Abstraktes (2)

Nach all den vielen Außeneindrücken der letzten Tage musste ich mal wieder ins Atelier und in mein Inneres hinabsteigen. Dabei entstand die folgende Chiffre.

graue Pappe 70×100 cm, Kohlezeichnung, aufgeklebtes Japanpapier, rote Ölkreide, Akryllpigmente mit Wasser.

Hier noch mal das Ganze und zwei Details. Man kann die Bilder zwecks Vergrößerung anklicken

 

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1967-2017. Unterwegs in Arkadien (zum Apollon-Tempel von Bassae und nach Karitaina)

E schreibt mir heute, als Erwiderung auf meinen Blog-Beitrag zu Bassae: „Ich war 1967, im Oktober, dort. Wir sind hingewandert…viele Stunden lang. Ein Hirte, der zu seiner Herde wollte, holte uns ein…wir gingen eine lange Zeit zu Dritt. Sein wiegender, ruhiger, großer Schritt bestimmte unseren Rhythmus—und das Schauen.“

„Der Hirte, der zu seiner Herde wollte. Sein wiegender, ruhiger, großer Schritt“.

Das war vor 50 Jahren. Und so ist es (fast) noch heute. Zwar: der Tempel ist jetzt verpackt. Aber: Die Herden grasen immer noch frei, ohne ihren Hirten, der nur manchmal nach ihnen schaut.  Vielleicht hat er jetzt ein Moped und sein ruhiger Schritt ist ihm abhanden gekommen. Auch wir waren im Jahr 2017 nicht per pedes, sondern per Automobil unterwegs zum Apollon-Tempel.

Doch: Am Wegesrand,  im Schatten eines Eichen-Wäldchens ruhte eine Ziegenherde. Zwei riesige Böcke standen bei den Weibchen – dunkler als meine liebliche Myrte. „Pan“, sagte P, als sie sie erblickte. Pan, der große Gott der freien Natur, sein Name bedeutet „All“. Hier ist er daheim, der Ziegenbock-Gestaltige, All-Gewaltige: in Arkadiens Bergwelt. Immer noch. Wenn du ihn erblickst, stockt dir der Atem.

Ich pirschte mich vorsichtig an die Gruppe heran, um sie nicht aufzuschrecken.

 

Doch auch in Arkadien wechseln die Zeiten – wenn auch sehr langsam. Auf dem Rückweg, nahe dem Dorf Karitaina,  sahen wir andere Herden: Rehe und Rehböcklein, dazu auch den einen und anderen Vogel Strauß. Sie bewegten sich auf eingezäunten Flächen. Sie grasten das spärliche Grün ab und nahmen die Blätter, die wir vom Wegrand rauften, gierig entgegen.  Wildbraten ist eine Alternative zu den üblichen Fleischgerichten. Ich bin froh, dass ich den Tieren freundlich ins Auge blicken konnte. Ich esse sie nicht mehr.

 

 

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Heilgott Apoll und der Dreifuß

Zum Tempel des Epikurios Apollon von Bassae, in die Bergwelt Arkadiens, fuhren wir – drei Frauen – vorgestern. Ich wusste, was mich erwartete, und mein Herz war nicht fröhlich, sondern schwer. Denn der gewaltige sonnenhungrige Bau steckt seit 30 Jahren unter Zeltplanen, angeblich provisorisch, solange die Renovierung anhalten würde. Ich habe ihn vorher besucht, frei und mächtig atmete er in der düsteren Bergwelt. Zwar, die großartigen Reliefs des Frieses hat schon 1815 ein eifriger Herr namens Charles Robert Cockerell ins British Museum nach London geschafft, wo sie neben den Friesen der Akropolis und etlichen marmornen Göttern aus Hellas ein trauriges Schattendasein führen. Aber immerhin war der Bau, der bereits Anfang des 20. Jahrhundert wieder aufgerichtet wurde, noch frei zugänglich, und zwischen den schweren Säulen erblickte ich die wabernden Schwaden des Nebels jenes Novembertags.

(Fotos von einem Video, das den Fortgang der Renovierungsarbeiten zeigt. Zum Vergrößern bitte anklicken)

Beim nächsten Besuch dann die große Enttäuschung, ja Wut: der Löwe im Käfig. Die riesigen Glieder in starren Korsetten aus Metall, verschraubt, vernagelt. Warum? Die gemauerte Basis des Tempels stehe auf mürben Felsplatten, die Säulen drohten zu stürzen und zu zerbrechen, erfuhr ich, und für eine gründliche Sanierung fehlte das Geld (und vielleicht auch der Wille).  Das Zelt habe die französische archäologische Gesellschaft spendiert, es sei eine einmalige bemerkenswerte Konstruktion. Nun, vielleicht.

Vorgestern also sah ich, dass die Renovierungsarbeiten seit langem zum Stehen gekommen sind. Das Gerüst beginnt zu rosten, das Zeltdach hat Löcher. So wärmte und beschien die liebe Sonne jedenfalls ein paar Flecken der Säulen, was mich irgendwie tröstete.

Wer mehr über die Entstehung und Bedeutung des Tempels erfahren will, findet etliche  Berichte im Netz, zB hier und hier.  Ich aber gehe hinaus, wandere umher, treffe irgendwann meine beiden mitreisenden Freundinnen, auch sie allein, und ohne ein Wort zu wechseln finden wir uns auf Steinplatten unter Eichen ein, sinnen, meditieren, bis eine sich zu der anderen setzt, drei Rücken lehnen sich aneinander, sechs Hände fassen sich und legen sich fest auf die Steinplatte, als seien sie verankert, drei Hinterköpfe begegnen sich, wir werden eins, zusammengeschweißt zum heiligen Dreifuß wie der, der der Pythia von Delphi zum Weissagen diente.

All das geschieht absichtslos,  lautlos. Lange bleiben wir so, nur die Köpfe trennen sich irgendwann, während der Körper als feste solide Basis bewegungslos verharrt. Keine kann und will sich lösen, und wir mögen wohl einen merkwürdigen Anblick geboten haben den Kindern, die vom Tempel heruntergelaufen kamen, um zu spielen.

  Wir sind uralt, zusammengewachsen, auf der Steinplatte verankert, nur unsere Köpfe drehen und wenden sich leicht. Mein Gesicht ist nach Osten gerichtet, auf die Flanke des verhüllten Tempels. M schaut nach Südwest, P nach Nordwest. Jede überblickt einen Kreisabschnitt von 120 Grad, und so teilen wir uns den Weltenkreis, den wir nur gemeinsam erfassen können.

(Fremdes Foto)

Ich denke: Wir sind Hekate, die Dreifaltige Göttin, Bewacherin des Dreiwegs. Auf unseren Häuptern tragen wir die Schale mit dem irdischen Feuer dem himmlichen Feuer entgegen. Wir sind die Mütter, die den Dreifuß bewachen: „Göttinnen thronen hehr in Einsamkeit, um sie kein Ort, noch weniger eine Zeit“ (Faust II, 1. Akt gegen Ende).

Irgendwann lösen wir uns von einander, tief entspannt. Wir beginnen wieder herumzuwandern, treffen uns wie selbstverständlich an einer gewaltigen Eiche.

Ihr Stamm ist im unteren Teil merkwürdig verformt und hohl, doch widersteht sie jedem Sturm, fest und unerschütterlich in ihrer Höhe. Wenn du dich gegen ihren Stamm lehnst, fühlst du ihre Kraft.

 

 

 

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ein Bild ohne Titel

Dies Bild machte ich gestern. Unten die Entstehungsphasen. Die gelbstichigen Bilder sind bei Lampenlicht aufgenommen, die anderen draußen. Einen Titel habe ich auch, aber den verrate ich nicht. Denn du siehst vielleicht was ganz anderes. „Ein Bild wird erst vollständig durch seinen Betrachter“. Wer sagte das? Vergessen.

Material: Pappe 70 x 100, Klebeband, Kohle, Papiere, Akryllpigmente mit Kleister. Wenn du mehr sehen willst: Anklicken.

Heute war ich den ganzen Tag unterwegs in Messinien und Arkadien, sah schöne Dörfer, den gewaltigen Tempel des Apoll in Bassai und eine große Landschaft. Morgen mehr davon. Gute Nacht!

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Die Ziege Myrte. Mittwochs-Beitrag zur Tier-Ethik

Heute ist Mittwoch. Das ist der Tag, an dem Nadja und ich zusammentragen wollen, was sich für uns im Laufe der Woche zum Thema „Mensch und Tier“ ergeben hat. Als da wäre:

Seit dem 21. Juli („Uralte Schauer“) esse ich kein Fleisch mehr. Mir fällt die Umstellung auf fleischlose Ernährung leicht, zumal die griechische Küche viele leckere Gemüsegerichte kennt, die auch in Tavernen angeboten werden. Wenn mich doch ein Gelüste ankommt, führe ich mir das Zicklein vom Propheten Elias (s.o.) vor Augen und fühle, wie mein Herz sich ihm zuneigt. Mein Verhältnis zu Tieren wird unschuldiger und wärmer. Käse, Eier, Joghurt esse ich weiterhin und freue mich an der Vorstellung, wie ein Bauer, eine Bäuerin die Tiefe füttert, melkt, die Milch zu Joghurt und Käse verarbeitet. Denn ja, hier herum gibt es noch viele winzig kleine bäuerliche Betriebe, die von diesen Arbeiten leben.


Ich habe dem Zicklein einen Namen gegeben. Das war gar nicht so einfach. Ulli, Katrin, Gerda, Susanne, Margarita? Klaus, Martin, Joseph, Ludwig, Salomon? Alles durchaus schöne klangvolle Namen … aber würden die menschlichen Träger ihren Namen gern mit einem Zicklein teilen wollen? Schließlich verfiel ich auf Μυρτώ, Myrte. Ein griechischer Vorname für Mädchen, hergeleitet aus der Myrte. Die wächst in unseren Macchien, die weißen Blüten verströmen ihren Duft in der mittäglichen Hitze, öffnen die Atmung, betören die Sinne. Sie ist der Aphrodite geweiht, verspricht Jugend und Schönheit und immerwährende Liebe, daher tragen die Bräute einen Myrten-Kranz und pflanzen ein Zweiglein davon in einen Topf. Möge er gedeihen wie die Liebe in der eben gegründeten Familie.
Bildquelle: ΣΜΥΡΤΙΑ-botanakaiygeia.blogspot

Und was hat die Myrte mit dem Zicklein zu schaffen? Soll sie etwa als Gewürz für den Hochzeitsbraten dienen? Ja, das auch. Aber nicht mehr für mich. Für mich hat es sich ausgehochzeitet. Nein, ich lasse das Zicklein grasen. Hart ist das lanzettartige Myrtenblatt, aber was eine tüchtige Ziege werden will, wird es schon abbeißen und verdauen lernen.

Nadia Baumgart, Kleine Ziege

Danke Nadia für das entzückende Aquarell, mit dem du Myrte geehrt hast! Und ihr, liebe Leserinnen und Leser, werft einen Blick in Nadias Blog zur Tierethik und betrachtet noch zwei weitere herrliche Tier-Aquarelle!

Und nun, Nadia, zu deinen Fragen zur Tier- Ethik:
Ich habe nachgedacht, was denn eigentlich Ethik (hier: Tier-Ethik) sei. Mir scheint, es gibt da vier Ebenen, auf denen sich die Frage bewegt: was ist gut, was schlecht?
Ebene 1: Die gesetzlichen Bestimmungen. In einer Demokratie sind sie Ergebnis eines kontinuierlichen Prozesses der Konsensfindung. Dabei geht es um Ausgleich zwischen verschiedenen Interessen von Bauernverbänden, Konsumenten, Pharmazeutischen Herstellern, Handel und vielen mehr. Hier setzen auch die Tierschützer an, wenn sie auf nationaler oder europäischer Ebene Schutzgesetze für Tiere durchdrücken wollen (Einschränkung der Tierversuche, Mindestraum pro gehaltenem Tier, Grausamkeitsverbot, Chips für Haustiere etc pp).
Darunter Ebene 2: Die in einer Gesellschaft allgemein akzeptierten Verhaltensweisen. Da gibt es weltweit und historisch unendlich viele Varianten. Ein Tierschützer hatte früher und hat heute in Deutschland andere Freunde und Feinde als zB in China, Arabien, Indien, Japan, Zaire… In Deutschland isst man keine Hunde, keine Katzen, kein Pferdefleisch, man backt keine Schildkröten, häutet keine Schlangen – Punkt. Wer das tut, ist ein Barbar. Ob er strafrechtlich verfolgt werden kann (Ebene 1), weiß ich nicht. In vielen anderen Gesellschaften ist all das erlaubt, aber Pets sind verpönt. Wer Katzen und Hunde zu seinem Zeitvertreib im Haus hält, ist wohl pervers. Er gefährdet auch die Gesundheit seiner Kinder. Tiere müssen nützlich sein, sonst  haben sie keinen Platz bei den Menschen. Vielerorts verjagt man alt gewordene Esel, Pferde und Kamele – ganz wie im Märchen der Bremer Stadtmusikanten.
Darunter Ebene 3: meine persönlichen Überzeugungen. Was halte ich für gut und richtig, was für abscheulich, auch wenn es strafrechtlich zulässig und gesellschaftlich toleriert ist? Meine bäuerlichen Nachbarn und ich haben da recht unterschiedliche Auffassungen. Und leider neige ich wie die meisten Menschen dazu, meine Überzeugungen zu verallgemeinern. Was ich schrecklich finde, „sollte verboten werden“ und was ich gut finde, „sollte erlaubt sein“. ZB lasse ich meinen Hund – obgleich das verboten ist (Ebene 1) und von vielen Griechen nicht gern gesehen wird (Ebene 2) – meistens frei laufen. Ich finde es unerträglich, Hunde an der Kette zu halten – was freilich weder verboten noch verpönt ist. – Es sind die ganz persönlichen Überzeugungen, die den Tierschützern die Kraft geben, auch dann zu kämpfen, wenn sie sich die lokalen Gesellschaften zu Feinden machen.
Ganz tief darunter liegt die eigentliche ethische 4. Ebene, aus der sich alle anderen irgendwie speisen. Mit ihr befassen sich Philosophie und Religion. Hier stellt sich zB die Grundsatzfrage nach der Stellung des Menschen: ist er der Herr der Tiere oder ein Lebewesen unter anderen?

Wenn er der Herr ist, welche Verpflichtungen und Rechte erwachsen ihm daraus? Es bilden sich Sätze wie: du sollst nicht töten und Mach dir die Erde untertan.

Wenn er nur ein Lebewesen von vielen ist – welchen Lebensraum darf er, soll er für sich beanspruchen? Darf er Insekten vernichten, soll er Straßen wegen des Krötendurchmarsches untertunneln, muss er Biotope erhalten, darf er Urwälder roden? Soll er alles menschliche Leben erhalten, auch wenn das bedeutet, dass das tierische Leben verdrängt und vernichtet wird? Haben dem Menschen verwandte Tiere ein höheres Lebensrecht als die unverwandten? Gibt es böse und gute Tiere, schädliche und nützliche, schützenswerte und überflüssige, unabhängig von menschlichen Erwägungen? Sind Termiten böse? Tiger? Biber? Haben sie alle dasselbe Recht auf Leben, weil „Gott sie geschaffen hat“ ? Oder warum sonst?

Ich würde mich natürlich freuen, wenn ihr, die ihr mir bis hierher gefolgt seid, die eine oder andere Frage kommentieren würdet. Habt auf alle Fälle einen schönen Tag. Bei uns gibt es heute einen Eintopf aus frischen Erbsen, Kartoffeln, Karotten, Tomaten, Lorbeer, Olivenöl, Salz und Pfeffer. Dazu frischen Ziegenkäse mit Origano und Oliven-Öl. Und ein Glas Weißwein. Und natürlich ein Stück Bauernbrot. Hab ich was vergessen? Ja! Mein Mann ist der Koch.

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Nächtliche Stadt mit Milchstraße

Das Bild ist schon etwas älter, die Milchstraße habe ich jetzt hinzugefügt.

Leinwand, 50 x 70, Akryllpigment und Plastikfarben, Kleister und Wasser.

 

Aber durch die Mauer von Stein siehst du den Sternenhimmel, die Milchstraße, den Saturn; rot.

aus: Geog Trakl, Verwandlung des Bösen, 2. Fassung

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Montag ist Fototermin: Vergiss nicht zu leben

Der Abendhimmel lachte mich aus einem zerbrochenen Verkehrsspiegel an.

Erst beim Nähertreten sah ich die Message: Να μην ξεχνάς να ζεις. Vergiss nicht zu leben

Ich wünsche uns allen eine lebensvolle Woche.

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12-Monatsbild: mein Atelier im Juli

Zeilenende lud uns im Februar ein, an jedem letzten Sonntag des Monats ein Motiv zu fotografieren, um festzuhalten, was sich ändert, was gleich bleibt.

Hochsommer: Alles wächst zu, manches quillt über, wenn die heißen Tage des Juli herrschen, doch das meiste ist noch unreif. So ist es draußen im Garten, so drinnen im Atelier. Ich zeichne und male wieder großformatig, also stapeln sich halbfertige Bilder an den Wänden, stehen Rollen von Pappen, Papier und Leinwänden herum.  Das Chaos wächst, wenn die Hitze zunimmt und die ordnenden Kräfte nachlassen.

Hochsommer – da ist das Atelier auch Zufluchtsort, denn es ist der kühlste Raum des Hauses. Eine Liege zeugt davon, dass hier Herr und Hund ihre Siesta abhalten und mich zeitweise verdrängen.
Draußen schwellen die noch grünen Feigen, Massen von Quitten reifen am kümmerlichen Baum vor sich hin, die allerersten Granatäpfel röten sich. Der Feigenkaktus hat noch keine Früchte, und die unscheinbaren Oliven, die reichlich an den Bäumen hängen, sind noch grün. Die Zeit der Ernte ist noch nicht gekommen, weder drinnen noch draußen.

Weitere BloggerInnen, die am Projekt teilnehmen (ich hoffe, dieListe ist aktuell):

365tageimleben erlebt ihr kleines grünes Wunder

Agnes dokumentiert die Baustelle der Groth-Gruppe am Berliner Mauerpark

Amerdale zeigt das Wohnzimmer

Arno von Rosen zeigt die Eiche in Nachbars Garten

babelpapa baut einen Balkon

Chris zeigt den Baum vor seinem Fenster

frauholle52 blickt auf ihre Terrasse

Frau Rebis begleitet ihren Baum

Gerda Kazakou nimmt uns mit in ihr Atelier

Impressions of Life blickt auf Balkon und Garten

Lovely Rita Flowermaid zeigt die Discotasche

lukaslastofthetimelords begleitet seinen persönlichen Party- und Entspannungsbaum

lunarterminiert beobachtet ihren Schreibtisch

Meermond zeigt ihre Füße her

Mein Name sei MAMA nimmt uns mit unter den alten Kirschbaum

Mitzi Irsaj erinnert sich an den Ort, an dem 24 Olivenkerne im Münchner Rosengarten ruhen

Multicolorina rastet an einer Feldweg-Bank

Neues vom Schreibtisch zeigt den Park rund um die Reste des Garnisons-/Katharinenfriedhofs in Braunschweig

Petra Elsner zeigt die Bleiche am Döllnfließ

Random Randomsen hat einen geheimnisvollen Baum gewählt

rina.p macht einen Hofgang

Rubinkatze blickt über die Dächer Münchens

solera1847 nimmt uns mit auf die Gartenbaustelle

tallyshome zeigt ihr Wohnzimmer-Sofa

trienchen2607 richtet ihre Wohnung neu ein

Ulli blickt in die Weite

Wili lässt uns auf und in ihren schmucken neuen Topf gucken

wortgeflumselkritzelkram ist im Vorgarten

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Gesteinsausblühung oder: die Geschichte von Lot

Ich hatte, wie so oft, das Bedürfnis, Weiches gegen die Härte der Welt zu stellen. Nahm einen Kohlestift und zeichnete weich emporwachendes Pflanzliches, das die große Leinwand (80 x 100) freudig einnahm.

Schmückte es auch noch ein wenig aus, gab ihm ein stützendes Gerüst, so sehr, dass sich das Zarte Weiche ganz erstickt fühlte vor lauter Sicherungsmaßnahmen. (Wie immer: zum Vergrößern bitte Anklicken)

Da kippte ich das Bild, löschte die Härten ein wenig aus, und so entstand eine gebirgige Landschaft unter bewölktem Himmel, die sich sanft zu einem See, vielleicht auch zu einem Meer hinab senkt. Auch sie schmückte ich ein wenig aus mit Wäldchen und allerlei menschlichen Aktivitäten.

Dann aber war mein weicher Imuls erschöpft. Ich löschte das Bild aus, drehte es erneut, und wo vorher Pflanzliches aus dem Zentrum erwuchs, ist nun eine Leere, umgeben von Felsstrukturen, die eng und steil emporragen und herabstürzen, kaum einen Durchblick lassend auf ebenes Land und den Spiegel eines Sees.

Ein wenig drehte und wendete ich das Bild noch, fand den Horizont obsolet, betonte die Leere im Zentrum, indem ich sie mit Blau ausfüllte. Und nun wars eine versteinerte Familie: Vater, Mutter und Kind.  Nicht viel anders als Lots Weib, das sich umschaute  und zu Stein erstarrte, als es sah, wie Sodom und Gomorra versanken – so dachte ich und las die Geschichte nach.

Da fand ich, dass Sodom vermutlich am Toten Meer gelegen hat, wohlhabend und üppig. Doch seine Einwohner lebten nicht gottgefällig. „Sowohl im Tanach als auch im Talmud, aber auch in den Evangelien nach Matthäus (Mt 10,14 f. EU) und Lukas (Lk 17,29 EU) ist Sodom vor allem ein Symbol für Fremdenfeindlichkeit und den Bruch der Gastfreundschaft, nach Ez 16,49 EU auch mit Hochmut und Geiz.“ (Wikipedia). Lot nahm seine Familie und flüchtete auf Anweisung der beiden Engel, die er vorher bewirtet hatte (wärend ein Mob sie ausrauben wollte) ins Gebirge, Sodom ging unter. Entweder war es ein Erdbeben mit Austritt von Methangas, das sich entzündete, oder ein Meteoriteneinschlag, der die Stadt vernichtete, oder es war die rächende Hand Gottes.

Bei Wikipedia las ich ferner, dass es sich bei der Salzsäule, zu der Lots Weib erstarrte, „möglicherweise um eine Felsformation oder eine Gesteinsausblühung nahe Gebel Usdum südlich des Toten Meeres“ handele.

Das passt ja wunderbar, dachte ich. Ich habe, scheint’s, die Landschaft am Toten Meer gezeichnet, bevor sie zerstört wurde – Weiches, Wachsendes, ein Land, das sich freundlich zum damals noch nicht Toten Meer hinabsenkte. Dann habe ich es ausgelöscht wie Gott oder der Meteorit damals, und zurück blieb eine harte Felsformation oder salzige „Gesteinsausblühung“, die kaum Luft lässt zum Atmen.

Ich war übrigens mal dort, fast genau fünfzig Jahre ist es her (kurz vor dem sog. 6-Tage-Krieg im Juni 1967), und erinnere mich, als sei es heute, an das starre Gebirge und die träge von Salz geschwängerte Luft am Toten Meer.  Als ich sie zeichnete, wusste ich nicht, dass ich diese Bilder in mir trage. Und nun denke ich: Ob sich wohl heilen und wieder beleben lässt, was zur Salzsäule erstarrte? „Denkt an Lots Weib!“ mahnt Jesus (Lukas-Evangelium)

Gesteinsausblühung. elektronische Bearbeitung einer Kohlezeichnung, 70 x 100 cm (c) Gerda Kazakou

 

 

 

 

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Ahmet Şık

Vortrefflich. Ich werde das jetzt mal rebloggen. Es gehört, finde ich, in eine Reihe mit der Diskussion über Mut, die Ulli angestoßen hat (https://cafeweltenall.wordpress.com/2017/07/12/mut/) und die ich mit meinem Artikel über George Bizos, Verteidiger von Mandela, fortsetzte. (https://gerdakazakou.com/2017/07/18/mut/)

Avatar von MyriadeMYRIADE - La parole a été donnée à l´homme pour cacher sa pensée

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