Projekt ABC bei Wortman: M wie Malheur

M wie Malheur (ursprünglich als Minimals archiviert)

 

 

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Projekt ABC: M wie Marionette

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Juniverse 27.6.2021. Badehose

Herrenbademodeschau

 

Badehose – einfach so?

Sag mir mal, wo glaubst du, wo

Hier zu sein? bei den Barbaren?

Von den Affen den Nachfahren?

Dies ist ein Plage très renommé,

Die Gäste sind sélectionnés

Nicht irgendwer, nicht Plebs und pfui

Wer hierher kommt, kommt nicht mit TUI.

 

Ich zeig dir gern wie man sich kleidet

Und was man unbedingt vermeidet

Wenn man als Herr der bessern Sorte

Verweilen will an diesem Orte.

 

Wenn  du mit so erles’nem Schick

Den Strand betrittst, dann wird der Blick

Der andern dir sofort verraten

Dass sie dich sehn als Mann der Taten.

Einjeder ahnt, kommst du daher:

DER Herr der ist nicht irgendwer.

 


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Zimmerreise 7: P wie Puppe

Sie wohnt im Atelier, die Puppe mit dem blauen Haar. Oft wechselt sie ihren Platz, sitzt mal auf der Fensterbank, dann wieder auf der Ablage mit den Pappen fürs Bilderlegen,

oder auchlässig gegen eine Leinwand gelehnt.

Arbeitslos ist sie nicht, denn sie ist als Kind-Darstellerin in systemischen Aufstellungen unverzichtbar, arbetet gelegentlich als Modell – hier mitsamt einiger der  Portraits, die ich im Jahr ihrer Auffindung anfertigte …

 

oder auch in beiden Rollen zugleich, wie hier beim „gemeinsam Zeichnen 8„.

Ihre Geschichte habe ich auch schon mal hier erzählt. „Eines Tages, vor vielen vielen Jahren, kam sie zu mir. Es war finstere Nacht in einer finsteren Gegend von Athen …. Ich eilte, um die letzte U-Bahn zu bekommen, da sah ich sie zwischen geparkten Autos liegen. Seither wohnt sie bei mir“ schrieb ich damals. Dort wo die Pünktchn (… ) sind, könnte ich nun eine lange Geschichte erzählen, vom Athener Anarchisten-Viertel Exarchia, wo unsere Sprachschule lag und ich mein Atelier hatte, und wie ich um Mitternacht, sehr erschrocken, dort zwischen den Autos diese sauber gekleidete Puppe liegen sah, sie aufhob, überlegte, dass sie einem kleinen Mädchen gehörte,  das nun traurig sein und morgen den Papa die Puppe suchen schicken würde, weshalb ich sie in eine Mauernische setzte, es dann aber nicht fertigbrachte, sie dort so muttersselenallein zurückzulassen – was ürde ihr geschehen in dieser finsteren Nacht? – weshalb ich sie in eine Tüte stopfte und heimtrug und sie in meinen Haushalt integrierte….

Als ich heute, schachmatt von der Hitze, im kühleren Atelier rumhing, dachte ich an Heides „Zimmerreise“  – nun, eigentlich dachte ich an Heide und an ihren Bongo, der alt ist und dem die Hitze zusetzt, und an Tito dachte ich, der an einem Tag wie heute vor einem Jahr seinen letzten Atemzug tat (https://gerdakazakou.com/2020/06/29/kummer/).

Dazwischen tauchte immer mal wieder der Gedanke an O und P auf.  Papiere und Pappen, dachte ich – aber dann rückte diese verrückte blauhaarige Puppe ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit. Ich finde, sie hat es verdient.

 

 

 

 

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abc-etüde: Sabinchen und Pralinchen (Kata-Strophen)

 

abc.etüden 2021 25+26 | 365tageasatzadayhttps://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/06/20/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-25-26-21-wortspende-von-allerlei-gedanken/

Eine Wanderung

Sabinchen und Pralinchen

Machten sich auf den Weg

Sie wanderten durchs Wiesental

Da standen sie mit einem Mal

Vor einem Steg

Der Steg ging über einen Bach

Und war sehr schmal

und altersschwach

Sabinchen stand und dachte nach.

 

„Wenn die Praline mit mir geht

Wer weiß, ob dieser Steg uns trägt?

Ich hör schon Krach

Und Hölzer splittern

Die Angst macht mich im Herzen zittern!

Viel besser ists, ich geh allein

Sonst fallen wir noch beide rein

In diesen Bach.“

 

So überlegt Sabinchen

Betrachtet das Pralinchen

das süß und hold

umhüllt von Gold

in seiner Schachtel ruht

Herzhaft beißt Sabinchen rein

leckt die Lippen, mmm, wie fein!

Und mit neu belebtem Mut

quert es den Bach.

Ach, das tat gut!

Das Legebild habe ich aus Schnipseln von Hannah (Figuren) und Susanne B (Hintergrund) gemacht.

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#Juniverse, 23.6. Der Landstreicher / Ein Lied ohne Noten

Landstreicher, ca 1955

 

Der Landstreicher streicht durch die Lande

Im Frühling ists angenehm

Er streift die Stadt nur am Rande

Die Erde ist ihm bequem.

 

Der Landstreicher streicht durch die Felder

Wenn hoch die Halme stehn

Wenn Schatten spenden die Wälder

Da ist’s ihm ein leichtes Gehn.

Landstreicher, ca 1955

 

Der Landstreicher streicht durch die Berge.

Beschwerlich wird nun sein Weg

Doch er schreitet voran, denn die Zwerge

Zeigen ihm Wege und Steg.

 

Der Landstreicher spricht zu sich selber

Und singt sich selber ein Lied

Sein Antlitz wird fahl und gelber

Wie die Felder, durch die er zieht.

 

Bald wird er niedersinken

Am Bach, im Feld, im Moos

Ich will ihm Abschied winken

Ihm, der das Erdenlos

 

Rein  wie sonst keiner mir zeigt

denn sag, sind wir nicht alle

wenn sich das Leben neigt

in ganz demselben Falle?

Landstreicher, ca 1955

Die Aquarelle und die Zeichnung stammen aus meiner Schulzeit, ich war so zwischen 12 und 14, als ich sie malte. Meine Nichte schickte sie mir kürzlich als Fotografie.


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Juniverse: 20.6. Brise

Hitze brütet auf den Bergen

Hockt schwer auf dem Meer

Ich weiß nicht, wo mich verbergen

Ich leide gar sehr.

 

Da kommt ein kaum merklicher Hauch

erst leise, dann stärker

Er verwirbelt die Hitze wie Rauch

Wächst sich aus zum Berserker

 

Nimmt mit, was nicht fest

Und wirft es umher

Löst auf auch den Rest

Der belagert das Meer.

 

Es klärt sich der Himmel,

er lächelt, er lacht,

es lacht auch das Wolkengewimmel

das hat eine

feine

Brise

vollbracht.

 

Die beiden Bilder sind mit demselben Material erstellt, das erste gelegt, das zweite verwirbelt und mit neuem Hintergrund

 

 

 


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Schönheit. Das Komplizierte und das Einfache (kleine Beobachtungen)

Bei Joachim Schlichting las ich heute:

„Ich machte mir Gedanken, wie es wohl zu dieser ästhetisch ansprechenden Gestalt gekommen sein mag, bis mir einfiel, dass man Schönheit gar nicht erklären muss – wohl auch deshalb, weil man es nicht kann. Sagte nicht bereits Friedrich Schiller (1759 – 1805):

Schön, kann man also sagen, ist eine Form, die keine Erklärung fordert, oder auch eine solche, die sich ohne Begriff erklärt„.*

So ist es wohl. Wie sollte man Schönheit „erklären“? Erklärt sie sich nicht „von selbst“? Und doch bleibt die Frage des Erfassens von Schönheit. Im nachahmenden Zeichnen, im Malen, in der Poesie, aber auch im Betrachten möchte man sich die Schönheit ins Bewusstsein heben, um dem vergänglichen Augenblick einen Ort zu schaffen, an dem er bleiben kann.

Das komplizierte Schöne:

Ich habe das Bedürfnis, es mir Stück um Stück zu erschließen, vielleicht, dass ich das Geheimnis seiner Schönheit erfassen kann. Ich könnte es malen, zeichnen, könnte Worte suchen. Hier habe ich es nur fotografisch festgehalten: die sanften Farbspiele zwischen Goldgelb und ätherischem Violett-Rosa, die verspielten aufsprühenden Pinselstriche, die anmutige Biegung von Stempel und Staubgefäßen, die elegant-liebliche Vervielfältigung der Drei vom Zentrum bis in die schwingenden Außenblätter – es ist ein nicht endendes Fest für die Augen.

 

Das einfache Schöne: Ich begreife es sofort. Oder? Der um einen dunkelbraunen Abgrund schwingende Fünfstern von klarstem Gelb – einfache Vollkommenheit.

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#Juniverse: Sandkorn und Stern (Lob der Erde)

 

Lob der Erde

Die Erde ist kein Stern

Der kalt und fern

Am Himmel nächtens durch sein Licht

Zu unsrer Seele spricht.

Und sagt: „Du bist nur Staub

Mit Verlaub.

Ein Sandkorn ist die Erde

Und du, du Wicht,

Mit deinem ‚Stirb und Werde‘

mit deiner Stolzgebärde

fällst gar nicht ins Gewicht.“

Die Erde ist kein Stern

Sie ist nicht fern

Nicht kalt und ungeheuer

Im Herzen trägt sie Feuer

Mit Blumen schmückt sie sich

Mit Luft beglückt sie mich

Den Tieren ist sie Mutter

Die Vögel sind ihr teuer

Sie sorget für ihr Futter

Uns Menschen gibt sie Butter

Und füllt mit Korn die Scheuer.

Die Erde ist kein Stern

In ihrem innern Kern

Da ist sie lieb und warm

Und voller Gotterbarm.

Sie will dich reich beschenken

Will dir ganz ohn Bedenken

Von ihren Früchten geben

Will lindern deinen Harm!

Trink Saft aus ihren Reben

Das gibt dir Freud am Leben

Und Witz und  Charme.

UNSERE ERDE: Legebild mit Schnipselspenden von Susanne Haun (Sonne), Ulli Gau (feurige Pflanzen), Jürgen Küster (dunkle Wolke und Erde), Ule Rolff (Luftelement), Gerda Kazakou ((Wasser, Segelboot).


 

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Montag ist Fototermin. Eine Rose als Stütze

Aber ich liege in Vogelfedern, hoch ins Leere gewiegt.
Mir schwindelt. Ich schlafe nicht ein.
Meine Hand
greift nach einem Halt und findet
nur eine Rose als Stütze.

(Hilde Domin)

Nur? Ist es denn wenig, eine Rose zur Stütze zu haben? Mir gibt ihr Anblick immer und überall Kraft. So auch auf dieser Reise von Athen in die Mani, der Sohn erstmals nach dem Tod seiner Frau wieder bei uns, und wir fahren die altbekannte Strecke, machen unterwegs Halt dort, wo zuvor auch die beiden immer Halt machten, um in der urigen Taverne im Nirgendwo etwas Stärkendes zu sich zu nehmen.  Nun ist sie nicht mehr dabei, und es tut weh. Aber da sind die Rosen, und da ist er, da ist auch mein Mann, wir sind zu Dritt, und die Heilung darf langsam beginnen.

Es ist Pfingstmontag, zudem auch Sommersonnenwende. Zwei Abende zuvor saß ich maskiert am Athener Flughafen, den Sohn abzuholen. Durch diese Glastür wird er kommen, ich will ihn fotografieren, so wie vor anderthalb Jahren, Anfang Januar 2020, fröhlich, unmaskiert und ahnungslos, auf diesem Flughafen. Wie damals,  als ich sein Ankommen mit einer Reihe von Bildern feierte (auch hier)

Als er kommt, erkenne ich ihn nicht gleich hinter seiner weißen PTT-Maske. Aber er ist es. Kein Foto.

Ich werde etwas weniger in Bloghausen sein, solange er hier ist. Mit den besten Wünschen an euch alle, dass der Sommer euch Angenehmes und Aufbauendes bringt.

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Zimmerreise: M wie Marmor

Marmor und Holz ist es, auf denen meine nackten Füße gehen. Holz, weicher und wärmer als Marmor, bedeckt die Böden im Wohnbereich und in den Schlafzimmern, Marmor hingegen, dessen Kühle bei sommerlichen Temperaturen höchst willkommen ist, bedeckt die Böden von Gängen, Küche, Bädern und Treppen.

„Seid ihr denn so reich, dass ihr euch Marmorböden leisten könnt?“, fragt hier vielleicht einer. Nein, sind wir nicht, und es ist auch keine Kostenfrage, denn Marmor gehört hier zu den alltäglichen Baustoffen. Gewonnen wird er, wie schon im Altertum, gleich vor der Haustür: im Pentelikon. Dort findet man heute noch die alten Marmorbrüche, die das Gestein für die Akropolis lieferten, aber auch neuzeitliche, inzwischen stillgelegte Mamorfabriken, die für das Baumaterial  der schier endlos wachsenden Stadt Athen sorgten (hier ein Post dazu). Wenn du durch Athen schlenderst, wanderst du auf und zwischen den Gebeinen der Pendeli.

„Die Penteli – ja, sie ist eine Frau! – kennt man in Deutschland vor allem wegen ihres Marmors.“ schrieb ich in dem Post von 2015.  „Pentelischer Marmor: die großartigsten Tempel, die wunderbarsten Plastiken wurden aus dem Gestein dieses Bergmassivs geschaffen. Der Parthenon, die Propyläen, der Theseion-Tempel des Hephaistos, das Erechtheion mit den unvergleichlichen Kariatiden – aus den Flanken des Berges wurde der Marmor gebrochen, in Höhen bis zu tausend Metern. Der Berg ist übersät mit Narben, die weiß oder im Abendlicht rosa aufleuchten. Die verbrannten Pinien wurzeln in pentelischem Marmor.“

Dynamit-Loch im Mamorbruch

Pendeli: Marmor und verbrannter Wald

Der banale Mamor im Haushalt hat natürlich nicht dieselbe Qualität wie der Marmor, der für die antiken Tempel und Skulpturen verwendet wurde. Und so lohnt es sich durchaus, dem Mamor auch in den Museen nachzuspüren. Dann wirst du vielleicht feststellen, dass er schon seit Urzeiten für Geräte des täglichen Gebrauchs und natürlich auch für Kultgegenstände genutzt wurde (hier). Dieses Gefäß, das aus der kykladischen Kultur stammt, dürfte ca 4000 Jahre alt sein.

Marmor-Behälter, die Griffe fehlen

Und wenn ich nun meine Fußböden mit der Kunst vergleiche, die vor tausenden Jahren entstand: kann ich da etwa von Fortschritt sprechen? Nun. meinen Füßen ist es egal.

Kykladisches Museum, Marmorstatuette.

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Dies istein weiterer Beitrag zu https://puzzleblume.wordpress.com/2021/05/28/einladung-zu-den-zimmerreisen-06-2021/

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