
Menschen als statistische Größen
Am Vormittag beim Recherchieren
Verlor ich mich in Zahlen und Dateien.
Wie leicht lass ich mich absorbieren
Vom Internet, anstatt im Freien
Mit frohen Menschen zu spazieren,
Sehr gern zu zweien oder dreien,
Um dann am Waldrand zu kampieren
Doch nein! Es ist fürwahr zum Schreien!
Ich ließ mich fangen von den Quoten
Der halb und gänzlich schon Geimpften,
Ich zählte nach die Zahl der Toten,
Der braven und der arg beschimpften,
Der Toten, die geimpft gestorben,
Und derer, die nicht hören wollten,
Obgleich der Impfstoff sehr beworben
Und sie schon längst geimpft sein sollten.
Nun aber Schluss, jetzt geht’s hinaus
Die Sonne lacht, der Wald ist nah
Schon steh verwegen ich vorm Haus
Und schwenk den Hut und schrei Hurra!
Der Will.i schließt sich mir gleich an
Sehr froh, dass ich an Aufbruch denke
Und eh ich ihn noch fragen kann
Bringt er schon Sandwich und Getränke.
„Hallo“, ruft er der Katrin zu,
„Willst du mit uns zum Walde gehn?“
„Na claro, gerne, mach ich, du,
Und lass für heut den Abwasch stehn.“
„Au fein, da sind wir schon zu dritt!“
Die Katrin bringt ne Picknickdecke,
Die Kinder bringt sie auch noch mit.
So ziehn zu fünft wir um die Ecke.
Viel besser ist es doch zu leben
Und mit den Freunden zu parlieren
Als an den Nachrichten zu kleben
Und sich in Ängsten zu verlieren.
Der Abend kommt, er ist schon nah,
die Dämmrung fällt, das Licht verschwindet
Es kommt die Nacht, sie ist schon da.
Wohl dem, wenn sich ein Freund dann findet.

Die statistische Familie lagert sich rund um die Picknickdecke
Dies ist meine zweite Etüde zu https://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/06/06/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-23-24-21-wortspende-von-nellindreams/Die Wörter für die diesmaligen Etüden stiftete Ellen mit ihrem Blog nellindreams.
