Straßenszenen: Fotografie gg Zeichnung

„Oft…findet sich in den schnellen Skizzen etwas, was eine Fotografie so deutlich nicht zeigen würde, weil da zuviele Bildinformationen Aufmerksamkeit fordern“, schrieb Jules van der Ley als Kommentar zu https://gerdakazakou.com/2021/07/12/leute-im-cafe-taegliches-zeichnen/. Damit sprach er einen Gesichtspunkt an, der mir bisher nicht aufgefallen war – vermutlich, weil ich ja auch beim Zeichnen oft viele „Bildinformationen“ mit dem Hauptthema mitlaufen lasse.

Um den Gedanken zu vertiefen, fotografierte ich heute, in einem Straßencafe sitzend, Passanten. Ich benutzte dafür den Zoom und beschnitt die Fotos außerdem, um die Menschen näher heranzurücken.

Zunächst nochmal die gestrigen Skizzen. Sofort wird deutlich, dass ich bei 1 und 2 viele Details der Umgebung angedeutet habe, wodurch die Kaffeehausatmosphäre evoziert wird, bei 3 und 4 mich dann auf die aufeinander bezogenen Gestalten der Menschen beschränkte. .

Nun die Fotos von heute:

Vollkommen anders ist der Bildeindruck. Was bei den Zeichnungen vor allem Haltung und Geste war, ist nun …. Ja, was denn eigentlich? Ich überlasse die Deutung dir.

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Leute im Cafe (tägliches Zeichnen)

Ich liebe ja die Skizzen vom Herrn Dilettanten,  der zu meiner nicht geringen Freude nun wieder bloggt. So angeregt, machte auch ich heute ganz schnelle Skizzen mit dünnem Filzstift im Reporterblöckchen, während ich, in einem Kaffeehausgarten auf meinen Mann wartend, einen frisch gepressten Orangensaft und einen kleinen Espresso genoss.

Die Szenerie: Mein Tisch aus dicken Holzlatten, darauf Glas, Espressotasse und Desinfektionsmittel. Staketenzaun, hohe Reklamefahne, Sonnenschirme, Bäume, Auto, Straßenschild….

Leute:

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Zimmerreise: N wie Nähmaschine

Nun wieder in Athen, bin ich in der glücklichen Lage, euch einen richtigen gewichtigen N-Gegenstand präsentieren zu können: eine alte Singer-Nähmaschine. Unsere Mutter besaß eine solche und produzierte mit ihrer Hilfe die schönsten Kleider und Mäntel. Insbesondere erinnere ich mich an einen Wintermantel, den sie für meine Schwester unter Verwendung von drei mottenzerfressenen Militärmänteln fertigte und einheitlich dunkelblau einfärbte – ein Prachtstück! Eigentlich war alles, was wir trugen, ihren geschickten Näh- und Strickkünsten zu verdanken.

Also dachte ich, ich tue gut daran, mir auch eine Nähmaschine zuzulegen, wer weiß, wozu sie eines Tages von Nutzen sein würde. Und so kaufte ich ein gutes altes Stück, das ich im Frankfurter „Möbelbunker“ sah. Dort erstanden wir fast unsere gesamte Frankfurter Wohnungseinrichtung, beginnend mit einem Küchenschrank, der noch sämtliche blau beschrifteten großen und kleinen Porzellanschuber für Mehl, Zucker etc besaß,  über einen wie eine verblühte Tulpe breit sich öffnenden rötlichen Sessel mit geschnitzten Löwenfüßen bis hin zu einer schweren gusseisernen  Druckpresse mit wunderbar glatten hölzernen Walzen. Leider kann ich mich nicht erinnern, um welchen der vielen Frankfurter Bunker es sich handelte.

All diese wunderschönen geschichtsträchtigen aber unpraktischen Dinge mussten wir in Frankfurt zurücklassen. Im Umzugscontainer der DB, die auf unsere Bestellung hin vor unserer Wohnung im Frankfurter Nordend abgestellt und von mir befüllt wurde, fanden Platz nur die alte Nähmaschine, die noch ungeöffneten Ikea-Möbelpackungen für Wohn- und Schlafzimmer, ein paar Bären und Bälle, Bücher, Kleidung, Bettzeug und sonstiger Klimbim. Mein Sohn trauerte um den Tulpensessel, ich um den Küchenschrank und die Druckpresse. Ja, auch um das selbst gebastelte Kinderhaus, in dem man nicht nur wohnen, sondern von dessen Dach man auch runterrutschen konnte… und vieles mehr. Aber in Athen, so hieß es, würden wir uns nur eine winzige Wohnung leisten können. Also mussten die schönen Dinge zurückbleiben.

Es kam dann anders. Wir fanden eine geradezu hochherrschaftliche Villa, die freilich ohne Bad und Heizung war, dafür aber großräumig, hoch und erschwinglich. Wunderbar hätten sich da der Tulpensessel mit den Löwenfüßen, der samtene Ohrensessel, die Druckpresse, der verschließbare Sekretär mit den großen und kleinen Schubladen, hinter denen sich Geheimfächer befanden…. gemacht. Aber was half das Jammern, es war alles schon verschenkt oder verkauft – bis auf die Nähmaschine.

Bei jenem Umzug erregte sie die Aufmerksamkeit der griechischen Zöllner. Für sie nur musste ich Zoll entrichten, denn sie schien ihnen wertvoll zu sein.  Was in den schmalen hohen Pappkartons sei, wollten sie noch wissen, und als sie hörten: „unser Wohnzimmer“, schauten sie mich nur mitleidig an und winkten den Rest durch.

Seither schmückt die Singer-Nähmaschine eine Ecke unserer Wohnung, wird aber höchst selten benutzt. Doch wer weiß: vielleicht kommt ja noch mal eine Zeit, wo ein solches mechanisches Prachtstück wieder hoch begehrt ist.  Und hübsch anzusehen ist sie allemal, zusammen mit dem unscheinbaren aber echten Thonet-Stühlchen, das es ebenfalls vom Frankfurter Möbelbunker bis in unsere heutige Wohnung schaffte.

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https://puzzleblume.wordpress.com/2021/06/25/einladung-zu-den-zimmerreisen-07-2021/

 

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Grün das Meer, grün der See (Fotografien)

Wieder ein Abschied – vom Tag, vom Meer: Überwältigend das Orangerot des Himmels, das schwebende Rotlicht vor der Küste.  Aber es ist das Schimmern und Flimmern des Meeres in so vielen Farbtönen, die sich zum Gesamteindruck „Türkis“ addieren, was sich mir von diesem Abend einprägt.

Und erneut ist es ein Grün, das mir vom gestrigen Ausflug bleibt:  Polylimnia – ein hügeliges Gebiet in Messenien, das auch im heißen Sommer von Wasserfällen zauberhaft belebt wird.

Mehr zu Polylimnia findest du hier und hier und hier.

Nun geht es nach Athen, den lieben Besucher zu verabschieden. Drei Wochen sind vergangen – wie? Kaum habe ich es verstanden.

 

 

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Zimmerreise: N wie Noch-Nicht-Nacht, Näherkommen

N ist ein sehr schöner Buchstabe – er führt direkt ins Nirvana. Bei Heides Zimmerreisen geht es freilich um konkrete Objekte – und dazu fiel mir nichts ein. Doch scheint mir,  dass eine Reise des Lichts über die Gegenstände dieser Welt durchaus ins Zimmereise-Projekt passt. Wie das Noch-Licht und die Noch-Nicht-Nacht sich über die Gegenstände legen und sie in Hell- und Dunkelzonen teilen, gehört zu meinen intensiven Zimmer-Erlebnissen.

Die Trennlinie zwischen Hell und Dunkel fällt zusammen mit dem Kamin, auf dessen Sims ein Bild steht mit dem Titel „Passage“. Auch in diesem Bild geht es um eine Reise – vom Land der Lebenden ins Totenreich.

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Falls du magst, schau dir die sechs Stadien an, das das Bild selbst durchlaufen hat, ..

Das zentrale Motiv zwischen dem noch hellen Ost-Fenster und dem dunklen Kamin bilden die zwei Symbole der Reise und der Weisheit: Boot und Eule. Das Segel des Bootes ist hell-dunkel gestreift, die tiefstehende Sonne streift ihrerseits die Eule und lässt ihre Augen funkeln.

Die drei Bilder bilden eine Reihe, ihr Thema ist das Näherkommen. Die Nacht naht. Möge sie kommen! Die Weisheitsaugen werden sehend, sobald die Gegenstände der Welt ins Dunkel sinken.

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Einladung zu den Zimmerreisen 07/2021

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Zimmerreise: O wie Osterhase

Ich habe versehentlich schon zwei Zimmerreisen mit dem Buchstaben P gepostet – aber noch keine für N und O. Das muss sich ändern, sagte ich mir und ging in unserer Wohnung umher auf der Suche nach einem O-Objekt. „Objekt“ selbst wäre ja schon mal ein gutes O-Wort, aber doch einer näheren Bestimmung bedürftig. Welches der hunderte und vielleicht tausende  Objekte sollte es denn sein? Da fiel mein Blick auf Mme Osterhäsin und ihren Gemahl, die jahrein jahraus auf der Kommode im Flur stehen und den Obstkorb bewachen, als wär’s ein Nest mit Ostereiern.

Wäre es nicht an der Zeit, ihnen ein wenig Extra-Aufmerksamkeit zu widmen, selbst wenn es nicht ihre Hoch-Zeit ist? Ich mag sie nämlich, wie sie selbstbewusst dastehen, die Hände in die Hüften gestemmt, den Kopf stolz erhoben, die Löffelohren je nachdem breit gefächert oder hoch aufgerichtet. Ich mag ihre adrette Kleidung und ihre Stöckelbeine in den breiten Füßen, ich mag, wie sie sich einander zuwenden oder abwenden und lausche gern ihrer stummen Hasensprache.

Ich nehme sie also heute erstmals bewusst in die Hand, wundere mich, wie federleicht das Holz ist, aus dem sie gesägt wurden (was mag das für ein Holz sein?) drehe sie um und wundere mich gleich noch einmal: von hinten sind sie schlicht und weiß!

Wie sie in unseren Haushalt gekommen sind? Daran errinnere ich mich leider nicht. Es gibt auch keinerlei Hinweis auf den Erschaffer (die Erschafferin) dieser lang-ohrigen Objekte. Aber sag selbst: die drahtigen Barthaare, die Spirale als Ohrbeweger, das Punktauge und die rorarote Wange – hat sich hier nicht ein kreativer Geist offenbart?

Im Duett ist ihr Charme fast unwiderstehlich.

Doch lassen wir sie nun in Ruhe sich ihre Liebe  gestehen, ihre Intimität ausleben und ihre Streitereien austragen. Nicht in alles müssen wir unsere Nase stecken, nicht wahr?

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Zwei Stillleben (tägliches Zeichnen)

Heute habe ich mich mal wieder am eigenen Zopf aus dem Sumpf der Untätigkeit gezogen: Das morgendliche Posten der täglichen Skizzen machte mir Appetit auf mehr, und so setzte ich mich in der Mittagspause hin, noch zwei gründlichere Studien zu machen: No 1 im Hochformat…

und No 2 im Querformat.

Keine Angst, der Kaffeebecher kippt nicht, kann nicht kippen, denn er ist gezeichnet. Vielleicht möchte er seine Zuneigung zur Kugelvase zum Ausdruck bringen, die sich ihrerseits extra schlank machte.

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Kleinkram ins Logbuch nachtragen (tägliches Zeichnen im Reporterblock)

Nur wenig habe ich dieser Tage gezeichnet, aber das wenige hat sich angesammelt, und das sollte nicht passieren. Schließlich ist dies ein Tagebuch – oder besser ein Logbuch („Tagebuch auf Seeschiffen, in das alle für die Seefahrt wichtigen Beobachtungen eingetragen werden“ Definition Wiki). Ich rechne mich gern, wenn auch zu Unrecht, zur Berufsgruppe der Seeleute, weil ich aufgrund meines ersten versicherten Jobs auf einem Fährschiff zwischen Deutschland und Dänemark meine Rente bis heute von der Seekasse erhalte.

Also trage ich die  Kritzeleien der letzten Tage gewissenhaft ins Logbuch nach. Wer weiß, vielleicht transportieren sie Informationen, die für meine Kunst irgendwann wichtig sein könnten, so wie die an sich unbedeutende Messung der Wassertiefe bei Boje 345  für den Nachweis in einem Versicherungsfall.

Die letzte Zeichnung (Couchtisch mit Kram, Rohrsessel und Kamin) ist gestern entstanden – nicht wie die anderen im winzigen Reporterbock, sondern in A5 Format. Mit ihr habe ich auch digital herumgespielt und finde die unterschiedlichen Raumwirkungen interessant genug, um sie hier festzuhalten (bitte zum besser Sehen anklicken).

 

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Lichtwellen auf bewegtem Wasser: digitale Spielereien

Ich versuchte, die Fotos, die ich heute morgen machte, mithilfe von Fotoshop auf ihr Lineament reduzieren. Was würde sich mir da womöglich offenbaren? Ich probierte es mit einigen einfachen Filtern.

Vielleicht siehst du, was ich sehe? Dass die lebendigen beweglichen Lichtwellennetze, nun abstrahiert und verfestigt, wie Vorformen von Seegetieren und Pflanzen wirken?

Ausschnitt in SW

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Montag ist Fototermin: Lichtwellenkieselsteine (kleine Beobachtungen)

Heute morgen wieder in der Bucht am Meer.  Alles wie gestern, nur eine Stunde später, also etwa 9 Uhr Sommerzeit.

Sanftes Wellenspiel, Herrlich kühlendes Schwimmen.  Über die Kiesel laufen Lichtwellen, bilden lebendige  Muster.

Welchen Stein soll ich auswählen, um ihn genauer zu betrachten? Den dunklen, der aussieht, als sei das Lichtmuster in ihn eingelassen?

Einen hellen, umgarnt und bestrickt von verdoppelten Lichtwellen?

Jeder Stein zeigt ein eigenes Muster, das sich unablässig neu bildet im Zusammenspiel der Wellenbewegung, des Lichts und der Oberflächenbeschaffenheit des Steins.

Jeder Stein ist vereinzelt, doch alle sind durch das bewegliche über die Steine hinhuschende Lichtnetz miteinander verbunden. Und so findet jede Lichtlinie auf dem Nachbarstein seine Fortsetzung.

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