Es lebe das Leben! Ungereimte Kata-Strophen (abc-etüde)

Rina von Geschichtszauberei hat, wie ihr natürlich längst wisst, folgende drei Wörtchen zu den Etüden beigesteuert: Café, verdorben, beißen. Christiane hat dazu zwei Einladungskarten gestaltet, und ich habe erst eine benutzt. Also schnell, bevor es zu spät ist, noch ein paar passende Kata-Strophen für die zweite Karte erfinden. Und ein Bild aus den von Jürgen Küster (Buchalov), Susanne Haun, Ulli Gau mir vermachten Schnipseln legen. Oder auch zwei.

 

 

Es lebe das Leben!

Nach der Beerdigung

Von Onkel Fritz,

Schreitet die Trauergemeinde

Vollzählig ins Café

Das das Bestattungsinstitut

Für diesen Zweck

Gebucht hat.

Durch einen Todesfall

Soll man sich den Appetit

Nicht verderben lassen.

Auf der langen Tafel gibt es  

Schälchen mit Nüsschen und allerlei Leckereien

Dazu wird Kaffee gereicht und Cognac für die

Die einen Extra-Trost-brauchen.

Tante Anne reimt: Der Fritz hat ja nun leider

Ins Gras gebissen.

Lass uns auf sein Wohl

 ein Gläschen genissen.

Das findet

Bruder Albrecht geschmacklos

Und sagt es auch: wie geschmacklos!

Was ihn aber nicht hindert,

sich bei den Törtchen zu bedienen,

denn eins ist die Moral,

und dass sich manches nicht schickt,

ein anderes, dass er ein Leckermaul ist.

der selige Onkel Fritz

Onkel Fritz aber, wie geht es ihm unterdes?

O, der hat seine alten Klamotten, Geschichten und Leiden

Zurückgelassen dort, wo schon die Gebeine

Seiner Vorfahren ruhen, denn ein Familiengrab

wartete seiner.

Vorfahren von Onkel Fritz

Selig schwebt er von dannen,

während die Kleinen,

die von Gräbern sich nähren

fröhlich bereit sind

zu bechern und lustig zu sein.

die Kleinen beim Bechern und Schmausen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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27 Antworten zu Es lebe das Leben! Ungereimte Kata-Strophen (abc-etüde)

  1. Christiane schreibt:

    Irgendwo her kenne ich „die Leiche versaufen“, ich weiß aber nicht, woher. Ich finde es schön, zu Ehren des/der Verstorbenen etwas zu trinken. Es muss ja nicht ausarten, was ja immer das Problem ist, und manchmal hilft eine fröhliche Runde wirklich beim Trauern, bei dem Schock …
    Schöne Etüde, vielen Dank. Von den Legebildern gefällt mir das Familiengrab am meisten, aber ich mag nicht darüber nachdenken, warum 😉
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 3 Personen

    • gerda kazakou schreibt:

      Bin ganz deiner Meinung, Christiane. Habe schon an etlichen solcher Totenkaffeekränzchen teilgenommen, Es ist hier Routine. Man vergewissert sich der Lebenden und spricht heiter und gelassen über die Verstorbenen und ihre Verdienste, Macken, Vorlieben, erzählt sich Anekdoten. Natürlich nur, wenn es etwas fernere Verwandte oder Freunde sind und der Verlust nicht so schmerzhaft.
      Alle scheinen das Familiengrab dem anderen Bild mit den noch lebenden Alten vorzuziehen. Ich beginne darüber nachzudenken, warum wohl. 😉

      Gefällt 1 Person

    • Werner Kastens schreibt:

      Bei uns in Delmenhorst/Bremen sagte man „das Fell versaufen“.

      Gefällt 2 Personen

  2. Susanne Haun schreibt:

    Mir gefällt das Familiengrab auch sehr gut. Es beinhaltet soviel und harmoniert gut mit deinem Text. Ich finde den sogenannten Leichenschmaus tröstlich. Man ist nach der Beerdigung nicht alleine.

    Gefällt 1 Person

    • gerda kazakou schreibt:

      Als Hauptbetroffene weiß ich nicht, ob es mir so gefiele. Es kommt drauf an. Aber grundsätzlich stimme ich dir zu. Ich habe versucht zu zeigen, dass das Familiengrab ja nur die Knochen, die Erinnerungen und allerlei Plunder beherbergt. Die Seele schwebt im Freien. Vielleicht ist das der Grund, warum alle es so angenehm finden. (ich auch)

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      • Susanne Haun schreibt:

        Du hast deine Gedanken sehr gut visualisiert, liebe Gerda.
        Papa fällt es trotzdem schwer „sich von seinem „Plunder“ im Zuge des Umzugs zu trennen. Vielleicht ist es leichter, in seinem Plunder zu sterben? Aber viel schwerer für die Angehörigen. Ein heikles Thema! Ich habe letzte Woche angefangen, mich von meinem Plunder zu trennen. Es befreit!

        Gefällt 1 Person

    • gerda kazakou schreibt:

      Es ist gut, solches Loslassen zu Zeiten zu üben, wenn man noch genügend Kraft hat. Es ist sonst tatsächlich nicht einfach für die Angehörigen, die sowieso schon genug mit ihrer Trauer zu tun haben. Wir sind nach vier Monaten noch nicht durch mit der Hinterlassenschaft meines Schwagers, dessen 2-Zimmerwohnung bis oben mit Büchern und Zeitschriften vollgestopft war. Andererseits, wenn man nun da hineingeht, entdeckt man Wesenszüge des Verstorbenen, die man nicht kannte. Und vielleicht ist es ja auch so eine geheime Hoffnung jedes einsamen Menschen, dass sich nach seinem Ableben jemand für das vergangene Leben interessiert und insofern die Hinterlassenschaft als Lebens-Dokument betrachtet.
      Wenn jemand alles wegtut, um die Nachfahren zu entlasten, zeigt das auch, dass er oder sie die Kontrolle behalten will über das. was die Nachfahren wissen dürfen. Er oder sie nimmt ihnen ihnen die Möglichkeit der Entdeckung unbekannter Wesenszüge.
      So hat alles mehrere Seiten…..

      Gefällt 1 Person

      • Susanne Haun schreibt:

        Ich bin 54 Jahre alt, zu jung, um mich von Dingen zu trennen, an die mein Herz hängt. Da hast du zu 100 % recht, liebe Gerda. Es ist für mich viel erschreckender festzustellen, wieviel Zeug ich besitze, was ich nicht brauche. Es sind Dinge, die ich geschenkt bekommen habe, Dinge, aus denen ich hinaus gewachsen bin, Dinge, die ich in zu großer Häufung besitze (besonders im Bad und in der Küche) und Dinge wo ich dachte, ich bräuchte sie, die sich aber als unbrauchbar erwiesen haben. Mich von 3 Kochtöpfen der gleichen Größe zu trennen, wo doch einer reicht, das ist ein gutes Gefühl!
        Von Büchern habe ich mich dank momox leicht getrennt, Bücher zu denen ich keine Beziehung hatte. Und haben wir die nicht alle bei uns im Schrank?
        Ich grause mich vor der Auflösung des Haushalts meiner Eltern. Meine Mutter hatte zum Beispiel Schränke voller Porzellan. Ihr waren so andere Dinge wichtig als mir.
        Ja, alles hat seine Seiten und jeder muss seinen eigenen Weg finden, damit fertig zu werden. Ich kann mir gut vorstellen, wie ihr euch in die Wesenszüge deines Schwagers vertiefst.
        Ich bin in unserer Familie das schwarze Schafe…. ich bin so ganz anders als die anderen geworden 😜 achja- ich mag schwarz.

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    • gerda kazakou schreibt:

      Schwarze Schafe sind was gaaanz Besonderes! Fast so rar wie schwarze Schwäne 🙂

      Gefällt 1 Person

  3. Ule Rolff schreibt:

    Die beiden Legebilder finde ich liebenswert. Sie geben die Atmosphäre deines Textes, wirken aber auch unabhängig davon.

    Gefällt 1 Person

  4. Ulli schreibt:

    Ich bin ganz vernarrt ins Familiengrab – nein, ich selbst möchte in keins hinein, vielleicht wird es gelingen, dass meine Asche vom Wind in die Welt getragen wird …
    Nach einer Beerdigung auf das gelebte Leben des Verstorbenen anzustoßen, finde ich weder unmoralisch, noch verwerflich – man gedenkt seiner oder ihrer … und vielleicht lassen sich nach so einem Gläschen auch wieder besser Worte finden, Worte der Wertschätzung für sie/ihn, die/der gegangen ist.

    Gefällt 3 Personen

    • gerda kazakou schreibt:

      Ich stimme dir zu. Bruder Albrecht findet ja auch nur die Ausdrucksweise unangemessen (ins Gras gebissen), dazu auch noch der missglückte Reim. Wie ich oben bei Christiane schrieb, war ich schon auf so manchem Totenkaffeekränzchen und fand es immer angenehm bis erheiternd. Es kommt freilich an, in welchem Verhältnis man zu der oder dem Toten stand.

      Gefällt 2 Personen

  5. kowkla123 schreibt:

    ich finde es passend, Klaus

    Gefällt 1 Person

  6. wechselweib schreibt:

    Du bist und bleibst eine Schelmin!

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  7. Pingback: Schreibeinladung für die Textwoche 14.19 | Extraetüden | Irgendwas ist immer

  8. nea56 schreibt:

    Grossartig zu sehen und zu lesen. Vielen Dank.

    Gefällt 1 Person

  9. Rina schreibt:

    Ach ja – diese schönen Leichenschmäuse – bloß nicht pietätlos werden und einen kleinen Scherz bringen – lieber den Teller vollladen.
    Sehr treffend geschrieben.

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  10. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    Jaaaa, das Familiengrab ist das schönste Deiner Legebilder hier, liebe Gerda. Vielleicht weil man die Seele so frei darüber fliegen sieht oder weil man die Räume im Familiengrab erkennt, wie in einer Gruft mit vielen Särgen.
    Ein Brauch, der mit Butter- und Streuselkuchen gegangen wird, wenigstens dort, wo einst meine Heimat war.
    Cognac für die, die einen Extra-Trost-brauchen *schmunzel*. Ja, so kann man es auch nennen, liebe Gerda, aber manchmal stimmt es ja tatsächlich…
    Ich hoffe sehr, nicht so schnell wieder an einem solchen Beisammensein teilnehmen zu *müssen*.

    Gefällt 1 Person

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