Natur und Technik: Weiteres zur Formensprache

Meine Flucht in die „reine Natur“ hatte mich ausreichend stabilisiert, dass ich nun auch wieder das Thema aufgreifen konnte, das mich letztens beschäftigt: die Formensprache von Technik und Natur.

Die Brand-Katastrophe schärfte mein Auge besonders für drei lebenswichtige technische Objekte: Auto, Wassertank, Telefonmast.

Auto, Wassertank und Telefonmast (in der Ferne) über Kalamata

„Telegrafenmasten“ nannte man sie, heute wohl eher Telefonmasten.

Dieser Strommast ist aus einem Zypressenstamm gemacht. Zypressen wachsen wild in kleinen Wäldchen oder werden zum Schutz von Feldern und an Friedhöfen angepflanzt. Ihre sehr geraden Stämme eignen sich hervorragend als Strommasten und als Bauholz für offene Dachkonstruktionen. Sie werden nur wenig bearbeitet, wirken daher fast wie „Natur“.

Telefonmast aus Zypresse

Deckengebälk meines Hauses

Diese Landschaft fotografierte ich zweimal: einmal „klassisch pur“ und dann mit Verkehrsschildern.

Mich interessierte besonders die Dreiecksform der Schilder, die das Landschafts-Dreieck in der Ferne wieder aufnimmt.

Mit ein bisschen Fantasie lassen sich die Verkehrsschilder auch als Segelboote lesen, und das Gebüsch wird zum wild schäumenden Meer.

Ein wenig spielte ich mit den Fotos herum, wobei ich pop-artige „Einheitlichkeit“ herstellte, also die Landschaft mit der Logik technischen Geräts behandelte. Nur meinem Hund und seinem Schatten gab ich eine Sonderrolle 🙂

Geteilter Himmel: Der Himmel wird zum Gebäude, wenn man die von Telefonmast und -leitung gebildeten Felder farbig füllt.

„Auto, Wassertank und Hund in der Landschaft“

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Vergehen und Werden – Entwerden und Vergehen

Gestern war ich, nach dem Libellen-Bach, noch in einem Gebiet oberhalb von Kalamata, dessen Wald bei dem großen Brand von 2007 weitgehend vernichtet wurde. Aber ein paar schöne Pinien blieben stehen. Und rund um diese alten Pinien haben sich neue angesiedelt. Der Wald regeneriert sich in Griechenland schnell, denn die Kalkböden sind fruchtbar. Voraussetzung ist allerdings, dass es ein paar alte Bäume gibt und der nächste Brand nicht zu schnell folgt. Sonst können sich die kleinen Schösslinge nicht bis zur Samenbildung entwickeln.

In den kleinen Wäldchen lagen leider verwesende Tiere, und (denn) in der Nähe gibt es einen Jägerverein – eine andere Pest. Und so kam mir ein altes Bild in den Sinn, das ich „Entwerden“ nannte. Ich habe es schon früher einmal gezeigt, vielleicht  erinnerst du dich. Es ist mit Naturmaterialien, Pigmenten und Kleister auf Leinwand gemacht.

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Libellen in slow motion

Meine gestrige Gegenmaßnahme gegen die unerträglichen Diskussionen und Bilder über die Feuerkatastrophe war, mich mit meinem Hund in die Berge zu verkriechen und den Libellen zuzuschauen, deren es dort über dem Bach viele gibt. Mein Video ist kein Meisterwerk, aber vielleicht gefällt es euch auch, dem verlangsamten Flug der Libellen über dem strömenden Wasser zuzuschauen. Manchmal scheinen  sie rückwärts zu fliegen.

Fehler
Dieses Video existiert nicht

Durch diese Berge fahre ich, um zum Libellen-Bach zu gelangen. Die Schlucht ist der vom Fluss Nedousa eingekerbte Durchbruch durchs Taygetos-Gebirge, auf der Strecke Kalamata-Sparta.

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Attika brennt

„veerbrannte Pendeli“ 2012, mixed media auf Leinwand

.. und ich habe grad nicht die Nerven, meinen Blog wie gewohnt zu führen Zwar bin ich weit vom Schuss, aber ich kenne die Orte nur allzu gut, die nun verbrannt sind oder noch brennen. Zu groß die Unruhe und Trauer, um mich zu konzentrieren. Hier ein früheres Bild von der verbrannten Penteli: oben das Ganze, unten Details.

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Montags ist Fototermin: In Szene setzen

Ich hatte vorgestern das Vergnügen, stille Beobachterin bei einem Foto-Shooting zu sein. Unterhalb des Platzes, wo ich meinem Hund die quirligen Kinder der Wirtsleute vom Leibe hielt und der untergehenden Sonne zuprostete, erschien ein weißes Auto, dem geschäftig eine Menschengruppe entstieg: Hochzeiter und ihre drei Fotografen.

Die Braut wirkte recht energisch und bestimmend, gab Anweisungen, wusste, was zu geschehen hatte, während der Bräutigam ihr brav beim Raffen des Kleides half und sie stützte, wenn sie mit ihren feinen High Heels im schottrigen Kies des Strandes steckenblieb. Wegen des professionellen Gehabes der Frau dachte ich schon, die machen nur Fotos für ein Modejournal. Aber nein, der Bräutigam war echt, legte seine Hände weit williger um den schlanken Leib seiner Künftigen, als es die pure Professionalität verlangt hätte. So schien es mir.

Das Endprodukt – das Hochzeitsfoto eines Paares, das versonnen in den Sonnenuntergang blickt –  darf natürlich nichts von der vorangegangenen Mühsal und Anspannung, sogar Gereiztheit der Braut verraten. Dieser Teil der Wirklichkeit ist auszublenden. Übrig bleiben soll nur ein Bild, das im silbernen Rahmen auf das blank polierte Buffet platziert wird, damit es einst den Enkelkindern vorgewiesen werden kann: Oma und Opa, damals, im Sommer 2018, als wir heirateten. Mögen sie glücklich sein! Mögen sie sich vieler Kinder und Enkelkinder erfreuen!

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Nachtrag zu „Vielschichtigkeit“. Wie in einem Spiegel.

Mich plagte die Neugierde: was spiegelt sich denn nun wirklich in meinem Fenster? Also bat ich meine gute Freundin E, die mich heute besuchte, doch bitte mal von außen an meiner Fensterfront vorbeizuspazieren, und wenn sie im Spiegelbild auftauchte, würde ich Halt! schreien und auf den Auslöser drücken. Dann würden wir ja sehen, wo und wie. Eine einfache Versuchsanordnung …

Hier noch mal die Fensterfront von Innen.

E spazierte also draußen vorbei, von ganz links bis ganz rechts und wieder zurück. Ich stand derweil in Lauerstellung drinnen vor der Außenseite der offenen Fenstertür. War sie da? Nein? Schon wieder weg. Halb verdeckt, verzerrt. Warum so dunkel?

Und ich dachte an Ulli Gaus Kommentar, der mir in der Mailbox angezeigt wurde, aber nicht im Kommentarstrang auftauchte und weder als „pending“ noch als „Trash“ aufzufinden ist (wo steckt er denn bloß?). Sie schreibt:

Ziemlich komplex und nicht wirklich durchschaubar, wenigstens nicht für mich, aber ich lese ja, dass selbst du rätselst, was sich wo und wie spiegelt.
Ein wunderbares Synonym auch für das eigene Sein im Spiegel des Gegenübers oder das Gegenüber im eigenem Spiegel, oder dem Ich im Spiegel der Welt … da wird es manchmal auch rätselhaft!

Et voila!

Ich musste ein wenig suchen, bis ich sie neben den Büchern entdeckte: das Gesicht verzerrt, die Figur eingekastelt, aber am gepunkteten Kleid kann man sie erkennen. Du kennst solche Dialoge: „Wer war denn die Frau im gepunkteten Kleid?“ – „Welches gepunktete Kleid? Du meinst die Frau vom XY, ach, die hatte ein gepunktetes Kleid an? Ist mir gar nicht aufgefallen“.  Das Gegenüber im eigenen Spiegel  – wie Ulli so treffend sagt. Der eine sieht das Kleid, der andere sieht den Status der Trägerin. Wer sieht den Menschen?

Hier noch zwei Bild-Ausschnitte, diesmal mit der Fotografin und dem Modell, die eine von Innen in den offenen Flügel der Glastür schauend, die andere von außen durch den geschlossenen Flügel. (Diesen zweiten Tür-Flügel hatte ich gestern ganz übersehen. Er ist es, der die meiste Außen-Spiegelung vollbringt.)

Ja, sie schaut von rechts, aber sie spiegelt sich zusammen mit den Büchern, die links auf dem Regal an der Wand stehen. Da sage mir noch jemand, er wisse, was rechts was links, was vorn was hinten sei!

Wie dunkel sie ist! Es ist wohl der Schatten des Fenstertür-Rahmens, der dort in der Luft schwebt und das είδωλο (Idol, Scheinbild) meiner Freundin verschluckt. Ob das wohl auch im Leben so ist? Dass plötzlich ein Schatten aus dem Nirgendwo auf einen Freund fällt, und wir können ihn nicht mehr erkennen?

 

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Vielschichtiges im Atelier: über Wirklichkeit und Idole (είωλο)

Dies ist ein Blick auf und durch meine Ateliertür. Die Tür besteht aus einer eisernen festen Platte mit Rahmen, in dessen oberen Teil eiserne Verstrebungen mit Ranken eingelassen sind, sowie aus einem frei beweglichen verglasten Eisenrahmen, der sich gesondert öffnen lässt. So kann man die Tür abschließen und dennoch Luft bekommen.  In diesem Fall ist die ganze Tür nach Innen geöffnet, die Glasscheibe ist hinter den Verstrebungen befestigt, ich stehe drinnen und fotografiere von rechts nach links im Innenraum, gegen die geöffnete Fenstertür gewendet.

Mich fasziniert das vielschichtige Bild, das sich hinter den Verstrebungen abzeichnet. Da sind zum einen die Spiegelung des Gartens auf der Glasscheibe  (… Moment mal, wieso kann der sich in der Glastür spiegeln?) und der leicht getrübte Durchblick auf die Malutensilien (Pinsel, Farben etc).  Auf einer tieferen Ebene dahinter sieht man ein Fenster mit ebensolchen Verstrebungen und durch dieses Fenster hindurch einen wirklichen, also nicht-gespiegelten Abschnitt des Gartens.

Zwischen diesen beiden Scheiben schweben Schatten der ersten Verstrebung. Sie scheinen einfach in der Luft zu schweben, keine Ahnung, worauf sie sich abbilden. Schau mal auf den dicksten dieser Schatten, den über dem blauen Campinggas (anklicken, um zu vergrößern); der Schatten ist selbst ein Spiegel,  spiegelt auf der rechten Seite sehr klar ein Stück Garten ab.

Ich sah perplex auf dies komplexe Bild und dachte: Und wenn ich nun eine weiße Fläche hinter die Fenstertür stelle und die Schatten damit „abfange“? Vielleicht klärt sich das Bild, so dass ich es besser verstehe. Gesagt, getan:

Dies ist nun das „bereinigte“ Bild: die Verstrebungen, die Glasscheibe und dahinter eine weißliche Spanholzplatte. Parbleu, das Bild ist immer noch ziemlich komplex, finde ich. Was spiegelt sich denn da wie? Der dicke Schatten spiegelt jetzt nicht mehr den Garten, immerhin. Nun aber kommen mir Skrupel: Spiegelt sich vielleicht das rechte Fenster ab, und nicht das linke, wie ich dachte? und ist also kein Durchblick auf „echten“ Garten zu sehen, sondern wieder nur eine Spiegelung? Ein είδωλο (Idol), wie die Griechen solche gespiegelten Scheinobjekte nennen? Hilfe, Joachim!

Damit du einen Anhaltspunkt hast, wie Türen und Fenster einander zugeordnet sind: So sieht die Fensterfront bei etwas geöffneter Tür aus. Rechts unten steht die Spanplatte, die ich als Isolierung verwendete. Auf dem obigen „Spiegelbild“ ist die Tür etwas weiter geöffnet.

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Facebook und das Hakenkreuz

Ich fand eine Benachrichtigung in meinem fb-account, von fb-Aufpassern verfasst. Ich hätte in einem meiner Texte fb-Standards verletzt, und man zeigte mir auch den beanstandeten Text. Da prangte doch tatsächlich groß und rot und schwarz und aggressiv eine Hakenkreuzfahne! Ich war irritiert. Hatte ich etwa Nazi-Propaganda verbreitet? Offenbar! denn in dem Beitrag erzählte ich die Geschichte eines Schiffes, das zu Zeiten, an die man offenbar nicht gern erinnert wird, eine Hakenkreuzflagge trug. Und ich hatte die Stirn gehabt, diese Fahne auch optisch ins Gedächtnis zu rufen (wenn du den Beitrag runterscollst, siehst du sie). Au weia!

Nun ist das Corpus delicti aus dem fb-account entfernt worden, damit nicht irgendwelche unbedarften Jugendlichen durch mich zu Nazis werden. Ich könnte dagegen protestieren. Aber soll ich? Soll ich die fb Community  nicht  vielmehr für ihre Standards loben? Und WP tadeln, weil es mir solche Propaganda-Show durchgehen lässt?

Ich suchte einen Mittelweg und machte die Zensoren höflich darauf aufmerksam, dass sie den Text ja mal hätten lesen können, bevor sie ihre Schere walten ließen.  (Die Schere im Kopf, da sind wir ja wieder mal bei meinem Thema).

Kürzlich veröffentlichte ich ein anderes Foto aus der antiken Stadt Paestum, das zeigte einen  weiblichen Torso mit aufgemaltem Hakenkreuz (fb hat es offenbar noch nicht entdeckt).  Dazu hatte ich mit Ulli Gau einen kleinen Dialog. Wär mal interessant, wie ihr das seht: Ist dieses Symbol so durch und durch korrumpiert, dass es keine Chance hat, irgendeinmal wieder seine ursprüngliche Sonnenkraft zu entfalten? Müssen wir es endgültig den Schwarzmagiern überlassen? Dass das Sonnenrad eine starke Symbolkraft hat, haben die Nazis leider sehr wohl verstanden und zu nutzen gewusst.

This photo goes against our Community Standards

OFFEN

AKTIVITÄT

Info zu deinem Beitrag
Gestern
Wir haben eines deiner Fotos entfernt, weil es nicht den Facebook-Gemeinschaftsstandards entspricht.
Wir haben unsere Standards erstellt, um Facebook zu einem sicheren Ort zu machen, an dem Menschen weltweit miteinander in Verbindung treten können. Bitte lies dir die Facebook-Gemeinschaftsstandards durch und informiere dich darüber, welche Beiträge auf Facebook erlaubt sind.
Wenn das Foto deiner Meinung nach fälschlicherweise entfernt wurde, antworte bitte auf diese Nachricht und gib uns weitere Informationen dazu. Wir werden das Foto daraufhin erneut überprüfen. Sollte es nicht gegen unsere Gemeinschaftsstandards verstoßen, stellen wir das Foto auf Facebook wieder her.

https://www.facebook.com/support/?item_id=10217479158752266&ref_medium=graphql&ref=notif&notif_t=scase_response&second=0&notif_id=1532131014764606

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3 x Fotomotiv : Nachtrag mit Kommentaren

Erich (mannigfaltiges) schrieb im Kommentar zu den drei Fotos: Was mir aber hier am meisten gefällt, sind die Kommentare….

Und da es mir ebenso geht, habe ich eure Kommentare etwas verkürzt noch mal zusammengestellt und gelegentlich auch versucht, eure Anregungen als Bild umzusetzen. Manche von euch gehen mehr auf die ästhetische Seite ein, andere betonen das Erzählerische, die Projektion seelischer Zustände oder die Symbolik. Herzlichen Dank allen Guckern und Kommentierenden!

Doch vorweg: Was wollte ich selbst mit den drei Bildern? Vielleicht erinnert ihr euch noch, dass ich mit einem Vorsatz nach Neapel fuhr: „Technik und Natur bilden überall, wo Menschen leben, „eine Natur“. So manche versuchen, die menschengemachten „Störungen“ im Foto auszublenden oder zu vertuschen, um die Illusion der reinen Natur herzustellen. Ich möchte nun genau das Gegenteil tun: meine Aufmerksamkeit will ich konzentrieren auf die je besondere Verwobenheit dieser beiden so verschiedenen Quellen unseres Lebens. Meine Absicht ist dabei nicht kritisch, sondern sachlich-wahrnehmend. Wie ich daraus Kunst machen kann? Man wird sehen.“ https://gerdakazakou.com/2018/07/01/natur-technik-eine-natur-gedanken-und-au-revoir/

Das erste Foto enthält „Störungen“, die so manche(r) gern liquidieren würde. Doch was geben sie mir?  Sie machen das Bild „welthaltig“.  Wir sind nicht irgendwo, sondern in Neapel. Wir treten durch ein hohes Tor aus dunklem verwittertem Holz mit verrosteten Riegeln aus der sonnigen Straße in einen schattigen Hof und schauen nun zurück auf eine frisch gestrichene orange Wand, davor das alte Pflaster, auf dem ein Auto parkt. Wir bemerken das vertrocknete Grün, den weißen Zettel an der frisch gestrichenen Wand, ein mysteriöses Fenster, ein Stromkabel quer über die Wand. Durch diesen Bildausschnitt eilt eine junge Frau, rotbehost und mit modischem Akzessoir, Pferdeschwanz und high heels. Die Frau ist trotz der Akzessoirs ein Natur-Element. Auch die verwitterte Oberfläche des Tores und die vertrocknete Pflanze, das Licht und den Schatten möchte ich zur Natur rechnen.

In der technischen Welt herrscht die gerade Linie vor, hinzu kommt die gleichmäßig gekrümmte Linie von Bauelementen und des Autos. Im Gegensatz dazu steht die unberechenbare sich immer wieder neu findende Linie des Lebendigen, der Natur (Pflanze, Tier, Mensch). Das ist denn auch das Faszinierende an verwitternden Oberflächen: der unregelmäßige und daher als lebendig empfundene Verfall einer ehemals „makellosen“ Oberfläche.

Hier nun eure Kommentare in etwas verkürzter Form, dazu auch meine Umsetzungen, sofern vorhanden.

Katrin: Kontrast rote Wand Holztür“ Ohne diesen Farbkontrast fehlt die Spannung, das Bild 3 ist langweilig.

Myriade: „neben den beiden Farbflächen im „Endbild“ auch irgendein Rest des Elements Mensch“ – der Mensch sollte „irgendwie“  im Bild 2 sichtbar bleiben – Aufgabestellung für den Maler, nicht den Fotografen.

Gerhard: Ich tendiere zur Nr.2, auch wegen der Farbwiederholung.
Vielleicht könntest Du das alte Pflaster noch wegnehmen? Dann wäre der Zweiklang perfekt.

Altes Material gegen jungen Anstrich. Ich mag es, wenn zwei völlig unterschiedliche Materialien in einer Komposition zusammenklingen.

Erich B: Auch ich mag das zweite Bild, das Auto stört mich u.a. auch

Christiane: Das zweite Bild ist mir zu statisch, obwohl ich den Kontrast mag, allerdings hätte ich versucht, es anders aufzuteilen und hätte an der Wand das Plakat und dieses rote Kästchen herausgenommen….Ich bin für das erste Bild, wobei ich anders geschnitten hätte, das Auto und das Grün weg, oben was ab (eher wie Bild 2) und bestimmt das Plakat raus. Das rote Ding hätte ich vermutlich gelassen, es unterstützt optisch die fallende Linie. 

Alexander: Alle 3 Fotos haben was, bis auf das Heck des Autos. Das Fenster und die Tür sind interessant. Normalerweise ist es verpönt, einen abgeschnittenen Mensch zu fotografieren. Ausnahmen bestätigen aber die Regel und durch die halbe Frau und das rote Bein bekommt das Foto einen Touch.

Sonia: Die Dynamik der Rothosenfrau fehlt auf den anderen Fotos!
Obwohl die Holztürfläche wie gemalt aussieht.

Karin: Bei Bild eins hätte ich den ganzen linken Bereich entfernt einschließlich des Plakates, wobei das Relief für mich der Hinweis, dass die Figur beim Schreiten ins Ungewisse der Symbolik von Ocker und Schwarz ausgesetzt ist.
Das zweite Bild ist unbelebt, da fehlt mir etwas

Susanne: Bild 2. Einsamkeit und Platz für eigene Gedanken.

Jürgen: Das erste Bild erzählt mir Geschichten, rein spekulative, frei erfundene. Was will man mehr

Diana Eine Art „Triptychon“….(kann) im Gesamtwirken eine kleine Geschichte erzählen.
als am harmonischsten empfinde ich das zweite, …es lässt dem Betrachter viel Raum für eigene Gedanken

Serap: Bild 2 bietet m.E. mehr Raum für die eigene Phantasie. Wer befindet sich vor/hinter der Tür und ist (noch) nicht sichtbar?… Steht die offene Tür für das sehen und/oder gesehen werden? …

Gann Uma: Die Person durchschreitet Welten, Dimensionen, in einer noch sichtbar, in der unsichtbaren noch nicht ganz da. – Ich würde die Person von ihrem Sack befreien, rot einfärben, und dann als Dimensionsüberschreiter einsetzen. z. B. in dem Gitterkarree im dritten bild als Silhouette. Kopfüber oder so. – Überall wo Durchgänge zu anderen Räumen erahnbar sind, könnte sie symbolisch agieren.

Agnes: Bild 2 sehr spannend: Die schwere dunkle Tür im rechten Bildteil scheint etwas Geheimnisvolles zu verdecken. Der linke Bildteil ist hingegen leicht, schwungvoll, fröhlich. Man sieht, dass es eigentlich weitergeht und nur verdeckt wird und fragt sich, wohin es wohl geht? Auf jeden Fall, so scheint es, in die Freiheit, ins Licht.

Random: Für mich erzählen die drei Bilder eine typische Lebens-Geschichte..
1. Eine offene Türe lässt uns ganz konkret verschiedene Möglichkeiten erkennen. Links oder rechts. Zu Fuß oder mit dem Auto.
2. Innehalten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten – aber welches ist mein Weg?
3. Erkenntnis. Die offene Türe bietet vielleicht mehr Möglichkeiten, als wir auf den ersten Blick wahrgenommen haben. Das Gitter scheint irgendwie vier (Himmels?)Richtungen zu symbolisieren. Aber es ist und bleibt ein Gitter. Es ist also ein Gleichnis – nicht ein konkreter Weg. Unsere Imagination ist gefragt

(Gerda: Ein „Kompass in die Unterwelt“?)

Beispielsweise, ja. Und es gibt weitere Lesarten. So gibt es etwa (um nur eine Möglichkeit zu nennen) im Zentrum des Gitters vier Dreiecke, die aus vier „Himmelsrichtungen“ auf dieses Zentrum deuten. Wir nennen unser Leben zwar „Dasein“ – ironischerweise (traurige Ironie) ist es aber selten ein „da Sein“. Also hier der Hinweis, dass es nützlich sein kann, im eigenen Zentrum anzukommen (sich buchstäblich konzentrieren), bevor man sich für einen Weg entscheidet. Da kommt dann auch der feine (nicht so kleine) Unterschied zwischen „Weg“ und „weg“ ins Spiel. Passenderweise könnte auch hier der Kompass in die Unterwelt nützlich sein. In diesem Fall die Unterwelt der eigenen Schatten – Verdrängtes, Verleugnetes, usw. was ja auch zum „da Sein“ gehört.

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Gemeinsam zeichnen (5)

Heute waren wir nur zu zweit, um uns wechselseitig zu portraitieren. Zweimal zeichnete Magda mich, zweimal ich sie, jeweils 30 Minuten. Diese Treffen sind mir sehr lieb geworden, sie beleben und fordern heraus.

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