Wenn nichts Neues entsteht, ist es eine Gelegenheit, das eine und andere aus meinen Archiven zu veröffentlichen. Heute sind es drei Ausdrucks-Studien. Wann ich sie gemacht habe? Ich erinnere mich nicht. Kohle, Bleistift auf Papier.
Wenn nichts Neues entsteht, ist es eine Gelegenheit, das eine und andere aus meinen Archiven zu veröffentlichen. Heute sind es drei Ausdrucks-Studien. Wann ich sie gemacht habe? Ich erinnere mich nicht. Kohle, Bleistift auf Papier.
Ich denke, ich darf euch noch mal eine alte Zwergengeschichte servieren. Überholt ist sie nicht. Da ich mich grade mal wieder mit der Marxschen Welt befasst habe – ich beendete eine dicke Biographie über Marx und sein Zeitalter von Friedenthal – kommt mir diese Geschichte sogar ziemlich aktuell vor. Habts gut!
Wo alle klein sind, ist man kein Zwerg. Wo alle in einer Höhle leben, spricht man nicht vom Licht. Wo alle in einem Bergwerk schuften, fühlt man sich frei.
Wo alle den Weg nach oben demutsvoll antreten, um der höheren Instanz die Ernte der Mühsal auszuhändigen, ist man glücklich.
Die höhere Instanz ist selbst eine Zwergin, nicht schöner als die anderen, aber sie strahlt. Ihr Bauch ist die Welt. Sie trägt eine Krone. Sie herrscht. Und man hat ihr zu dienen.
Glückliche Zwergenwelt! Nichts kann ihren Ablauf stören, denn jeder kennt seinen Platz. Oben die Herrin der Welt und unten, in den Eingeweiden der Erde, die Bergleute, die die Schätze nach oben tragen. Das war immer so und wird auch so bleiben.
Ich fahre für ein paar Tage nach Athen und freu mich drauf. Zum Abschied ein Foto mit einer vorerst letzten kleinen Studie (Kohle und Ölkreide): Granatäpfel.

In zehn Tagen bin ich wohl zurück. Natürlich melde ich mich auch aus Athen. Macht’s gut!
Anscheinend brauche ich nach der Überschwemmung des Ateliers festeren Boden unter den Füßen. Die vorige Tollkühnheit hat mich erst mal verlassen. Es zieht mich zu dichteren, quasi realistischen Zeichnungen, an denen ich mich stabilisieren kann. Fast fühle ich mich wie vor Jahren, als ich mit dem Zeichnen begann.
Die „ansteigende Landschaft“ zeigte ich euch schon – hier seht ihr sie nochmal, diesmal am Tageslicht fotografiert.
Heute vormittag entstand zuerst eine Zeichuung in Ölkreiden auf weißem Zeichenkarton, die sich langsam zu einem Saiten-Instrument auswuchs. Ich zeige sie ganz und in Details.
Schließlich wollte ich die Geborgenheit von Esskastanien im stacheligen Mutterschoß wiedergeben. Ich betrachtete den Zweig, den ich vom Berg mitgebracht hatte, und zeichnete dann aus dem Gedächtnis mit Kohle und Ölkreiden überlebensgroß auf grauem Karton.
Ansteigende Landschaft, Kohle auf grauem Karton, 70 x 100
„Vibration“. Saiten-Instrument, Kohle und Ölkreiden auf weißem Zeichenkarton, 50 x 70 cm
„Noch-Geborgenheit“. Esskastanien in stacheliger Hülle. Kohle, Graphitstift und Ölkreiden auf hellgrauem Karton, 70 x 100 cm.
Von den Katanien werde ich, angeregt durch Susannes herrliche Zeichnungen, weitere Skizzen machen, nach der Natur und aus der Erinnerung. Zugleich beobachte ich ihr langsames Geborenwerden fotografisch.
Hier schon mal die neugeborenen Kastanien als Foto. Sind sie nicht herzig?

Muss ich wirklich noch einmal erklären, worum es sich bei den abc-etüden handelt? lz hat sie erfunden, Christiane führt sie weiter, aber die Einladungen gestaltet weiterhin lz. Zehn Sätze sind erlaubt, eine Kürzestgeschichte um drei gespendete Wörter ist zu erfinden. Diesmal ist redskysoverparadise der Spender der Wörter „Monat, fragwürdig, gehen“.
Einfache Wörter? Ja. Und das macht das Erfinden schwer. Eine fragwürdige Angelegenheit, denn alles geht und nichts. Dennoch, hier mein erster Versuch:
Monatsreigen
Einer nach dem anderen gehen die Monate vorbei.
Voran stolziert der Januar, großmächtig, vom Flitter der Erwartungen überglänzt.
Hinter ihm her hüpft der kurzbeinige Februar, gefolgt vom rotwangigen März mit dem Gürtel der Tag-und-Nacht-Gleiche.
Der April mit seinem Sack voll fragwürdigen Schabernacks torkelt vorbei, und schon kommt der Mai, singend und tänzelnd und voller Liebes-Versprechen.
Schmalbrüstig der Juni dann, mit Schwalbenflug und Lerchengesang, und hinter ihm her der breitbrüstige Juli mit dem glänzenden Antlitz.
Der Monat August, so gar nicht clownesk, breitet sein warmes Licht über die träumende Welt und schläfert sie ein.
Die blinzelt und schaut, plötzlich hellwach, ins Gesicht des September: Du bist schon da, feiner blauer Gesell?
Auch er geht vorbei, gibt Raum dem wilden Oktober mit dem feuerfarbenen Federbusch auf dem Helm.
Heran schleicht der graue November: Jetzt wird es ernst, denkt der Mensch, und gedenkt seiner Toten.
Als letzter kommt der Dezember geschritten, das Seherauge weit geöffnet: er sieht das Ende und den Neubeginn.
Gelegentlich habe ich Legearbeiten zu Monaten gemacht. Nicht zu allen, und schon gar nicht als Prozession. Da gibt es beispielsweise den doppelgesichtigen Janus, den Neujahrsvogel, die Tag-und-Nacht-Gleiche als Balance-Akt, das Weihnachtsschiff mit den vielen Geschenken. Heute soll zur Illustration ein Jahres-Reigen genügen, mal so, mal so herum.
Kohle auf grauem Karton, 70 x 100 cm
Das Foto ist wegen des Lampenlichts wieder sehr schlecht geworden, ich wollte dennoch meine kleine abendliche Ausbeute zeigen. „Ansteigend“ habe ich diese Landschaft genannt, obgleich sie genauso gut „abfallend“ genannt werden könnte. Der Weg nach oben und nach unten – derselbe (Heraklit)
(Nachtrag für Bruni, die das Bild gern in die Senkrechte drehen wollte – und also erahnte, wie ich es tatsächlich gezeichnet habe. Hier das Originalfoto. Gekippt habe ich es erst im Nachhinein.)
Ein bisschen habe ich dann noch mit Filtern herumgespielt. Morgen werde ich bei Tageslicht fotografieren.
Nach dem ersten muss ein zweiter Schritt erfolgen. Und so zeichnete ich noch ein Bild mit Kohle und Ölkreiden auf weißen Zeichenkarton.
Ich konnte es dann nicht lassen, dieses leichte Linienspiel doch ein wenig zu verfestigen. 
Hier siehst du die erste und die zweite Fassung nebeneinander. Die Fotos sind leider nicht gut, meine neuen Lampen sind leicht gelbrotstichig, das Papier ist in Wirklichkeit weiß (ich muss neue Birnen besorgen). Außerdem fotografierte ich die zweite Fassung aus einem Winkel, um keinen Schatten zu werfen.
Nach der Schockstarre nun erste zaghafte Gehversuche im Atelier. Kohle, schwarze und rötliche Ölkreide auf weißem Papier…
Mit einem großen Dankeschön an euch alle, die ihr mir dieser Tage Trost spendetet und Verständnis zeigtet.
Heute greife ich noch mal zur List des Rebloggens, um meine Seite am Leben zu erhalten, während ich trauere. Denn das tue ich, trotz gegenteiliger Beteuerungen. Trösten soll mich das Mondschaf – eines meiner liebsten Gedichte von Morgenstern. Es war auch einer meiner ersten Beiträge hier im Blog, und die wenigsten von euch haben ihn gesehen. Ich wünsche eine gute Nacht mit Mond.
1905 wurden die Galgenlieder von Christian Morgenstern erstmals veröffentlicht. Das ist nun 110 Jahre her. Verstehen wir sie noch? Hier „Das Mondschaf“, das ich immer über alles liebte, als bildliche Interpretation. Folge den Pfeilen auf dem Bild, beginnend rechts oben.
Ein kleiner aktueller Bezug mag erlaubt sein: „die große Schur“, auf Griechisch, ist „το μεγάλο κούρεμα“. Den Ausdruck kourema benutzen wir für den Schuldenschnitt. Das Volk harrt und harrt der großen Schur, die es von der Last der Schulden befreit. Das Ende des Gedichts (Am Morgen liegt das Mondschaf tot) lässt leider nichts Gutes erwarten ….
Das Mondschaf (c) Gerda Kazakou
Das Mondschaf
Das Mondschaf steht auf weiter Flur. / Es harrt und harrt der großen Schur. / Das Mondschaf. (Bild rechts oben)
Das Mondschaf rupft sich einen Halm / und geht dann heim auf seine Alm. / Das Mondschaf. (rechts unten)
Das Mondschaf spricht zu sich im…
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Liebe Blogfreundinnen und Freunde, bis ich mein Atelier wieder benutzen kann, möchte ich euch mit älteren Arbeiten unterhalten. Dies hier ist eine Abfolge von Bildern und Texten, die ich als Dia-Show für eine Ausstellung im Jahr 2015 vorbereitet hatte. Die griechischen Texte habe ich für euch übersetzt.
Magie des Mittags
Mittag am Meer. Kein Wind. Die Menschen wie aus Stein.
Ohne Leben das Vorgebirge, entfärbt unter der brennenden Sonne.
Doch was ist das! Etwas bewegt sich! Hier! Und da hinten! Es bewegt sich! Mäuler von Fischen, Flossen, hervorquellende Augen!
Sei ruhig, mein Kind! Die trockene Ebene war einst ein Meer. Fische lebten darin, kleine und große. Wenn du groß bist, mein Kind, werden sie wieder hier schwimmen.
Schiffe werden erneut auf diesem ausgetrockneten Land segeln. Und Städte werden seine Küsten schmücken. Warte ein wenig, nur ein paar tausend Jahre, du wirst ja sehen.
Diashow