die Stadt der Träume!
Die ungebornen Geister auch
begehren ihr Gefilde.
Erschaffe Welt zu ihrem Brauch, –
die ungebornen Geister auch
begehren Weltgebilde.
Auf sieben Hügeln baue sie,
die Silberflut umsäume;
die Elfengeister-Kolonie –
auf sieben Hügeln baue sie,
die Stadt der Träume!
Hier hing sie, vor meinen erstaunten Augen, die Elfengeister-Kolonie, hing an dünnen Fäden im leeren Raum, weißlich, zart und durchscheinend. Das Weltgebilde warf einen feinen lebendigen Schatten auf den Boden, der mich unwiderstehlich anzog, als sei es der matte Widerschein der Zukunft.

Gebaut haben dies – wie könnte es anders sein – zart-besaitete Japaner (Sou Fujimoto Architects, Hokkaido). Sie nennen ihre hängende Stadt allerdings nicht Elfengeister-Kolonie, sondern Energy Forest, und gebaut ist sie nicht aus Elfenbein, sondern aus Polycarbonat, Akryll und Nylonfäden.
Und doch, dies ist eine Stadt für noch nicht geborene Geister! Zukünftige Bäume, Menschen, Hunde und sonstige Kreaturen bevölkern sie – hier noch im Modell, in der Realität aber soll sie in Städten wie Tokio und Rom hängen und ganz real für Frischluft und sinnige Spaziergänge sorgen. Auf den verschiedenen Ebenen dieser Stadt, die reichlich „Biomasse“ produzieren soll, kannst du atmen, flanieren, Licht tanken, wenn unten die Verhältnisse immer dunkler und enger werden.

Ja, wie, du willst nicht? Du sagst, du seist kein Luftikus? Willst weiterhin festen Boden unter den Füßen spüren und beim Graben nicht bereits nach einem Meter auf eine künstliche Schicht stoßen? Tja, da sehe ich für dich ein bisschen schwarz, was die Zukunft anbetrifft.

Denn der Boden ist in den großen Städten längst besetzt. Hoch und immer höher türmen sich die Wohnblocks, an Bäume ist kaum zu denken, bestenfalls an einen Balkonkäfig, auf den du hinaustritts, um …., ja, um das freie Himmelsstück zu beäugen – wie hier, in einem beliebigen Hinterhof an der Piazza dei Fiore.

Nun, ich übertreibe. In der römischen Innenstadt jedenfalls ist es nicht wirklich schlimm. Hier öffnen sich zwischen den Fassaden gepflasterte Höfe mit rötlichem Anstrich und lieblicher Begrünung. Es empfangen dich die alten Mauern freundlich und geben dir Vertrauen in die Beständigkeit des Seins.

Doch graben solltest du auch hier besser nicht. Unter dem Pflaster liegt kein Strand, sondern liegen die Bauschichten früherer Epochen. Auf der heute bewohnten Schicht mag es fröhlich zugehen, mögen die Händler wie in alten Tagen frische Blumen, Gemüse und Obst anbieten (Campo de‘ Fiori) …

aber unterhalb dieser Ebene, gleich unterhalb der feurigen Wasserrösser des Poseidon (Piazza Navone) …

… tut sich eine andere, eine längst verfallene und vergessene Welt auf.
Steig nur hinunter, hab keine Angst. Die kläglichen Reste des einst gewaltigen Hippodroms* sind solide gesichert, beleuchtet, befeuchtet.

und die Welt über dir ist noch da, jederzeit kannst du hinaufsteigen ans Licht des Tages.

Die vergangene Welt, auch sie kannst du hier unten sehen – nicht als Modell, nicht als Elfengeisterkolonie, aber nicht minder geisterhaft als Video in 3D-Format. Da wachsen blitzesschnell aus den edlen Ruinen die vollkommenen Formen des vergangenen römischen Imperiums, der ewigen Stadt Rom.

Ja, sie hielt sich für ewig – mindestens. Da wunderst du dich, was? Du bist klüger, du weißt es besser: auch sie verfiel.

Heute ist sie nur noch „ein Wunder virtueller Archäologie“, nicht realer als die Elfengeisterkolonie, deren Modell ich im MAXXI von der Decke hängen sah.
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Wikipedia: Von Julius Cäsar wurde 46 v. Chr. hier auf dem Marsfeld ein erstes, eher provisorisches Stadion für Spiele griechischen Typs, das heißt athletische Wettkämpfe, errichtet.
Kaiser Domitian baute dieses Stadion 85 n. Chr. monumental aus. Es hatte die Ausmaße von 275 mal 106 Metern und bot über 30.000 Zuschauern Platz. Die Außenseite war im Erdgeschoss mit Arkaden aus Travertinpilastern umgeben. … Das Stadion war mit etlichen Kunstwerken, vornehmlich griechischen Stils, geschmückt.[1] …