Zwei Frauen, drei Hunde, Libellen, berauschender Duft von wilder Minze und ein sprudelnder Gebirgsbach. Lang vermisste „Natur pur“.
Zweimal der Gebirgsbach, einmal hell sprudelnd, dann in slow motion.
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Zwei Frauen, drei Hunde, Libellen, berauschender Duft von wilder Minze und ein sprudelnder Gebirgsbach. Lang vermisste „Natur pur“.
Zweimal der Gebirgsbach, einmal hell sprudelnd, dann in slow motion.
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Ich habe dreimal „dasselbe“ Motiv aufgenommen. Auf dem ersten Bild seht ihr eine Straßenszene, wie sie mir ins Auge sprang. Auf dem zweiten Bild habe ich dasselbe Motiv „minimal“ auf die beiden wichtigen Farbflächen beschränkt. Auf dem dritten Bild ließ ich nur den zentralen Angelpunkt des Motivs gelten. Die Fotos sind nicht beschnitten.
Ich bin gespannt auf eure Kommentare.
Aus meiner Unterwelt auftauchend, lasse ich mich vom Strom der Touristen die Hauptstraße zwischen touristischen Auslagen und Lokalen jeder Art hinaufspülen zum Domplatz mit Brunnen.
Es findet sich auch ein stiller Nebenarm zur belebten Hauptstraße in Form eines mittelalterlichen Gewölbegangs.
So gelangen wir in die aufeinander getürmte Oberstadt und zu einem Schild, das einige Sehenswürdigkeiten ankündigt: mittelalterliche Siedlung, alte Wassermühle, Wasserfälle.
Ein freundlicher Mensch weist uns einen Fußweg, dem wir folgen sollen, so weit uns die Füße tragen.
Und so steigen wir auf schier endlosen, zum Glück flachen Treppenstufen hoch hinauf über eine grünende Schlucht.
Hier nun erst wird mir bewusst, wie schmerzhaft ich „Natur pur“ vermisst habe. Von der Mani nach Neapel – das war ein gewaltiger Sprung. Salerno milderte den Schock, denn Natur und Stadt sind dort freundlicher verzahnt. Aber der Blick aus einem Fenster im 4. Stock, er mag so schön sein, wie er will, und der Besuch einer Gartenoase bringen einen denn doch nicht wirklich in Kontakt mit der Kraft der Natur. Und so hatte sich bei mir langsam eine Art Erschöpfung bemerkbar gemacht.
Jetzt nun steige und steige ich, mit jedem Schritt zwar atemloser, aber auch glücklicher. Endlich eintauchen in die wunderbar schattenden Wälder, die sich mir in den Bergen versprechen. Nun, soweit kommen wir leider nicht, mein Mann macht schlapp. Wir erreichen gerade noch ein zauberhaftes Gasthaus, das, wie ich erfrage, in der Küche ausschließlich selbst Angebautes verwendet. Der kleine Sohn des Hauses läuft täglich die Strecke zur Schule, die wir mühselig erklommen haben. Für den Transport größerer Gegenstände gibt es Esel. Wir genießen eine erfrischende Zitronen-Granita und kehren zurück in die Stadt.
Im städtischen Zentrum beschauen wir uns einen viel fotografierten Figurenbrunnen und anderen hübschen Schnickschnack.
Schließlich bin ich neugierig genug, die vielen Treppen zur Kathedrale zu ersteigen und mir den maurisch inspirierten Kreuzgang (13. Jahrhundert) sowie den zum Museum umgestalteten alten Bau der Kathedrale (6. Jahrhundert) anzuschauen. Und wahrhaftig, es lohnt sich. Wunderbar fügen sich die rankenden und schwankenden Naturformen, die alten Schnitzwerke und feinen Marmorreliefs in den lichten steinernen Kirchenbau. (Die heutige Kathedrale, Neubau aus dem 13. jahrhundert, durcheile ich nur, denn mir gefällt ihre katholisch-düstere Pracht nicht wirklich).
Mit dem nächsten Boot kehren wir zurück nach Salerno, satt und matt von all den Bildern. Und ich beginne endlich wieder zu zeichnen. Aber davon habe ich ja bereits erzählt.
Einen schönen sommerlichen Mittag allerseits! Hab grad die slow-motion Funktion auf meinem Handy entdeckt, bin in den Garten gegangen und habe den Flug eines Schmetterlings zu verfolgen versucht. Der Schmetterling ist sehr schnell – ich bin eher langsam – doch nun haben wir uns ein wenig im Tempo angeglichen. Auch wenn mein kleines Video technische Rafinesse vermissen lässt, freut es mich. Eine kleine Begleitmusik wäre schön, aber wie man die einfügt, entzieht sich leider meiner Kenntnis.
Wir steigen aus dem Boot, das uns von Salerno nach Amalfi gebracht hat, und landen auf einem von Touristen überwimmelten Hafenkai. Nur weg! ist mein spontanes Bestreben. Doch wohin? Vor mir zeigt sich ein Tor, daneben ein Plakat: eine Ausstellung über den „Bussula“. Ich weiß, was das ist, denn Bussula heißt – auch auf griechisch – Kompass. Im Leben braucht man einen Bussula, unbedingt, am besten man trägt ihn in sich, aber notfalls tut es ja auch einer im Äußeren, wenn man, wie ich eben gerade, Orientierung sucht.
Also bezahle ich meinen Obulus und steige hinab in ein unterirdisches Gewölbe. Sofort umfängt mich tiefer Frieden. Wo bin ich? Es scheint, es sind die Eingeweide der alten Stadt Amalfi.
Hier, im kühlen stillen Gewölbe lerne ich ein wenig über den Ort, den ich zu besuchen mich anschicke: Amalfi war eine der vier stolzen See-Republiken, und sogar die älteste. Pisa, Venedig, Genua waren die drei konkurrierenden Schwestern. Amalfi gehörte zum byzantinischen Reich, erhielt aber bereits im 9. Jahrhundert volle Autonomie, um sich besser gegen die Attacken der Moslems wehren zu können. Berühmt war es wegen seiner Handels-und Schifffahrts-Gesetze, die für die kommenden Jahrhunderte vorbildlich blieben. Während seiner Blütezeit im 10-12. Jahrhundert unterhielt es Niederlassungen in Konstantinopel, Syrien, Ägypten und an den afrikanischen Küsten. Hier erblickst du Amalfi mit einem Palmenzweig, schön in Marmor ausgeführt. Dazu auch einen sinnenden Hl. Petrus und eine Madonna in Sandstein, einen bronzenen Pegasus, ein Fresco mit einer mittelalterlichen Stadtszene und ein nachgebautes Schiff.
Merkwürdig, die Madonna kommt mir jetzt, beim Betrachten, irgendwie bekannt vor. Nahm ich nicht genau diese Haltung ein, letztens, als Magda mich zeichnete? Manche Haltungen wie die des/der Nachdenklichen mit aufgestützem Kopf sind, scheints, unsterblich.
Dies feingliedrige bewegliche Wesen sah ich auf einer Wanderung oberhalb von Amalfi. Es steht für viele Freuden, mit der mich dieser Wanderweg beglückte.
Ich sagte es bereits: Der Festerblick aus unserer Mansarde ging weit und ungehindert in die Ferne. Er streifte über die Ziegeldächer der Altstadt hin, glitt hinunter zum Hafen und hinauf zu den nahen Bergen, verlor sich im Himmel über dem Meer. Manchmal zoomte ich mir Stadtbilder nahe herum, zumal ich endlich die Zoom-Funktion meines Handys begriffen hatte. An zwei der vier Tage unseres Aufenthalts gab es heftige Regengüsse, die die Stadt zu unseren Füßen ertränkten und die farbigen Häuser in ein schleiriges Grau hüllten. Dann passierte es auch, dass das himmliche Restlicht die matten Spiegelflächen im Raum magisch ausleuchtete. Doch bald klarte es auf, farbige Wolken und Wolkenschleier prankten über der dunklen, regensatten Stadt. Und ich befand: Am Ende ist doch alles eine Frage des Lichts.
(anklicken = mehr sehen)
Glücklicher als ich auf dieser Bootsfahrt von Salerno nach Amalfi und zurück kann man nicht sein. Keine Entscheidung treffen, keinen Schritt machen, keine Treppen steigen, keinen Schweiß von der Stirn trocknen – sondern einfach nur sich gleiten lassen und zuschauen, wie die Küste an mir vorbeigleitet – vorne auf dem Boot sitzend, das leichte Schlagen des Boots auf den Wellen spürend, von Meeresschaum dann und wann leicht bespritzt. Auf der Hinfahrt knipste ich wie besessen, damit mir ja keine Krümmung der Horizontlinie, keine Ansiedlung, keine Felsnase, kein Hafen entging. Das Meer war sehr dunkel, fast schwarz, denn am Vortag hatte es geregnet, und ein feiner Wind zierte die dunkle Oberfläche mit Schaumkrönchen.
Auf der Rückfahrt glitt dann endlich auch mein Bleistift über das glatte Papier meines kleinen Blocks, den ich doppelseitig nahm, glitt von Seite zu Seite, immer neu ansetzend, wenn ein Küstenstück sich vor das andere schob, wenn die Horizontlinie mit neuen Kurven reizte. Niemals würde ich aufhören. Doch dann war der Hafen von Salerno erreicht, und Schluss wars mit den Freuden der Seefahrt.
(zum Vergrößern bitte anklicken)
Im Archäologischen Museum von Neapel ist die berühmte Skulptur des Faun zu sehen, die man im „Haus des Faun“ in Pompeji fand.
Wilde, tänzerische Naturkraft ist hier Gestalt geworden und in Bronze gegossen auf uns gekommen. Was wissen wir noch vom Gott Faun? Was von dieser Naturkraft, die die Griechen Pan nannten? Erotik bis hin zur offenen Lüsternheit, sehnende Flötentöne, unbändige Fortpflanzungskraft, den Christen suspekt, weshalb sie aus ihm ein Zwitterwesen halb Mensch, halb Ziegenbock machten – Vorlage für den Teufel, dessen lüsternes Wesen sich im Hexensabbath austobte.
Im Plural gibt es die Faune, im Griechischen Satyrn genannt, bocksbeinige geile Naturwesen, die sich im Gefolge des Gottes Dionysos einfinden, wenn der Wein in Strömen fließt und die Frauen sich in Ekstase die Kleider vom Leib reißen.
Gott Faun stammt denn auch von Gottvater Saturn ab – und das heißt, die Linie verweist zurück ins „Goldene Zeitalter“, das im antiken Rom mit den Saturnalien zur Wintersonnenwende gefeiert wurde. Zu Saturns fernen goldenen Zeiten herrschte noch Fülle, und es gab keine Herren und keine Sklaven, sondern nur lustvolle Gegenseitigkeit. Jedenfalls glaubte man das und machte sich reichlich Geschenke zum Fest.
Nun aber, hier im Archäologischen Museum von Neapel, gehe ich abseits des main stream auf ein offenbar zeitgenössisches Gemälde (Druck) des Gottes Faun zu, um schockiert stehen zu bleiben. Das ist doch …
Ja, es stimmt. Die hohe Naturkraft hat sich, nachdem sie schon zum christlichen Teufel mutierte, nun in einen Roboter verwandelt, der ein selbstverliebtes Selfie schießt. Welch eine Transformation – dachte ich, nicht wenig schockiert. Ist unsere Zeit tatsächlich des Glaubens, dass wir die Naturkäfte durch Maschinenwesen ersetzen können? Und die Gegenseitigkeit durch Selbstbespiegelung? Und in der Mitte der Mensch.
Leider konnte ich den Namen des genialen Künstlers nicht sicher einziffern (er steht rechts unten auf der Leinwand)
Der Mensch ist als Organismus bekanntlich Natur und damit den Naturprozessen unterworfen. Sein Leib wächst, entwickelt sich, wird von Krankheiten und Alter entstellt, stirbt. Doch etwas in ihm wehrt sich dagegen, stets sich wandelnde, vergängliche Form zu sein. Und so tritt er als steinerne, gegossene, geschnitzte, gemalte Form aus sich heraus. Das bin ich – sagt er. Schaut mich an. Er hebt sich damit aus den Naturprozessen heraus, auf dass er unsterblich werde. Jedenfalls versucht er es.
Völker und Kulturen sind diesem menschlichen Bedürfnis, sich selbst als Objekt anzuschauen und dadurch eine Art Unsterblichkeit zu erlangen, sehr verschieden begegnet. Der eine Pol ist das völlige Verbot der Menschendarstellung – so im Islam. Im römischen Kaiserreich treffen wir auf den entgegengesetzten Pol: Die Selbstdarstellung wird ins Extrem getrieben. Vom Imperator bis zum einfachen Bürger und zur braven Bürgerin wünscht jeder und jede sich, sein bzw ihr Konterfei zu sehen und an die Nachwelt zu überliefern.
Häufig folgt das persönliche Portrait einem vorgeprägten Standard. So lassen sich römische Bürger in herrschaftlicher oder antikisierender Pose abbilden und nehmen Frauen aus dem Volk die Haltung gelehrter Vorbilder ein (hier: Sappho – Bäckersfrau, unbekannte Lady) … Die Grenzen zwischen dem göttlichen Ideal und der unverwechselbaren sterblichen Person verwischen sich.
Diese Standards halten sich übrigens manchmal über die Jahrtausende, wie der Vergleich zwischen einer im 2. vorchristlichen Jahrhundert geschaffenen Skulptur und einer gestern entstandenen Portraitzeichnung (Poppy zeichnet Konstantina) zeigt: der gleiche überlange Hals, die leichte Neigung des Kopfes, die das Gesicht umgebende Hülle, der Gesichtsausdruck. An den Haaren herbeigezogen? Nein. Unbewusster Vermittler ist hier die griechische Ikonenmalerei.
Doch seit dem Schock der Moderne und der großen Kriege sind die Kunst-Standards ins Wanken geraten. Zu sehr hat sich das Selbstgefühl des Menschen in der Welt verändert. Nicht mehr hat er das Selbstbewusstsein: Hier stehe ICH bis in alle Ewigkeit. Nein, er fühlt sich verletzlich, austauschbar, vergänglich. Aus Marmor wird Gips, aus Bronze verbranntes Holz. – Im Archäologischen Museum von Neapel standen zwischen den römischen Skulpturen aus Marmor und Bronze plötzlich ganz andere aus hinfälligem Material: Holz, oft zu Kohle verbrannt, Gips, Fell. Diese stammen von einem zeitgenössischen Künstler: Aron Demetz aus Italien. Kongenial stellt er den selbstbewussten zukunftsfreudigen Skulpturen der römischen Epoche, die sogar einen Vulkanausbruch überstanden, sein modernes brüchiges Werk an die Seite.
Der Mensch erscheint nicht mehr als das übergroße Ego, das sich in Marmor und Bronze verewigen möchte, sondern als flüchtige Form, schmerzhaft gehäutet, brüchig, verkohlt. Diese seine Form ist nur eine Sekunde von der völligen Auslöschung entfernt. Das Material, aus dem sie gemacht ist, kann ungehindert wieder zurückfließen in den Kreislauf alles Organischen. Und dennoch strahlen seine „Menschen“ eine große Würde aus, die geistig-seelischer Art ist und jede Einzelform überdauern wird.
Hier eine Zusammenstellung antiker Skulpturen und solcher von Aron Demetz, ab und an zusammen mit jetzt lebenden Besuchern der Ausstellung im Archäologischen Museum von Neapel. Ich denke, du wirst kein Problem damit haben, die Skulpturen zuzuordnen? (zum Vergrößern anklicken).
der „kniende Barbar“ von damals hat mehr Kraft und Eigensinn als der heutige moderne Mensch.