Tagebuch der Lustbarkeiten: Im alten Roman-Manuskript blättern (Diabolos in musica)

Gestern habe ich mit meinen Wolkenfotos eine kleine Diskussion angestoßen. Im Kommentarstrang fiel auch das Wort HAARP, Akronym für „High frequency Active Auroral Research Project“, deutsch  „Forschungsprogramm zur hochfrequenten Sonnenaktivität). Um HAARP rankten und ranken sich viele „Verschwörungstheorien. (Wikipedia: „HAARP wird in Verschwörungstheorien als „Geheimprojekt“ bezeichnet und mit weltweit stattfindenden Naturkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen und Vulkanausbrüchen in Zusammenhang gebracht. Auch die BBC verbreitete in den 1990ern entsprechende Berichte“.)

HAARP klingt ganz ähnlich wie ARPA (Advanced Research Projects Agency),  das den militärischen Vorläufer des internets ARPANET entwickelte. ARPA ist das griechische Wort für Harfe.

Über HAARP, ARPA und DARPA (Advanced Research Projects Agency) , wie es heute heißt, hatte ich für mein Roman-Manuskipt „Schwanenwege“ 2005 einiges zusammengetragen und zum Thema eines Streits zwischen Epaphos – Sohn der Io und des Zeus –  und Swen (Zwillingsbruder von Swantje) gemacht. Epaphos erscheint den Geschwistern als Musiker und Meister auf dem Santuri, das dem „Kanun“ ähnelt. „Kanon“ ist griechisch und bedeutet Regel.

Der Streit fand in Genua in der Wohnstube von Savori (Geigenbauer) statt, dessen wertvolle Instrumentensammlung später durch ein Feuer zerstört wird.

Swantje, die sich in Abu Qir (Kanobos) nahe bei Alexandria/Ägypten (Wohnort von Epaphos΄Mutter Io) befindet, erinnert sich plötzlich an diesen Streit, während sie über Epaphos und die „Große Harfe des Apoll“ (Weltenharmonie) nachdenkt. Sie weiß noch nicht, dass ihr Zwillingsbruder Swen bei Genua mit einem Privatflugzeug abgestürzt ist.

Hier nun das entsprechende Kapitel des 2005 verfassten Manuskipts „Schwanenwege“.

(Für Hinwerise auf Fehler, ínsbesondere was musikalische, physikalische und mathematische Fragen betrifft, bin ich dankbar)

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Diabolos in musica

Was war Epaphos nur für ein merkwürdiger Mensch! Da hatte er so schöne Sachen über die Weltenharmonie gesagt und dann, als ihre Stimmung ganz weich und empfänglich war, hatte er plötzlich böse auf sein Instrument eingeschlagen. In die wirbelnden Schläge hinein, die die Saiten aufkreischen ließen, hatte er rhythmisch geschrieen:  „f–h,  f–ces, c–fis, d–gis, e–ais, f–h, g–cis, a–dis, h–eis! Der Zusammenklang von Grundton und übermäßiger Quarte liegt außerhalb jeder harmonischen Ordnung. Hört, hört die unerlöste Disharmonie! Das ist Tritonos, der Diabolos in musica! Der Teufelsintervall! Erzeugt durch die mechanische, geistlose Teilung der Saite genau in der Mitte. Mechanisch, begreift ihr? Genau in der Mitte! Niemals und nirgends hat die Natur diese Teilung vorgesehen! Begreift ihr die Folgen? Das Frequenzverhältnis Wurzel 2 zu 1 ist ein Ungeheuer! Ein Satan! Er verlangt nach unmittelbarer Erlösung. Bach verwendete ihn in der Kantate „Mir ekelt zu leben“, und Mendelsohn als Fluchmotiv im „Elias“. Das waren noch Meister, die im Einklang mit den Gesetzen der Harmonie standen.

Heute aber verpestet man die Welt systematisch mit diesem Teufel der Musik, ohne jegliche Hoffnung auf Erlösung durch Harmonisierung. Wie, um des Himmels willen, kann da die Große Harfe noch in Schwingung versetzt werden? Es wird immer schwerer, ich sage es euch aus bitterer Erfahrung. Aber das ist Programm! Heavy Metal nennen die Kindsköpfe dieses Teufelszeug und ahnen nicht, wem sie da in die Falle gegangen sind. Es sind Kräfte am Werk, sage ich euch, die wollen die Erde und ihre Kinder abschnüren von den Weltenharmonien, sie wollen sie zugrunde richten! Böse, kalte, satanische Mächte sind das, die unermüdlich daran arbeiten, die harmonischen Schwingungen der Erde durch mörderische Technologie zu zerstören. Schon haben sie die Erde und ihren Umkreis mit ihrem Satellitengeschwader verseucht. Schon experimentiert man mit niedrig schwingenden Frequenzen, um den Erdenton, der bisher harmonisch ins Weltenganze eingefügt war, systematisch zu verzerren. Wenn das geschieht, kann er nicht mehr zur Großen Harfe durchdringen. Schon beginnt sich der Pulsschlag der Erde zu verändern. Der Mensch, der bisher im Gleichklang mit der Erde schwang, wird entwurzelt, heimatlos, ein Fremdling in der Harmonie der Welt. Mir ekelt zu leben – das wird die Devise der Menschheit sein. Denn Tritonos, der diabolos in musica, hat die Herrschaft angetreten.“

Das war Epaphos’ wütende Rede gewesen, dort, in Savoris Wohnstube. Wenngleich sie das alles ein bisschen übertrieben fand, konnte sie ihn verstehen. Aber warum hatte er dann zu schimpfen begonnen und war ausfällig geworden? „Kleine bequeme Dummköpfe wie ihr“, hatte er gedonnert, „eure Bequemlichkeit, euer Egoismus, eure Habgier sind die Eintrittspforten seiner Macht. Ihr arbeitet ihm in die Hände. Ihr Menschen habt das Wissen vom Großen Kanon verloren. Kanonen hört ihr und denkt nur noch ans Töten.“

Swen hatte sich über den hochfahrenden Ton seines Freundes schrecklich aufgeregt. Vielleicht war er damals schon eifersüchtig auf Epaphos? „Ihr Menschen, sagst du, wieso ihr? Bist du etwa keiner? Bist du am Ende ein Gott?“

Und was hatte Epaphos geantwortet? „Auch du kannst ein Gott sein, wenn du nur willst! Aber willst du denn? Traust du dich? Bist du nicht verblendet wie sie alle, scharf auf Erfolg, gierig nach Geld und technologischem Abfall? Interessiert es dich denn wirklich, am Großen Werk zu arbeiten und die Welt zu vervollkommnen? Bist du nicht auch nur ein Adept der gierigen Dummköpfe, die ihr Hauptquartier im Zeichen des Pentagon aufgeschlagen haben und hecken und spinnen? Auch du tanzt ja fröhlich nach ihrer Pfeife! Und glaubst, du seiest frei! Du kennst sie nicht? Klar kennst du sie! Ihre Imitate der Großen Harfe, ihre ARPA oder wie sie sie nennen, haben euch den Kopf heiß gemacht. Damit haben sie euch gefischt! Da hängt ihr nun alle in dem großen World Wide Web und tanzt und zappelt wie die Fliegen im Spinnennetz! Und haltet euch für Meister, ihr Armen. Wisst ihr überhaupt, wer euch im Griff hat? Am elften September haben sie den Grundstein des Heiligen Pentagramms in den Teufelsgrund gesenkt. Vielleicht sagt euch das ja etwas? Was glaubt ihr wohl, welche Musik dort gespielt wird? Den Namen der Großen Harfe haben sie missbraucht, um die Erde in ihrem Sinne tanzen zu lassen. Wisst ihr nicht, dass jedes Wort ein Mantra ist, ein heiliges Schwingungsmuster, das Macht hat? ARPA. Das ist Griechisch. Die Harfe. Tiefere Geheimnisse sind darin verborgen, als ihr ahnen könnt.“

Langsam hatte sich Epaphos beruhigt, aber Swen war umso aufgeregter. Er war aufgesprungen und hatte mit einer Stimme, die vor unterdrückter Wut zitterte, gefragt, was Epaphos mit den Netzen zu sagen beliebe. Wenn er sein Gequassel richtig interpretiere, dann meine er wohl das Arpanet, Vorläufer vom Internet. Klar, Geldgeber sei das Pentagon gewesen, genauso wie zum Beispiel für das Satellitennavigationssystem GPS, ohne das er gar nicht fliegen könnte. Ihm sei es schnurz und piepe, woher die Mittel dafür kämen. Seinetwegen direkt vom Teufel! Bahnbrechende Erfindungen brauchten eben Geld, viel Geld. Ob es ihn etwa in die Epoche der Papyri, Gänsefedern und Segelschiffe zurückverlange? Bitte schön, das stehe ihm ja jederzeit frei! Zum Glück habe man heute ja die Wahl usw. usf..

Sie selbst, Swantje, hatte nur die Hälfte verstanden und konnte die Aufregung nicht nachvollziehen. Sie hatte versucht, ein paar Fragen loszuwerden. Das Pentagon? Wieso war das heilig? Dem Epaphos war ja alles Mögliche heilig, die Geometrie, die Symbole, der Nil, das Delta, die Gesetze. Aber das Pentagon? Doch, klar, es umgab den fünfeckigen Stern, Symbol des Menschen: Kopf, zwei Arme, zwei Beine. Stand der Stern auf dem Kopf, war er das Zeichen des Teufels: Hörner, zwei Beine und Schwanz. Das Pentagon der Amis war natürlich ein umgekehrtes Pentagramm.

Und was war das mit dem Grundstein? Hatte sie richtig verstanden? Hatte er Teufelsgrund gesagt? Ja, ganz recht, Devil’s Ground. So hieß die Sumpfgegend, wo das Pentagon erbaut wurde. Und der elfte September? Richtig. Da war die Grundsteinlegung. Genau sechzig Jahre später wurden die Zwillingstürme und das Pentagon angegriffen. Das war schon sehr sehr merkwürdig. Die leere Stelle, auf der die Zwillingstürme gestanden hatten, nannten sie Ground Zero, als ob sie wieder von vorn anfangen wollten zu zählen.

Swantje fischte ihr Notizbuch aus der Jackentasche und zeichnete ein Fünfeck, es wurde etwas schief und krumm, denn sie lag auf der Seite, den Kopf aufgestützt, und der Untergrund war uneben. Daneben schrieb sie Devil’s Ground 11.9.1941 und Ground Zero 11.9.2001. Diese Übereinstimmung hatte ihr Eindruck gemacht, mehr als alles, was Epaphos sonst noch gesagt hatte und was sie nur halb verstand.

Das mit dem Arpanet hatte sie sich später von Swen erklären lassen. Es war der Vorläufer des Internet. Arpa hieß die Pentagon-Behörde, die es entwickelte. Sie wurde dann in Darpa umgetauft, später hieß sie wieder Arpa, dann noch einmal und bis heute Darpa. Wozu diese Umtauferei gut war, konnte er ihr nicht erklären. Es gab dann noch HAARP, das war ein militärisches Großprojekt in Alaska, wo man mit Niedrigfrequenzen experimentierte. Komisch war das schon, das mit der Namensgleichheit. Warum bestanden die Amis auf dieser Harfen-Symbolik? Hatte das tatsächlich mit den Schwingungsmustern der Wörter zu tun, oder, wie manche sagten, mit den Kräften, die in Namen eingeschlossen waren?

Die Darpa hatte kürzlich noch eine komische Behörde ausgebrütet, die sie IAO nannten. Das war auch so ein Teufels-Ei. Ihr Symbol war eine Pyramide mit einem sehenden Auge in der Spitze, drum herum Strahlen wie – ja, wie eigentlich? Es war eine Spitzelbehörde, die den gesamten Erdkreis ausspionieren sollte. Als Wahlspruch hatten sie großspurig „Scientia est potentia“ drunter geschrieben – Wissen ist Macht.

Das „Große Werk“ – auch danach hatte sie später gefragt. Swen meinte, es habe was mit Alchemie zu tun. Wie man aus einfachen Metallen Gold gewinnt. Epaphos war anscheinend anderer Ansicht. Er sagte etwas von der Muse Kalliope, was das schöne und große Werk bedeute, und von Orpheus. Der war irgendwie ein Vorläufer von Jesus, man fand ihn manchmal als Gekreuzigten. Er war auf Jasons Argo mitgefahren, um das Goldene Vlies zu holen. Ach, wie kompliziert das alles war! Und wozu sollte es gut sein, all diese Sachen zu wissen?

Swantje drehte sich auf den Rücken und blickte zwischen den Blättern der Palmen hindurch in den makellos blauen Himmel. Wozu war das alles gut? Warum hatten sich die beiden nur so aufgeregt? Sie versuchte sich zu erinnern, was Epaphos am Ende dieses merkwürdigen Gesprächs gesagt hatte, aber sie kam nicht drauf. Sie war müde vom vielen Nachdenken. Geradezu erschöpft fühlte sie sich von der Grübelei.

 „Glaub nicht, du könntest mit der Großen Harfe herumspielen, Swen! Lausche auf ihre Harmonien, das kannst du. Wenn du dich überhebst, wirst du im Tartaros enden! Ich weiß was ich bin und kenne meine Kraft und die Grenzen, die das Große Gesetz jedem auferlegt. Du aber? Nein. Nimm dich in Acht, Swen!“

Nimm dich in Acht, Swen! Ja, das waren die Worte des Epaphos! Das war seine Stimme! Ein Schauder durchlief Swantje. Sie schreckte auf, blickte sich verwirrt um. Wo war sie? Der Himmel hatte sich bezogen, sie fröstelte. Dunkel rauschte der Schilfwald. Wie spät mochte es sein? Wie lange hatte sie hier gelegen? In ihrem Kopf stießen Wörter aneinander, treibende Eisschollen. Teufelsgeiger, Teufelsgrund, diabolo in musica,  Arpa und hecken und spinnen, Netzespinner und Fliegen im Netz. Nimm dich in Acht, Swen.

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Was ist mit dem Himmel los? (Kleine Beobachtungen)

Es ist Juni, sogar schon der 17. Juni, und der Himmel ist täglich bedeckt. Riesige Wolkenberge wachsen an allen vier Horizonten in die Höhe, weiß und dick, dazwischen treiben sich ungeformte graue Franselwolken rum… es wird duster und sieht nach schwerem Unwetter aus … aber Pustekuchen. Höchstens kommen ein paar verirrte dicke Tropfen hinter dem Haus herunter, vor dem Haus bleibts gleich ganz trocken, und das wars dann auch schon. Der Himmel lichtet sich, die Sonne strahlt… bis zum nächsten Theater. So geht es fast jeden Tag. Sehr ungewöhnlich für einen griechischen Sommer.

Mir soll es recht sein, denn so ist es nicht wirklich heiß. Und das ist an diesen langen Juni-Tagen schon eine Erleichterung.

Gestern um 11 Uhr vormittags beobachtete ich eine andere Wolkenart. Da ich bekanntlich für „Verschwörungserzählungen“ (Geo-monitoring) ein offenes Ohr habe und sie mir merkwürdig vorkam, habe ich sie fotografiert. Vielleicht gibt es hier ja Meteorologen, die mir erklären können, wie diese rhythmische Struktur zustande kommt. Ich lasse mich gerne belehren.

Hier habe ich die Färbung verstärkt. Sieht aus wie eine himmlische Traktorspur. 

Seither hat sich der Himmel übrigens bezogen, nicht mehr mit Wolkenbergen, sondern mit einer dichten nebelartig-weißlichen Schicht. Es bisschen geregnet hat es in der Nacht. Tagsüber blieb es ziemlich dunkel und schwül. Und ich habe seit gestern schwere Rückenschmerzen, auch tun die Knochen weh.

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Katzengewimmel (vom Blindzeichnen bis zur Fotografie, quer durch die Medien)

Eigentlich war es Hilflosigkeit, weshalb ich heute vormittag zur Methode des Blindzeichnens griff. Ich hatte der Katzengesellschaft zugeschaut und dachte: mach doch mal wieder Katzenskizzen. Doch die Bewegungsabläufe waren viel zu schnell für mich. Schaute ich vom „Objekt“ weg auf mein Blatt, um eine Linie zu notieren, und wieder hin zum „Objekt“, so war dieses bereits verschwunden oder hatte sich umgedreht … , jedenfalls war die Linie futsch, die mir eben noch Eindruck gemacht hatte. Dafür gab es nun neue Linien. Also beschloss ich, mein Auge ans „Objekt“ zu heften, damit es nicht davonspränge, und meinen Kugelschreiber unbeaufsichtigt über das Blatt gleiten zu lassen.

Im November 22 machte ich schon mal einen solchen Versuch….

War ich früher schneller?

Oder waren die Katzen langsamer?

Noch im Oktober 2022 schaffte ich es, Jungkatzen einigermaßen erkennbar aufs Papier zu bringen. Aber auch damals jammerte ich schon über die Geschwindigkeit, mit dem sie ihren Platz wechselten.

 

 

Noch ein paar „sehende“ Katzen-Zeichnungen gefällig? Die ersten sind freihändig in einer Taverne gemacht (2022)

die zweiten nach Fotos,

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Sehr viel älter sind die Kohle-Studien von meiner langhaarigen schwarzen Katze. Da hatte ich genügend Zeit, sogar das glänzende Fell sorgfältig wiederzugeben, denn „Mäuselchen“ war schon alt und hielt still. 

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Bei der gefleckten Katze musste ich schneller sein (ebenfalls Kohle)

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Ein halbes Leben alt sich auch diese Aquarellskizzen vom Mülltonnenkätzchen, das die Freundin liebevoll bei sich aufgenommen hatte. Es entstanden in jener Nacht 8 Skizzen. Diese fand ich bei einem Deutschlandbesuch in ihrer Wohnung wieder.

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Ganz „aus dem Kopf“ zeichnete ich diese Schablone zum Ausmalen für Kinder – Maries Traum, die Förster werden will. Katzen durfte natürlich nicht fehlen.

Tatsächlich schickte mir eine Leserin (Ulli Gau) die von ihren Enkelkindern „elektronisch“ ausgemalte Schablone zurück.

für gerda

 

Das Katzenmäßige, so wie ich es wahrnehme, lässt sich auch mit Legebildern dargestellen – so wie hier mit Leelas Schnipseln.

Die Hersteller von Katzen für den Andenkenhandel gehen vermutlich ähnlich vor. Die „mexikanische Katze“ brachte es bei mir zu vielen Bleistift-Abbildungen (hier mit Gottz Hermes und trockenen Zweigen).

Und als Fotografie? Klar, selbstverständlich. Ein unerschöpfliches Thema (heute vormittag)

.Und du, lieber Katzenfreund, liebe Katzenfreunin? Wie gibst du deine Lieblinge wieder?

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Tröstlicher Gemüsegarten (*Αnm. : Weltereignisse, Triggerwarnung)

Wenn die Weltereignisse allzu schlimm sind*, ist ein Gemüsegarten ein großer Trost. Das erfahre ich nun erstmals, denn bisher hatte ich keinen. Seit der Anlage einer Pflanzschule am 29. März – also seit grad mal zweieinhalb Monaten – sind aus den in Plastiktöpfen versenkten Samen prachtvolle Pflanzen geworden. Die Tomaten gedeihen besonders gut, doch auch der Kürbis, der Mais und so manches andere Gemüse sind fabelhaft vorangekommen.

Ich weiß schon, für euch gewieften Gemüseanbauer ist das gar nichts, und die Fotos sind auch nicht besonders. Für mich aber ist es eine spannende Ersterfahrung. Denn zwar habe ich schon dann und wann versucht, Tomatenpflänzlein groß zu ziehen, aber es gelang nie, weil alles vertrocknete. Jetzt, mit der Gießanlage, fürchte ich keine Abwesenheiten mehr.

Ein ebenfalls aus Christinas Samen hervorgegangenes Blümchen (links) und ein im Topf hier eingetroffenes (rechts) lassen die ersten Blüten sehen.  Nichts Aufsehenerregendes – oder vielleicht doch? Mich entzückten sie, als ich sie heute morgen – die Sonne war grad aufgegangen – erblickte-

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* Vielleicht haben euch die Nachrichten vom Untergang eines Schiffes, vollgepackt mit Migranten, hier um die Ecke, 40 sm vor Pylos (internationales Gewässer), erreicht. Mich erreichten sie gestern Abend, und so wurde es nichts mit einem gesunden Schlaf.  Hundertdrei Männer und eine Frau  konnten durch Großeinsatz von Militär, Küstenwache und privaten Helferschiffen gerettet werden, darunter sind nach Auskunft der Schiffbrüchigen 7 Menschenschmuggler. 78 Leichen konnten bisher geborgen werden. Die anderen etwa fünfhundert? Sie kamen aus Tombruk in Ost-Libyen. Im Bauch des Fischkutters, in dem sonst der Fischfang transportiert wird, waren die Frauen und Kinder untergebracht. Vier Tage und Nächte waren sie unterwegs. Hatten den Verbrechern, die solche Höllenfahrten organisieren, pro Kopf 6500 E bezahlt.  Frontex wusste von dem Schiff, machte unterwegs auch Fotos. Schritten sie ein? Natürlich nicht.

Vor Malta nahm das Schiff Wasser und Nahrung auf. Dann, immer noch in internationalen Gewässern, boten griechische Frachter Hilfe an, die abgelehnt wurde. Man wollte nach Italien. Aber daraus wurde nichts. Mitten in der Nacht fiel der Motor aus, Panik brach aus, das Schiff kenterte und versank. Die Suchaktion mit Schiffen und Helikoptern, auch mit einer Fregatte begann sofort. Niemand auf dem Schiff trug Schwimmweste. Die meisten konnten nicht schwimmen. Aus dem Bauch des Schiffes war eh kein Entkommen. Die Frauen und Kinder sind alle tot. Das Meer ist dort sehr tief, die Bergung des Schiffes dürfte schwierig bis unmöglich sein.

Die griechische Staatspräsidentin eilte bestürzt nach Kalamata, die Übergangsregierung (zwischen zwei Nationalwahlen) verhängte drei Tage Staatstrauer. Eine genaue gerichtliche Untersuchung der Umstände ist angeordnet. Die Linke fordert offene Grenzen. Klar, kann man fordern. Aber kann man auch die Folgen bewältigen?

Über das eigentliche Problem spricht man nicht: den kriminellen Handel mit Hoffnungen, die fast immer unerfüllbar sind. Die geretteten Schiffbrüchigen kommen vor allem aus Ägypten, Syrien und Pakistan.  Es sind keine Flüchtlinge im klassischen Sinne. Sie werden  bei nächster Gelegenheit per gescharteten Pulmans ins Auffanglager Malakassa verfrachtet, wo  sie ihre Asylanträge stellen können. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie positiv beschieden werden, ist minimal.

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Legebild des Tages: Auf den Spuren des Schafs

Das Thema „Schafe“ hat mich grade fest im Griff. Was weiß ich eigentlich von Schafen, frage ich mich, nachdem ich den Schafskrimi „Glennkill“ von Leonie Swann ausgelesen habe. Dasselbe fragte ich mich auch schon heute vormittag in einem anderen Eintrag (hier).

Nun also schaue ich im Archiv nach, ob ich eventuell Schaf-Legebilder geschaffen habe.

Ja, aber viele sind es nicht. Da ist erstens das zweifelhafte Schaf des „fröhlichen Adventkalenders“ mit der No 8.

Klar, zur Krippe gehört ein Schaf, aber wieso sind Kopf und Beine rosa? Egal. Es ist ein Schaf.

 

 

Meine Zweifel zerstreuen sich, als ich das Türchen öffne: hinter dem Türchen verbirgt sich Morgensterns Mondschaf.

Das ganze Mondschaf-Gedicht mit zugehörigem Legebild stammt von den Anfängen dieses Blogs: Mai 2015

the Moonsheep (Christian Morgenstern)

Das wärs fast schon, gelegte Schafe betreffend. Fast. Denn in einer abc-etüde vom 24.1.2020 tritt noch ein Schaf auf, und das könnte, so finde ich, in unseren kriegerischen Zeiten geradezu als Vorbild dienen. Der Text enthält wichtige Lehren für die Gegenwart.

Papierene Utopie

Dem Papiertiger an der Spree,
dem taten seine Beinchen weh.
Zwei Beine waren in Kaki
Das erste nackt, das vierte Knie
War fast gebrochen, arg geknickt,
das hat den Tiger sehr gezwickt.
Auch hing die Zunge aus dem Maul
So durstig wie ein alter Gaul,
Hat lange nicht mehr nix gesoffen
nur immer neue Leut getroffen.
Und hört ers plätschern wie vom Quell
So sind es nur die Herren: „Well“
So sagt der eine, let us do it“
Der andre sagt: „So kriegst die Kuh nit
Vom Eise runter“, und der Dritte
Der schweigt gleich ganz, wie es so Sitte
Im Lande, wo man lieber schießt
Als laue Friedenspakte schließt.
Der vierte sprach: Pardon, messieurs
Wenn ihr nicht spurrt, sag ich adieu!“

Und worum gings? Wer war der Täter?
Wer war der Gute, wer Verräter?
Wer sprach mit wem warum worüber?
Belanglos war’s, und trüb und trüber.
Doch plötzlich kam ein Schaf daher
Das passte unsren Herren sehr.
„Das Schaf ist meins“, so sprach der Zweite
„Mais non, Monsieur, auf jener Breite
Sind wir die Herren, s’il vouz plait!“
Das Schaf das sagte nur „bä bä!“
Der erste meinte, „Let us give it
To little Tiger may he eat it.“
Der dritte schwieg, das Schaf das kannt er
Es war ein engstens ihm Verwandter.

Die Sache ginge übel aus
Wär da nicht unser roter Klaus
Der Klaus der hob die große Scher
Als wie ein mächtig Schießgewehr
„Ich kenne eure üble Tücke!
Ich schneid euch alle gleich in Stücke,
dass ihr der Welt nicht schaden könnt.
Ins Feuer dann, dass ihr verbrennt!
Das Volk, das brav die Fahnen schwenkt
Und so wie seine Herren denkt,
Das ist vorbei, das ist zu Ende
Jetzt endlich kommt die große Wende!
Ihr Papiermännchen, Papiertiger
Das Schaf, ihr Leute, ist der Sieger!“

 

Ansonsten habe ich noch ein paar gezeichnete Schafe zu bieten, so wie diese, die ich portraitierte, während meine Freundinnen Seife kochten (hier).

Ein Schaf kam mir dabei sehr nahe, und hätte ich damals schon mehr von der Schafsseele verstanden, hätte sich daraus womöglich eine tiefere Freundschaft entwickeln können. Eine verpasste Chance.

Eine weitere Gelegenheit ergab sich bei meinen Spaziergängen mit Dora, die im Gegensatz zu mir das Gespräch mit den Schafen suchte – und sei es auch aus purem Opportunismus.

 

Ich kommentierte damals:

Die Schafe, jung und alt, kommen herbeigerannt, als sie unser ansichtig werden. Sie drücken ihre Schnauze an den Zaun und lassen sich die Nase kraulen, verlieren aber schnell das Interesse und streben, immer als Herdenformation, einem anderen Ziele zu. Schafe sind eben auch Menschen.

Ahnungslos war ich! Schafe sind eben KEINE Menschen, da sie all die Dummheiten, zu denen Menschen fähig sind, verachten. Außerdem sind sie viel freigebiger und geduldiger als Menschen. So boten sie Dora ihren breiten Rücken für einen kurzen bequemen Ritt an und verlangten keinerlei Gebühr.

Dass die meisten Menschen, jedenfalls die ordentlichen und gesetzestreuen,  wie Schafe ticken, habe ich tatsächlich gelegentlich unterstellt. Wie sonst hätte ich die folgende abc-etüde vom Mai 2022 (hier) erdichten können?

Wenn wunderliche Laffen

und arg verführte Pfaffen

nächtens in den Vollmond gaffen

Dann werden sie mondsüchtig.

Doch Menschen die stets tüchtig

Und treu und bieder, züchtig

Die ohne Ehrgeiz schaffen

Für sich kein’n Reichtum raffen

Die keine Kräutlein paffen

Die können nächtens schlafen

Und gleichgesinnt mit Schafen

Früh morgens aufgewacht

 Ihr Tagewerk vollbracht

Zum Stalle freudig eilen

Und nirgends blöd verweilen

Um dumm das Wahrheitspflänzchen

Zu suchen….

….

Hier verließen den Poeten

Seine Sinne,  es verdrehten

Wohlgerüche von Gebeten

Dem armen Tropf

Seinen Kopf.

.

Und des Nachts, total verwirrt

Ist er durch den Wald geirrt.

Nirgends Mondschein, nirgends Pfaffen

Nur langhalsige Giraffen

Knabbern an dem Laub der Bäume

Ach Poete, schlafe, träume!  

Welt ist dunkel, Himmelsräume

Öffnen nachts die weiten Pforten

Tragen dich zu Himmelsorten

Wo die Tische reich mit Worten

Schon gedeckt sind auch für dich

Dorten gibt es sicherlich

Was du brauchst für dein Gedicht.

Hier hinieden findst du’s nicht.

 

Auf der dazugehörigen Illustration fehlen die Schafe, aber vielleicht tut es ersatzweise auch die Kuh am rechten Bildrand?

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Neues über Schafe erfahren

Ich mag Schafe. Das vorweg.

Im Welttheater habe ich meine Protagonisten vor den Unbilden der Welt und der Nacht bei Schafen Zuflucht finden lassen. Zuerst ist es Jenny-the-Kid, die nach schwierigem Abstieg aus den Bergen wollige Schafe entdeckt:

Da sieh mal an, ich glaub ich spinne

es täuschen mich vielleicht die Sinne,

doch was ich sehe, das sind Schafe

grad wie bestellt für uns zum Schlafe

Später dann findet die Theatertruppe Zuflucht in einer Höhle, in der auch Schafe und Hunde nächtigen. Das Kind Clara befindet:

Hier ist es gut, hier will ich schlafen

in dieser Höhle bei den Schafen.

Dass sich zu den Schafen dann auch noch ein Schäfer gesellt, versteht sich. Und dass der Schäfer ein echter Hirt ist, der sich auf Wirt reimt, genauso wie Schaf auf Schlaf, versteht sich auch.

Die Gastfreundschaft, sie ist mir heilig

der Fremde ist mein liebster Gast

euch zu bedienen, geh ich eilig

Ihr aber setzt euch hin zur Rast.

Während ich so über Schafe und Schäfer nachdachte und Reime ersann, konnte ich mich nur auf meine Eindrücke mit den wolligen Herden berufen, die hier zur Landschaft gehören.  Mit dem Schäfer der Gegend plauderte ich oft, bevor er in Rente ging,  er kam auch mal mit seiner Herde vorbei und ließ sie das Unkraut unter meinen Oliven abgrasen, ich kenne auch Krals, Schäferbäume, Höhlen, wo sie bei Unwetter oder des Nachts unterkommen. Aber wusste ich etwas über das Seelenleben der Schafe? Nein. Ich war nicht mal auf den Gedanken gekommen, dass es ein besonderes schafiges Seelenleben gibt.

Dann aber brachte mein deutscher Besuch ein Buch mit, das mir auf die Sprünge half. Das Buch ist von Leonie Swann und heißt Glennkill – Ein Schafskrimi. Ich las es durch und freute mich, denn dort, wo bisher nur anonyme Lämmer, Schafsmütter und Widder grasten, tut sich nun ein weites kaum beackertes Feld auf. Und ich überlege, diese meine neuen Kenntnisse auch meinen Protagonisten im Welttheater nahezubringen.  Mal sehen.

 

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Welttheater, Vor dem 5. Akt

Der 4. Akt dieses kleinen Welttheaters endete am 16. Mai (man richtet sich zur Nacht ein) , es folgte am 18. Mai ein Zwischenakt mit Domna,  an dessen Ende alle schlafen und sich auch Domna zur Ruhe bettet.  Am 25. Mai zog ich, ohne dass Neues passiert wäre, eine 10. Zwischenbilanz.

Seither herrscht Sendepause. Was ist los? Schlafen die Helden immer noch, wie einst Dornröschen, und warten auf den erweckenden Kuss des Prinzen? Sind die Protagonisten in Streik getreten? Hat die Welt aufgehört, sich zu drehen? 

Nichts von alledem. Die Autorin dieses Theaterstücks ist in einen Tiefschlaf gefallen. Die Muse schleicht um ihr Kopfkissen herum und kann sich nicht zum weckenden Kuss entschließen. „Lassen wir sie schlafen“, höre ich sie raunen. “ Sie träumt grad so friedlich vom Meer, vom Sommer und von lieben Besuchern, von Katzen und Blumen. Die Welt dreht sich auch ohne sie weiter.“

Ich höre sie raunen … also schlafe ich nicht mehr so fest? Will ich aufwachen? Möchte ich mich an den 5. Akt des Welttheaters wagen?

Ich seufze tief und habe Lust, mich auf die andere Seite zu drehen. Doch nun höre ich Jenny-the-Kid mosern:

Soll ich ein Leben lang beim Schäfer bleiben?

Ich möcht auch mal was andres treiben

als Schafe melken, Butter rühren

und Dreck wegfegen vor den Türen

 Abud stimmt ein:

Ist schön und gut beim Schäfer hier

Doch gibt er mir nur selten Bier

Ich höre sie und denke bei mir: Ich hatte eigentlich gehofft, dass diese jungen Herumtreiber hier Fuß fassen, Wurzeln in den Boden versenken, sich vielleicht ineinander verlieben, ein Häuschen im Dorf  bewohnbar machen, Kinder kriegen. Danai könnte einen Garten anlegen und die Kinder hüten und belehren, und Domna hätte ein Dach über dem Kopf und ein Zimmerchen, um in Ruhe zu dichten. Trud müsste keine Fragen mehr stellen und wenn sie es doch nicht lassen kann, so macht es auch nichts. Clara und Hawi hätten alles, was sie brauchen: ein Zuhause, eine Familie, Freunde, Tiere, und jeden Tag was zu essen. Wilhelm käme in dieser Kommune eine wichtige Rolle zu, denn er hat irgendwo im Hintergrund ein Vermögen, aus dem man schöpfen könnte, um einige der verfallenen Dorfhäuser zu kaufen und zu revonieren. Menschen „so-wie-du“ kämen vorbei, angelockt durch ein vagues Gerücht und die schöne Natur – Höhle, Wald und Sumpf, Ölbäume und einen unberührten Strand -,  sie entschlössen sich zu bleiben, das Dorf belebte sich, eine freie Schule würde entstehen, man würde Musik und Theater spielen, ums Feuer tanzen und Geschichten erzählen, kleine Kultstätten aus Steinen und Wurzeln entstünden, ein Museum, in dem man alte Handwerksgeräte ausstellt und Anbautechniken lehrt… Der Ort wüchse und würde berühmt,  von überall her strömten sie herbei, um das harmonische Zusammenleben von Schwarz und Weiß, Alt und Jung, Mann und Weib, Mensch und Tier und Wald und Feld zu bestaunen, Interviews und Reportagen fürs TiVi zu machen, das neue Wirtshaus mit ökologisch und ökonomisch ausgezeichneter Bilanz hätte gut zu tun …

Ich bin nun vollends wach. Und höre Jenny maulen:

Du und dein Bier! Du hast schon einen Bauch

und Abud kontern

und deine Haare sind wie Kraut und Lauch!

Du liegst mit deinem Jammern mir im Ohr

Bleib du nur hier, Abud hat noch was vor!

Jenny:

Abud der Fußballstar, Abud der sehr berühmte Sänger?

Ja hau nur ab, du wirst schon sehn was ist, du blutiger Anfänger!

Abud

Ist mir egal, an diesem Ort bleib ich nicht mehr

Ich brauch die Freiheit, denn sie fehlt mir sehr.

Jenny

Die Freiheit rumzuhängen und zu saufen

und hinter blonden Weibern herzulaufen,

Versteh,

dann geh!

ich halt dich nicht

du blöder Wicht.

Ich geh dann auch, doch nicht mit dir.

ein schwarzer Mann, das fehlte mir!

Abud

Wer will schon mit dir gehn, du Schlampe,

und essen, was du kochst, die Pampe?

Die hier sind ja sehr schnell zufrieden.

Die Menschen sind halt sehr verschieden.

Ich muss hier raus, ich geh allein.

muss unter andern Menschen sein.

Ich frag den Fotis, mir den Lohn zu geben

 dann brech ich auf, um wieder frei zu leben!“

Hm, denke ich. Seinen Lohn will der Abud, richtig. Fast einen Monat ist er schon beim Hirten, hat seine Arbeiten erledigt, und ein Lohn wurde ihm versprochen. Ob Fotis wohl Geld hat, um ihn auszuzahlen? Oder wiederholt sich hier das Drama, das wir schon kennen: dass sich Abud um seinen Lohn betrogen fühlt? Mir ist ein wenig bange.

Bange ist mir auch wegen Jenny. Sie langweilt sich, das verstehe ich ja. Sie ist eine Jugendliche, die regelmäßiges Leben nicht kennengelernt hat und deren Zeitperspektive nicht viel weiter als vom Hunger zur Sättigung reicht.  Sie denkt nicht so wie unsereins: langfristig. Dass man aus diesem verfallenen Dorf was machen kann: ein Paradies, eine Goldgrube, ein MODELL, was weiß ich. Sie sieht nur den eintönigen Alltag: Saubermachen, kochen und sich mit Abud streiten.

Und wie sehen die anderen ihr Leben hier?

Ich erinnere mich an Domnas letzten Gesang. Da hat sie im Grunde das Dilemma schon aufgezeigt: Bleiben, sich verwurzeln – oder weiter fliehen, in die Welt hinein, womöglich vor sich selbst auf der Flucht?

Müssen wir immer weiterfliehen

woher, wohin treibt es uns fort?

Wir lagen flehend auf den Knien

entrannen bösem Brand und Mord.

 

Das Meer verschlang uns und die Berge

sie warfen uns in ihre Klüfte

In Höhlen fanden wir Herberge

und wankten traumlos durch die Grüfte.

 

Wir teilten Speise mit den Toten

und nährten uns von Milch und Kraut

Das Leben wollten wir ausloten

Die Sonn verbrannte uns die Haut.

 

Der Himmel über uns erbleichte

es wurde Licht, es wurde Nacht

Wir nahmen das, was man uns reichte

wir schliefen und sind aufgewacht.

 

Da war ein Mensch, er stand bescheiden

mit seinem Hund und sprach uns an.

Wollt ihr mit mir die Schafe weiden?

Denn Hilfe brauch ich, sprach der Mann.

 

Wenn ihr mir helft, habt ihr zu essen

und habt ein Dach, das euch beschützt

hier könnt ihr eure Flucht vergessen

und tun, was euch und andern nützt.

 

Doch fort, o fort die Wogen rollen

wir müssen immer weiter fliehn

in uns ist Flucht, in uns ein Wollen

ein Jagen, Stoßen, Vorwärtsziehn.

 

Wär ich ein Baum, ich könnte wurzeln

im tiefen Grund und stark und still

die Äste breiten, statt zu purzeln

und stolpern zwischen Soll und Will.

 

Doch nicht so endet der Zwischenakt, denn gerade rechtzeitig treten noch einmal die Spirits auf und weisen hin auf das ewigen Spiel des Auf und Ab, des Wandels und Wechsels.

Lu-Ho-Wa-Ro

Das Oben sinkt runter,

was kraftvoll wird matt

was grün war wird bunter,

die Knospe wird Blatt

 

was jung ist, will werden,

was stillsteht verdirbt

und fällt auf die Erden,

was reif ist, das stirbt.

Domna sieht ein, dass das Grübeln sie nicht weiterbringt. Und ich sehe es auch ein. Ich lasse mich jetzt wieder vom Strom des Geschehens tragen – mag geschehen, was geschehen soll. Ich brauche es ja nur aufzuschreiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Weltkugeln – Kugelwelten

Die allgegenwärtige Pusteblume – wer hätte nicht schon ihre perfekte Kugelform bestaunt?

Doch natürlich hat nicht nur der Löwenzahn die Form der Weltkugel für seinen Samenball geeignet gefunden.

In fröhlicher Auflösung begriffen ist hier der Bocksbart-Samenball.

Manche Pflanzen finden die Kugelform schon in der Blütephase passend,  zum Beispiel die Zwiebel

oder der Knoblauch – beide von mir hoch geschätzte und schon manchesmal fotografierte Kugelgebilde.

Wenn man sie so am Wegrand stehen sieht, geht der Blick meist gleichgültig drüber hinweg, verweilt lieber bei den starkfarbigen leuchtenden Blütensternen. Zu Unrecht, finde ich.

Ihre Schönheit offenbart sich erst bei einem zweiten genaueren Hinsehen.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Farbenrausch

Die Natur, sagte ich, nimmt ihre Farben bereits zurück. Und das stimmt auch im Großen und Ganzen. Beige, grau, ocker, braun präsentieren sich die Wiesen, darin noch ein paar rote, gelbe, violette und weiße Tupfen. Die Vorgärten halten sich freilich nicht an diese Regel. Dort herrscht Farbenrausch: Rottöne der Bougainvillea, hummelumschwärmter Palisanderbaum (?), Rot, Rosa und Weiß des Oleander, roter Hibiskus und rosa Geranien, stahlendes Goldgelb der letzten Feigenkakteenblüten.

Ein paar dieser Farben sammelte ich heute auf dem Heimweg vom morgendlichen Schwimmen ein:

Bougainvillea in Rot und Violett

Oleander in Rot und Rosa

Oleander in Weiß und Rot.

Goldgelb der Feigenkaktusblüte mit Bewohnern

Rosa Oleander und blaue Trichterwinden vor dem Himmelsblau

Blauorgie der Jacaranda mimosifolia (?) vor blauem Himmel und Meer

Rundum schwirrt es von Insekten…

wie dieser Brummer (Holzbiene?) auf dem oberen Bild…

Bei genauerem Hinschauen entdeckt man noch viele Leckermäuler im lichten Blauviolett bei der Arbeit.

In meinem eigenen Garten das Kraftrot und Grün des Hibiskus vor den rosa Geranien und zwei goldenen Katzen.

und noch einmal der Blaublütenbaum (Palisanderbaum?) vor dem dunklen Grün der Zypressen.

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Rote Dächer vorm Meer und lesender Mann am Tavernentisch (tägliches Zeichnen)

Ich habe mal wieder ein bisschen im Skizzenbuch gekritzelt, während wir in der Taverne aufs Essen warteten.

Für die erste Zeichnung benutzte ich schwarzen und roten Kugelschreiber. Das Meer und den Himmel peppte ich dann digital auf und bleichte den Rest der Zeichnung.

Der Mann hat die Brille abgenommen und hält die zusammengefaltete Zeictung dicht vor die Augen, um besser lesen zu können. Seinen Pullover hat er über die Schultern gelegt und vor der Brust verknotet. Im Hintergrund sind das Betonskelett des darüber gebauten Hauses und leere Tische und Stühle angedeutet.  Diese Skizze machte ich mit schwarzem Kugelschreiber.

 

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