Sonntag war Fototermin: Bucht am Morgen, Bucht am Abend

Morgens um 8 bin ich in meiner Bucht. ein paar Frühaufsteher sind schon da.

Nanu, die beiden Frauen mit den Hunden kenne ich doch? Sie wohnen im Nachbardorf, aber hier sind die Hunde freier.

Nach einem heißen Tag, den ich im Haus verbringe, treffe ich mich am Abend mit drei anderen Frauen in der Bucht. Die eine hat ihr Töchterchen mitgebracht. Der Wind hat aufgefrischt, hat das Meer in tanzende Bewegung versetzt und die meisten Besucher vertrieben.

Wir ergattern den einzigen Baum, eine Tamariske, die vor ein paar Jahren vom Meer entwurzelt wurde, sich aber sich wieder erholt hat. Dies Foto ist von 2016, das Wurzelwerk wurde inzwischen leider weitgehend abgesägt.

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das Wurzelwerk im Jahr 2016.

Es sind erstaunliche Bäume, die durch ihre Blätter Salz ausscheiden. Drum können sie nah am Meer gedeihen. Ich habe schon manches Mal von diesem Baum erzählt, etwas ausführlicher hier: https://gerdakazakou.com/2016/06/06/almyriki-tamarisken/

Hier sitzen wir zu fünft im heißen gleißenden Licht, klönen und stürzen uns immer wieder ins herrlich kühlende Meer.

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Impulswerkstatt Bild No 2: Regenelefantenlied

Dies ist ein Beitrag zu: https://laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com/2021/07/02/einladung-zur-sommer-impulswerkstatt-juli-und-august/

Regen – das wär was! Aber der Himmel zeigt nur erbarmungslose (wunderbare) Bläue, der Sommer brütet über dem Land, das schon allzulange keinen  Regentropfen mehr gesehen hat. Ich gehe früh morgens schwimmen, da kühlt mich das salzige Nass des Meeres, und diese Abkühlung muss bis zum Abend halten.

Nun ist dieser Zustand allerdings nicht einmalig in diesem Land, immer wieder gibt es lange Dürrezeiten.

In einer solchen Trockenzeit dichtete ich im Rahmen von Christianes abc-etüden ein Lied vom Regenelefanten (die zu benutzenden Wörter waren „Zeitplan, fallen, schlimm“), legte dazu auch ein Bild mit Andreas Schnipseln, und kaum war ich fertig damit, begann es zu regnen.  Es war ein erstklassiger, ein geradezu klassischer Regenzauber!

Angesichts des funkelnden Regentropfenbildes von Myriade, das mir wie eine ferne Verheißung vorkommt (Verheißung, was für ein Wort auch! Viel besser wäre aktuell – nein, nicht Verkühlung, wohl aber Abkühlung!)  dachte ich: vielleicht hilft mein Elefantenregenlied ja auch heute, trotz aller gegenteiligen Wetterprognosen? Und da viele meiner LeserInnen diesen Regenzauber noch nicht kennen, aber vielleicht nützlich finden, hier noch mal:

Der Regen-Elefant

Wie man vernimmt
Ist Regenzeit
Mein Zeitplan stimmt
Ich weiß Bescheid
Gleich morgen solln sich Wolken ballen
Gleich morgen wird der Regen fallen
Die schlimme Dürre wird nicht dauern
Gleich morgen schon beginnts zu schauern
Ich sags euch, denn ich weiß Bescheid
Die Regenzeit, die ist nicht weit.

Der Morgen kam, doch keine Wolke
Wenngleich sehr fern ein Donner rollte
Die Sonne schien in einem fort
Das Land blieb trocken und verdorrt.
Wie soll ich jetzt mein Kopfhaar waschen?
Wie füllen meine Wasserflaschen?

Da kam der Elefant daher
Im Maul trug er das halbe Meer
Das trug er her, der Elefant
Ganz hurtig kam er angerannt
Der Elefant der hat Talent
Die Rüsseldusche sein Patent!

Der Elefant
Der das erfand
Der kriegt von mir nen Orden.
Was ist aus ihm geworden?

Ja, wo ist er? Hat jemand von euch ihn gesehen, vielleicht gar abgeworben? Dann gebt ihn mir, bitteschön, sofort zurück! Er wird hier gebraucht!

Durch Giselas Kommentar fiel mir der Uraltschlager ein, den Dalida einst mit enormem Erfolg sang:

Am Tag, als der Regen kam
Lang ersehnt, heiß erfleht
Auf die glühenden Felder
Auf die durstigen Wälder
Am Tag, als der Regen kam
Lang ersehnt, heiß erfleht
Da erblühten die Bäume
Da erwachten die Träume
Da kamst du
Ich war allein im fremden Land
Die Sonne hat die Erde verbrannt
Überall nur Leid und Einsamkeit
Und du, ja, du
So weit, so weit
Doch eines Tag’s von Süden her
Da zogen Wolken über das Meer
Und als endlich dann der Regen rann
Fing auch für mich das Leben an
Ja ja ja ja ja ja ja
Am Tag, als…

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Myriades Impulswerkstatt, Bild No 1: Gestrandet.

Einladung zur Sommer-Impulswerkstatt – Juli und August

Danke, Myriade, für die wieder sehr anregenden Bilder. Ich möchte heute No 1  nachspüren, eine Geschichte dazu erfinden. (Quellen: Die Zeichnung habe ich auf Samothrake angefertigt, die Fotos machte ich in einem fast verlassenen Bergdorf im Taygetos)

Gestrandet

Was soll sie hier. Der Sohn hat sie mitgeschleppt. Weil er sie braucht? Wozu denn? Weil er sie nicht zurücklassen konnte? Er war ja der letzte, der ging.

Was soll ich dort, hat sie gejammert. Lasst mich hier. Besser ich bleibe wo ich bin, kann noch ein paar kleine Freuden erleben, hier. Geht nur, geht. Ich bleibe. Aber das ließen sie nicht zu, der Sohn und seine Frau.  Und nun irrt sie über den leeren hellen Strand. Sich zu schützen, trägt sie das schwarze Tuch, den Mantel bis zum Boden. Eine schwere Gestalt und nutzlos. Ihr Schatten ist heller als sie selbst.

Dies Meer ist nicht ihr Meer. Dieser Strand nicht der ihre. Sie fühlt seine Fremde. Schwer geht es sich im fremden Sand. Schwer ist jeder Schritt, der noch gegangen werden muss.

Sie kommt auf mich zugewandert, gleich werde ich ihr Gesicht erkennen. Aber sie schaut nicht zu mir hin. Nirgendwo schaut sie hin, stapft den Strand entlang, irgendwo dahinten, jenseits des Strandes, wird sie ihre Leute finden. Ihre Leute. Vielleicht.

Sie ist nicht zufrieden hier. Wie denn auch. Was soll sie hier. Zu Hause war Leben gewesen. Kein Reichtum, aber Leben. Sie hatten ihr Auskommen. Ein paar Nachbarn waren geblieben. Ihr Haus hätten sie reparieren können.

In der Nähe gab es eine Menge Esskastanien, die konnte sie sammeln und rösten,  und ihr Jüngster konnte sie auf dem Markt verkaufen. Besser als hier als Fremde zu leben.

Einen Esel hatten sie auch gehabt. Und Wasser gabs im Bach. Meistens jedenfalls.

Hütehunde hatten sie für die Schafe. Die konnte man verkaufen. Es waren gute Hütehunde. Schließlich hatten sie auch das Haus und den Esel verkauft und die paar Schafe und Hühner, hatte nicht viel gebracht. Aber es war Geld für die Reise.

Noch sieht sie, wenn sie die Augen schließt,  das Flimmern des Lichts auf dem Weg, der durch den Kastanienwald führt. Doch schon beginnen die Erinnerungsbilder zu verschwimmen, und das Licht des fremden Landes wird sie schließlich ganz verschlingen. Nichts wird ihr bleiben, hier, in dem fremden Land am fremden Meer.

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Pralinen! eine erzieherische abc-Etüde

Noch eine kata-strophische Etüde zum Pralinenthema gefällig?

Schreibeinladung für die Textwochen 25.26.21 | Wortspende von Allerlei Gedanken

abc.etüden 2021 25+26 | 365tageasatzaday

Woran Erziehung scheitert

 

Es sprach die Oma  zu Katrinen

Als die verlangte nach Pralinen:

„Sehr viel gesünder als Pralinen

Sind für dich, mein Kind, Rosinen.

Mandarinen, Apfelsinen

Und die leckern Auberginen

Datteln, Mandeln und Karotten

auch Balsamico-Schalotten

und Oliven samt dem Stein

Herzhaft muss die Nahrung sein

Und am allerbesten roh

Dann sind deine Zähnchen froh

Es freut sich auch dein Herz

Wenn sich abwärts

Den Schlund hinab

Zum Magengrab

Die Speise senkt

Und Kräfte schenkt

Dann wandert’s weiter in den Darm

Verdaut wird ohne Pups-Alarm.

So bleibst du stets gesund mein Kind

Und kräftig wie die Speisen sind.“

Doch nicht nach Birnen und nach Pflaumen

Lechzt immerfort Katrinchens Gaumen

Da mag die Oma noch so reden

Herzhafte Speise nährt nicht jeden

Pralinen sinds, was sie verlockt

Kriegt sie sie nicht, wird sie verstockt

Und will partout auch sonst nichts essen.

Das Krautzeug mag der Kater fressen.

Sie will Pralinen, Donnerwetter!

Kriegt sie Pralinen, wird sie netter

Und gibt der Oma einen Kuss.

Die schenkt Pralinen ihr zum Schluss

Und nascht selbst heimlich von dem Süßen

Mögen die Zähne es auch büßen.

Denn Süßes ist in jedem Alter

Ein Seelenfriedeumlegschalter.

Das Bild habe ich aus Schnipselspenden von Leela (bunt) und Jürgen Küster (schwarz) gelegt.

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1. Juli 2021. Ein extrem heißer Tag. Will.i zu Besuch

Ein drückend heißer Tag mit viel Saharasand in der Atmophäre ging zuende. Will.i(e) kam mich besuchen, um mit mir seinen 50. Geburtstag zu begehen. So sagte er. Wir saßen am bleiernen Meer, tranken Wasser, Cola, Bier, Wein, aßen Fischlein, gingen auch eine Runde schwimmen. Die Unterhaltung war schleppend, aber nicht unergiebig. Davon vielleicht morgen.

Heute versuchte ich, mir von meiner lang vermissten Will.ie ein Bild zu machen. Der männliche Grundcharakter hat sich weitgehend durchgesetzt, drum nenne ich sie nun wieder Will.i. Es bleibt eine gewisse Verschwommenheit seiner (ihrer?) Gesichtszüge, als trüge er eine zweite Haut über seinem ursprünglichen Gesicht. Manchmal lächelt er, dann leuchtet er auf in Lebensfreude. Aber meist schaue ich in ein Pokerface, das sich hinter Sonnenbrille und Safarihut verbirgt. Wes Geistes Kind ist er?  Wie ist seine Seelenstimmung? Wohin zielen seine Wissenskräfte?

Beruflich ist er im IT.Geschäft tätig, international aufgestellt, soweit ich verstehe. Das passt zu seiner schon früh erkennbaren Leidenschaft für Zahlen.  Aber er hat auch Sensibilitäten, die mich an Will.ie erinnern. Wie erschüttert war sie doch zurückgekommen von ihrer Zeit in Niger!

Nun muss ich die Eindrücke erst mal verdauen und überschlafen.

Heute nur eine Montage aus Will.ies altem Passfoto und einer heutigen Aufnahme, vor dem bleiernen Meer.

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Impulswerkstatt: Versteinerung-Belebung, Resonnanz mit Petras Beitrag

Informationen zu Myriades Impulswerkstatt .

Als ich Petras neuesten Beitrag zu Myriades „Impulswerkstatt“ sah, begann sich in mir eine Erinnerung zu regen. Ich hatte mich vor vier Jahren mit dem Thema der Versteinerung und Belebung befasst – und genau das ist es, was ich bei Petra dargestellt finde: sie zeigt u.a. einen Stein von der Insel Mön, den sie malerisch belebt, und Protestierende auf dem Taksim-Platz, die, so könnte man denken, dabei sind zu versteinern. Vielleicht versteinern sie aber auch nicht, sondern werden nur in ihrer Geste des Aufschreis festgehalten und können jederzeit wieder ins Leben springen.

In mehreren eigenen Beiträgen habe ich den Vorgang des Versteinerns und Belebens veranschaulicht (hier, hier, hier und hier). Für mich bleiben diese Arbeiten weiterhin aktuell, denn täglich läuft eben dieser Kampf ab: wie der Versteinerung entkommen, wie lebendig bleiben in dieser mir so schwer auf die Seele drückenden Zeit.

Ausgangspunkt meiner damaligen Bilderreihe war das Drama von „Lots Weib„, das mir angesichts einer von Myriade vorgestellten Skulptur erneut in den Sinn kam:  https://gerdakazakou.com/2020/10/17/der-impuls-der-impulswerkstatt-wirkt-fort-lots-weib/ Dort schreibe ich: „Ich hatte, wie so oft, das Bedürfnis, Weiches gegen die Härte der Welt zu stellen. Nahm einen Kohlestift und zeichnete weich emporwachendes Pflanzliches, das die große Leinwand freudig einnahm“.

Diese pflanzliche Gestalt bearbeitete ich weiter, kippte sie, sie wurde zur Landschaft…

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„Dann aber war mein weicher Impuls erschöpft. Ich löschte das Bild aus, drehte es erneut, und wo vorher Pflanzliches aus dem Zentrum erwuchs, ist nun eine Leere, umgeben von Felsstrukturen, die eng und steil emporragen und herabstürzen, kaum einen Durchblick lassend auf ebenes Land und den Spiegel eines Sees.“

Nach weiteren Bearbeitungen erscheint nun „Lots Weib“ in ihrem Ringen, die Versteinerung nicht in sich hineinwachsen zu lassen.

Ich ließ diesen „Impuls“ durch weitere Überarbeitungen und Neuansätze fortwirken, die ich ebenfalls im Rahmen von Myriades Impulswerkstatt dokumentierte. „In (der blau hinterlegten Kohlezeichnung)  hat sich die Felsformation aufgespalten. Aus den beiden Felsen arbeiten sich weiche Menschenformen heraus. (…) Es ist ein Abschiednehmen, ein Hinnehmen und Gehenlassen darin. Der Schmerz des Abschieds versteinert nicht, sondern führt in weich fließender Bewegung jede Seele an ihren Ort. – Schmerz kann versteinern, aber er kann auch lösen und mit den Tränen ausschwemmen, was alt und überlebt ist.“

Hier die erste und letzte Fassung dieser Metamorphose, dazwischen (klein) die verworfene Lösung einer endgültigen Versteinerung und (groß) der Neubeginn mit einer Kohlezeichnung auf goldenem Grund, die dann zur letzten Version der beiden verlebendigten Figuren führt.

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Dieser Prozess ist nie abgeschossen. Stets muss ich ankämpfen gegen Verhärtungsprozesse – seelische, geistige und körperliche Sklerose – um wieder zu verlebendigen, um weich und flüssig zu werden, um Altes loszulassen und Neues zu integrieren.  Und ich denke, dieser Kampf ist nicht nur mein persönlicher. Erkaltende, verhärtende Prozesse finden auch in Gesellschaften und Staatsgebilden statt, und wenn sie zu weit fortschreiten, zerbrechen sie wie ein spröde gewordener Stein, der sich in Staub auflöst.  Wie alles sich auflösen muss, was unlebendig geworden ist, damit es zurückgeführt werden kann in den Prozess des Lebendigen.

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„Farbdruck“ auf Chinapapier (echt oder fake?)

Der „Farbdruck“ ist in Wirklichkeit ein farbig angelegter Monodruck auf gewöhnlichem Papier. Ich habe ihn digital auf das Chinapapier übertragen, dessen leere Bögen ich bei meiner letzten „Zimmerreise“ zeigte. Er ist also „fake“, insofern er vortäuscht, auf Chinapapier gedruckt zu sein. Die digitale Anpassung des Originals an die Größe und Verzerrung des fotografierten Papiers macht die Täuschung (fast) perfekt.

Es ist ein schmaler Grad zwischen fake und echt, zwischen Täuschung und Wahrheit.  Je mehr „echte“ Elemente eingemischt werden, desto schwerer ist es, die Täuschung zu durchschauen.

Wie in der Kunst, so im Leben. Wir leben in einer Zeit, in der wir uns ständig mit mehr oder minder kunstvollen Täuschungen konfrontiert sehen.  Frag nicht nach. „Hauptsache, es gefällt“.

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Zimmerreise: P wie Papiere und Pappen

Selbstverständlich ist mein Atelier gesteckt voll mit Papieren und Pappen jeder Art und Größe. Sie befinden sich waagrecht übereinander geschichtet auf Regalen oder senkrecht in großen Mappen oder als Rollen aufrecht stehend in einem ausgemusterten Karton.

Ganz oben auf dem Stapel liegt ein Umschlag mit ganz besonderen Papieren: Es sind große Bögen Chinapapier, die ich vor vielen Jahren von einem griechschen Graphiker geerbt habe. Leider erinnere ich mich nur an seinen Vornamen: Perikles. Seine Witwe schenkte mir die Papiere sowie einen Haufen nachgelassener Kunstbände, darunter so ziemlich alles, was von Max Beckmann verlegt wurde.  Die Mappe mit den Papieren war bei allen Atelierumzügen dabei, denn ich hatte selten den Mut, das eine und andere dieser wunderschönen seidig glänzenden, reißfesten Papiere zu benutzen.

Damit ihr nun nicht nur zwar schönes, aber leeres Papier seht, habe ich eine Handzeichnung draufkopiert.

So richtig zur Wirkung kommt das Papier dabei freilich nicht. Seine besondere Beschaffenheit – China- und Japanpapier wird aus Pflanzenfasern gefertigt – eignet sich besonders gut für Drucke und Pinselzeichnungen. Ich habe manchmal Stücke des Papiers abgerissen und auf Leinwände geklebt, um den Untergrund zu beleben. Auf diesem  Gemälde (Sonnenuntergang über dem See)…

Japanpapier auf Leinwand ganz

erkennst du den Effekt des ungleichmäßig gerissenen und faltig aufgeklebten Papiers ganz gut, wenn du näher herantrittst (Bildausschnitt):

Japanpapier auf Leinwand 2

oder noch näher:

Japanpapier auf Leinwand

Nun könnte ich fortfahren mit meiner Lieblings-Pappe: der Wellpappe, die ich in vielen Bildern verarbeitet habe. Aber die lasse ich jetzt wohl besser in ihrem Karton, denn die Nacht ist schon fortgeschritten.


Dies ist mein zweiter Beitrag zum Buchstaben P für die Zimmerreisen von Puzzleblume:

Einladung zu den Zimmerreisen 07/2021

 

Ich merke gerade, dass ich mich geirrt habe: N und O sind dran, und nicht O und P, wie ich glaubte. Liebe Heide,  es tut mir leid. Aber nun habe ich trotzdem Lust, das Zusammengestellte zu posten.  Vielleicht magst du diesen Eintrag „P = Papier, Pappe“ und den vorigen  „P = Puppe“ dann im kommenden Monat berücksichtigen.

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Montag ist Fototermin: so viele Holzbienen?

Heute abend sah ich an einem blühenden Strauch eine Menge dicker schwarzer Gesellen mit blauschimmernden Flügeln, die ich für Holzbienen halte. Aber so viele? Bisher sah ich sie immer einzeln oder höchstens als Paar. An diesem Busch aber tummelten sich mindestens 5, vielleicht auch mehr. Wegen der anhaltenden Trockenheit gibt es nicht viele blühende Pflanzen. Vielleicht haben sie sich deshalb an dem einen reich mit Nektar gesegneten Busch verabredet?

Der Strauch als Suchbild:

 

und eine Großaufnahme.

 

 

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Dankbar für eine kleine Oase (Montag ist Fototermin, und alltägliches Zeichnen)

An einem dieser Tage, an denen die Sonne ohne jede Milderung durch Wolken auf die hitzegeplagte Menschheit niederstrahlt, wurde mir ein kleines Cafe in Kalamata zur höchst willkommenen Oase. Das Licht malt, durch Grün gefiltert, Sonnentaler auf das Tischchen, das Glas, den Boden. Der Zitronensaft ist frisch gepresst und kühl. Ich kann aufatmen und sogar eine Skizze machen, während ich auf meinen Mann warte, der etwas zu erledigen hat.

Und wie ich so sitze, dem Lichtspiel im Grün zuschaue, träume ich mich hinüber nach Istanbul, in ein Cafe gleichen Namens: Aman! Aman ist ein Seufzer, ein Klagelaut, berühmt geworden durch die Musik der Rembeten, die sich im alten Istanbul oder, für die Griechen, Konstantinopel versammelten. Bis vor kurzem noch ein nostalgischer musikalischer Treffpunkt und Schmelztigel von Ost und West („Zwei Kulturen, eine Liebe“), nun wohl nur noch virtuell.

Anixe anixe ist griechisch und heißt: Mach auf, mach auf! Ja, das wünsche ich mir: offene Türen, offene Herzen. offene Ohren.

 

Richtig, eine Skizze im winzigen „Reporterblock“ habe ich auch gemacht.

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