Widderkopf No. 4, bei Vollmond

Heute hatte ich das Bedürfnis, den Widderkopf mit den Kräften kommunizieren zu lassen, die seine Form hervorgebracht haben. Technisch gesprochen geht es um die Integration von Umfeld und Objekt. Wir reißen die Objekte ja aus ihrem natürlichen Umfeld, wenn wir sie als toten Gegenstand vor uns aufbauen. Wieder lebendig machen geht nicht. Aber versuchen, den formbildenden Kräften im Raum nachzuspüren, das geht. Hier nun die drei aufeinander folgenden Stadien. Wie ihr seht, habe ich diesmal den Kopf nach rechts gerückt, um dem umgebenden Raum mehr Bedeutung zu geben. Und ich habe den Vollmond, der dieser Tage die Nacht beherrscht, mit hineingenommen. Bitte anklicken, um die Bilder groß zu sehen.

Da ich versuchen will, die Bildidee auch farblich umzusetzen, habe ich schon mal ein bisschen mit den Filtern von Fotoshop rumgespielt. Hier drei Varianten.

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Widderkopf No. 3

Heute habe ich noch einmal mit dem Widderkopf befasst.
Zunächst seht ihr die Zeichnungen 1 und 2, die ihr schon kennt.

No. 2 habe ich um ein paar Früchte bereichert: Kastanie, Granatapfel, Quitte. Und die Früchte dann mit Ölkreide koloriert.

Doch dann stand mir der Sinn nach einem neuen Anlauf: Ich nahm wieder eine graue Pappe 70 x 100, diesmal im Querformat, um dem gewaltigen Gehörn mehr Raum zu geben. Ich zeichnete frei und ohne ängstliches Messen und bin mit dem Ergebnis recht zufrieden.

Widderkopf (c) gerda kazakou

 

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abc-etüde: Achtung spoiler!

Hyperknall, Wanderdüne, pudelwohl sind die drei Wörter, die uns die Geschichtszauberin gespendet hat. Schön auf rosarotem Grund präsentiert sich die Einladung, die Ludwig Zeitler dafür entwarf. Und Christiane verschickte sie samt wohlmeinenden Worten. Viele haben sich schon erfolgreich bemüht, den drei Wortknochen zu einem Geschichtsleib zu verhelfen. Auf den letzten Drücker  bin ich mit ein paar Kata-Strophen dabei.

Achtung, spoiler!

Auf der Wanderbühne
Namens „Wanderdüne“
Spielt ein neues Stück.
Hier auf einen Blick
Lest ihr als Gedicht
Die Zaubereigeschicht:

Am Anfang war der Superknall
Es folgt dann bald der Sündenfall
Dann kommt ne Zeit, wo viele lachten
Und dachten, wenn sie’s richtig machten
Würd sie die Erde prächtig nähren
Und ewig Aufenthalt gewähren.
„Aufs Pudelwohl!“ so schrien sie munter
Und triebens alle Tage bunter.

Doch plötzlich tut es noch nen Knall
Und aus dem Pudel Knall auf Fall
Entsteigt der Mephistophel
Der ist sehr schlau und schofel,
und flüstert: Treib’s noch toller
dein Glas wird voll und voller,
soviel du trinkst, es wird nicht leer
soviel du frisst, es wird doch mehr.


.
Doch ach und weh, das Ende kommt noch
Schon graben Lemuren ihm ein Loch
Und tät das Weiblein, das er küsste
Nicht für ihn bitten, ach, er müsste
Dem Teufel seine Seele geben
Und in der Hölle Tüten kleben.

Das ist das Stück vom Doktor Faust
Vor dem dem feinen Gretchen graust.
Für einen Schilling oder zwei
Bist du dabei.

 

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Monreale über Palermo, September 2011

Eben besah ich mir die schönen Fotos von Monreale, die Susanne Haun heute veröffentlichte. Und die Erinnerung an den November 2011 wurde mächtig. Wie sich der Bus durch das enge nördliche Tor von Palermo zwängte und uns hinauffuhr ins königliche Monreale. Wieder einmal waren uns die Götter gewogen, denn wir ahnten nicht, was uns erwartete. Der Dom schloss gerade, wir aber schlüpften noch hinein und setzten uns still in eine Bankreihe, atemlos vor Aufregung und Freude:  Musiker waren schon im Kirchenschiff versammelt, es würde ein Konzert geben, eine Generalprobe. Wir erfuhren, das Leipziger Sinfonieorchester und der Philharmonia Chor Wien würden anderntags mit Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ das „54. Festival di Musica Sacra von Monreale“ eröffnen. Die Solisten waren Ulrike Staude, Sopran, Johannes Kalpers, Tenor, Jörg Hempel, Bass.

Fehler
Dieses Video existiert nicht

Und da saßen wir und ließen uns von der gewaltigen Musik tragen, schauten auch umher im Kirchenschiff, das durch das Mosaik „Christus Pantokrator“ (Weltenherrscher) dominiert wird. Schönste byzantinische Mosaikarbeit, die Motive denen von Konstantinopel nachgebildet.

Später streifte ich noch ein wenig in der Kirche umher, fand mittelalterliche Bas-Reliefs in romanischem Stil. Und war wieder einmal entzückt von der Leichtigkeit, mit der sich in Sizilien die Stilelemente verbinden.

Nach einem Bummel durch den alten Ort wanderten wir auf einer in weiten Serpentinen von Monreale hinunter nach Palermo führenden Straße, unter großem, sich verfinsterndem Himmel und mit kurzen Sonnenblicken auf das Land unter uns. Einmal machten wir Halt an einem halb zerbrochenen Brunnen mit allerliebsten Putten.

 

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Zeichenübung Widderkopf

Meine Besucher sind abgereist. Die Staffelei ist wieder an ihrem Platz, eine große graue Pappe steht darauf bereit, und ich beginne  wieder mit dem Zeichnen „nach der Natur“, das ich lange vernachlässigt habe. Heute wähle ich mir als Übungs-Objekt den skelettierten Widderkopf mit mächtigen Hörnern, den ich einst aus Samothrake mitbrachte. Er hatte auf einem Zaun gesteckt, und ich konnte der Versuchung, ihn mitgehen zu lassen, nicht widerstehen.

Zum Vergleich:  a) mein Modell – b) eine Widderkopf-Skulptur aus Eleusis – c) das Schmuckelement eines Kapitels von Halikarnassos, heute Bodrum/Türkei.

Das gewundene Gehörn des Widders versuchte ich zunächst „aus dem Handgelenk“ zu zeichnen, indem ich den wahrgenommenen Windungen durch Drehung des Handgelenks mit dem Kohlestift folgte. Mich freute zu entdecken, dass sich auf diese Weise die tatsächlichen Verhältnisse recht gut abbilden ließen. Ich löschte dann die Zeichnung aus und begann von vorn, diesmal sorgfältiger  konstruierend.

Ich habe dann noch ein wenig mit den Fotoshop-Filtern herumgespielt. Für die erste Zeichnung fand ich den Filter „accented edges“ am besten, da er die gezeichneten Schattierungen gut integriert.

Bei der zweiten Zeichnung gefiel mir der Ölfarben-Filter, durch den die gezeichneten Linien flüssiger erscheinen und im Zentrum des Schädels ein bärtiges Gesicht auftaucht. Hinzugesetzt habe ich ein wenig Farbe, sonst nichts.

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Tage der Toten in Mexiko, November 2006

Ist der Tod eine Frau?

La muerte (die Todin), sagte meine Freundin Helen Escobedo, hockt in diesen Tagen auf unserer Schulter, und wir tanzen mit ihr. In ihrem Haus in Mexico City war, wie in jedem mexikanischen Haus, eine Art Altar mit allerlei Totenköpfen aufgebaut, und auch zum Frühstück gab es welche, süß und schauerlich-schmackhaft.

Nirgends ist der Totenkult so fröhlich, scheint mir, wie in diesem Land, das seit den Azteken mit dem Tod auf geradezu familiärem Fuße steht (Fotos 1-6). Die katholische Kirche, die ja ihrerseits in weiten Teilen ein Totenkult ist, schloss da nahtlos an.

Der zentrale Platz der Hauptstadt wird an den Tagen der Toten zur riesigen Totentanz-Installation und zum Happening. Im südlicheren Puerto traten wir in einen Innenhof, in dem schöne junge Mädchen neben großen Körben mit Totennahrung lagerten, das Gesicht zur Hälfte zur Totenmaske geschminkt.

Hier nun ein paar Bilder von unserem Besuch bei der wunderbaren Helen Escobedo, die damals noch so voller Leben und Lachen war und derer ich dieser Tage sehnsuchtsvoll gedenke. Und weil Leben und Tod eins sind, habe ich noch ein paar persönliche Bilder hinten angehängt.

 

 

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Entwerden

Zur Begrüßung des November möchte ich diesen Beitrag, den ich vor zwei Jahren hier einstellte, noch einmal zeigen. Einige von euch haben ihn damals gesehen, andere nicht. Er passt immer noch.

SeI MIR GEGRÜSST, NOVEMBER!

Avatar von gkazakouGERDA KAZAKOU

November. Auch hier ist er nun angekommen, trübe, grau und nass. Es ist eine Zeit des Vergehens. Ich nenne es Ent-Werden. Denn es löst sich auf, was sich im Laufe des Jahres als Struktur gebildet hat. Diese Strukturen müssen nun vergehen, um einem neuen Werden Platz zu machen.

Das Gewordene entwerdet sich.

Entwerden (c) Gerda Kazakou

In früheren Zeiten meinte man, das Leben entstehe spontan aus dem Schlamm.  Mutter Erde mit ihren Grotten – das war ihr Uterus. Auch heute wird die Entstehung des Menschen nicht viel anders, nur eben maskuliner erklärt: Gott erschuf Adam aus Schlamm und blies ihm seinen Atem ein. Oder aus Erde, gelegentlich auch aus Staub, in den wir zurückkehren werden.

Mit dem Werden sind wir vertraut, und es freut uns. Die Schönheit der vergehenden Formen zeigt sich nicht auf den ersten Blick. Man muss schon näher herantreten. Da sieht man dann, dass sich im Prozess…

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Montags ist Fototermin: Bei Babis

Mein Lieblingsplatz: „Bei Babis“. Dort sitze ich und schaue aufs Meer, einen kleinen leichtgesüßten Kaffee vor mir. Und lese. Oder speise, wie heute, en famille feinen frischen Fisch. Oder unterhalte mich mit den Kindern der Tavernenbetreiber. Oder mit deren Mutter: Ana.

Die meergrüne Umzäunung ist neuerdings bedeckt mit kleinen Bildern. Auch auf Tischchen und Schranktüren, die im Garten stehen, fand ich sie. Die hat Ana mit Decoupage-Technik gemacht. Ana ist aus Serbien und eigentlich Archäologin. Nun schmückt sie alles, was ihr als Holz unter die Hände kommt, mit feinen Bildchen aus. „Aus Lust und Laune“, wie sie sagt. Es ist ein Ausgleich für sie. Gelegentlich macht sie auch Mosaike aus Marmor, aber dafür muss sie in eine Werkstatt.

Ana beginnt mit ollen Holzmöbeln, die sie findet oder geschenkt bekommt, arbeitet sie auf und verziert sie dann. Wie zum Beispiel dieses Brett oder das Tischchen oder den „Teewagen“, auf den sie ihren Fuß setzt: einmal im Urzustand, zwei Wochen später dann fertig bearbeitet.

Marmor-Mosaik, von Ana Neskovic

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12-Monats-Bild. Mein Atelier im Oktober

Zeilenende hatte, wie ihr wisst, im März die schöne Idee, ein Motiv über ein Jahr hin fotografisch zu verfolgen. Seinen Oktoberbeitrag und die Links der anderen Teilnehmer findet ihr hier.

Mein Atelier hat in diesem Monat – die meisten von euch haben es wohl mitgekriegt – durch eine Überschwemmung gelitten. Nun aber ist es wieder sauber. Pieksauber sogar, sauberer als sauber, und ich muss mich an das neue Milieu erst gewöhnen. Das fällt mir am leichtesten bei den Fensterscheiben, die so durchsichtig geworden sind, dass ich drinnen denke, die Fenster stünden offen. Und von außen spiegeln sich die Bäume in den blanken Scheiben. Ich hatte entscheidende Hilfe von einer Freundin, deren Beruf es ist, Wohnungen zu säubern. Und da sie einmal dabei war, hat sie auch das Umfeld ordentlich beschnitten. Nun, das wächst sich bald wieder zurecht. Wie auch die gemütliche Unordnung meines Arbeitsraums sich sicher bald wieder herstellt. Momentan arbeite ich wenig im Atelier, denn ich habe lieben Besuch. und das schöne Wetter lockt nach draußen.

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Catania, September 2009 (2)

Vor dem Dom von Catania, so scheint mir, konzentriert sich das gesellschattliche Leben der Stadt. Am Tage und Abend hocken die jungen Leute am Elefantenbrunnen – Werk von Giovanni Batista Vaccarini aus dem Jahre 1736. Der Brunnen ist das Symbol der Stadt: ein Elefant aus Lavagestein trägt einen Obelisken. Man fand die Teile in den Trümmern eines verheerenden Erdbebens.  – Jungvermählte lassen sich jeden Abend vor der Fassade des Doms fotografieren – es ist ein ständiges Kommen und Gehen der Bräute, Bräutigams und ihrer eleganten Begleitung. – An einem Nachmittag sahen wir auch dem Wettbewerb von Schülern zu, die in altehrwürdigen Trachten historische Fahnen schwenkten.

Der Dom selbst wurde 1693 von Girolamo Palazzotti in barockem Stil auf den Ruinen eines normanischen Kirchenbaus errichtet. Bemerkenswert sich die Granitsäulen der Außenfassade. Sie stammen aus dem antiken Theater. Im Innern gibt es allerlei  Vitrinen mit holzgeschnitzten Figuren von Heiligen, die sich im Glas widerspiegelnd verdoppeln. Holzschnitzerei ist in Sizilien zu einer hohen Kunst ausgebildet.

 

Steigt man auf die Dachterrasse des Doms, erhält man einen schönen Überblick über die näherliegenden Bauelemente des Doms, den Domplatz, die Stadt und den Hafen. Ein Kreuzfahrer tauchte über der Brüstung auf, als führe er direkt durch den Himmel.

Ein anderes Zentrum des gesellschaftlichen Lebens ist die Oper, die Vincenzo Bellini gewidmet ist. Das Geburtshaus dieses hochverehrten „Sohnes der Stadt“ wurde in ein schönes Museum verwandelt. Genau gegenüber der Oper befindet sich ein hässliches Gebäude im faschistischen Stil – und wieder einmal war ich erstaunt, mit welcher Gelassenheit die Sizilianer die widersprüchliche Geschichte ihrer Heimat nebeneinander bestehen lassen.

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