
Ilissos mit Zeustempel, Edward Dodwell 1821
Leben und Kunst – ein Wintermärchen
Da war ein Fluss der floss ins Meer
Ein Gott gab seinen Namen her
Ilissos war’s, der Alte,
Heil uns, dass er noch walte!
Doch ist sein Flussbett lang schon leer
Der Gott haust ohne Wiederkehr
In Londons musealen Hallen
Wohin die Kunst-Adepten wallen.
Ach flösse er noch heut ins Meer!
Doch leider ist das lang schon her.

Flussgott Ilissos, Parthenon-Fries, British Museum
Die Klöpplerin von Jan Vermeer
Die klöppelt – viele Jahr‘ ist‘s her –
Am Klöppelkissen schöne Litzen
Die tät so manche gern besitzen.
Doch nun hängt diese Klöpplerin
In ‘nem Museumsraume drin
Von Elektronik schwer bewacht
Damit kein Dieb ihr Beine macht.
Denn dieses Bildnis von Vermeer
Ist tausend Dollars wert und mehr.

Jan Vermeer, die Spitzenklöpplerin, Detail
Dem Flusse wird sein Gott geraubt,
Sein Bett mit Häusern überbaut,
auf Straßen rast darauf Verkehr
man sieht den Fluss schon lang nicht mehr.
Und nimmst du dann ein Aeroplan
Und kommst vielleicht in London an
Dann findest du den Gott verstaubt
Denn hierher wurde er geraubt.
Du reist dann weiter nach Paris
Zum Louvre, wie’s Museum hieß,
Dort suchst du eifrig nach dem Schild
Das dich hinführen wird zum Bild
Der Frau, die an dem Klöppelkissen
Die Spitze klöppelt. Hingerissen
Bestaunst du stundenlang und mehr
Die hohe Kunst von Jan Vermeer.
Wie du erfährst aus dem Prospekte
Sind Gott und Frau nun Kunstobjekte.
Man rechnet ihren Wert in Geld,
Dran geht zugrunde unsere Welt.
Und die Moral, eh ich‘s vergesse?
Langwierig sind die Lernprozesse!
Und bald schon weiß ich gar nichts mehr,
denn alles fließt zurück ins Meer.

Diese Etüde ist, ihr wisst es bereits, den Wortspenden von Frau Myriade verdankt. Eingeladen haben wie immer Christiane und lz.