Sie verehrten uns, sie verbrannten uns

Auf der Suche nach großformatigen Leinwänden, die ich übermalen könnte, stieß ich heute auf diese drei Göttinnen, die über ihr Schicksal klagen. Eigentlich sind es vier, aber die eine wurde bereits verbrannt.

„Sie verehrten uns, sie verbrannten uns“, (c) Gerda Kazakou 1993

Ich habe dies Bild zusammen mit vielen anderen Figurenbildern im Jahre 1993 im Goethe-Institut Athen ausgestellt. Das GI-Institut organisierte damals eine Ausstellungsreihe mit dem Titel „Wechselwirkungen“. Abwechselnd zeigten deutsche in Griechenland lebende und griechische in Deutschland lebende Künstler und Künstlerinnen ihre Arbeit. Es war eine schöne Initiative, die leider nicht wiederholt wurde.

Wie schon in einem früher gezeigten Beispiel habe ich dasselbe Modell in drei Positionen abgebildet und so eine Mehrfiguren-Komposition geschaffen. Nur die mittlere Figur ist  plastisch ausgearbeitet, bei der linken habe ich ein paar Schatten angebracht, die rechte ist eine reine Umrisszeichnung auf der grundierten Leinwand ohne weitere Bearbeitung. Gemalt habe ich mit Akryllpigmenten und Kleister.

„Warum schneidest du immer die Köpfe ab?“ verlangte eine Freundin zu wissen. „Aus kompositorischen Gründen“, gab ich zur Antwort. „Das Format ist extrem, 120 mal 60 cm, da würden sich die Figuren im Raum verlieren. So halte ich sie im Vordergrund fest, wo ich sie haben will. Auch brauchen die abgesetzten Göttinnen keine besonderen Kennzeichen mehr.“

Ich habe dieses Bild heute nicht übermalt.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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16 Antworten zu Sie verehrten uns, sie verbrannten uns

  1. eulenschwinge schreibt:

    Sehr gut, dass Du es nicht übermalt hast. Ich finde es sehr beeindruckend. Zum Langedrübernachdenken.

    Gefällt 1 Person

  2. kunstschaffende schreibt:

    Liebe Gerda,
    mittlerweile weiß ich ja, dass Du Deine malerische Philosophie nach Panta rhei praktizierst, aaaber hätten das die großen Meister so wie Du gemacht, wären sicher nicht soviele wundervolle Werke übrig geblieben!
    Ich bin froh, dass Du dieses wundervolle Werk nicht übermalt hast! Ich möchte garnicht wissen, wie viele Du reinkarniert hast🙈
    Allerdings, Du bist die geniale Künstlerin und es ist Deine Arbeitsweise! Vielleicht werden Deine Werke in 200 Jahren freigekratzt und es ist dann ein Wunder, was man darunter findet!😉 In meinem nächsten Leben bin ich Galeristin und entdecke dann Deine Technik! Nein, Scherz beiseite, ich finde Deine Werke, die Du uns bis jetzt gezeigt hast einfach fantastisch! Ich würde gerne noch ganz viel Werke aus diesen Zeiten von Dir sehen!

    ❤liche Grüße Babsi

    Gefällt 3 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Danke Babsi, ich lache! Meine Bilder egal in welcher Form werden nach meinem Abscheiden nicht den Kunstmarkt mästen sondern in der dann hoffentlich endlich gebauten Recyclingfabrik in Papiermasse verwandelt werden. Sogar die hochverehrten Göttinnen hatten dies Schicksal. 🙂

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  3. Ulli schreibt:

    Da bin ich froh, dass du dieses Bild nicht übermalt hast!
    Sie verehrten uns, sie verbrannten uns … wie wahr, wie schrecklich wahr!
    liebe Gerda, ich sende dir späte Herzensgrüße
    Ulli

    Gefällt 2 Personen

  4. kopfundgestalt schreibt:

    Der Titel tut mir weh.
    Im übrigen:
    Bei Fotoportraits, von denen ich viele um 2001 machte, schnitt ich die Köpfe immer an. Ich gewahre erst jetzt, daß viele das wohl nicht gut fanden.
    Übrigens: Ich habe auch einige Akte modelliert. Da ist es erstaunlich, wie man beim Herumgehen um das Modell fast ständig den plastischen Akt nachkorrigieren muß.
    Ich bringe demnächst einige Beispiele.

    Schönes, leicht expressives Bild im übrigen..

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  5. www.wortbehagen.de schreibt:

    Der Mensch ist schnell im Verehren und noch schneller im Verdammen. Das Weiblich-Verehrungswürdige wurde mit Argusaugen betrachtet und vorsichtshalber verbrannt …
    Ich schicke Dir einen Garten, der von seidenen Fäden geschützt ist
    http://wortbehagen.de/index.php/gedichte/2007/juli/gesponnene_seide

    Ich bin übrigens auch sehr froh, daß Du das Bildnis der klagenden Göttinnen nicht übermalt hast!

    Liebe GHrüße in die Nacht von Bruni

    Gefällt 1 Person

    • gkazakou schreibt:

      ich war grad in deinem Zaubergarten. Und gehe nun noch ein wenig in meinem spazieren und sinnieren

      Gefällt 1 Person

      • www.wortbehagen.de schreibt:

        Ich weiß ja, dass du auch eine hast, liebe gerda.
        Deshalb öffnete ich.meinen für dich. Die Stille wird dir gutun. Sie öffnet deinen Gedanken ein Tor.
        Schlaf gut und sei lieb gegrüßt von mir

        Gefällt 1 Person

  6. gkazakou schreibt:

    Hat dies auf GERDA KAZAKOU rebloggt und kommentierte:

    Zum Weltfrauentag: Eben las ich etwas von „Verehren“ – und beim Herrn Dilettanten las ich etwas undkommentierte zu Kopf und sonstigem Körper. Da fiel mir dieser Blog-Eintrag ein, den viele von euch ja kennen. Aber man darf sich gelegentlich wiederholen, finde ich.

    Gefällt 1 Person

  7. Pingback: Skizzieren im Olivenhain und bei Babis | GERDA KAZAKOU

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