen Schlachtung ein Ende bereiten? Seht ihr nicht, daß ihr euch in blinder Unwissenheit der Seele selbst zerstört?
Und ich?