Eine Kata-Strophe übers Erwachsenwerden (abc-etüden)

Eine Kata-Strophe zu den abc-etüden dieser Woche gefällig? Ihr wisst natürlich schon längst Bescheid: Christiane lädt ein, lz macht die Einladungskarten und jemand spendet drei Wörter, um die eine Kürzestgeschichte von höchstens 10 Sätzen zu basteln ist. Diesmal stammen die Wörter von Sandra Matteotti.

Kata-Strophen vom Erwachsenwerden.

Der Papa marschiert, er sagt, nun mal los

Du bist ein Junge, du bist schon fast groß,

Zu lange hockst du auf Mamas Schoß

Werd mir kein Stubenhocker bloß.

 

Der Junge, der schreit: Da will mich wer fassen!

Hilf Papa, sag ihm, er soll mich loslassen!

Ich fürcht mich vor dem Mond mit dem blassen

Gesicht! Hilf Papa, die Füße bleiben mir stecken im Nassen!

 

Der Vater, der blickt nicht zurück zu dem Knaben,

Er sieht nicht den Drachen, er sieht nicht die Raben,

Die seinen ängstlichen Sohn umgaben.

Er sagt nur: Spring los, spring über den Graben.

 

Der Knabe der stolpert über Stöcke und Stein,

Muss eilen, sonst ist er bald gänzlich allein,

Verliert noch sein Mützchen, sein Beutelchen fein

Und fällt in den nassen Sumpf noch hinein.

 

Von oben blinken der Mond und die Sterne,

Die Mama winkt und schwenkt in der Ferne

Inmitten der Nacht die Heimkehr-Laterne,

Bei ihr, ach, zu Hause, wie  wär er da gerne!

 

Und äße ne heiße Hollunderbeersuppe

Und spielte mit Mary, der Echthaarpuppe.

Und bastelte sich ne  Indianertruppe

Mit Pfeil und Bogen und Einbaum-Schaluppe.

 

Herbstfarbenbunt leuchtet der Wald

Von drin ein heller Schuss erschallt.

Die Nacht ist dunkel, die Nacht ist kalt,

Ach käme der Morgen, ach käme er bald!

Nachtgelichter

(Zum Bild „Nachtgelichter“ gibt es noch eine andere Geschichte.)

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Catania – Hafenstadt in Siziliens Osten (1)

Susanne Haun, die über ihre diesjährige Sizilienreise in schönen Bildern und Texten berichtet, fragte mich, ob ich nicht ein paar Eindrücke von Catania posten möchte, das sie nicht besuchen konnte. 2009 im September waren wir dort, und natürlich erinnere ich mich nur noch in großen Zügen.
Die Stadt wirkte auf mich im unteren, Hafen nahen Bereich recht modern, eine arbeitende Stadt mit breiten funktionalen Straßen, großen Plätzen, Bahnhof, Parkanlagen mit Brunnen und soliden Verwaltungsgebäuden. Darüber erhebt sich, auf zum Teil steil ansteigenden Wegen, die Altstadt mit wieder ausgegrabenen römischen und sorgfältig erhaltenen barocken Bauwerken. Von der älteren Bausubstanz hat sich nach dem Vulkanausbruch von 1669 und dem Erdbeben von 1693 nicht viel erhalten.

Auffallend war mir der Anhauch von Schwärze an den meisten Gebäuden: Sie sind mit dem Lavagestein, das die verheerenden Vulkanausbrüche zurückließen, erbaut oder repariert worden.

Diese schwärzliche Grundfarbe wird aufgehellt durch opulente Barockvorbauten mit köstlichen Skulpturen, wie  folgende Beispiele an Palästen, der Fassade des gewaltigen Benediktinerklosters und der Terrasse des Doms zeigen mögen.

Im Zentrum, für mich unangenehm in einer Grube eingezwängt, liegt das römische Anfiteatro inmitten von Hotels, Wohn- und Geschäftshäusern. Ich mag römische (im Gegensatz zu griechischen) Theater nicht, sie wirken auf mich grob und irgendwie blutrünstig, und dieses hier hätte meinetwegen gerne unter der Erde bleiben dürfen, wohin es bereits verschwunden war, bevor eifrige Archäologen es wieder ans Licht beförderten. Nur eine kleine Skulptur rührte mein zärtliches Interesse. Stellte es ein göttliches oder ein sterbliches Kind dar? – Die darüber thronende Kirche St. Agathe mit ihrem tempel-artigen Eingang und der gegen den Himmel sich abhebenden imposanten Figurengruppe hat viel von der römischen Kulturvorstellung absorbiert.

Ich werde diese Erinnerungen an Catania morgen fortsetzen.

 

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Der Ätna von Catania aus

Susannes Bericht über ihren Besuch des Ätna hat mich angeregt, auch meine Fotos vom September 2009 herauszukramen, als wir in der teilweise aus Lavagestein gebauten Stadt Catania Quartier bezogen und mit einer kleinen Expedition den Ätna besuchten. Der Ätna ist ein gewaltiges Gebirgsmassiv, fast dreieinhalb Kilometer springt es aus dem Meer empor, lebendig, rauchend, durch Lavaströme immer wieder umgeformt. Der Kastellan vom Kastell Ursino (Bären-Kastell), das Friedrich II der Stauffer im 13. Jahrhundert zu bauen befohlen hatte und das bei einem verheerenden Vulkanausbruch im Jahr 1669 fast als einziges Bauwerk überlebte, weil der Lavafluss im tiefen Graben zum Stehen kam – dieser Kastellan also, Sizilianer, versicherte uns, Aetna sei dasselbe Wort wie Atena, die Göttin, denn man müsse sich vorstellen, welchen gewaltigen Eindruck dieser rauchende feuerspeiende Berg auf die Seeleute ausgeübt habe. Für sie sei er eine weithin sichtbare Gottheit gewesen, Orientierungspunkt auf hoher See, lange bevor Land in Sicht kam. Das Wort aber sei äthiopischen Ursprungs.

Vieles gäbe es über die Hafenstadt Catania im Osten Siziliens zu berichten – doch heute will ich nur ein paar Bilder vom Ätna einstellen. Der für mich stärkste Eindruck war, neben der alles Licht aufsaugenden Düsterheit der Vulkanasche, die Fruchtbarkeit des Berges: Wälder von Esskastanien kurz vor dem Aufstieg und das Wunder der fast kreisrunden Form, in der sich Gräser auf dem Aschengrund ausbreiteten.

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Kastanie

Viel habe ich heute nicht gezeichnet, denn wir fuhren zurück in die Mani. Herrliche Wolkenberge, blendendes Licht, scharfe Konturen, und dann endlich der ersehnte Regen. Im Atelier, das blitzsauber ist, aber noch ein wenig müffelt, nahm ich mir den Kastanienzweig vor, den ich im Taygetos gepflückt hatte und der nun sehr skurril vertrocknet ist. Die glatten herzförmigen Kastanien purzelten heraus, und so trat das weiße Innere von Mama Kastanie ans Tageslicht.

Mit den Zeichnen wurde es nocht nichts Rechtes. Die Bleistifte waren zu hart, die Pappe zu grau, der Rücken zu krumm… Aber das wenige will ich doch posten.

Denn wenn auch beim Zeichnen nicht viel rausgekommen ist, so war die heutige Sitzung trotzdem interessant für mich. Ich spielte die Fotos nämlich mit ein paar Filtern durch und sah, wie verschieden die Naturlinien und meine Zeichenlinien sind. Und ich entdeckte einen Haufen witziger Gestalten. Klick mal ein Foto an, dann vergrößert es sich und das Album öffnet sich.

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Montag ist Fototermin: Was machen denn die Wurzelmännchen?

Vor ein paar Tagen besuchte ich meine Wurzelmännchen, um sie in buntem Herbstlaub zu fotografieren. Du erinnerst dich? Es ist mein 12-Monate-Fotomotiv, wenn ich in Athen bin. (März-April-Mai: https://gerdakazakou.com/2017/03/29/12-monatsbild-atelier-oder-wurzelmaennchen/, https://gerdakazakou.com/2017/04/25/montag-war-fototermin-wo-sind-sie-denn-hin-die-wurzelmaennchen/, https://gerdakazakou.com/2017/04/25/montag-war-fototermin-wo-sind-sie-denn-hin-die-wurzelmaennchen/.)

Ich stellte mir die Wichtel in prächtige Herbstfarben gekleidet vor. Doch fündig wurde ich nur an sehr wenigen Reben. Das meiste Weinlaub vertrocknet völlig undramatisch. Auch die Trauben, die nicht abgeerntet wurden, schrumpfen einfach nur zu unansehnlichen Gehängen. Kaum Staat mit zu machen! Dennoch, ihre bescheidenen Wurzel-Gestalten waren vom Herbstlicht überglänzt und irgendwie doch auch schön anzusehen.

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Schneckenhäuser und andere Kleinstskulpturen der Natur (Bleistiftzeichung)

Das Zeichnen winziger Skulpturen, die einst von Lebewesen aus Kalk erschaffen wurden, ist für mich grad das Einzige, was ich selbst schaffen kann – und ich freue mich drüber. Ich genieße es und kann es wahrlich empfehlen jedem, der Harmonie und Einfühlung sucht. Der Bleistift ist schmiegsamer und weniger aufregend als Feder und Tinte, drum ziehe ich ihn momentan vor.

Hier meine heutige Ernte. Das erste Foto zeigt den Zeichenkarton bei normalen Lichtverhältnissen auf dem Balkon, das zweite ist ebendort mit Sonnenschirm aufgenommen. Dort habe ich auch gezeichnet. Das dritte Gesamt – und die Detailfotos machte ich drinnen bei noch gutem Tageslicht.

 

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Schneckenhäuser zeichnen

Schneckehäuser, Bleistiftzeichnung gkazakou, mit Kreide-Kohle-Filter von Fotoshop

Krank zu Bette liegend las ich heute „Das Geräusch einer Schnecke beim Essen“ von Elisabeth Tova Bailey (sehr empfehlenswert). Am Abend geht es mir schon deutlich besser, und so entschließe ich mich, mir Bleistift und Papier ans Bett zu holen, dazu auch drei kleine und ein großes Schneckenhaus. Ich stelle fest, dass das Zeichnen von Schneckenhäusern viel schwieriger ist als das von Pflanzen. Warum? Weil die Form stimmen muss. Bei der Pflanze macht es nichts, wenn du ein Zweiglein dicker oder dünner zeichnest oder es gar ganz weglässt. Beim Schneckenhaus darfst du dir solche Freiheit nicht gestatten. Außerdem ist das Schneckenhaus eine Hohlform, was eine besondere Schwierigkeit darstellt…..

Zunächst habe mit Bleistift, dann mit Feder gezeichnet. Ich finde das heutige Ergebnis  nicht befriedigend. Dennoch freue ich mich über den Versuch. Er hat mir die Form des Schneckenhauses und das Größenverhältnis zu meiner Hand, die Licht- und Schattenverhältnisse und die Farbigkeit  ins Bewusstsein gehoben.

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Igor Maturaj und das Tempeltal von Agrigent, November 2011

Im November 2011 besuchte ich das Tal der Tempel von Agrigent im Süden Siziliens. Im Dialog mit Susanne Haun möchte ich einige meiner damals gemachten Fotos hier einstellen. Ich hatte das große Glück, dass ich die Tempelanlage just in dem Jahr besuchte, als dort die Werke des polnischen Bildhauers Igor Maturaj ausgestellt wurden. Die feine Harmonie zwischen Landschaft und Tempel (darin verstanden sich die Griechen!) wurde durch Maturajs großartige Skulpturen ins Fantastische gesteigert. Und als wäre das noch nicht genug,  türmten sich darüber durch gleißendes Sonnenlicht zerrissene Wolkenberge. Von fern leuchtete das Meer.

 

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Federzeichnungen von Pflanzen

Auf dem Bogen mit den gestrigen Bleistiftzeichnungen habe ich heute mit Feder und schwarzer Tinte weitergezeichnet.

Zum Vergleich: links Bleistift – rechts Feder (zum Vergrößern anklicken)

Die ersten beiden Fotos habe ich unter denselben Lichtverhältnissen wie gestern gemacht, die anderen draußen, im Schatten. Unter den Zweiglein befinden sich auch zwei neue. Findest du heraus, weche das sind? (Auf dem letzten Foto sind alle beisammen). Zum Vergrößern wie immer anklicken.

 

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Pflanzenstudien auf dem Balkon

Die Sonne schien, und es ist „Sünde und Schande“, bei solchem Wetter drinnen zu hocken, wie meine Oma zu sagen pflegte. Aber etwas zeichnen wollte ich doch, und zwar hatte ich mir vorgenommen, endlich mal wieder kleine Naturstudien zu machen. Ich fand ein paar trockene Pflanzen in einer Vase , trug einen wellig gewordenen Zeichenkarton samt Unterlage und gespitztem Bleistift auf den Balkon, und los ging es. Das Licht-Schatten-Spiel auf den Fotografien gefiel mir, aber dann trug ich das Blatt doch noch hinein und machte die letzten drei Fotos unter der Lampe.

So, und jetzt gehts raus in den Stadtwald. Der Hund Tito drängelt schon.

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