Nach Rom: Der Weg nach Osten

Wie schrieb ich, als ich mich aufmachte nach Rom? Wie Kolumbus wollte ich es halten! „Auch ich wende nun den Bug meines Schiffes gen Westen, um mein Ziel, Ephesos im Osten, zu erreichen“.

Inzwischen war ich in Rom. Ich habe mein Schiff vollgeladen mit seinen Schätzen. Kaum kann mein Schifflein sie tragen. Wie Kolumbus – denke ich ein weiteres Mal. Auch er segelte mit seiner Santa Maria los, voller Wissbegierde und Abenteuerlust, und er wurde über und über belohnt  mit den Schätzen des Landes, das er eroberte. Nur …….

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Nur: Als ein anderer fuhr er los, als ein anderer kehrte er zurück. Sein Traum von Indien war erloschen.  Sein ganzes Sinnen richtete sich nun nach Westen, nach den neuen Kolonien. Der Osten hörte auf, in ihm zu existieren. Das Ziel war verloren.

Würde es mir ähnlich ergehen? Würde ich den Osten gering achten, weil der Westen sich als so reich erwiesen hatte?

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Wie um meine Bedenken zu bestätigen, tauchte er plötzlich auf aus einer großen Welle, die den Bug meines Schiffleins hob. Wer? Was tut es zur Sache. Wir sprachen nicht. Hin und her wehten unsere Gedanken. Ich erfuhr seine Geschichte: Wie er, um der Weisheit willen, gen Osten gesegelt sei, dort aber nur noch Zerstörung angetroffen habe. Schau auf dein Boot, hörte ich ihn im Geiste sagen, es ist schon ganz zerfallen. Der Sichelmond ist längst zum Vollmond geworden und steht nun in der abnehmenden Phase. Bald wird er ganz verschwunden sein. Schau um dich! Aus jenen Weltregionen fliehen die Menschen. Der Engel des Krieges jagt sie vor sich her. Dort ist kein Leben mehr!

Und wirklich, als ich mich umschaute, sah ich sie, sah die Fliehenden auf traurigen Schiffen

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sah, wie sie am Tag und des Nachts mit letzten Kräften drängten gegen die Küsten, die nicht der Halbmond, sondern das Kreuz beherrscht. Sie alle wollten nach Westen, nach Westen! Und ich, ich will nach Osten?

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Freilich will ich das. Denn dort lebte ein Mann, der sagte: „Πόλεμος πάντων μεν πατήρ εστί, πάντων δε βασιλεύς. Der Krieg ist der Vater von allem, er beherrscht alles.“ Ihn will ich treffen. Er soll mir die Sache mit dem Krieg erklären. Ich meine, es wird Zeit für mich, den Krieg zu begreifen.

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Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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19 Antworten zu Nach Rom: Der Weg nach Osten

  1. Ulli schreibt:

    Kann man denn den Krieg begreifen, weiter begreifen, als wir es schon tun, dass sein Hunger unersättlich ist, nach Macht, nach Recht, nach Haben?

    Deine Bilder erzählen dieses Mal sehr intensiv, auch mag ich das Spiel mit ihnen, wie der Tag zur Nacht wird. Das letzte spricht mich sehr an, ich sehe einen kleinen König mit einer grossen Armee im Rücken, er scheint „Vorwärts“ zu schreien, „immer nur vorwärts, lasst die Welt uns untertan machen …
    Der Krieg und die Angst vor ihm beherrscht die Menschen nun schon so lange, ob je eine Umkehr möglich ist? Ich möchte gerne daran glauben!

    liebe Grüsse zum stillen Abend
    Ulli

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  2. Martina Ramsauer schreibt:

    Da wir hier auf Erden und nicht im Paradies sind, befürchte ich leider, dass wir Menschen immer Krieg führen werden! Danke für deinen ergreifenden Beitrag und ich finde eine Reise nach Rom, wie nach Ephesus lohnenswert. Cari saluti Martina

    Gefällt 1 Person

  3. kunstschaffende schreibt:

    Krieg ist Machtkampf um jeden Preis;

    Krieg ist Menschenverschleiß;

    Krieg ist Sinn nur für das Böse;

    Krieg ist zeitlos und egal in welcher Größe!

    Deine Legearbeiten erklären auf geniale Art und Weise, die geschichtsträchtigen Spuren Deiner Reise! Vielen Dank für’s Teilen!

    LG Babsi

    Gefällt 2 Personen

  4. Monika schreibt:

    Liebe Gerda, Heraklit fragen, ihm begegnen. wie denn, wann? Ich kann mir nicht vorstellen, dass er eine Antwort auf die Fragen hat, warum der Krieg Vater von allem ist.
    Weil er männlich ist, weil er ein Einzelgänger ist. Führung übernimmt. Sich an eine Spitze einer Gruppe setzt. Kämpfer, Jäger, Schatzsuchender, Abendteurer, Bergsteiger, Schwimmer, Läufer ist. Ist er nicht auch ein Bauer, Hüter, Architekt, Denker……
    Was lässt uns glauben machen, das der Krieg eine männliche Sache ist. Kann er nicht auch weiblich sein. Von Frauen angestiftet, die mit ihrem Selbstbild nicht übereinstimmen, alles denken und handeln abschieben, um sich und ihre Brut zu schützen.
    Sind Frauen nicht die Verursacher, aller Habgier, Neid und Missgunst. Wer also soll da der Verursacher sein. Wir sind die den Krieg zulassen, aus niedrigen Beweggründen. Wir sind die den Krieg anprangern. Wir sind die, die gegen unseren Erkenntnissen, zu wider handeln.
    Was also soll Heraklit uns sagen, welchen Blick soll er uns in eine andere Richtung lenken. Ich weiß, du wirst mich wieder zerreißen, aber das macht nichts. Vielleicht war die Reise nach Rom, nur eine Reise zum Ursprung allen Denkens.
    LG. Monika

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    • gkazakou schreibt:

      Ach, liebe Monika, hab ich dich je zerrissen, und gar mehrmals? Das täte mir Leid, denn ich finde deine Gedanken immer sehr anregend, so auch diesmal. Was du über die Rolle der Frau bezüglich Krieg sagst, lässt mich denken an eine Aufstellung über den Krieg. Da zeigte sich nämlich, dass der Krieger ein Sohn von Eirene (Frieden, weibl) und Polemos (Krieg, männlich) ist. Er wurde Krieger im Glauben, es für die Mutter zu tun, u verstand überhaupt nicht, warum die Mutter ihn wegen seiner Taten ablehnte. „Aber ich habe es doch Fürsorge getan!“ rief er. „Du hast mich doch beauftragt!“ Und tatsächlich fragte man die Wehrdienstverweigerer immer: und wenn nun der Feind kommt und deiner Mutter u Schwester Gewalt antut, wirst du dann auch keine Waffe in die Hand nehmen? – Wenn er sagte: doch! dann musste er zum Bund. –
      Die Mütter haben ihre Söhne tatsächlich „beauftragt“, für sie zu kämpfen. Aber sie wissen es nicht u sind entsetzt, wenn die Söhne töten.
      Dass der Krieg Vater aller Dinge sei, sagt Heraklit. Er könnte vielleicht auch sagen „Mutter aller Dinge“, aber in seiner Zeit wurde den Frauen keine größere Rolle gegeben.
      Im übrigen werde ich dies Thema auch mit ihm erörtern😉

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      • bruni8wortbehagen schreibt:

        Die Mutter meines Vaters hatte drei Söhne. Sie drängte sie geradezu in den Krieg, weil sie an ihn glaubte, aber er nahm ihr den Lieblingssohn und die Heimat gleich dazu…
        Mütter…

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  5. Maren Wulf schreibt:

    Das sind wunderbar sprechende intensive Bilder, liebe Gerda. Ich bin gespannt, ob es zu der Begegnung kommt.

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  6. bruni8wortbehagen schreibt:

    *Er soll mir die Sache mit dem Krieg erklären. Ich meine, es wird Zeit für mich, den Krieg zu begreifen.*
    Meinst Du, er kann es,liebe Gerda? Er weiß, daß es so ist, aber das Warum, liegt es nicht ganz und gar in uns allen?

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