Spring!

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Montags ist Fototermin: Granatapfel

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Nein, ich bin keine Eva, und meinen Granatapfelbaum bewacht keine Schlange. Aber im Paradies lebe ich doch. Ich schaue hinauf in das blendende Blau des Himmels und wähle:

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Welche Frucht soll es heute sein? Jene im Schatten ist verführerisch rot, „wie gemalt“ hätte meine Oma gesagt, die von Granatäpfeln freilich nichts wusste. Ich aber sage: bleib wo du bist, du bist zu schön zum Pflücken.

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Soll ich jene mit der leichten Verletzung nehmen? img_8415

Wer die Wahl hat …img_8419

Ich entschließe mich für diese:

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Schau!

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Die Schale ist durchfurcht, Schriftzeichen sind es wohl, von anderen Geistern hinterlassen.

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Zögernd schneide ich die Frucht auf, es schmerzt ein wenig.

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Nun liegen beide Hälften offen vor mir. Die Perlen schimmern matt rosa und feucht im Siebenstern.

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Rodi, mit weichem d wie im englischen this gesprochen, heißt die Frucht, Rodia der Baum, der nicht viel mehr ist als ein großer stachliger Busch, sehr widerständig, er vermehrt sich leicht und bildet undurchdringliche Hecken. Drei Perlen aß Persephone im Garten der Unterwelt, das reichte, und sie musste bleiben bei Hades, ihrem Räuber.

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Drei weitere Beiträge zum Granatapfel findest du in meinem Blog

vom Granatapfel

Der Granatapfel hält Rückschau und Vorschau

Blüte und Frucht

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Erntedank

Erntedank – hier in Griechenland kennt man es nicht als gesonderten Feiertag. Aber ich liebe dieses Fest und will seiner gedenken.

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Erntedank ist wohl eines der ältesten Feste der Menschen. Es gehört in den Reigen der Feiern, die der Fruchtbarkeit der Erde gewidmet sind – beginnend im Februar oder März mit dem Austrieb des Winters, fortgesetzt mit der Aussaat, der Bitte um gute Witterung, dem Reifen und schließlich der Ernte der Früchte.

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Herrlich das Leben, wenn Früchte, Gemüse und Korn reifen und in die Scheunen und Keller der Menschen eingebracht werden können, schrecklich die Not, wenn Heuschrecken, Dürre oder der Brand des Krieges alle Frucht zerstören. Ich denke an die Verhungernden, aber ich bringe es nicht über mich, hier Bilder von ihnen einzufügen. Mögen sie mir verzeihen.

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Zusammengesetztes zum Knutschfleck

nun hab ich doch noch was zum laufenden Thema des Mitmachblogs (Knutschfleck) veröffentlicht. Guten Appetit.

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Du weißt es doch!

Ich schippere auf dem großen Meer Richtung Osten. Sonne geht auf, Sonne geht unter, aber ich habe ihn noch nicht getroffen, den Weisen, den ich suche und der mir die Rätsel dieser Welt erklären soll.

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Allein mit mir selbst. Allein mit mir selbst? Da sind wir schon zwei – ich und selbst. Ich mit meiner Biografie, geboren, noch nicht gestorben, begrenzt in Zeit und Raum, mit einem bedürftigen Körper und mit vielen Fragen – und Selbst, das alles umfassende und alles wissende, das meinen Anfang kennt und mein Ende, zeit- und raumlos, namenlos, ewig.

„Was soll ich dich lehren! Du weißt  es doch längst, dass alles, was entsteht, vergeht. Schöpfung und Zerstörung sind eins.“ – „Ja, ich weiß es, habe es grad wieder kräftig gefühlt, als ich durch den Bauch von Rom wanderte und sie vor mir sah, die Schichten und Geschichten der ewigen Stadt. Aber …“img_8281

„Aha, das Aber! Es musste ja kommen. Du willst die große Ausnahme sein! Du meinst, deine Zeit kann stehen bleiben, und du in ihr. Da habt ihr  die Trümmer eures letzten Kriegs weggeräumt, habt euch hübsch eingerichtet und Rentenansprüche erworben, die ihr, gemütlich im Sessel zurückgelehnt, in Anspruch nehmen wollt. Ansprüche in Anspruch nehmen – dass ich nicht lache!

Muss ich dich daran erinnern, dass die Kulturen kommen und gehen? Groß waren sie alle, aber sie zerfielen. Aus den Trümmern entstanden neue Kulturen, doch auch sie vergingen, so schnell, dass es dir schwindelt. Auch deine Zeit verschwindet und dein Raum zerfällt.“

Diese Diashow benötigt JavaScript.

„Und nichts bleibt?“ –

„Doch. Es bleibt der Wandel. Das muss dir genügen“

Über solchen Gedanken schlief ich ein. Und ich wurde Eins mit mir selbst, besonders und doch grenzenlos.


Die Bilder in der Diashow sind alle aus denselben Schnipseln gelegt. Erst lege ich ein Bild, dann schüttele ich es, und es zerfällt. Dann lege ich ein neues Bild, schüttele es, und es zerfällt.  Dann lege ich ein neues Bild, schüttele es, und es zerfällt …. Jedes Bild stellt eine alte Kultur dar: die Altmesopotamische, die Altägyptische, die Altisraelische, die Altphönizische, die Altindianische. Es ist eine willkürliche Auswahl.

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Schwarzmond

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Heute herrscht die schwarze Selanna, der Schwarzmond. Keine gute Zeit um aufzubrechen. Ich warte, bis die junge Mondsichel wieder erscheint. Wer doch unterwegs ist, möge sich vorsehen.

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Nach Rom: Der Weg nach Osten

Wie schrieb ich, als ich mich aufmachte nach Rom? Wie Kolumbus wollte ich es halten! „Auch ich wende nun den Bug meines Schiffes gen Westen, um mein Ziel, Ephesos im Osten, zu erreichen“.

Inzwischen war ich in Rom. Ich habe mein Schiff vollgeladen mit seinen Schätzen. Kaum kann mein Schifflein sie tragen. Wie Kolumbus – denke ich ein weiteres Mal. Auch er segelte mit seiner Santa Maria los, voller Wissbegierde und Abenteuerlust, und er wurde über und über belohnt  mit den Schätzen des Landes, das er eroberte. Nur …….

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Nur: Als ein anderer fuhr er los, als ein anderer kehrte er zurück. Sein Traum von Indien war erloschen.  Sein ganzes Sinnen richtete sich nun nach Westen, nach den neuen Kolonien. Der Osten hörte auf, in ihm zu existieren. Das Ziel war verloren.

Würde es mir ähnlich ergehen? Würde ich den Osten gering achten, weil der Westen sich als so reich erwiesen hatte?

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Wie um meine Bedenken zu bestätigen, tauchte er plötzlich auf aus einer großen Welle, die den Bug meines Schiffleins hob. Wer? Was tut es zur Sache. Wir sprachen nicht. Hin und her wehten unsere Gedanken. Ich erfuhr seine Geschichte: Wie er, um der Weisheit willen, gen Osten gesegelt sei, dort aber nur noch Zerstörung angetroffen habe. Schau auf dein Boot, hörte ich ihn im Geiste sagen, es ist schon ganz zerfallen. Der Sichelmond ist längst zum Vollmond geworden und steht nun in der abnehmenden Phase. Bald wird er ganz verschwunden sein. Schau um dich! Aus jenen Weltregionen fliehen die Menschen. Der Engel des Krieges jagt sie vor sich her. Dort ist kein Leben mehr!

Und wirklich, als ich mich umschaute, sah ich sie, sah die Fliehenden auf traurigen Schiffen

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sah, wie sie am Tag und des Nachts mit letzten Kräften drängten gegen die Küsten, die nicht der Halbmond, sondern das Kreuz beherrscht. Sie alle wollten nach Westen, nach Westen! Und ich, ich will nach Osten?

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Freilich will ich das. Denn dort lebte ein Mann, der sagte: „Πόλεμος πάντων μεν πατήρ εστί, πάντων δε βασιλεύς. Der Krieg ist der Vater von allem, er beherrscht alles.“ Ihn will ich treffen. Er soll mir die Sache mit dem Krieg erklären. Ich meine, es wird Zeit für mich, den Krieg zu begreifen.

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Rom – der Tiber

img_8400a Noch lange nicht habe ich alle Schätze dieser Reise gesichtet. Aber ich nehme jetzt Abschied von der großen Stadt. Denn ich muss mich der Gegenwart zuwenden. Das ist nicht leicht, denn die gewaltige Menge an Eindrücken, die ich in drei Tagen aufgenommen habe, schwirrt mir im Kopf und drängt sich vor, lässt das gegenwärtig Erlebte verblassen. Das möchte ich nicht. Denn sind die drei Tage, die ich nun wieder in Griechenland bin, weniger wichtig? Brauchen sie nicht auch meine volle Aufmerksamkeit? Ich meine, ja.

Also Adieu du schöne Stadt Rom! Vergessen werde ich nichts von den Schätzen, die du mir gezeigt hast. Dann und wann werde ich etwas davon heraussuchen und einbauen in meine Gegenwart. Jetzt aber: Adieu! Oder besser: Arrividerci.

In mir behalte ich vor allem anderen deinen Fluss. Er lebt in mir weiter. Manchmal ruht er grau und glänzend wie ein zufriedenes Reptil zwischen den grünen Ufern.

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Jeden Morgen begrüße ich ihn als erstes, denn wohlweislich habe ich unser Quartier in seiner Nähe aufgeschlagen.Die Brücken spiegeln sich in dem kaum bewegten Wasser.

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Ein Flussboot liegt still am Unkraut überwucherten Kai.

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Langsam färben erste Sonnenstrahlen die mächtigen Mauern, und mit ihnen erscheinen die ersten Menschen.

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Wohnboote, Ausflugsboote liegen vertäut am Kai und spiegeln sich gemeinsam mit den mächtigen Platanen der Uferstraße im glatten Spiegel des Wassers.

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Jeden Abend ist der Fluss mit seinen Brücken das letzte, was ich mitnehme in meinen Schlaf und Traum.

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So werde ich ihn auch heute noch einmal  mitnehmen in meinen Traum. Aber morgen bin ich dann angekommen im Hier und Jetzt meiner Mani, am Meer, bei den Olivenhainen und den violetten Büscheln der Zyklamen.

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Rom – Auf der Insel

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Michelangelo, St. Bartolomeo, der seine abgezogene Haut vorweist. Drauf hat Michelangelo sein eigenes Portrait gemalt (Uffizien, Letztes Gericht).

 

 

 

 

 

Inmitten img_8266 des  Tiber img_8268 liegt das Inselchen mit der Kirche des St. Bartolomeo, mit dem Festland verbunden durch zwei altehrwürdige Brücken. Eine Legende sagt, die Insel sei entstanden, als die Bürger der Stadt Tarquinius Superbus stürzten und das von ihm zusammengeraffte Getreide – es war wohl eine ganze Menge – in den Tiber kippten. Das war so um 590 vor unserer Zeitrechnung. Obs stimmt? Ich möchte es nicht beschwören.

Richtig ist, dass mit dem Sturz von Tarquinius die Römische Republik entstand. Und glauben will ich, dass sie in Delphi besiegelt wurde. Denn die drei möglichen Erben des Königs Tarquinius eilten zum Orakel von Delphi und erfuhren dort, derjenige würde das Erbe antreten, der als erster die Mutter küsste. Einer der drei, Brutus genannt (was Dümmling heißt – wir kennen das aus den Märchen), stolperte absichtlich und küsste heimlich Mutter Erde. Er wurde der erste Konsul. Und Delphi bewies sich mal wieder als Nabel des Weltgeschehens.

Solch ein Inselchen ist für mich eine Delikatesse, die ich nicht auslassen konnte. Der sonst so träge Tiber rauscht hier über niedrige künstliche Stufen herab, und man kann, gelehnt an das steinerne Geländer der Brücke,  hinablauschen in die uralte Geschichte des Ortes. Da glaubt man dann auch, dass die Insel als Schiff geformt wurde, um an eine andere Reise nach Griechenland zu erinnern: an die nach Epidaurus. In Rom herrschte die Pest, und so reiste eine Delegation ins ferne Heiligtum des Asklepios, nach Epidaurus. Zurück kamen sie mit dem Gott in Gestalt einer riesigen Schlange, die sich hoch am Mast aufrichtete : der Äskulapstab des Heilwesens war entstanden, und die Pest verschwand aus Rom. Ovid berichtet davon in der ersten Metamorphose.

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Brunnen im Altarraum. Hier sprudelte die hl Quelle des Asklepios-Tempels

 

Schöne sinnreiche Legenden. Wie gern wäre ich dabei stehengeblieben! Gern hätte ich auch die Gebeine des Heiligen Bartholomäus (der einer der zwölf Jünger war und wegen seines Glaubens bei lebendigem Leib gehäutet wurde) und einer Menge anderer Heiligen angeschaut, die der deutsche König Otto II hierher schaffen ließ, in die von ihm gestiftete Kirche.

Solche Toten – meinetwegen. Sie haben den Tod gesucht und gefunden, um ins Paradies einzugehen.

Doch die kaum vergangene, noch gar nicht abgelagerte deutsche Geschichte holte mich ein. Anderer Toten sollte ich gedenken. Zum Beispiel dieser:

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Vor dem Morgengrauen kamen sie, am 16. Oktober 1943 war es, und trieben sie zusammen. Vor allem Alte, Frauen und Kinder, denn die Männer, die glaubten, man habe es auf sie abgesehen,  waren untergetaucht. Arme Leute, die letzten Bewohner des im 19. Jahrhundert aufgelösten Ghettos,  zweitausendeinundneunzig Seelen. Wer kam? Deutsche, die nach Musolinis Sturz zur Besatzungsmacht Italiens avanciert waren.

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Es gibt Listen zum Abhaken und Durchstreichen. Oben die qualmenden Schlote von Auschwitz-Birkenau. Acht der Eingesammelten haben überlebt.

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Jemand versuchte hier, die Geschehnisse der Razzia aufzuschreiben, hatte offensichtlich Probleme bei der Formulierung. Es gibt auch Fotos vom Ghetto, als es noch existierte.

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von Ghettokindern auf der Insel im Tiber

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und von Männern, die zu Arbeiten an der Befestigung der Insel herangezogen wurden.

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Es gab auch Fotos von den vor Ort verantwortlichen Tätern, junge und ältere deutsche Männer der Militärpolizei. Gewöhnliche Zeitgenossen. Auch ihr weiterer Lebensweg wurde beschrieben: der eine starb im folgenden Jahr, der andere brachte sich um, der dritte blieb in Italien und wurde dort alt. Ich las all diese Geschichten und ging dann hinaus aus den niedrigen Gedenkräumen, ging hinein in die Kirche des St. Bartolomeo, um mich dort hinzusetzen. Da drehte sich ein Engel zu mir um, traurig und ein wenig streng, wie mir schien, wegen unserer Taten.

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Rom – diachronisch

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Im sieben-hügeligen Rom bin ich gelandet. Der erste Tag bringt mich ins MAXXI  (Museum für die Kunst  XXI Jahrhunderts) – ich berichtete darüber. Kaum trete ich in den ersten Saal des MAXXI ein, stehe ich verblüfft vor Christian Morgensterns Stadt aus Elfenbein! Tatsächlich kenne ich dieses Gedicht sehr gut, immer wollte ich diese Stadt malen, nie gelang es mir.

 

Bau mir die Stadt aus Elfenbein, die Silberflut umschäume!
Durchs Tor der Träume zieht man ein.
Bau mir die Stadt aus Elfenbein,

    die Stadt der Träume!

Die ungebornen Geister auch
begehren ihr Gefilde.
Erschaffe Welt zu ihrem Brauch, –
die ungebornen Geister auch

begehren Weltgebilde.

Auf sieben Hügeln baue sie,
die Silberflut umsäume;
die Elfengeister-Kolonie –
auf sieben Hügeln baue sie,

die Stadt der Träume!

Hier hing sie, vor meinen erstaunten Augen, die Elfengeister-Kolonie, hing an dünnen Fäden im leeren Raum, weißlich, zart und durchscheinend. Das Weltgebilde warf einen feinen lebendigen Schatten auf den Boden, der mich unwiderstehlich anzog, als sei es der matte Widerschein der Zukunft.

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Gebaut haben dies – wie könnte es anders sein –  zart-besaitete Japaner (Sou Fujimoto Architects, Hokkaido). Sie nennen ihre hängende Stadt allerdings nicht Elfengeister-Kolonie, sondern Energy Forest, und gebaut ist sie nicht aus Elfenbein, sondern aus Polycarbonat, Akryll und Nylonfäden.

Und doch, dies ist eine Stadt für noch nicht geborene Geister! Zukünftige Bäume, Menschen, Hunde und sonstige Kreaturen bevölkern sie – hier noch im Modell, in der Realität aber soll sie in Städten wie Tokio und Rom hängen und ganz real für Frischluft und sinnige Spaziergänge sorgen. Auf den verschiedenen Ebenen dieser Stadt, die reichlich „Biomasse“ produzieren soll,  kannst du atmen, flanieren, Licht tanken, wenn unten die Verhältnisse immer dunkler und enger werden.

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Ja, wie, du willst nicht? Du sagst, du seist kein Luftikus? Willst weiterhin festen Boden unter den Füßen spüren und beim Graben nicht bereits nach einem Meter auf eine künstliche Schicht stoßen?  Tja, da sehe ich für dich ein bisschen schwarz, was die Zukunft anbetrifft.

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Denn der Boden ist in den großen Städten längst besetzt. Hoch und immer höher türmen sich die Wohnblocks, an Bäume ist kaum zu denken, bestenfalls an einen Balkonkäfig, auf den du hinaustritts, um …., ja, um das freie Himmelsstück zu beäugen – wie hier, in einem beliebigen Hinterhof an der Piazza dei Fiore.

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Nun, ich übertreibe. In der römischen Innenstadt jedenfalls ist es nicht wirklich schlimm. Hier öffnen sich zwischen den Fassaden gepflasterte Höfe mit rötlichem Anstrich und lieblicher Begrünung. Es empfangen dich die alten Mauern freundlich und geben dir Vertrauen in die Beständigkeit des Seins.

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Doch graben solltest du auch hier besser nicht. Unter dem Pflaster liegt kein Strand, sondern liegen die Bauschichten früherer Epochen. Auf der heute bewohnten Schicht mag es fröhlich zugehen, mögen die Händler wie in alten Tagen frische Blumen, Gemüse und Obst anbieten (Campo de‘ Fiori) …

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aber unterhalb dieser Ebene, gleich unterhalb der feurigen Wasserrösser des Poseidon (Piazza Navone) …

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… tut sich eine andere, eine längst verfallene und vergessene Welt auf.

Steig nur hinunter, hab keine Angst. Die kläglichen Reste des einst gewaltigen Hippodroms*  sind solide gesichert, beleuchtet, befeuchtet.

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und die Welt über dir ist noch da,  jederzeit kannst du hinaufsteigen ans Licht des Tages.

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Die vergangene Welt, auch sie kannst du hier unten sehen – nicht als Modell, nicht als Elfengeisterkolonie, aber nicht minder geisterhaft als Video in 3D-Format. Da wachsen  blitzesschnell aus den edlen Ruinen die vollkommenen Formen des vergangenen römischen Imperiums, der ewigen Stadt Rom.

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Ja, sie hielt sich für ewig – mindestens. Da wunderst du dich, was? Du bist klüger, du weißt es besser: auch sie verfiel.

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Heute ist sie nur noch „ein Wunder virtueller Archäologie“, nicht realer als die Elfengeisterkolonie, deren Modell ich im MAXXI von der Decke hängen sah.

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Wikipedia: Von Julius Cäsar wurde 46 v. Chr. hier auf dem Marsfeld ein erstes, eher provisorisches Stadion für Spiele griechischen Typs, das heißt athletische Wettkämpfe, errichtet.

Kaiser Domitian baute dieses Stadion 85 n. Chr. monumental aus. Es hatte die Ausmaße von 275 mal 106 Metern und bot über 30.000 Zuschauern Platz. Die Außenseite war im Erdgeschoss mit Arkaden aus Travertinpilastern umgeben. … Das Stadion war mit etlichen Kunstwerken, vornehmlich griechischen Stils, geschmückt.[1]
 

 

 

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