In Madagaskar wird seit langem die Heilwirkung von Pflanzen erforscht. Artemisia annua, zu deutsch einjähriger Beifuß, das als Mittel gegen Malaria bekannt ist, ist zentraler Bestandteil eines Getränks, das als vorbeugendes und heilendes natürliches Medikament gegen Covid19 in Madagaskar produziert und inzwischen in viele afrikanische Länder exportiert wird. WHO, westliche Forschungs-Institute und Medien sind alarmiert: Könnte es sein, dass Afrika sich aus der Bevormundung des weißen Mannes befreit und einen eigenen Weg beschreitet?

Selbstverständlich bin ich nicht in der Lage, die Wirksamkeit von Covid-Organics zu beurteilen. Beurteilen aber kann ich die latente Verachtung und das Misstrauen, die aus den meisten westlichen Verlautbarungen sprechen. Während sich die Forschungsinstitute weltweit und unter dem Beifall der Mächtigen und Geldreichen in einem Wettlauf um Impfstoffe befinden und in extrem verkürzten Verfahren Tests an Menschen („Freiwilligen“) vorgenommen werden (eine gute Übersicht über den Stand der Impfforschung findet sich hier), nennt man das afrikanische Mittel alternativ Zaubertrank, Kräutergemisch, Gebräu…, das gefälligst erst mal den klinischen Beweis seiner Wirksamkeit antreten soll, bevor es unter die Leute gebracht wird.
Das für Afrika zuständige Büro der WHO hat, nachdem es die Verbreitung des „Zaubertranks“ nicht vereiteln konnte, seine „Zusammenarbeit“ angeboten, um den Trank nach „weltweit anerkannten“ Methoden in eigenen Labors zu testen – mit dem Versprechen, die Zusammensetzung für einen Monat geheim zu halten. Welche Großmut! „Die Bürger Afrikas verdienten es, Medikamente zu nutzen, die zu den gleichen Standards getestet wurden wie in anderen Teilen der Welt, teilte das Afrika-Büro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Montagabend mit. Auch bei traditioneller Medizin und Praktiken müsse «die Wirksamkeit und Sicherheit durch rigorose klinische Studien» getestet werden, hieß es.“ (Zitat DW)
Der „ungeprüfte Kräutertee“ (Deutsche Apothekerzeitung) oder wohlwollender „die Naturheilmittel aus Afrika„, die man nun „prüfe“ (Pharmazeutische Zeitung), das „angebliche Corona-Heilmittel“ (SZ) oder das „angebliche COVID-19-Wundermittel“ (DW) werden auch im deutschen Max-Planck-Institut geprüft – bzw. da man die Zusammensetzung des Tranks leider nicht kenne, überprüfe man nur den Wirkstoff der Artemisia Annua gegen Covid19. „Das geschieht derzeit am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, dort hatte man Anfang April unabhängig von Covid-Organics in Madagaskar begonnen, die Wirksamkeit von Artemisia annua gegen Covid-19 zu untersuchen, zusammen mit dänischen und US-amerikanischen Forschern, erste Ergebnisse soll es kommende Woche geben. Covid-Organics konnten die Forscher dort nicht untersuchen, es stand ihnen nicht zur Verfügung. “ (DW)
„unabhängig von Covid-Organics in Madagaskar ….“, klar. Deutschland rennt Madagaskar doch nicht hinterher, sondern ist immer einen Schritt voraus.
Na fein. Das Max-Planck-Institut hat sich also der Sache angenommen und wird den afrikanischen Mythos klären. „Deshalb testen (der Leiter der Studie Peter) Seeberger und seine Kollegen nun in Laborversuchen, wie Reinsubstanzen des Beifuß und Artemisinin auf das neuartige Coronavirus wirken. Dazu bringen die Wissenschaftler aus Dänemark und Deutschland in Hochsicherheitslabors die pflanzlichen Substanzen mit dem Virus zusammen und erforschen so eine eventuelle Wirksamkeit gegen die neue Krankheit.“ (SZ)
„Reinsubstanzen“ und „Hochsicherheitslabors“ – über so etwas verfügen die armen Kerle in Madagaskar natürlich nicht. Zum Glück gibt es uns.
Nebenbei erfährt man übrigens folgende interessante Neuigkeit: „Der Wirkstoff wurde auch schon gegen andere Krankheiten recht erfolgreich ausprobiert“, erklärt der Chemiker (Leiter des Programms, Seberger). So gibt es beispielsweise Berichte, dass Artemisinin gegen das erste SARS-Coronavirus (SARS-CoV) wirksam war. (SZ).
Na so etwas! Für den Nachweis der medizinischen Wirksamkeit von Artemisinin erhielt die chinesische Pharmakologin Tu YouYou bereits 2015 den Nobelpreis für Medizin.
Vielleicht ist dieser Trank ja tatsächlich eine Lösung für Afrika, das unter den strikten WHO-Auflagen sehr gelitten hat und versucht, seine eigenen Kräfte zu mobilisieren. Muss Europa, muss die WHO sich da nicht schnellstens einschalten? Das fehlte uns noch, dass ein unterentwickeltes afrikanisches Land der weltweiten Impf-Forschung den fetten Bissen wegschnappt! Hat man diesen Halbwilden nicht deutlich gesagt, dass sie gefälligst mit ihren Wundermitteln warten sollen, bis die Weltherrscher ihnen Grünes Licht geben?
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„Wir müssen der Menschheit klarmachen, das Afrika nicht nur aus Tänzen und Musik besteht, sondern Lösungen hat für die Gesundheitsprobleme der Welt“, sagte Erick Gbodossou, der im Senegal eine Organisation leitet, die traditionelle Medizin fördert. (SZ)
Möge es dir gelingen, Afrika!
Und wie ist es mit Europa?
Bisher ist Artemisinin in Deutschland in keiner Form zugelassen, wie ich durch dpa-Faktencheck erfuhr: „Heilpflanze nicht grundsätzlich verboten – Wirksamkeit gegen Corona wird untersucht“. Zwar ist sie nicht verboten, aber zugelassen eben auch nicht, kann also auch nicht in den Handel gebracht werden, solange sie nicht nach „weltweit geltenden“ Verfahren geprüft wurde. Und so bleibt es hierzulande wohl bei der Impfung.

Anm: Artemisia ist ein Gattungsname für viele Pflanzenarten, darunter Beifuß, Wermut, Stabwurz und Edelraute. Beschrieben wurde sie von dem griechischen Arzt und Pflanzenkundigen Dioskurides und vom Naturfoscherr Plinius d.Ä. Der Name leitet sich von der Göttin Artemis her – Helferin bei Frauenleiden.