Zweite Blüte

Als ich heute, angeregt durch Susannes Zitat am Sonntag (Chao-Hsiu Chen: „Blüht eine Blume, zeigt sie uns die Schönheit. Blüht sie nicht, lehrt sie uns die Hoffnung“) zum mir noch unbekannten Blog von Ernst Blumenstein rüberwechselte, stieß ich inmitten der Blütenpracht des Schlumberga-Kaktus auf ein Zitat von Albert Camus:

„Der Herbst ist ein zweiter Frühling, wo jedes Blatt zur Blüte wird“.

Nanu, dachte ich. Denn am Vorabend, in der nun schon frühen Dämmerung, war mir ein Gebüsch golden entgegengeleuchtet, und ich meinte fast, die Mimosen hätten schon zu blühen begonnen. Aber es waren keine Blüten, sondern nur die Herbstfarben des Feigengebüschs. Und so wird mal wieder tröstlich wahr: auch das Alte, Absterbende hat seine Schönheit.

Heute ging ich wieder hin und fotografierte es bei Blauhimmel, um es euch zu zeigen.

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abc-etüden als Katzen-Kata-Strophe: Was die Adventszeit so mit sich bringt

Liebe Christiane, liebe WortspenderInnen aus allen Ecken Deutschlands! Hier in Griechenland liegt kein Schnee, und kein Weihnachtsduft liegt in der Luft. Macht aber nichts, denn wozu gibt es die Fantasie. Aus den vielen Wörtern habe ich mir für meine kleine Etüde drei rausgepickt: Schnee,  Kater,  Hoffnung.

 

A B C D E
die Katze lief in’n Schnee
Sie suchte nach ‘nem Kater
Auf das er wird der Vater
Von ihren Kinderlein.
Sie fühlt’ sich so allein.
Doch ihre Hoffnung war vergebens
Denn niemals noch im Lauf des Lebens
Ward es gehört, dass Kater lieben
Wenn draußen kalt Schneeflocken stieben.

 

Oben seht ihr Katze und Kater beim hoffnungsvollen Rendevouz, als Aquarell. Unten seht ihr einen glutäugigen Kater am Feuer, Legearbeit, Detail, ein wenig elektronisch dramatisiert.

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1. Advent mit Weihnachtsbasar

Ja, auch wir waren auf einem Weihnachtsbasar! Nicht, weil uns besonders weihnachtlich zumute ist, sondern aus Tradition. Unter den vielen Weihnachtsbasaren des heutigen Tages fiel die Wahl auf den der Deutschen Schule Athen (DSA). Nimmermüde Freiwillige basteln, handarbeiten, schmücken, organisieren viele Monate lang, um den Basar zugunsten des sozialen Werks der evangelischen und katholischen Kirche in Griechenland auszurichten.  Wie erwartet traf ich einige meiner alten Kolleginnen, traf auch jüngere Bekannte, machte neue Kontakte…. es war schön. Und Sauerkraut musste gegessen werden, vielleicht auch Kartoffelsalat und Bratwürstchen, ein Stollen war zu kaufen, dem reichlich nachgewachsenem Jungvolk war zuzuschauen, und Bücher – natürlich – mussten zu Hauf abgeschleppt werden aus dem reich bestückten Antiquariat.
Dass die heiligen Wände der Schule nun auch ein paar Graffitis ertragen, freute mich und ich lichtete sie ab.

zentrale Ausstellungshalle des Basars in der DSA

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Gemäldegalerie 90er Jahre – Nachtrag

Diese Figur  habe ich 1993, neben vielen anderen, im Goethe-Institut Athen in der Reihe „Wechselwirkungen“ ausgestellt.

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Gemäldegalerie – 90er Jahre

Gestern fiel mir beim Aufräumen ein Satz analoger Fotos in die Hände. Sie zeigen Studien der 90er Jahre. Ich malte damals in Gemeinschaft mit zwei anderen Frauen nach Modellen, bei denen es sich um Bekannte, Töchter, KunststudentInnen handelte. Wir benutzten, wie es auf der Kunstakademie üblich ist,  billige Leinwand, Akryllpygmente und Kleister. Die Formate liegen bei 70×100,  80×100 und 60×120 cm. Ich fotografierte die Fotos ab, und hier sind wir: Herzlich willkommen zum Spaziergang in meiner Gemäldegalerie! (Zum Vergrößern anklicken!)

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abc-etüden: Es klappern die Klöppel – eine Nachdichtung

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2017/11/26/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-48-17-wortspende-von-myriade/

Nachdem die Wortspenderin, Frau Myriade, mich in Versuchung geführt hat, noch eine meiner Kata-Strophen zum besten zu geben, hier eine Nachdichtung des bekannten romantischen Volksliedes: „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“.  Das Klappern der Klöppel, das täglich Brot, die Romantisierung der handwerklichen Tätigkeit – ich überlegte, wie es den fröhlichen Klöpplerinnen denn damals wohl ergangen sein mag.  Nachdem ich mein Liedlein fertig hatte, blätterte ich im Internet und fand ein Gedicht, das allerdings mit anderer Wucht von dem Schicksal der „Klöpplerinnen“ spricht. Die Dichterin: Louise Otto (1819-1895), eine bemerkenswerte Frau! Im Kommentarstrang zu meiner ersten Etüde findet ihr das ganze Gedicht.

 

fern

Es klappern die Klöppel – eine Nachdichtung

Es klappern die Klöppel am rauschendem Bach, klipp klapp.
Bei Tag und bei Nacht ist die Klöpplerin wach, klipp klapp.
sie klöppelt die Fäden zu zartesten Spitzen
ihr schmerzt der gebückte Rücken beim Sitzen,
doch muss sie beschaffen das tägliche Brot
sonst hungern die Kinder und herrscht große Not
Klipp klapp, klipp klapp, klipp klapp!

Flink laufen die Finger und drehen das Garn, klipp klapp,
und kreuzen die Fäden zu Mustern wie Farn, klipp klapp.
Die Näherin dann das Kräglein draus näht
das den jungen Damen besonders gut steht
Klipp klapp, klipp klapp, klipp klapp!

Wenn fleißige Frauen die Arbeit versehen, klipp klapp,
dann bleiben die Räder der Wirtschaft nicht stehen, klipp klapp.
Langwierig die Arbeit und niedrig der Lohn
Das Wasser im Flussbett, so war’s immer schon.
Klipp klapp, klipp klapp, klipp klapp!

Da die geklöppelten Spitzen mich an Farn erinnern, habe ich Farn-Fotos aus dem internet gefischt, diese per Fotoshop zu einer Stickerei umgearbeitet und sie einem aquarellierten Fräulein appliziert.

 

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12-Monats-Bild: die Wurzelmännchen am 30. November

Zeilenendes Idee, ein Jahr lang an jedem letzten Sonntag dasselbe Motiv zu fotografieren, gefiel mir, aber die Realisierung ist mir nicht so recht gelungen. Zu viele Ortswechsel! Dennoch ein letzter November-Anlauf! Zeilenendes Beiträge und die der anderen Teilnehmer findet ihr hier

Noch einmal habe ich mich an die Wurzelmännchen herangepirscht, um ihr Novembergeflüster zu belauschen. Sehr nah konnte ich nicht ran, denn der Zaun, der neuerdings ihr Feld umgibt, ist nun erstmal zu. Ganz zu. Kein offenes Tor, kein Loch im Zaun. Zwangsläufig respektierte ich die Winterruhe der kauzigen Männlein, die mit ein paar zerzausten Zweigen und Blättern herumfuchtelten. Nur wenige hatten noch ein ehrbares Blattwerk aufzuweisen.

Als Kollektiv machten sie freilich immer noch was her: über das Feld legte sich der altgoldene Schein des vergehenden Weinlaubs.

 

 

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Leben und Kunst – eine abc-etüde in Kata-Strophen.

Ilissos mit Zeustempel, Edward Dodwell 1821

Leben und Kunst – ein Wintermärchen

Da war ein Fluss der floss ins Meer
Ein Gott gab seinen Namen her
Ilissos war’s, der Alte,
Heil uns, dass er noch walte!
Doch ist sein Flussbett lang schon leer
Der Gott haust ohne Wiederkehr
In Londons musealen Hallen
Wohin die Kunst-Adepten wallen.
Ach flösse er noch heut ins Meer!
Doch leider ist das lang schon her.

Flussgott Ilissos, Parthenon-Fries, British Museum

Die Klöpplerin von Jan Vermeer
Die klöppelt – viele Jahr‘ ist‘s her –
Am Klöppelkissen schöne Litzen
Die tät so manche gern besitzen.
Doch nun hängt diese Klöpplerin
In ‘nem Museumsraume drin
Von Elektronik schwer bewacht
Damit kein Dieb ihr Beine macht.
Denn dieses Bildnis von Vermeer
Ist tausend Dollars wert und mehr.

Jan Vermeer, die Spitzenklöpplerin, Detail

Dem Flusse wird sein Gott geraubt,
Sein Bett mit Häusern überbaut,
auf Straßen rast darauf Verkehr
man sieht den Fluss schon lang nicht mehr.
Und nimmst du dann ein Aeroplan
Und kommst vielleicht in London an
Dann findest du den Gott verstaubt
Denn hierher wurde er geraubt.

Du reist dann weiter nach Paris
Zum Louvre, wie’s Museum hieß,
Dort suchst du eifrig nach dem Schild
Das dich hinführen wird zum Bild
Der Frau, die an dem Klöppelkissen
Die Spitze klöppelt. Hingerissen
Bestaunst du stundenlang und mehr
Die hohe Kunst von Jan Vermeer.

Wie du erfährst aus dem Prospekte
Sind Gott und Frau nun Kunstobjekte.
Man rechnet ihren Wert in Geld,
Dran geht zugrunde unsere Welt.

Und die Moral, eh ich‘s vergesse?
Langwierig sind die Lernprozesse!

Und bald schon weiß ich gar nichts mehr,
denn alles fließt zurück ins Meer.

Diese Etüde ist, ihr wisst es bereits, den Wortspenden von Frau Myriade verdankt. Eingeladen haben wie immer Christiane und lz.

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abc-Etüde: Muster wie geklöppelt. Eine Kürzestgeschichte über einen langwierigen Prozess

„Flussbett, langwierig, klöppeln“ hat uns Myriade geschenkt, damit wir daraus eine kurzlebige Kürzestgeschichte zusammenklöppeln. Danke dafür! Danke auch Ludwig Zeidler und Christiane für ihre liebevolle Betreuung der abc-etüden. Heute mal was ganz Un-Kata-Strophisches.

Dort, wo das ausgetrocknete Flussbett ins Meer mündet, fand ich Bruchstücke versteinerter Tiere. Muster wie geklöppelt. Unvorstellbar langwierige Prozesse waren vonnöten, um diese Kunstwerke zu schaffen, dachte ich. Ich steckte sie ein und versuchte später, sie sorgfältig mit Bleistift nachzuzeichnen.

 

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Füße

Füße, gesehen im Akropolis-Museum Athen. Marmor.

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