Montag ist Fototermin: Sehen und nicht gesehen werden (Park der Freiheit, Athen)

Das Fotografieren von Menschen hat etwas Heimliches, Verstecktes, Lauerndes. Außer man hat die Erlaubnis dazu. Aber das ist etwas anderes, dann werden es kontrollierte Portraitaufnahmen.
Fotografieren von Menschen ist nur eine Steigerung dessen, was ich ständig tue: Menschen beobachten. Ich beobachte sie nicht, um sie auszuspionieren oder zu bewerten, sondern nur, um zu sehen, wie Menschen sind. Was sie tun und treiben. Wie sie sich bewegen. Ihre Proportionen. Ihre Befindlichkeit. Ich denke, alle Menschen tun das: andere beobachten. Aber selbst möchte man nicht beobachtet werden. Das ist der Zwiespalt.

Heute war ich in Athen, im „Park der Freiheit“ mit dem Standbild von Eleftherios Venizelos, dem großen kretischen Politiker, der die griechischen Geschicke zu Beginn des 20. Jahrhunderts gestaltete.  Heiß war es, aber nicht mehr drückend. Schattenplätze waren begehrt. Ich hatte Zeit, mich umzusehen, entdeckte Durchgänge und schöne Gebäude aus anderen Epochen, manche halb zerfallen. Ich zeichnete auch. Und beobachtete Menschen.

 

Manche Szenen waren witzig, so diese drei jungen Männer, die mit Tabletts, auf denen gefüllte Wassergläser standen, hin und her marschierten. Training fürs Kellnern. Wie eine Theaterszene.

Herrn Venizelos konnte ich ganz offen fotografieren, natürlich.  Der Abgebildete ist längst tot, ist Legende. Da darf man das. Er schaut über den Park hinweg, mit wehendem Mantel und vorgerecktem Kinn, schaut über das Gewimmel der Häuser hinweg auf den Berg Hymettos, der im Dunst der Hitze verschwimmt.

 

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Montag ist Fototermin: Scherenschnitt, lichtlos

 

Vorgestern nachmittag: Die Hitze hat den Himmel über Athen in bleiernes Grau verwandelt. Zwei Tauben sitzen in der Pinie an meinem Balkon, rühren sich nicht. Ihre Silhouetten zeichnen sich so dunkel vor dem Grau des Himmels ab, als seien sie eins mit dem Baum. Auch die rötliche Hauswand wirkt schwarz. Alles Licht scheint aufgesogen zu sein.

Wenig später mache ich ein zweites Bild. Nichts hat sich verändert. Oder hat sich das Grau des Himmels weiter verdüstert?

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Andreas Schnipsel – erste Gehversuche (Oberfläche, Formen, Farben im Vergleich)

Was ist anders an Andreas Schnipseln, verglichen mit den vier Vorgängern?
Erstens und offensichtlich: die Qualität des Papiers. Handgeschöpft aus Altpapiermasse ist es, und so sind die Oberflächen rau und samtig, die Farben haben eine geringe Leuchtkraft, die Ränder sind unbestimmt weich und kantenlos, die Farbe bedeckt nur Teile der angerissenen Fläche.

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Zweitens die Form: es gibt eigentlich nur drei Formen: längliche, leicht wellige Steifen, annähernd rechteckige Stücke und formlose Winzlinge.

Drittens die Farben: ich unterscheide drei Blautöne, drei Grüntöne und gelb-graun gemusterte Stücke. Sie alle werden durch eine Menge farbloser Stücke quasi gerahmt (der Haufen oben rechts). Eine gewisse Ähnlichkeit der Farbskala mit Ules Ostsee-Schnipseln fiel mir auf. 

Andreas Schnipsel geben keine dezidierten Formen vor, aber es gibt eine Tendenz zu geometrischen Grundformen. – Ähnliches fand ich bei Susannes Schnipseln, die freilich viel bestimmter und scharfkantiger sind.

In meiner ersten Annäherung an das neue Material begann ich zu bauen. Die unregelmäßigen Rechtecke erinnerten mich an die Natursteinmauern meines Hauses in der Mani, die wegen der Erdbeben mit einem Stahlbetongerüst verstärkt sind.

In einem zweiten Anlauf ging ich weniger von der Form als von den Farben aus. Und so entstand eine von hohen Bäumen überwachsene Steilküste mit turmartigem Gebäude am Meer – auch dies Anklänge an die Landschaft der Mani.

Für diese beiden Bilder habe ich die farblosen Schnipsel aussortiert, aber alle farbigen verwendet.  Bei den nächsten Versuchen werde ich wohl eine engere Auswahl treffen, damit die Einzelstücke mehr zur Wirkung kommen.   Aber mal sehen.

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abc etüde: Kein Zeitplan (Kurzprosa)

Christianes neue Einladung mit Gerhards Wörtern (von Kopf und Gestalt) ist im Netz. Da schreibe ich doch gleich mal eine abc-etüde.

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Zwei Obdachlose an einem Brückenpfeiler sitzend und ihre Mahlzeit am Feuerchen aufwärmend.  Im Vorbeigehen schnappte ich einen Satz ihres Gesprächs auf und notierte ihn mir:

Schlimm finde ich, dass die Regierung auch jetzt, wo die Infektionsraten täglich fallen,  noch keinen Zeitplan veröffentlicht hat, wann unsere Grundrechte wieder vollgültig in Kraft treten.

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Andreas Schnipsel sind da!

Ihr erinnert euch? Ich wünschte mir neue Schnipsel.

Und nun: Große Freude! Die ersten Schnipsel aus Deutschland haben den Weg nach Griechenland geschafft, ganz real mit der Post und nicht digital. Gerissen aus handgeschöpftem Papier, haptisch ansprechend. die meisten fein bemalt in Blau-, Grün- und Brauntönen, andere in ihrer ursprünglichen hellgrauen Rauheit belassen, gleiten sie mir durch die Finger, die die lebendige Oberfläche freudig begrüßen.

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Andrea Heming

Danke Andrea von Frauhemingistunterwegs.wordpress.com!

Am 28. April hast du die Schnipsel zur Post getragen, schön und sicher verpackt, begleitet von einer witzigen Karte, auf der du mir auch den Ursprung dieser Schnipsel beschreibst:

„Vor Jahren bekam ich von meinem Patenkind 3 Blätter handgeschöpftes Papier geschenkt, aus Altpapier in einem Ferienlager hergestellt. Irgendwann nahm ich die Blätter mit auf ein Kunstwochenende und bemalte sie mit Yaxon-Kreide. Zum geplanten Aufhängen ist es nie gekommen. Zuerst wollte ich sie tatsächlich „schnipseln“, also schneiden, aber die weiche Struktur reizte meine Finger, und so habe ich unterschiedliche Größen und Formen gerissen…“

Diesen Urprung zu kennen, ist für mich sehr wertvoll. Denn so sind es nicht irgendwelche Schnipsel, sondern die Freude des gelingenden Papierschöpfens im Ferienlager, Freude eines jungen Menschen, das liebevolle Geschenk für die Patentante, der Weg ins Kunstwochenende, das Bemalen, die kleine Enttäuschung, dass es  nichts mit dem Aufhängen wurde, dazwischen Jahre und Jahre, nun das Erinnern, tastende Finger, die das Papier zerreißen, Gedanken der Schenkenden, wie diese farbigen Papierschnipsel wohl durch mich „künstlerisch transformiert“ werden (so schreibst du, Andrea) – all das ist als Energie in das Material eingegangen. Und nun bin ich auch gespannt, wie sich die Teile zu Bildern und Bildgeschichten fügen werden.

Sei von Herzen bedankt, Andrea – und hab ein wenig Geduld, bis ich mich in das neue Material, das wieder ganz anders ist als die vier Vorgänger, hineingefühlt habe.

Hier nun alle bisherigen Schnipselspenden als Übersicht. Wenngleich ihr die Schnispel nicht in die Hand nehmen könnt, bekommt ihr vielleicht doch einen Eindruck von der Verschiedenheit und dem persönlichen Charme dieses besonderen Legematerials :

 

 

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Den Debattenraum erweitern (2): Appell eines Intensivmediziners

In diesem Video geht es um Covid19-Angst. Ein Intensivmediziner appelliert an Wissenschaft und Politik: Hört auf, nicht gerechtfertigte Angst weiter zu schüren. Bringt Kinder nicht um das, was sie am meisten brauchen: das Gefühl von Sicherheit und Nähe. Helft, das Gesundheitssystem jetzt so zu reformieren, dass es in Zukunft keinen Grund für Angst mehr gibt.

Ich habe diesen Aufruf von einem Arzt, der tief beunruhigt und offenbar nicht gewohnt ist, sich an die Öffentlichkeit zu wenden, mit großer Anteilnahme angesehen und kann ihn warm empfehlen.

https://youtu.be/anrITSS4q30?t=16

 

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abc-etüde. Vom Leben und Streben eines Katalanen (Kata-Strophen).

Der KATAMARAN verlangte noch eine zweite Etüde, denn die Tage sind heiß und locken ans Meer. Danke, Christiane, immer wieder für die Einladung, danke Olpo Olponator , für die drei ungewöhnlichen Wörter!

Vom Leben und Streben eines Katalanen.

Ein Mann aus Katalonien
Der war sehr gern aloin
Er liebte sein Lakonien
Und dichtete lakonisch
Und manchmal recht ironisch
Bei einem Gläschen Woin.

Doch hat er Fans die an ihm klebten
Die ihn umschwirrten wie die Mücken
Und parasitisch von ihm lebten
Sie hängten sich an sein Kata-
Als wärs vom Himmel das Manna.
und suchten Lücken.

Als erste kam die Strophe her
Sie sang und klang verführerisch
Verliebt war der Kata gleich sehr
Doch was zuvor lakonisch klang
Das wurde kata-strophisch-bang.
Da musst ein Wechsel her.

Ich bin der Wechsel, rief die Lyse
Ich helf dir raus aus der Verbindung
Komm her, du Süßer, meine Kysse
Die setzen deine Kata frei
Ich bin Befreiungs-Hexerei,
und Lösungsfindung!

Kaum war der Katalane frei
Fing schon die Kombe an zu lallen
Komm Kata; lieg mir liebend bei.
Im Grabe ruhen wir vereint
Wo uns die Sonne nie bescheint
Und lauschen Nachtigallen.

Doch einmal ließ die Kombe los
Der Kata-Mann sogleich entfloh
Zur Küste, sah, sprang auf ein Floß…
Die Maran wars aus fernem Land
Die reichte ihm die schöne Hand
Da war der Kata froh.

Großspurig eben noch ward Kata klein
Denn nichts ist schöner als sich wiegen
Im Zweierlei und nicht allein
Katamaran auf weichen Wellen
Über die Wellen hinzuschnellen…
Dass er bereits verheirat war
Und schon mit anderen ein Paar
Das hat er totgeschwiegen

Die Kombe droht. Ich krieg dich schon
Sobald du irgendwann alone
Dann leg ich dich zu mir ins Grab
Wo ich dich immer bei mir hab.

Die Strophe singt verführerisch
Wie ist denn die, schau mal auf misch!
Und willst du nicht, so lass ichs krachen
Ich werde doch am Ende lachen.

Ach ja, die Strophe behielt recht
Die Reime sind mehr schlecht als recht.
Es sind, man merkt es, Kata-Strophen
Von einem Nonsense-Philosophen.

                                                                                                                                       (300 Wörter)

 

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Sehnsucht nach reinen Farben (Aquarell)

Ein heißer Athener Tag geht zu Ende. Der Himmel ist wieder zu, die durchsichtige Bläue der Shut-down-Tage ist einer Abgas-getrübten Suppe gewichen. Da nur wenige die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen mögen, wo Maskenzwang besteht, sind die meisten mit ihren eigenen PKWs oder mit Taxen unterwegs. So auch wir heute, wegen einiger unaufschiebbarer Erledigungen, Schweiß überströmt im chaotischen Verkehr.

Da dachte ich an ein kleines Aquarell, das ich vor ein paar Tagen heraussuchte. Anlass war eine Diskussion bei Joachim Schlichting über die Farben Rot und Grün, und wie sie sich bei Überlagerung zeigen.

Und so zeige ich heute also dies kleine Aquarell von 1992, das sich seine anfängliche Frische bewahrt hat. Ein Frühsommerbild am Meer. Gelb, Rot und Blau, die sich durch Überlagerung oder Vermischung zu Grün, Violett und Goldocker verdichten.

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Den Debattenraum erweitern (Politik).

Gestern erhielt ich eine Mail von einer klugen, besonnenen Leserin, deren Urteil ich vertraue. Sie schrieb mir:

Liebe Gerda,

Hier eine Grundgesetzdiskussion.
Ich bekam diesen link gerade von einer Freundin.
Man kann von KenFm halten, was man will.
aber DIESE Diskussion finde ich wichtig.

https://kenfm.de/positionen-extra/

Herzlich,
E

Sie hängte auch die Mail der Freundin an, die ihr diese Sendung empfohlen hatte;


Liebe Freunde,

ich hab gerade eine echt spannende Dirkussion gesehen und möchte Euch das schicken. Es ist derartig anregend und vielfätig. Eine tolle Runde von sehr feinen und interessanten Menschen verschiedenster Berufe und Einstellungen. Ein „typischer“ Hamburger und der letzte Innenminister der DDR ist auch dabei. Eine große Bereicherung, man erfährt auch viel über Geschichte und verschiedenste Ansätze zu Denken. Fragen zur Dimension des historischen Geschehens momentan werden aufgerissen.

Schaut einfach. Aber es geht eine Weile, dauert schon. Das lohnt sich sehr. Ich finde das jedenfalls. Die Leute sind einfach sehr interessant, die Themen auch und die Art wie sie miteinander reden auch.

https://kenfm.de/positionen-extra/

Herzliche Grüße!
A

Inzwischen habe ich mir die Diskussion angeschaut und möchte mich der Empfehlung anschließen. Warum? Nicht weil ich mit allen Positionen übereinstimme – was auch nicht ginge, denn es wird durchaus kontrovers diskutiert -, sondern weil ich es für ein ausgezeichnetes Dokument halte dafür, wie man miteinander sprechen sollte. Sachkundig, konstruktiv, einander zuhörend, aufeinander sich beziehend, respektvoll, kontrovers, kenntnisreich. – Eine Debattenform, die leider immer weniger gelingt und doch dringender vonnöten ist als je zuvor. Denn wie die Gesellschaft sich weiter entwickelt, hängt in erster Linie davon ab, ob die Spaltungen sich vertiefen oder ob es gelingt, den Debattenraum zu erweitern, indem man dem anderen zuhört. 

https://kenfm.de/positionen-extra/

 

 

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Ping Pong 087

PING 087

ULLI AN GERDA → WIE WIR UNS DREHEN UND WENDEN …

PONG 087

GERDA AN ULLI → …JEDE BEWEGUNG ERZEUGT IHRE GEGENBEWEGUNG              

„Einheit der Gegensätze“ , digital bearbeitetes Legebild 2020-05-14

PING 088

GERDA AN ULLI → GLÜCKLICH, WER ZWISCHEN HIMMEL UND MEER ….

„Zwischen Himmel und Meer“, Legebild

Hier geht es zu allen bisherigen PingPongs → https://cafeweltenall.wordpress.com/galerien/ping-pong/.

DIE IDEE→ https://cafeweltenall.wordpress.com/2019/02/05/ping-pong-001-2019/

 

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