Bilder bewerten und ausrangieren: Ölkreide (38-47) und Klebebänder (95-98)

Die Zuordnung der Bilder ist nicht immer einfach. Und so zögere ich, ob ich diese Serie der Ölkreide oder den Klebestreifenbildern zuordnen soll. Ich möchte sie zusammen präsentieren, wenngleich das erste einer ganz anderen Zeit entstammt, nämlich dem Jahre 1984, während die anderen im August und September 2001 entstanden sind.

An dieser Serie möchte ich zeigen, wie die äußeren Weltereignisse sich in meinem Inneren niederschlagen, um dann in der künstlerischen Arbeit Bild zu werden. Wie das geschieht, entzieht sich meinem Bewusstsein, ich kann es nur registrieren.

Meine Interpretation ist nicht verbindlich. Die Bilder sind vollkommen unabhängig davon.

Das erste ist eine Kopie, die ich in Wien vor einem van-Gogh-Original anfertigte. 1984: Orwells finstere Prophezeiungen, die mich ein Leben lang begleiteten, sind nicht eingetreten. In Frieden ruht die fruchtbare Erde. 

Im Sommer 2001 entstehen leicht gestimmte abstrakte Spielereien: Luftiges, Duftiges …

Wiesen- und Wasserwelten (August 2001) …Unbestimmtes.

Ein Wesen im gemaserten Gestein, steile Zähne wie ein Gitter (August 2001)…

Der Frieden täuscht. Etwas braut sich zusammen, Beunruhigendes bereitet sich vor.

Etwas beginnt sich unter der Oberfläche der Erde zu verschieben, Blut- und Feuerspuren breiten sich aus, und ich „repariere“ die Zerklüftungen mit Klebestreifen und Wellpappe (20. August 2001).

Ich verklebe auch das grüne Land, die Berge vorsorglich.

Ahnungen habe ich, aber ich weiß nicht, was dieses neue Jahrtausend uns bringen wird (11.8.2001)

Dann kommt die Nacht vom 10. auf den 11-9-2001. Die ganze Nacht zeichne ich wie besessen, und immer entstehen „Dämonen“ unter meinen Händen. Ich will das nicht, überzeichne sie wieder und wieder, aber es hilft nichts (1, Ölkreide), und so lasse ich meinen Händen freien Lauf. Es entstehen: eine gestückelte Schlange (2, mit Klebestreifen), „Flugdämonen“ und schließlich „Landebahnen“, auf denen zwei Feuer glimmen. Etwas geschieht in dieser Nacht, das ich nicht einordnen kann. Ich notiere meine Eindrücke im Tagebuch und gehe schließlich um sechs Uhr morgens schlafen. Später weckt mich mein Mann, um mir zu sagen, dass Flugzeuge die „Zwillingstürme“ angegriffen und zerstört haben (11/9).

Das nächste ist der Angriff auf Afghanistan. Ich interpretiere ihn als Krieg des Kreuzes gegen den Halbmond. Das Kreuz wird zum angreifenden Flugzeug, der Mond krümmt sich zusammen, verbirgt sich (1, 2). In einem Sarkophag ruhen beide, darüber ein kaltes weißes Kreuz (Afganistan, Ölkreide, Wasserfarbe). So lese ich die Bilder. Man kann sie und die Weltgeschichte natürlich auch anders lesen.

Die Kriege, die mit dem 11/9 losgetreten wurden, setzten sich bis heute fort (Das große Spiel spitzt sich zu: Sag NEIN).

Damals begann ich, Klebestreifen in meiner künstlerischen Arbeit einzusetzen. Vorbote war 1999 der Jugoslawienkrieg – der erste Angriffskrieg der NATO ohne UNO-Mandat, und eine rot-grüne deutsche Regierung machte mit. Deutschland wurde, wie der damalige grüne Außenminister Fischer sagte, „wieder ein normales Land“.

Dieses ausgebrannte Dorf, ebenfalls 2001 entstanden, zeigte ich bereits in dieser Überschau (Erinnerung an einen Krieg).

 

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Bilder bewerten und ausrangieren: Bilder 186-197

Wenn ich „Bilder“ ohne zusätzliche Kennzeichnung schreibe, meine ich Malereien mit Pigmenten und Kleister. Die Malerei mit Pigmenten in Pulverform, Kleister und Wasser ist in der Ausbildung der Athener Kunstakademie üblich, und ich bin dabei geblieben, denn sie sagt mir mehr zu als die Ölmalerei. Man atmet keine Lösungsmittel ein, man braucht nicht aufs Trocknen zu warten, man arbeitet angstfrei und billig. Dass die Oberflächen stumpfer sind als beim Öl, stört mich nicht – im Gegenteil, ich ziehe es vor. Im übrigen kann man, wenn man eine glänzendere Oberfläche haben will, mit aufgesprühtem Lack nachhelfen.

Die folgenden Bilder sind auf Pappen mittlerer oder kleiner Formate gemalt.

 

Eine Gruppe bilden die „Geigen“. Ich spielt früher Geige, und als ich nicht mehr spielte, wollte ich sie jedenfalls malen. Auch das ist nun schon lange her.

Als ich sie nun fotografierte, kam eine der aquarellierten „Miniaturen“ drauf zu liegen, und mir gefiel der Vergleich der Medien bei ähnlicher Farbigkeit.

Eine andere Gruppe sind „Landschaften“ auf kleinen Pappresten. Bedeutungslos, man kann sie auch ausrangieren. Aber warum nicht einen Blick werfen? So klein sie sind, haben sie doch den Anschein gewaltiger Naturlandschaften.

Dann gibt es noch die Stillleben: Blumenvase, Früchte …

Flaschen …

und ein Pferdchen mit seinem Freund und Wächter.

 

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Bilder bewerten und ausrangieren: Bleistift 127-141

Weiter geht es mit frühen Bleistiftzeichnungen von 1984.

Landschaften und Architektonisches

Die sieben ersten zeigen Szenen aus Samothrake, wo ich zwanzig Jahre lang meine Sommer verbrachte. Unsere erste Unterkunft war ein Einfachbau in einem Gebiet, das später als archäologisch ausgewiesen und gesperrt wurde. Mit großer Freude erinnere ich mich an diesen stillen Ort, an die Menschen, die die einfache Taverne und die Unterkunft betrieben, auch an die aufregenden Momente, als hohe Besucher mit Hubschrauber einschwebten, um sich den frischen Fisch servieren zu lassen, für den die Taverne berühmt war. 

Diesen Ort gibt es nicht mehr, und auch die „Pauluseiche“ suchte ich vergeblich, als ich letztes Jahr nach langer Zeit noch einmal dort war. Die Eiche stand oberhalb des Ausgrabungsgeländes (Paliopoli) an einem Fußpfad, der später einer Autostraße wich. Man sagt, der Apostel Paulus, der hier erstmals seinen Fuß auf europäisches Gebiet setzte, habe unter ihr gepredigt. Ob das stimmt, weiß ich nicht, was ich aber weiß, ist, das diese großartige Eiche viele kleine Eichenkinder um sich versammelt hatte. Wie gewaltig sie war, siehst du an dem klitzekleinen Backofen und Menschen zu ihren Füßen.

Berühmter ist die Insel durch die Tempelanlagen, die die Ptolemäer (ägyptische Herrscher, Nachfolger Alexander des Großen) hier errichteten. Das meiste ist zerfallen, aber diese vier Säulen wurden wieder aufgerichtet.

Im vorigen Jahr, als ich mich nach zwanzig Jahren Abwesenheit erneut nach Samothrake begab, fand ich viele Veränderungen vor, der Gesamteindruck aber war der altbekannte. Der Blick vom Zentraldorf Hora (links) und das Dorf selbst (rechts) waren kaum verändert.

Menschen am Strand – nun, diese Szene brauche ich nicht zu erläutern, sie ist international. Statt der in Deutschland üblichen Strandkörbe ist ein mitgebrachter Sonnenschirm aufgepflanzt.

Eine Märchen- und Traumlandschaft ist die folgende. Mond und Schneckenhaus sind in einen heimlichen Dialog eingetreten.

Real, aber nicht minder träumerisch ist diese deutsche Landschaft.

Portraits und Menschenbilder

Zweimal dieselbe Fünfzehnjährige – und wie man sieht, hat man zwei ganz verschiedene Persönlichkeiten vor Augen. Wie wird sie sich entwickeln?

Und wieder ganz anders dieser Fünfzehnjährige.

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Bilder bewerten und ausrangieren: Ölkreiden (9-37)

29 Bilder kann ich nun noch der Rubrik Ölkreiden hinzufügen. Manche sind reine Ölkreidenzeichnungen, bei anderen habe ich Ölkreiden mit Wasserfarben kombiniert.

Anhand dieser Bilder möchte ich an Beispielen auf die unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten der Ölkreide aufmerksam machen.

Portraits und Menschenbilder 

frühes „klassisches“ Portrait

Herausarbeitung aus dem Grund mithilfe einer Umrisszeichnung (Umriss und Haar mit Wasserfarben, Vorlage ein Akt von Picasso)

Skizzieren von Figuren auf farbigem Grund:

Notierung einer Bewegung (kniende Figur):

 Stillleben : direkter Auftrag, farbige Schattenbereiche:

Formen und Farben, die aus einer dunklen Oberfläche herausgekratzt wurden:

Ölkreide als schwarzer Zeichenstift, Farben spielen nur eine begleitende Rolle.

Landschaften (mit Wasserfarben)

Skizzieren von Formen, Andeuten der Farben

Strukturierung, Intensivierung eines Aquarells

Nachträgliche Eintragung von Licht (Weiß) in ein Aquarell

Eintragung von Bewegung (weiß) und Linien (schwarz) in ein Aquarell

Verstärkung der Bewegung einer aquarellierten Landschaft (rot und weiß), Übermalung von Ölkreide (perlende Struktur)

 Landschaften abstrakt

Spiel mit Positiv- und Negativformen

Dynamisierung durch Roteintragung (einstürzende Strukturen)

Mixed Media mit eingeklebten Papieren, Pigmenten, Kleister und Ölkreiden. Dies ist übrigens das einzige sehr große Format und zeitlich das letzte.

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: eine Galerie virtuell befüllen

Manchmal ist es erfrischend, sich einen Wunsch zu erfüllen – und sei es auch nur virtuell. Also habe ich in den Galerieräumen, die mir hier in Kalamata gefielen, einfach mal die Bilder umgehängt.

Vorher

Nachher

Bisschen zu bunt? Hat aber Spaß gemacht, und mich zugleich in dem Wunsch bestärkt, irgendwann aus dem virtuellen ein wirkliches Erlebnis zu machen.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Nächtliches in Randzonen der Stadt

Gestern abend regnete es, und so war vom Vollmond nichts zu entdecken. Stattdessen herrschte tiefe feuchte Finsternis.

Als wir bei der Universität von Kalamata ankamen, wo mein Mann einen Vortrag über sein neu erschienenes Buch halten würde, hatten wir noch etwas Zeit, und so schauten wir uns in dieser uns weitgehend unbekannten Stadtgegend um. Ein großes Sportfeld, eine trübselige Straße, ein Kiosk, der aber keine der gesuchten Zeitungen hatte.

Trübseligkeit hat ihre eigene Faszination, und so fotografierte ich: die Tavernen neben dem Sportfeld oder im Erdgeschoss der Wohnhäuser, die riesigen Eukalyptusbäume mit stark beschnittenem Gezweig, die witzigen gelben Sessel, auf denen offenbar nichtzahlende Zuschauer an Sportveranstaltungen teilnehmen können.

Rückt man den Dingen ein wenig näher und beginnt, sich für sie zu interessieren, zeigen sie ein anderes Gesicht. Die Orte beleben sich, sind nun mit Menschen gefüllt, die ihren Abend in ihrem Laden oder in der kommunikativen Atmosphäre von Tavernen verbringen. Ja, es ist dieselbe Straße, es sind teils dieselben Bilder, nur habe ich jetzt die Menschen herangezoomt.

Nach dem Vortrag fuhren wir in die „nördlichen Vororte“ von Kalamata, um unsererseits mit dem Dekan und zwei Kolleginnen in einer Taverne zu essen. In einem niedrigen durch den Kamin beheizten Raum saßen an langen Tischen ältere Männer, nur Männer, und sie sangen zur Musik eines dafür engagierten Gitaristen. Wir nahmen im Nebenraum Platz, aßen von den gut zubereiteten ländlichen Speisen, tranken von dem leicht harzigen Hauswein. Dann trat ich hinaus auf den Vorhof. Der Mond war hervorgekommen und schien durch eine Laube, die voll hing mit Luffa aegyptiatica, nicht so schmächtigen wie bei mir, sondern riesigen. Drunten lag die Stadt Kalamata, sie schien mir weit entfernt, und ich an einem magischen Ort gelandet.

Eine ältere Frau, eine selbstgedrehte Zigarette mit Mundstück rauchend, erklärte mir: Wasser brauchen sie (die Luffa), viel Wasser.

Verzaubert ging ich auf dem Vorplatz herum, bestaunte so manche Pflanze, fragte nach Namen. Sie wusste sie alle. „Und diese Pflanze?“ fragte ich und roch an einem Kraut. „Hilft gegen böse Geister“ meinte sie und fügte grinsend hinzu: „Riecht halt bisschen merkwürdig“. Schon hatte sie für uns drei Frauen – denn die Kolleginnen waren nun auch herausgekommen – drei Töpfchen mit Erde gefüllt und je ein Pflänzlein hineingesetzt. O ja, sie hatte alle Merkmale einer „weisen Frau“ aka Hexe.

Drinnen saßen noch immer einige Männer und sangen. Andere waren bereits gegangen. Mir gefiel die Art, wie sie sich verabschiedeten, liebevoll eine Schulter klopfend, einen Rücken tätschelnd, einen Arm berührend. Ältere Herren. Vermutlich treffen sie sich regelmäßig hier, um ein wenig zusammen zu sein und zu singen und Informationen auszutauschen und dann heimzugehen zu ihren Frauen, zur Familie.

Wie soll ich diese Lustbarkeit benennen? Sicher ist, dass sie mich durch und durch belebte und wärmte. Es braucht ja gar nicht viel, um sich lebendig zu fühlen.

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Bilder bewerten und ausrangieren: Klebstreifenbilder 83-94 (und eine katastrophische Interpretation)

In der Mappe fanden sich auch einige Collagen bzw Klebestreifenbilder mit Ölkreide und Aquarell, die mir für den Bildfindungsprozess wichtig bleiben. Denn hier kann ich meine Gestaltungsimpulse auf relativ kleinem Format und ohne irgendwelche Bedenken ausleben.

 

Ob diese Arbeiten auch für außenstehende Betrachter Wert haben? Ich weiß es nicht. Die meisten sind ja ästhetisch wenig ansprechend.  Sie sind kompakt, schwer zu lesen, grob und oft düster.

Oftmals wirken sie wie zugesperrt. Zutritt verboten.

Oder sie erzählen von einer fragmentierten Welt, in der sich nicht nur die Menschen voneinander, sondern auch ihr Kopf vom Rumpf getrennt hat (haben) und keiner mehr so recht weiß, wer er ist und wohin er gehört.

Und hier?  Haben sich hier die Maschinen verselbständigt und hängen nun als Schneiden über unserem Haupte wie einst das Schwert des Damokles?

Mag sein, mag auch nicht sein. Die Bilder bleiben uneindeutig wie das Gefühl, unter dem sie entstanden. Sie sind zwar stark emotional geladen, bleiben aber „abstrakt“.

Versuchen wir es dennoch mit einer Interpretation:

Dass Klebestreifen sind nicht nur zum Flicken geeignet sind, sondern auch dafür, ganze Welten zu schaffen, die hübsch und nett ausschauen, bis sie auseinanderfallen …

wird uns in Krisenzeiten bewusst. Da zerstößt sich unsere Welt und zersprengt sich und chaotisiert sich. Und klebst du auch wie verrückt, es lassen sich die widerstrebenden Tendenzen nicht mehr zusammenbinden.

Wenn sich nach gehabter Katastrophe der Staub der Geschichte legt, schauen wir, was sich von dem ganzen Geluder zu behalten lohnt und was ausgestrichen werden kann.

Mit dem, was bleibt, lassen sich neue Städte zweifelhafter Güte bauen.

Wem dies nicht passt, der möge draußen bleiben und verschimmeln.

Frisch an die Arbeit und rüste dich! Sei munter und baue dein Haus, deine Mauer, deine Tempel von Neuem auf.

und hoffe, dass sie dem Ansturm standhalten.

(Du hoffst freilich vergebens)

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Bilder bewerten und ausrangieren: Bleistift 92-126

Auch hier Katzen? O ja. Diese sind mit sehr weichem Bleistift auf einem Doppelblatt gezeichnet. Ich nannte sie  „Mäuselchen“, nach dem Wort: man ist, was man isst.

Die Mappe enthält darüber Zeichnungen und Skizzen aller sonstigen Rubriken.

Portraits und Menschenstudien. Manche dieser Skizzen, auf billigem Papier gezeichnet, sind stark vergilbt, was ihnen den Charme des Alters verleiht. Manche sind im Atelier entstanden, andere sich schnelle Notizen von Menschen, die ich unterwegs sah.

Architektonisches und Landschaften. Ich zeichnete anfangs mit sehr hartem Bleistift, denn dazu riet mir meine damalige Lehrerin. Das sei solide, da gerate man nicht vorschnell auf die Abwege der expressiven Zeichnung.

Stillleben, Hände

 

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Und nun ein paar Betrachtungen dazu:

Wenn ich manche der damaligen Zeichnungen betrachte, sage ich: Bravo! Das geduldige Registrieren und Zeichnen (mit hartem Bleistift) dessen, was dir vor Augen ist, ist tatsächlich eine zwar harte, aber gute Schule. Da wird jeder Backstein, jede Spiegelung, jedes Rohr und jeder Ziegel beachtet und geehrt.

Die vielen Bewegungsstudien haben mir die Basis auch für meine sehr viel späteren Legearbeiten gegeben: Wie füllt der Mensch den Raum, wie drücken sich Beziehungen zwischen Menschen körperlich aus… das mit ein paar Strichen festzuhalten, ist eine unerlässliche Übung.

Selbstverständlich braucht man, um da weiterzukommen, auch die Einzelstudie im Atelier.

Ein anderes Thema ist die Plastizität der Figuren. Man kann sie auf vielfältige Weise erreichen, etwas durch genaue Wiedergabe von Licht-Schattenverläufen (1) oder durch Hervorhebung der Figur vom Hintergrund (2) oder auch durch Umrisslinien, die man dort verstärkt, wo helle und dunkle Partien aufeinander treffen (3).

„Unvollständige“ Zeichnungen ermuntern den Beschauer, seinerseits aktiv zu werden.

Ein atmosphärisch ansprechendes Ergebnis mit dem harten Bleistift zu erzielen, ist keine kleine Herausforderung. Denn die Licht-Schatten-Verhältnisse lassen sich nur mühsam herausarbeiten. Hier steht der Krug mit den Mimosenzweigen Modell …

den ich gestern als Aquarell zeigte.

Ich glaube, jeder, der mit dem Malen oder Zeichnen beginnt, hat Momente, wo er die Fingerübungen satt hat und endlich ein „richtiges Bild“ zustandebringen will. Schließlich kennt man all die berühmten Maler, die „Bilder malen“ und denen man nacheifern möchte. Solchem Verlangen ist wohl auch das Doppelportrait geschuldet, das ich  „Schwestern“ nannte, das aber keine realen Personen abbildet.

Dagegen ist das „Selbstportrait“ ein ernsthafter Versuch, mich selbst zu analysieren. Dass dabei eine alte Frau zum Vorschein kam (die ich nicht war), erinnert mich an Gertrude Steins Protest, als sie ihr von Picasso gemaltes Portrait betrachtete. „So sehe ich nicht aus!“ – „Nun, jetzt nicht, aber Sie werden so aussehen“, war seine Antwort.

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Fritzi wird Hauskatze

Wir sitzen in einer Regenwolke (gelobt sei der Regen!), und Fritzi, die ich kürzlich sterilisieren ließ, hat sich ernsthaft entschlossen, eine Hauskatze zu werden. Das ist schön. Hier hat sie sich Kissen von einem Stuhl auf den Boden heruntergezogen, weil es ihr dort besser gefiel. Noch ist sie nicht sicher, welches ihr Lieblingsplatz ist. Ich schätze, es wird die Sofaecke sein.

Oder doch nicht? Jetzt hat sie es sich auf dem Stuhl zusammengerollt. Ich bin gespannt, wie sie sich am Ende entscheidet.

Doch was mache ich, wenn wir demnächst für ein paar Tage nach Athen fahren? Fritzi mitnehmen? Ich fürchte, das wird ihr gar nicht passen. Also hierlassen, mitsamt der Großfamilie? Die wird draußen gefüttert.

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Bilder bewerten und ausrangieren: Kohlezeichnungen 140-156

Ich beginne mit den Katzenstudien in Kohle. Sie sind alle auf dünnem leicht vergilbtem Recyclingpapier entstanden und gehören zur selben Serie wie die schon früher gezeigten (darunter 6,7 und 10, die ich hier nochmal einfügte).

Andere Kohlezeichnungen dieser Mappe zeigen teils tatsächliche, teils imaginierte  Landschaften, zuletzt auch zwei Seascapes mit Segelbooten

Schließlich noch zwei Männer-Torsi.

 

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