Christiane Löhr, Jg 1965, stellt zum zweiten Mal in der Athener Top-Galerie Bernier Eliades aus. Ihr kennt sie ja vielleicht, aber für mich war es eine eindrucksvolle Erstbegegnung mit ihrem Werk.
Es ist eine Ausstellung des Fast-Nichts, die sich gerade darum tief einprägt, so dass ich, seit ich die Räume vor zwei Tagen verlassen habe, jeden Faden, jeden Knoten ihrer großen Installationen, jede sich verlierende Linie ihrer minimalistischen Zeichnungen lebhaft vor Augen habe.
Wie das Fast-Nichts beschreiben oder gar fotografieren?
Du trittst in die Galerie und siehst ungefähr dies:

oder den Durchgang in den dahinter liegenden Raum, in dem kleinere gerahmte Schwarz-Weiß-Werke hängen.

Aber was ist hier, im Hauptraum? Zwei röhrenartige Installationen, so fein aus Pferdehaar geknüpft, dass sie erst beim Nähertreten Substanz anzunehmen scheinen. Oder eigentlich erst durch ihre Schattenwürfe wirklich sichtbar werden.
Die Fäden sind entlang der „Rohre“ verknüpft, Knoten um Knoten reiht sich auf der Linie, als seien es Noten einer stummen Musik.
Am Ende drehen sich die Fäden auf die ihrer Natur entsprechende Art.
und werfen, zum Rund geformt, ihre Schatten gegen die Wand.

Diese Kunst ist so leise, dass es in mir ganz leise wurde und ich, als ich in den zweiten Raum trat, zuerst nur die Schatten der Glasvitrinen wahrnahm, in denen sich winzige Skulpturen befanden.
Die Kleinstskulpturen wurden aus vegetativem Material geformt. Überrascht erkannte ich, dass sie strenge geometrische Formen bildeten. Das bemerkte ich erst, als ich von Oben schaute bzw fotografierte.
Außer diesen Kleinstskulpturen, die der Gestaltähnlichkeit der großen Kirchenbauten und der winzigen Naturformen nachgehen, gab es an den Wänden einige Zeichnungen zu sehen, die zu fotografieren noch schwieriger war, da ich mich in dem Glas spiegelte. Dennoch: Eine Gruppe von Zeichnungen bestand aus Linien, die sich, ausgehend von einer gewissen Dicke, zu den Rändern hin in einer Unendlichkeit verlieren.
Eine andere Gruppe von Zeichnungen ist tintig mit einer merkwürdig wolligen Oberfläche, leider weiß ich nicht, woraus sie bestehen. Vielleicht handelt es sich um unversponnene Wolle, die am Glas festgeklebt ist und so in kleinem Abstand von der schwarzen Zeichnung gehalten wird?
Eine größere Zeichnung:
und zwei Aquarelle, die wiederum „fast nichts“ sind, nämlich eine wässige Pflanzenform auf Papier (meine Spiegelung bitte wegdenken):
Bevor ich die Ausstellung verließ, vergewisserte ich mich der Materialität der Welt: ich schaute aus dem Fenster und betrachtete den gegenüberliegenden Felsen, an dessen Fuß sich ein Feigenbaum angesiedelt hatte, der erste Blätter trieb. Feigenblätter.
Jemand hatte an den Fels „METANOEITE“gesprüht, was so viel heißt wie: „wandelt euren Sinn“ (auf deutsch wird es fälschlicher Weise mit „bereut“ übersetzt).
