Woher kommen wir? Wohin gehen wir? (Fortsetzung zu Versteinerung, Belebung)

Heute habe ich die beiden aus dem Stein sich wieder belebenden Figuren mit Kohle auf eine neue Leinwand gezeichnet, zwei Gestalten vor einen goldenen Grund.

Die eine, so dachte ich, wende sich nach links und schaue, ohne ihren Körper mitzudrehen, nach oben ins Rückwärtige, Vergangene. Die andere stehe, die Arme auf den Rücken gelegt, nun zu keiner Arbeit mehr sie rührend, ruhig schauend und bereit, hineinzugehen in den goldenen Raum.

So dachte ich. Aber als ich sie dann mit schwarzer Akryllfarbe bekleidete, wurde ich unsicher. Schreiten sie vielleicht gar nicht in den Grund hinein, sondern auf mich zu, jetzt, wo sie quasi Fleisch und Blut angenommen haben? Oder geht die Rechte durch das Tor, vor dem sie zögernd steht, ins Licht, und nur die Linke schreitet auf mich zu, das dunkle Haar schwer ihr Gesicht verhängend?

Zu diesem Vexierspiel beigetragen haben die beiden letzten Einträge von Ulli (hier und hier). Im ersten spricht sie von einer bösen Frau mit silbergrauem Haar und roten Tanzschuhen. Das ging mir im Kopf herum. Im zweiten teilt sie Lieder der Sängerin Susanna Berivan. Auf deren fb-Seite fand ich ein Portrait von sich selbst (ich hoffe, es ist gestattet, es hier einzufügen).

Susanna Berivan, ihre fb Seite

Das, was davon in meiner Seele haften blieb, muss mir beim Malen unter den Pinsel geraten sein, ohne dass ich es merkte…

Leinwand, 80 x 100 cm, Kohlezeichnung, Akryllpigment (Goldocker und Schwarz), Kleister, Wasser.

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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17 Antworten zu Woher kommen wir? Wohin gehen wir? (Fortsetzung zu Versteinerung, Belebung)

  1. PPawlo schreibt:

    Das ist ein faszinierender Prozess und ein ebenso spannendes Ergebnis! Danke fürs Mit-teilen!

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  2. kunstschaffende schreibt:

    Dieses Werk hat soviel Interpretationsmöglichkeiten, denn ich sehe es z.Bspl. so:

    Die linke Frau geht schüchtern auf einen zu während die rechte Frau in die entgegengesetzte Richtung geht. Vielleicht hatten die beiden Frauen eine Auseinandersetzung vielleicht aber einfach nur ein beendentes Gespräch oder aber sie liefen nur achtlos aneinander vorbei.
    Ich sehe jedenfalls nichts böses, weder bei der Einen noch bei der Anderen!

    Diese Arbeit zeigt zwei wunderschöne Frauen, die unterschiedliche Richtungen einschlagen.
    Und dabei fällt mir noch ein, es könnte auch die Ein und Selbe Person sein, die einfach nur ihren Körper verlässt!

    Liebe Gerda, sorry dass ich soviel interpretiere, aber Dein Werk regt mich sehr dazu an, es ist wundervoll!

    ❤liche Grüße aus dem regnerischen kalten (12℃) Baden-Württemberg
    Babsi

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  3. TeggyTiggs schreibt:

    …auf mich wirken beide Figuren etwas zögerlich, die rechte, weil sie schon zu wissen scheint, ihr eigenes Ego nicht mehr im Vordergrund, steht sie sich zurücknehmend, aber doch mit etwas Interesse schauend…die linke, noch sehr mit ihrem eigenen Ausdruck beschäftigt, mit Werden und Sein, wagt sich noch nicht gänzlich zu zeigen, vielleicht weiß sie auch noch nicht gänzlich, wer sie ist, tritt vorsichtig vorwärts…

    …mit kühlen, windigen Grüßen aus dem Süden

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  4. TeggyTiggs schreibt:

    …schön ist die Neigung, die beide zueinander haben, das verbindet sie sanft und scheint sie zu verbinden…für mich kommen sie übrigens beide auf mich zu…

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  5. gann uma schreibt:

    Mir fiel spontan der Gevatter Tod von Pratchett ein. Ich habe in Erinnerung, dass er sich entgegengesetzt der Zeit der anderen bewegt. (finde grad nichts dazu).
    Dein Bild wirkt auf mich wie die Begegnung im Moment des Todes, der Tod geht weiter, die Seele geht in den goldenen Raum.

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    • gkazakou schreibt:

      Das ist eine schöne Assoziation, die mir nahegeht. ich sehe zwar nicht „dGevatter Tod“, wohl auf den Durchgang der Seele „durch de Pforte des Todes“ in den goldenen Raum bzw aus ihm heraustretend in das dunklere Licht der Gegenwart.

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  6. www.wortbehagen.de schreibt:

    Deine Zuneigung erkannten die beiden auch, liebe Gerda.
    Es wurde ein tolles Bild.
    Die linke, die Dich an die Sängerin erinnerte, kommt leise zögend zu Dir, scheinbar sieht sie hier Licht und Hilfe und die rechte geht, vollkommen gelassen, nicht mal ihre langen Haare wippen leicht, sie zeigt sich dem Licht offen und ohne Vorbehalt.
    Du hast wohl zwei Frauentypen geschaffen, die in Dir schlummerten. So kommt es mir wenigstens vor

    Herzlichst Bruni

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  7. Sarah schreibt:

    schau mir immer wieder deine Bilder an- kann ganz tief eintauchen….
    liebe Grüße zu Dir Sarah

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