Das Fotografieren von Menschen hat etwas Heimliches, Verstecktes, Lauerndes. Außer man hat die Erlaubnis dazu. Aber das ist etwas anderes, dann werden es kontrollierte Portraitaufnahmen.
Fotografieren von Menschen ist nur eine Steigerung dessen, was ich ständig tue: Menschen beobachten. Ich beobachte sie nicht, um sie auszuspionieren oder zu bewerten, sondern nur, um zu sehen, wie Menschen sind. Was sie tun und treiben. Wie sie sich bewegen. Ihre Proportionen. Ihre Befindlichkeit. Ich denke, alle Menschen tun das: andere beobachten. Aber selbst möchte man nicht beobachtet werden. Das ist der Zwiespalt.
Heute war ich in Athen, im „Park der Freiheit“ mit dem Standbild von Eleftherios Venizelos, dem großen kretischen Politiker, der die griechischen Geschicke zu Beginn des 20. Jahrhunderts gestaltete. Heiß war es, aber nicht mehr drückend. Schattenplätze waren begehrt. Ich hatte Zeit, mich umzusehen, entdeckte Durchgänge und schöne Gebäude aus anderen Epochen, manche halb zerfallen. Ich zeichnete auch. Und beobachtete Menschen.
Manche Szenen waren witzig, so diese drei jungen Männer, die mit Tabletts, auf denen gefüllte Wassergläser standen, hin und her marschierten. Training fürs Kellnern. Wie eine Theaterszene.
Herrn Venizelos konnte ich ganz offen fotografieren, natürlich. Der Abgebildete ist längst tot, ist Legende. Da darf man das. Er schaut über den Park hinweg, mit wehendem Mantel und vorgerecktem Kinn, schaut über das Gewimmel der Häuser hinweg auf den Berg Hymettos, der im Dunst der Hitze verschwimmt.


























