Zimmerreise 7: P wie Puppe

Sie wohnt im Atelier, die Puppe mit dem blauen Haar. Oft wechselt sie ihren Platz, sitzt mal auf der Fensterbank, dann wieder auf der Ablage mit den Pappen fürs Bilderlegen,

oder auchlässig gegen eine Leinwand gelehnt.

Arbeitslos ist sie nicht, denn sie ist als Kind-Darstellerin in systemischen Aufstellungen unverzichtbar, arbetet gelegentlich als Modell – hier mitsamt einiger der  Portraits, die ich im Jahr ihrer Auffindung anfertigte …

 

oder auch in beiden Rollen zugleich, wie hier beim „gemeinsam Zeichnen 8„.

Ihre Geschichte habe ich auch schon mal hier erzählt. „Eines Tages, vor vielen vielen Jahren, kam sie zu mir. Es war finstere Nacht in einer finsteren Gegend von Athen …. Ich eilte, um die letzte U-Bahn zu bekommen, da sah ich sie zwischen geparkten Autos liegen. Seither wohnt sie bei mir“ schrieb ich damals. Dort wo die Pünktchn (… ) sind, könnte ich nun eine lange Geschichte erzählen, vom Athener Anarchisten-Viertel Exarchia, wo unsere Sprachschule lag und ich mein Atelier hatte, und wie ich um Mitternacht, sehr erschrocken, dort zwischen den Autos diese sauber gekleidete Puppe liegen sah, sie aufhob, überlegte, dass sie einem kleinen Mädchen gehörte,  das nun traurig sein und morgen den Papa die Puppe suchen schicken würde, weshalb ich sie in eine Mauernische setzte, es dann aber nicht fertigbrachte, sie dort so muttersselenallein zurückzulassen – was ürde ihr geschehen in dieser finsteren Nacht? – weshalb ich sie in eine Tüte stopfte und heimtrug und sie in meinen Haushalt integrierte….

Als ich heute, schachmatt von der Hitze, im kühleren Atelier rumhing, dachte ich an Heides „Zimmerreise“  – nun, eigentlich dachte ich an Heide und an ihren Bongo, der alt ist und dem die Hitze zusetzt, und an Tito dachte ich, der an einem Tag wie heute vor einem Jahr seinen letzten Atemzug tat (https://gerdakazakou.com/2020/06/29/kummer/).

Dazwischen tauchte immer mal wieder der Gedanke an O und P auf.  Papiere und Pappen, dachte ich – aber dann rückte diese verrückte blauhaarige Puppe ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit. Ich finde, sie hat es verdient.

 

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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9 Antworten zu Zimmerreise 7: P wie Puppe

  1. Das sieht ja richtig nach Arbeit aus, aber auch total künstlerisch schön. Wünsche dir ein schönes Wochenende! LG Michael

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  2. puzzleblume schreibt:

    Danke, Gerda. Es ist eine besondere Puppe, mit dem blauen Haar und einem Gesicht, das ich als auffallend unkitschig empfinde, und sie führt bei dir ein erfreulich ausgefülltes Puppendasein, da sie mit dir so oft kreativ „mitspielen“ darf.

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  3. signorafarniente schreibt:

    Ein Glück hat sie bei dir ein liebevolles Zuhause gefunden! Als Puppe kann man in einem Puppenleben wirklich etwas erleben. 😉

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  4. pflanzwas schreibt:

    Dann sollte es wohl so sein, daß sie zu dir kommt 🙂 Toll auch die gemalten Bilder, wo du sie dargestellt hast. Mit den leuchtend türkisblauen Haaren hat sie was besonders „energetisches“.

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  5. Gisela Benseler schreibt:

    Ja, sie hat es wirklich verdient, und ich freue mich über Deine wunderschönen Zeichnungen und Gemälde und Deinen Bericht.

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  6. Gisela Benseler schreibt:

    Am liebsten hätte ich das gleich reblogged… Aber ohne zu fragen, geht das ja nicht.

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  7. Wenn Puppen reden könnten…

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  8. Ich erinnere mich gut an die Geschichte der Puppe, wie Du sie gefunden hast, liebe Gerda, und ich erinnere mich an die wundervollen Gemälde, die Du von ihr gemacht hast.
    Sie hat es gut bei Dir; immer wieder Abwechslung, neue Plätze und neue Aufgaben.
    Schön ist das Puppenleben, wenn es bei Gerda stattfinden kann *schmunzel*

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  9. nandalya schreibt:

    Vielleicht wollte die Puppe von dir gefunden werden.

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