Montag ist Fototermin: Sehen und nicht gesehen werden (Park der Freiheit, Athen)

Das Fotografieren von Menschen hat etwas Heimliches, Verstecktes, Lauerndes. Außer man hat die Erlaubnis dazu. Aber das ist etwas anderes, dann werden es kontrollierte Portraitaufnahmen.
Fotografieren von Menschen ist nur eine Steigerung dessen, was ich ständig tue: Menschen beobachten. Ich beobachte sie nicht, um sie auszuspionieren oder zu bewerten, sondern nur, um zu sehen, wie Menschen sind. Was sie tun und treiben. Wie sie sich bewegen. Ihre Proportionen. Ihre Befindlichkeit. Ich denke, alle Menschen tun das: andere beobachten. Aber selbst möchte man nicht beobachtet werden. Das ist der Zwiespalt.

Heute war ich in Athen, im „Park der Freiheit“ mit dem Standbild von Eleftherios Venizelos, dem großen kretischen Politiker, der die griechischen Geschicke zu Beginn des 20. Jahrhunderts gestaltete.  Heiß war es, aber nicht mehr drückend. Schattenplätze waren begehrt. Ich hatte Zeit, mich umzusehen, entdeckte Durchgänge und schöne Gebäude aus anderen Epochen, manche halb zerfallen. Ich zeichnete auch. Und beobachtete Menschen.

 

Manche Szenen waren witzig, so diese drei jungen Männer, die mit Tabletts, auf denen gefüllte Wassergläser standen, hin und her marschierten. Training fürs Kellnern. Wie eine Theaterszene.

Herrn Venizelos konnte ich ganz offen fotografieren, natürlich.  Der Abgebildete ist längst tot, ist Legende. Da darf man das. Er schaut über den Park hinweg, mit wehendem Mantel und vorgerecktem Kinn, schaut über das Gewimmel der Häuser hinweg auf den Berg Hymettos, der im Dunst der Hitze verschwimmt.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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11 Antworten zu Montag ist Fototermin: Sehen und nicht gesehen werden (Park der Freiheit, Athen)

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Schöne Aufnahmen! Du als „Spionin“ im Versteck, das ist ja originell!😊

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  2. Heidi schreibt:

    Sehr schöne Fotografien von wie befreit wirkenden Leuten, u,a, die „Kellner“!!
    Ich wünsche Dir einen schönen Abend.

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  3. Myriade schreibt:

    Das können doch keine welken Blätter auf der Wiese sein, oder ?

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  4. gkazakou schreibt:

    Doch, die Wiese war übersät mit Platanenblättern. Aber die Bäume sind grün.

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  5. TeggyTiggs schreibt:

    …es ist wahr, wir beobachten gern die anderen…ich könnte stundenlang im Café sitzen und Leute beobachten…

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  6. Werner Kastens schreibt:

    Mit Deinen Ausschnitt-freistellen-Bildern wirst Du im übertragenen Sinne zu einer Dichterin, weil sie auf einmal anfangen zu „sprechen“, mehr zu sagen, als man „oberflächlich“ sieht!

    Gefällt 1 Person

  7. Waren es Tabletts oder „tablets“? Im letzteren Fall wäre es es besonders originell… Aber während ich schreibe, fällt mir ein, dass die Szene in Griechenland spielt, wo die Namensgleichheit wohl nicht gegeben ist 😉

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