brennende Fenster

Brennende Fenster, wenn die Abendsonne an ihnen verglüht.  Fenster wie Segel, du schaust hindurch und lässt dich treiben ins Blau des vergehenden Tages.

Gestern suchte ich nach einer großen Leinwand, die ich bearbeiten könnte, und fand dies ganz vergessene Bild. 60 x 90 cm ist es groß, sehr grob der Farbauftrag (Akryll-Pigmente und Kleister) auf älteren Farbschichten. Diese Version ist vor ca 5 Jahren entstanden.

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Zirkus Maximus und andere Attraktionen

Du willst wissen, woraus dieses Bild entstanden ist? Wenn du genau hinschaust, siehst du „den Weg der weißen Schlange“ , der den großen Zirkus umrundet. Auf jenes Bild klebte ich mit Kreppklebebändern Pergamentpapier, Wellpappe und weißes Zeichenpapier, überging das Ganze dann mit einer Kohlezeichnung. Hier siehst du ein Vorstadium und Details.

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im beweglichen Element

Bevor dieses Bild entstand, gab es ein paar andere Versionen. Die möchte ich meiner Gewohnheit nach hier vorführen. Zwischen der ersten und letzten Version sind ein zwei-drei Tage vergangen.

Der Vogel, der sich aus dem Ei herausarbeitet (Bild 1-4), wird in seine Eihülle zurückgezwungen (Bild 5-6) und neu bebrütet (Bild 7-9). Mit blauem Pigment bemale ich einen Teil der Flächen, andere Teile reiße ich ab und klebe sie an anderen Stellen wieder auf … und so entsteht das Bild oben. Was es darstellt? Für mich sind es Boote, die an ihren Leinen zerren und sich schaukelnd spiegeln im beweglichen Element des Wassers.

 

Graue Pappe 70 x 100 cm, Pergamentpapier, Kreppklebebänder, Wellpappe, Ölkreide, Kohle, Akryllpigment, Wasser.

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Die Sonne sinkt

 

Blick nach Westen

 

Friedrich Nietzsche

Die Sonne sinkt.

1.

Nicht lange durstest du noch,
  verbranntes Herz!
Verheissung ist in der Luft,
aus unbekannten Mündern bläst mich's an
  - die grosse Kühle kommt ...

Meine Sonne stand heiss über mir im Mittage:
seid mir gegrüsst, dass ihr kommt
  ihr plötzlichen Winde
ihr kühlen Geister des Nachmittags!


Die Luft geht fremd und rein.
Schielt nicht mit schiefem
  Verführerblick
die Nacht mich an? ...
Bleib stark, mein tapfres Herz!
Frag nicht: warum? -

2.

Tag meines Lebens!
die Sonne sinkt.
Schon steht die glatte
  Fluth vergüldet.
Warm athmet der Fels:
  schlief wohl zu Mittag
das Glück auf ihm seinen Mittagsschlaf?
  In grünen Lichtern
spielt Glück noch der braune Abgrund herauf.

Tag meines Lebens!
gen Abend gehts!
Schon glüht dein Auge
  halbgebrochen,
schon quillt deines Thaus
  Thränengeträufel,
schon läuft still über weisse Meere
deiner Liebe Purpur,
deine letzte zögernde Seligkeit ...

3.

Heiterkeit, güldene, komm!
  du des Todes
heimlichster süssester Vorgenuss!
- Lief ich zu rasch meines Wegs?
Jetzt erst, wo der Fuss müde ward,
  holt dein Blick mich noch ein,
  holt dein Glück mich noch ein.

Rings nur Welle und Spiel.
  Was je schwer war,
sank in blaue Vergessenheit,
müssig steht nun mein Kahn.
Sturm und Fahrt - wie verlernt er das!
  Wunsch und Hoffnung ertrank,
  glatt liegt Seele und Meer.

Siebente Einsamkeit!
  Nie empfand ich
näher mir süsse Sicherheit,
wärmer der Sonne Blick.
- Glüht nicht das Eis meiner Gipfel noch?
  Silbern, leicht, ein Fisch
  schwimmt nun mein Nachen hinaus ...

Friedrich Nietzsche, Die Sonne sinkt, 3. Gedicht der Dionysos-Dithyramben,
entstanden in den letzten Wochen des Jahres 1888 vor dem Ausbruch des Wahnsinns

Cy Twombly: Dionysos-Dithyramben

 

 

Blick nach Osten (mit dem aufgehenden Mond)

(8.6.2017, 20.15  Uhr, Mani, von meiner Dachterasse)

 

 

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kleine Leute

Heute las ich bei Jeannette Pateraki: “Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern!“
(afrikanisches Sprichwort)

Es gefiel mir.  Zugleich meldete sich mein immer im Hinterhalt lauerndes ABER. Denn tatsächlich sind es „die kleinen Leute“ – also wir alle -, die ständig kleine Dinge tun, dadurch aber  die Welt nicht verändern, sondern sie genau so reproduzieren, wie sie halt ist. Mit unseren kleinen Gedanken, Eifersüchteleien, Engstirnigkeiten, mit Dominanzgebaren, Neid, Wut, Lieblosigkeit, Selbstbezogenheit, Verzagtheit, Gehorsam und was nicht noch alles.

Und ich dachte an eine Legearbeit, die ich vor fast zwei Jahren bloggte: „Die kleinen Leute“ nannte ich sie. Wer Lust hat, den ganzen Post zu lesen,  findet ihn hier.

 

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Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten

Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
Versuch ich wohl, euch diesmal festzuhalten?
……


Was ich besitze, seh ich wie im Weiten,
Und was verschwand, wird mir zu Wirklichkeiten.

(J.W.Goethe, Faust I, Zueignung)

 

 

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Blindzeichnen

Immer noch bin ich auf diesem Tripp. Ich zeichne blind, versuche dabei aber den Stil zu variieren. ZB machte ich gestern Kohlezeichnungen, bei denen ich erst mal einen Grund schaffte, indem ich die Kohle quer benutzte, und dann darüber zeichnete (alles blind). Dann überging ich die ausgewischte Zeichnung mit Wasser und Pigment, um einen neuen Untergrund zu schaffen. Zeichnete darüber mit dickem Borstenpinsel (um den zu finden, blinzelte ich mit einem Auge). Mein nächster Versuch war, blind mit Kohle auf einer Leinwand (70 x 100 cm) ein erinnertes fremdes Gesicht zu zeichnen. Als ich die Augen aufmachte, freute ich mich an der Wirkung der runterrieselnden Kohlepartikel. Schließlich zeichnete ich auf einer großen Pappe (70 x 100) und in zwei Anläufen ein „Doppelportrait“ (Mann und ich selbst).

So, und jetzt muss ich wohl mal ne Pause mit dem blinden Zeichnen machen und mich der Welt und meiner Kunst wieder sehend vergewissern.

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Doch uns ist gegeben auf keiner Stätte zu ruhn

Friedrich Hölderlin, Hyperion oder der Eremit in Griechenland, selbst an einen längst vergessenen Befreiungskampf erinnernd – wer erinnert sich noch?

Und doch, Hyperions Schicksalslied bleibt unvergessen.

Die Genien freilich sind nicht mehr und das lebendige Wasser ist erstarrt. Von Stufe zu Stufe stürzen nur mehr Relikte, Artefakte ins Ungewisse hinab.

Wer weiß, vielleicht irre ich mich auch. Vielleicht wandeln sie wie immer im ewigen Licht, und wir schauen sie nur nicht mehr.

Ihr wandelt droben im Licht
Auf weichem Boden, selige Genien!
Glänzende Götterlüfte
Rühren euch leicht,
Wie die Finger der Künstlerin
Heilige Saiten.

Schicksallos, wie der schlafende
   Säugling, atmen die Himmlischen;
     Keusch bewahrt
       In bescheidener Knospe,
        Blühet ewig
          Ihnen der Geist,
           Und die seligen Augen
             Blicken in stiller
              Ewiger Klarheit.

Doch uns ist gegeben,
   Auf keiner Stätte zu ruhn,
     Es schwinden, es fallen
       Die leidenden Menschen
         Blindlings von einer
           Stunde zur andern,
            Wie Wasser von Klippe
              Zu Klippe geworfen,
               Jahr lang ins Ungewisse hinab.

Friedrich Hölderlin, Hyperions Schicksalslied, aus: „Hyperion oder der Eremit in Griechenland“, 2. Band, erschienen 1799.

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Neuer Anlauf: Blindes Selbstportraitieren

Wieder im Atelier, machte ich heute einen neuen Anlauf damit, mich selbst blind zu portraitieren. Was heißt das? Ich zeichne mein eigenes Gesicht – oder was ich dafür halte – mit geschlossenen Augen auf eine große Pappe, dann auch auf draufgeklebte Papiere. Ich benutze dafür Kohle. Jedes Resultat fotografiere ich und wische es dann aus, zeichne erneut drüber.  Fragend, dickköpfig, überlegen, zornig, zweifelnd, nachdenklich … schauen mich die Gesichter an. Was mir auffällt, ist, dass das blinde Zeichnen die Gefühle direkt aufs Papier transportiert, ohne nach Ähnlichkeiten mit dem Modell zu forschen. Es sind quasi simple Gefühls-Stempel. Ich habe sicher all diese Gefühle nicht durchlaufen, als ich zeichnete, aber alle leben in mir, ich kann sie erkennen, wenn sie mir entgegentreten. Wir alle können Gesichter „lesen“, indem wir aus bestimmten Anzeichen auf Gemütszustände schließen. Es ist eine internationale Sprache.

Schließlich griff ich zum dicken Borstenpinsel und tauchte ihn in Wasser und Akryllpigmente, zeichnete noch einmal mich selbst mit geschlossenen Augen auf die Pappe mit den ausgewischten Spuren der Kohlezeichnungen. Mir gefällt’s.

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Die Anregung zum (schnellen oder/und blinden) Selbstportrait auch mit Wasserfarben stammt von Susanne Haun. Danke, Susanne, es macht Spaß. Dein heutiger Beitrag zu Descartes (hier), den ich eben sah, gibt dem ganzen Unternehmen noch mal einen größeren Rahmen.

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Work in progress

Ich war in Athen, bin wieder zurück in der Mani. Auf der Staffelei steht ein Bild. Work in progress.

 

Kohlezeichnung auf Papier, Kreppklebeband, wieder abgerissen, aufgeklebtes Papier teilweise mit Kohle überzeichnet.

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