M wie Malheur (ursprünglich als Minimals archiviert)
Dies ist ein Betrag zu

M wie Malheur (ursprünglich als Minimals archiviert)
Dies ist ein Betrag zu

Badehose – einfach so?
Sag mir mal, wo glaubst du, wo
Hier zu sein? bei den Barbaren?
Von den Affen den Nachfahren?
Dies ist ein Plage très renommé,
Die Gäste sind sélectionnés
Nicht irgendwer, nicht Plebs und pfui
Wer hierher kommt, kommt nicht mit TUI.
Ich zeig dir gern wie man sich kleidet
Und was man unbedingt vermeidet
Wenn man als Herr der bessern Sorte
Verweilen will an diesem Orte.
Wenn du mit so erles’nem Schick
Den Strand betrittst, dann wird der Blick
Der andern dir sofort verraten
Dass sie dich sehn als Mann der Taten.
Einjeder ahnt, kommst du daher:
DER Herr der ist nicht irgendwer.
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Sie wohnt im Atelier, die Puppe mit dem blauen Haar. Oft wechselt sie ihren Platz, sitzt mal auf der Fensterbank, dann wieder auf der Ablage mit den Pappen fürs Bilderlegen,
oder auchlässig gegen eine Leinwand gelehnt.
Arbeitslos ist sie nicht, denn sie ist als Kind-Darstellerin in systemischen Aufstellungen unverzichtbar, arbetet gelegentlich als Modell – hier mitsamt einiger der Portraits, die ich im Jahr ihrer Auffindung anfertigte …
oder auch in beiden Rollen zugleich, wie hier beim „gemeinsam Zeichnen 8„.
Ihre Geschichte habe ich auch schon mal hier erzählt. „Eines Tages, vor vielen vielen Jahren, kam sie zu mir. Es war finstere Nacht in einer finsteren Gegend von Athen …. Ich eilte, um die letzte U-Bahn zu bekommen, da sah ich sie zwischen geparkten Autos liegen. Seither wohnt sie bei mir“ schrieb ich damals. Dort wo die Pünktchn (… ) sind, könnte ich nun eine lange Geschichte erzählen, vom Athener Anarchisten-Viertel Exarchia, wo unsere Sprachschule lag und ich mein Atelier hatte, und wie ich um Mitternacht, sehr erschrocken, dort zwischen den Autos diese sauber gekleidete Puppe liegen sah, sie aufhob, überlegte, dass sie einem kleinen Mädchen gehörte, das nun traurig sein und morgen den Papa die Puppe suchen schicken würde, weshalb ich sie in eine Mauernische setzte, es dann aber nicht fertigbrachte, sie dort so muttersselenallein zurückzulassen – was ürde ihr geschehen in dieser finsteren Nacht? – weshalb ich sie in eine Tüte stopfte und heimtrug und sie in meinen Haushalt integrierte….
Als ich heute, schachmatt von der Hitze, im kühleren Atelier rumhing, dachte ich an Heides „Zimmerreise“ – nun, eigentlich dachte ich an Heide und an ihren Bongo, der alt ist und dem die Hitze zusetzt, und an Tito dachte ich, der an einem Tag wie heute vor einem Jahr seinen letzten Atemzug tat (https://gerdakazakou.com/2020/06/29/kummer/).
Dazwischen tauchte immer mal wieder der Gedanke an O und P auf. Papiere und Pappen, dachte ich – aber dann rückte diese verrückte blauhaarige Puppe ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit. Ich finde, sie hat es verdient.

Sabinchen und Pralinchen
Machten sich auf den Weg
Sie wanderten durchs Wiesental
Da standen sie mit einem Mal
Vor einem Steg
Der Steg ging über einen Bach
Und war sehr schmal
und altersschwach
Sabinchen stand und dachte nach.
„Wenn die Praline mit mir geht
Wer weiß, ob dieser Steg uns trägt?
Ich hör schon Krach
Und Hölzer splittern
Die Angst macht mich im Herzen zittern!
Viel besser ists, ich geh allein
Sonst fallen wir noch beide rein
In diesen Bach.“
So überlegt Sabinchen
Betrachtet das Pralinchen
das süß und hold
umhüllt von Gold
in seiner Schachtel ruht
Herzhaft beißt Sabinchen rein
leckt die Lippen, mmm, wie fein!
Und mit neu belebtem Mut
quert es den Bach.
Ach, das tat gut!
Das Legebild habe ich aus Schnipseln von Hannah (Figuren) und Susanne B (Hintergrund) gemacht.
Der Landstreicher streicht durch die Lande
Im Frühling ists angenehm
Er streift die Stadt nur am Rande
Die Erde ist ihm bequem.
Der Landstreicher streicht durch die Felder
Wenn hoch die Halme stehn
Wenn Schatten spenden die Wälder
Da ist’s ihm ein leichtes Gehn.
Der Landstreicher streicht durch die Berge.
Beschwerlich wird nun sein Weg
Doch er schreitet voran, denn die Zwerge
Zeigen ihm Wege und Steg.
Der Landstreicher spricht zu sich selber
Und singt sich selber ein Lied
Sein Antlitz wird fahl und gelber
Wie die Felder, durch die er zieht.
Bald wird er niedersinken
Am Bach, im Feld, im Moos
Ich will ihm Abschied winken
Ihm, der das Erdenlos
Rein wie sonst keiner mir zeigt
denn sag, sind wir nicht alle
wenn sich das Leben neigt
in ganz demselben Falle?
Die Aquarelle und die Zeichnung stammen aus meiner Schulzeit, ich war so zwischen 12 und 14, als ich sie malte. Meine Nichte schickte sie mir kürzlich als Fotografie.
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Hitze brütet auf den Bergen
Hockt schwer auf dem Meer
Ich weiß nicht, wo mich verbergen
Ich leide gar sehr.
Da kommt ein kaum merklicher Hauch
erst leise, dann stärker
Er verwirbelt die Hitze wie Rauch
Wächst sich aus zum Berserker
Nimmt mit, was nicht fest
Und wirft es umher
Löst auf auch den Rest
Der belagert das Meer.
Es klärt sich der Himmel,
er lächelt, er lacht,
es lacht auch das Wolkengewimmel
das hat eine
feine
Brise
vollbracht.
Die beiden Bilder sind mit demselben Material erstellt, das erste gelegt, das zweite verwirbelt und mit neuem Hintergrund
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Bei Joachim Schlichting las ich heute:
„Ich machte mir Gedanken, wie es wohl zu dieser ästhetisch ansprechenden Gestalt gekommen sein mag, bis mir einfiel, dass man Schönheit gar nicht erklären muss – wohl auch deshalb, weil man es nicht kann. Sagte nicht bereits Friedrich Schiller (1759 – 1805):
„Schön, kann man also sagen, ist eine Form, die keine Erklärung fordert, oder auch eine solche, die sich ohne Begriff erklärt„.*
So ist es wohl. Wie sollte man Schönheit „erklären“? Erklärt sie sich nicht „von selbst“? Und doch bleibt die Frage des Erfassens von Schönheit. Im nachahmenden Zeichnen, im Malen, in der Poesie, aber auch im Betrachten möchte man sich die Schönheit ins Bewusstsein heben, um dem vergänglichen Augenblick einen Ort zu schaffen, an dem er bleiben kann.
Das komplizierte Schöne:
Ich habe das Bedürfnis, es mir Stück um Stück zu erschließen, vielleicht, dass ich das Geheimnis seiner Schönheit erfassen kann. Ich könnte es malen, zeichnen, könnte Worte suchen. Hier habe ich es nur fotografisch festgehalten: die sanften Farbspiele zwischen Goldgelb und ätherischem Violett-Rosa, die verspielten aufsprühenden Pinselstriche, die anmutige Biegung von Stempel und Staubgefäßen, die elegant-liebliche Vervielfältigung der Drei vom Zentrum bis in die schwingenden Außenblätter – es ist ein nicht endendes Fest für die Augen.
Das einfache Schöne: Ich begreife es sofort. Oder? Der um einen dunkelbraunen Abgrund schwingende Fünfstern von klarstem Gelb – einfache Vollkommenheit.
Lob der Erde
Die Erde ist kein Stern
Der kalt und fern
Am Himmel nächtens durch sein Licht
Zu unsrer Seele spricht.
Und sagt: „Du bist nur Staub
Mit Verlaub.
Ein Sandkorn ist die Erde
Und du, du Wicht,
Mit deinem ‚Stirb und Werde‘
mit deiner Stolzgebärde
fällst gar nicht ins Gewicht.“
Die Erde ist kein Stern
Sie ist nicht fern
Nicht kalt und ungeheuer
Im Herzen trägt sie Feuer
Mit Blumen schmückt sie sich
Mit Luft beglückt sie mich
Den Tieren ist sie Mutter
Die Vögel sind ihr teuer
Sie sorget für ihr Futter
Uns Menschen gibt sie Butter
Und füllt mit Korn die Scheuer.
Die Erde ist kein Stern
In ihrem innern Kern
Da ist sie lieb und warm
Und voller Gotterbarm.
Sie will dich reich beschenken
Will dir ganz ohn Bedenken
Von ihren Früchten geben
Will lindern deinen Harm!
Trink Saft aus ihren Reben
Das gibt dir Freud am Leben
Und Witz und Charme.

UNSERE ERDE: Legebild mit Schnipselspenden von Susanne Haun (Sonne), Ulli Gau (feurige Pflanzen), Jürgen Küster (dunkle Wolke und Erde), Ule Rolff (Luftelement), Gerda Kazakou ((Wasser, Segelboot).
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Aber ich liege in Vogelfedern, hoch ins Leere gewiegt.
Mir schwindelt. Ich schlafe nicht ein.
Meine Hand
greift nach einem Halt und findet
nur eine Rose als Stütze.
(Hilde Domin)
Nur? Ist es denn wenig, eine Rose zur Stütze zu haben? Mir gibt ihr Anblick immer und überall Kraft. So auch auf dieser Reise von Athen in die Mani, der Sohn erstmals nach dem Tod seiner Frau wieder bei uns, und wir fahren die altbekannte Strecke, machen unterwegs Halt dort, wo zuvor auch die beiden immer Halt machten, um in der urigen Taverne im Nirgendwo etwas Stärkendes zu sich zu nehmen. Nun ist sie nicht mehr dabei, und es tut weh. Aber da sind die Rosen, und da ist er, da ist auch mein Mann, wir sind zu Dritt, und die Heilung darf langsam beginnen.
Es ist Pfingstmontag, zudem auch Sommersonnenwende. Zwei Abende zuvor saß ich maskiert am Athener Flughafen, den Sohn abzuholen. Durch diese Glastür wird er kommen, ich will ihn fotografieren, so wie vor anderthalb Jahren, Anfang Januar 2020, fröhlich, unmaskiert und ahnungslos, auf diesem Flughafen. Wie damals, als ich sein Ankommen mit einer Reihe von Bildern feierte (auch hier)

Als er kommt, erkenne ich ihn nicht gleich hinter seiner weißen PTT-Maske. Aber er ist es. Kein Foto.
Ich werde etwas weniger in Bloghausen sein, solange er hier ist. Mit den besten Wünschen an euch alle, dass der Sommer euch Angenehmes und Aufbauendes bringt.
Marmor und Holz ist es, auf denen meine nackten Füße gehen. Holz, weicher und wärmer als Marmor, bedeckt die Böden im Wohnbereich und in den Schlafzimmern, Marmor hingegen, dessen Kühle bei sommerlichen Temperaturen höchst willkommen ist, bedeckt die Böden von Gängen, Küche, Bädern und Treppen.
„Seid ihr denn so reich, dass ihr euch Marmorböden leisten könnt?“, fragt hier vielleicht einer. Nein, sind wir nicht, und es ist auch keine Kostenfrage, denn Marmor gehört hier zu den alltäglichen Baustoffen. Gewonnen wird er, wie schon im Altertum, gleich vor der Haustür: im Pentelikon. Dort findet man heute noch die alten Marmorbrüche, die das Gestein für die Akropolis lieferten, aber auch neuzeitliche, inzwischen stillgelegte Mamorfabriken, die für das Baumaterial der schier endlos wachsenden Stadt Athen sorgten (hier ein Post dazu). Wenn du durch Athen schlenderst, wanderst du auf und zwischen den Gebeinen der Pendeli.
„Die Penteli – ja, sie ist eine Frau! – kennt man in Deutschland vor allem wegen ihres Marmors.“ schrieb ich in dem Post von 2015. „Pentelischer Marmor: die großartigsten Tempel, die wunderbarsten Plastiken wurden aus dem Gestein dieses Bergmassivs geschaffen. Der Parthenon, die Propyläen, der Theseion-Tempel des Hephaistos, das Erechtheion mit den unvergleichlichen Kariatiden – aus den Flanken des Berges wurde der Marmor gebrochen, in Höhen bis zu tausend Metern. Der Berg ist übersät mit Narben, die weiß oder im Abendlicht rosa aufleuchten. Die verbrannten Pinien wurzeln in pentelischem Marmor.“

Dynamit-Loch im Mamorbruch

Pendeli: Marmor und verbrannter Wald
Der banale Mamor im Haushalt hat natürlich nicht dieselbe Qualität wie der Marmor, der für die antiken Tempel und Skulpturen verwendet wurde. Und so lohnt es sich durchaus, dem Mamor auch in den Museen nachzuspüren. Dann wirst du vielleicht feststellen, dass er schon seit Urzeiten für Geräte des täglichen Gebrauchs und natürlich auch für Kultgegenstände genutzt wurde (hier). Dieses Gefäß, das aus der kykladischen Kultur stammt, dürfte ca 4000 Jahre alt sein.

Und wenn ich nun meine Fußböden mit der Kunst vergleiche, die vor tausenden Jahren entstand: kann ich da etwa von Fortschritt sprechen? Nun. meinen Füßen ist es egal.

Kykladisches Museum, Marmorstatuette.
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Dies istein weiterer Beitrag zu
https://puzzleblume.wordpress.com/2021/05/28/einladung-zu-den-zimmerreisen-06-2021/