Dora zum SechzehntenDritten: Auf den Spuren des Dr. Faustus

Dora hat noch ein paar Kata-Strophen für Christianes abc-Etüden. gedichtet. Ich habe das Drum und Dran hinzugefügt. Viel Spaß!

abc.etüden 2022 10+11 | 365tageasatzaday

Wie ich heute so wandere und hinaufschaue zum Schneegebirge – vor mir die blühende Landschaft -, kommt mir der Osterspaziergang in den Sinn. Du weißt schon: Dr. Faustus und sein Famulus spazieren vor die Tore der Stadt und erfreuen sich am Anblick des Menschengewimmels. Ich hole tief Luft und deklamiere laut die berühmten Verse:

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.

Dann aber hapert es. Wie geht es nur weiter? Ach ja:

Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sich mit Farben beleben.

Eine Doppelzeile fällt mir noch ein

Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Dann ist es aus. Ich stottere und seufze. Dora bemerkt mein Grübeln. „Ich weiß, wie’s weitergeht!“ kräht sie vergnügt und beginnt nun ihrerseits zu deklamieren:

Was blüht da nicht alles in weiß und in blau

Auch Gelbes ist da, und Rotes, ja schau!

Das sind keine Blumen? Das ist nur Klimbim?

Na wenn schon, ich finde das gar nicht so schlimm.

*

Die Leute brauchen jetzt Farbe und Licht

Denn allzu lange hatten sie΄s nicht.

Sie strömen hinaus in die Berge, ans Meer

Ein jeder ist heiter,  das gönn ich ihm sehr.

*

Ob Kleidchen, ob Hose und Hemd oder Jacke

Es rötet, es blaut und es glänzet vom Lacke

Der Schuh und das Haar, der Rock und der Hut

Wer jung ist, dem steht es auf jeden Fall gut.

*

Und bist du schon älter,  dein Haar ist arg dünn

So glaub mir, kein Mensch weist drum auf dich hin.

Nur den Zylinder, den lass man zu Haus

Sonst nimmt ihn ein Wind und die Geschichte ist aus.

Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein

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Jacques Baud : Wie ist Frieden möglich? (Erweiterung des Debattenraums)

Eben wurde ich durch einen befreundeten Blogger aufmerksam gemacht auf einen Artikel im Schweizer Magazin „Zeitgeschehen im Fokus“  mit dem Titel  Die Politik der USA war es immer, zu verhindern, dass Deutschland und Russland enger zusammenarbeiten»

Ich denke, die genannten Qualifikationen und Erfahrungen machen Herrn Baud zu einem ausgezeichneten Zeitzeugen. Falls du das Interview lesen möchtest, einfach anklicken:

Die Politik der USA war es immer, zu verhindern, dass Deutschland und Russland enger zusammenarbeiten»

«Die Politik der USA war es immer, zu verhindern, dass Deutschland und Russland enger zusammenarbeiten»

Historische, politische und wirtschaftliche Hintergründe des Ukraine-Kriegs

Interview mit Jacques Baud*

Jacques Baud (Bild zvg)
Jacques Baud (Bild zvg)

*Jacques Baud hat einen Master in Ökonometrie und ein Nachdiplomstudium in internationaler Sicherheit am Hochschulinstitut für internationale Beziehungen in Genf absolviert und war Oberst der Schweizer Armee. Er arbeitete für den Schweizerischen Strategischen Nachrichtendienst und war Berater für die Sicherheit der Flüchtlingslager in Ost-Zaire während des Ruanda-Krieges (UNHCR-Zaire/Kongo, 1995-1996). Er arbeitete für das DPKO (Departement of Peacekeeping Operations) der Vereinten Nationen in New York (1997-99), gründete das Internationale Zentrum für Humanitäre Minenräumung in Genf (CIGHD) und das Informationsmanagementsystem für Minenräumung (IMSMA). Er trug zur Einführung des Konzepts der nachrichtendienstlichen Aufklärung in Uno-Friedenseinsätzen bei und leitete das erste integrierte UN Joint Mission Analysis Centre (JMAC) im Sudan (2005-06). Er war Leiter der Abteilung «Friedenspolitik und Doktrin» des Uno-Departements für friedenserhaltende Operationen in New York (2009-11) und der Uno-Expertengruppe für die Reform des Sicherheitssektors und die Rechtsstaatlichkeit, arbeitete in der Nato und ist Autor mehrerer Bücher über Nachrichtendienste, asymmetrische Kriegsführung, Terrorismus und Desinformation.

Zeitgeschehen im Fokus Herr Baud, Sie kennen die Region, in der im Moment Krieg herrscht. Welche Schlüsse haben Sie aus den letzten Tagen gezogen, und wie konnte es so weit kommen?

Jacques Baud Ich kenne die Region, um die es jetzt geht, sehr gut. Ich war beim EDA [Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten] und in dessen Auftrag fünf Jahre abkommandiert zur Nato im Kampf gegen die Proliferation von Kleinwaffen. Ich habe Projekte in der Ukraine nach 2014 betreut. Das heisst, ich kenne Russland auf Grund meiner ehemaligen nachrichtendienstlichen Tätigkeit, die Nato, die Ukraine und das dazugehörige Umfeld sehr gut. Ich spreche russisch und habe Zugang zu Dokumenten, die nur wenige Menschen im Westen anschauen.

Sie sind ein Kenner der Situation in und um die Ukraine. Ihre berufliche Tätigkeit brachte Sie in die aktuelle Krisenregion. Wie nehmen Sie das Geschehen wahr?

Es ist verrückt, man kann sagen, es herrscht eine regelrechte Hysterie. Was mir auffällt und was mich sehr stört, ist, dass niemand die Frage stellt, warum die Russen einmarschiert sind. Niemand wird einen Krieg befürworten, ich sicher auch nicht. Aber als ehemaliger Chef der «Friedenspolitik und Doktrin» des Uno-Departements für friedenserhaltende Operationen in New York während zwei Jahren stelle ich mir immer die Frage: Wie ist man zu diesem Punkt gekommen, Krieg zu führen?

Was war Ihre Aufgabe dort?

Es ging darum zu erforschen, wie es zu Kriegen kommt, welche Elemente zu Frieden führen, und was man tun kann, um Opfer zu vermeiden bzw. wie man einen Krieg verhindern kann. Wenn man nicht versteht, wie ein Krieg entsteht, dann kann man keine Lösung finden. Wir sind genau in dieser Situation. Jedes Land erlässt seine eigenen Sanktionen gegen Russland, und man weiss genau, das führt nirgends hin. Was mich dabei besonders schockiert hat, ist die Äusserung des Wirtschaftsministers in Frankreich, man wolle die Wirtschaft Russlands zerstören mit dem Ziel, die russische Bevölkerung leiden zu lassen. Das ist eine Aussage, die mich äusserst empört.

Zitat Ende

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Meine Ansicht:

Das Interview, dessen Anfang du eben gelesen hast, ist gesteckt voll mit Fakten, die selbst jemand, der sich um Information von allen Seiten bemüht, in dieser Fülle nicht leicht zusammentragen kann. Oder kennst du die Hintergründe des Machtwechsels in der Ukraine 2014? Wusstest du, dass die Krim  „sich für unabhängig erklärt hat, bevor die Ukraine unabhängig wurde“?  nämlich im Januar 1991, also noch während der Zeit der Sowjetunion. Die Ukraine selbst hat erst 6 Monate danach, im August 1991, ein Referendum durchgeführt – ohne die Krim. Hast du die Gründe verstanden, warum Putin sich für den Einmarsch entschied, obgleich ihm klar war, wie der Westen darauf reagieren würde? Was hat es mit der „Entnazifizierung“ auf sich? Was mit der Atomwaffendrohung? Welchen Vertragswert hat Minsk II? Und vieles vieles mehr.

Ich kann nur empfehlen, dieses Interview zu lesen und gründlich nachzudenken, was für Deutschland und Europa die richtige Politik wäre gegenüber der Ukraine und Russland und wie man vielleicht doch noch zu einem Frieden kommen könnte… Denn nur darum handelt es sich für mich: WIE IST FRIEDEN MÖGLICH?

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Skizzen vom Gebirge (tägliches Zeichnen)

Heute habe ich mich vor einem Kirchlein auf einen der dort großzügigerweise gestapelten Plastiksessel gesetzt, mit Blick aufs Gebirge. Man sieht zwei Abschnitte: zum einen die Gipfel des erneut dick beschneiten Hochgebirges (es handelt sich um den Taygetos), zum anderen das teils grüne, teils kahle Vorgebirge, das sich zum Meer hin senkt. Den Ausschnitt mit dem Schneegebirge habe ich schon einmal zu skizzieren versucht. Die Ergebnisse  findest du hier.

Das Schneegebirge ist auch heute mein erstes Motiv.

Dann wende ich mich dem Vorgebirge mit seinen vom Abendlicht beschienenen Hängen zu. Ich zeichne sie zwei Mal. Bei der ersten Skizze nehme ich einen Teil des Vordergrunes mit hinein…

bei der zweiten konzentriere ich mich auf einen kleinen Bereich, wo sich zwei Gipfellinien schneiden und ein dritter Gipfel im Schatten versinkt.

Wie beim letzten Mal habe ich zu Hause ein wenig mit Überblendungen gespielt. Ein Beispiel mag genügen: die obige Gipfelstudie digital bearbeitet und mit dem entsprechenden Fotoausschnitt überblendet.

 

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Dora zum FünfzehntenDritten: Sich etwas vorstellen

Heute las ich bei Stefan Kraus ein Gedicht, das ihm sein noch junger Onkel zum ersten Lebensjahr schenkte, und darin die Zeile: „das eigene Sein in Banden gefangen der Mächte, die selbst du aus Träumen schufst.“ Ich las auch Stefans Gedanken dazu, hörte seine Musik, und mir kam das Gedicht von Konstantin Kavafis „Ithaka“ in den Sinn, darin die Zeilen „Den Laistrygonen und den Zyklopen, / dem wilden Poseidon wirst du nicht begegnen, / wenn du sie nicht in deiner Seele trägst, / wenn deine Seele sie nicht vor dich hinstellt.“ Diese Zeilen haben mich lange beschäftigt und tun es bis heute. Im Jahr 2016 machte ich dazu einen Eintrag, der mir außerordentlich aktuell vorkommt.

Ithaka revisted (Gedankenformen)

Die „Mächte, die ich selbst aus Träumen schuf“ heißen bei Kavafis Laistrygonen und Zyklopen, bei mir „moderne Medizinmänner und Medizinfrauen“….Sie jonglieren mit Welten aus genetischem Material, sie tragen allerlei Bakterienkram in ihrem durchstrahlten Brustraum und Gepäck und produzieren im Nu aus Sperma und Eizelle einen rennenden Homunkulus (weiblich). Wie sie es machen? Na, indem „meine Seele es vor mich hinstellt“.

Tja, aus Gedankenkraft entsteht Wirklichkeit, dachte ich. Und schwupps! war sie da.

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Ich schloss meine damaligen Überlegungen ab mit dem Satz:

Wenn es so leicht ist: warum erschaffe ich, warum erschaffen wir nicht eine Welt des Friedens und der Liebe?

Heute schaute ich diesen Eintrag und die Kommentare dazu an. Ulli Gau schrieb damals: „…weil es einfach ist, weil wir Schöpferinnen und Schöpfer sind, weil jede und jeder kreieren kann und darf und soll – aber ach … eben … alle … herrjeh … das sind sie, die Ritter der Unersättlichkeiten, der Eroberungs- und Unterdrückungswut … nehmen wir ihnen ihre Energie, senden wir unsere – alles, was in die Welt kommt, wird nie mehr vergehen, bereit für den zig-fachen Wandel- füttern wir die Liebe und den Frieden!“

Wie prophetisch war das alles.  Sind wir schuld, weil wir nicht entschlossen genug an einer Welt der Liebe und des Friedens gebaut haben? Nicht einmal in unseren Gedanken? Stattdessen wurde wahr, was ich in wüsten Träumen mir erdachte…

„He!“ schreit Dora. „Was treibst du da gerade? Wenn du eine Welt der Liebe und des Friedens bauen willst, dann fang gefälligst JETZT an! Wie wäre es, wenn du mal positive „Gedankenformen“ in die Welt setzt? Das wäre jedenfalls hilfreicher, als sich mit deinen Schreckgespenstern zu befassen.“

„Und woran hast du gedacht, kleine Dora?“, frage ich zaghaft zurück.

„Na, lass doch deine beiden Gegner – ich meine diese Russen und Ukrainer – mal zusammen friedlich Fußball spielen ….

Und

wenn sie genug gespielt haben, könnten sie sich zusammen in die Frühlingswiese setzen und meinetwegen nach Schmetterlingen haschen.“

 

 

 

 

 

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Impulswerkstatt Bild No 4: Feuer

Dies ist mein dritter Beitrag zu Myriades Impulswerkstatt.

Gleich werde ich den Kamin anzünden wie jeden Winterabend. Dann sitze ich davor und betrachte die Flammen, ihr unruhiges flackerndes Spiel. Die Wärme tut mir gut, sie ist anders als die der Zentralheizung. Auch wirkt das Feuer als estia (Herd, Punkt, um den sich Menschen und Ereignisse konzentrieren): sind mehrere Menschen im Raum, zieht es sie zum Feuer.

Die Hestia war den Griechen eine der zwölf Olympischen Gottheiten. In Rom hieß sie Vesta. Das Feuer durfte nicht ausgehen, denn es war schwer, es wieder zu entfachen. In den Kirchen, aber auch an den häuslichen Altären brennt bis heute ein Öllämpchen, das nicht ausgehen darf. Die „ewige Flamme“ hält die Erinnerung wach, stellt ein gefährdetes Kontinuum her zwischen jetzt und früher. Das Osterlicht wird jährlich aus Jerusalems Grabkirche herangebracht, um die erloschenen Kerzen der Christenheit erneut zu entzünden.

Heute ist es leicht, Feuer zu machen. Ich benutze nicht nur Späne, Piniennadeln und alte Zeitungen, sondern auch Streichhölzer und Anmachhelfer : weiße Kunststoffkuben, mit leicht entzündlichem Sprit durchtränkt.  Im Nu habe ich eine ausreichende „estia“, auf die ich dann gröbere Holzstücke legen kann.

Da sitze ich also und starre in die Flammen. Und denke: ist Feuer ein Element wie die anderen? Wie Wasser, Erde, Luft und vielleicht auch Holz? Es ist so anders! So unfassbar! Es besteht nur im Prozess der Umwandlung, nicht für sich selbst. Es wandelt Holz und Wachs oder andere brennbare Substanzen um in Licht und Wärme. Und während es das tut, existiert es als Flamme, als züngelnde, flackernde Erscheinung, die verzehrt, was als brennbare Substanz in ihre Reichweite kommt, und dann …. erlischt.  Sie hört auf zu sein. Bis sie wieder entfacht wird.

Licht und Wärme bringt mir das Feuer des Kamins, und damit eben das, was mir die Sonne bei Tage bringt. Und doch ist es ganz anders, fühlt sich anders an. Rötlich, violett, bläulich, gelb je nach Art des Verbrannten ist die ruhelose flackernde Flamme,  die so gar nicht dem vertrauten hellen Sonnenlicht gleicht. Schatten huschen über die Wände, über die  Gesichter der Menschen, hier glänzt ein Auge auf, dort sinkt ein Gesicht ins Dunkel. Die Menschen sprechen leise, sie erzählen Geschichten. Pausen treten ein, die niemand unterbricht, es drängt ja nicht. Man hat Zeit. Das Feuer brennt, es züngeln die Flammen, sie reden – oder spricht das Holz, das verbrennt? Ab und an legt man ein Stück Holz nach, schiebt die glühenden Stücke mit der Zange zusammen, klopft Funken aus dem Holz, wenn die Flammen erlöschen wollen. Und schaut zu, wie sie immer neu entstehen, indem sie das Holz fressen.

Und merkwürdig: Die unruhige flackernde Flamme beruhigt mein Inneres, ich entspanne mich. Mein Denken wir langsamer, geht mehr in die Tiefe, anstatt  wie wenn ich dem elektrischen Licht ausgesetzt bin, an der Oberfläche hinzuflackern.

 

 

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Dora zum VierzehntenDritten: Wetteraufhellung

Am Hafen von Kalamata. Ich schaue nach Westen, von wo sich Regensäulen bedenklich nähern.

„Ich werde das Wetter mal ein bisschen aufhellen!“ schreit Dora, springt auf den Bugsprit eines Seglers und lässt ihre Latüchte leuchten.

 

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Themenwort bei Wortman: Zauber (Zitronen im Schnee)

Zauberhaftes bei Wortman

Zitronen im Schnee – verzauberte Welt.

Meine anderen Zauberbilder sind Zeichnungen und Legearbeiten. Wer Lust hat zu schauen, hier ein paar Beispiele:

Zeichnungen: Zaubertricks, Zauberhand

Legearbeiten: Feuerzauber,  zauberhaft

und der Teufel, der im Olivenbaum festgezaubert istund nicht mehr rauskann:

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Dora zum DreizehntenDritten: Fresie

Heute ging ich fröstelnd im Garten herum. Kalt ist es geworden, und wenn die Sonne von Wolken bedeckt ist, ziemlich ungemütlich. Ich kam auch an Titos Grab vorbei. Es gibt dort ein paar Blumentöpfe mit Alpenveilchen, allerlei  Kraut … und eine Fresie. Sie hat sich selbst auf dem Grab angesiedelt und verbreitet nun ihren Wohlgeruch.

„Die sieht ganz verfroren aus,“ befand Dora. „Ich glaub, ich muss sie ein bisschen wärmen!“ Und schon stand sie auf meinem kleinen Finger und hielt ihre Latüchte ins rosa Geblühe. Tüchtige liebenswerte dumme Dora! Immer will sie schenken! Sie glaubt, ohne sie geht es nicht. Dabei kann die Fresie ganz gut auch ohne ihre Fürsorge auskommen.

Oder vielleicht doch nicht?

 

 

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Ljuba und Andriy: ein ukrainisches Märchen (abc-etüde)

Dieses Märchen fiel mir heute morgen beim Aufwachen ein.  Es ist mein vierter Beitrag zu Christianes abc-Etüden.

Interpretationshilfe: Ljuba = Donbas, Andriy = West-Ukraine

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Ljuba war ein nettes kleines Mädchen, das gern auf den blühenden Wiesen ihrer Heimat spielte. Es war genügsam und fleißig. Als ihr Vater starb, wurde sie mit Andriy, einem entfernten Vetter, verheiratet. Man führte sie an einen Altar und ließ sie schwören „Bis dass der Tod uns scheidet“.

Für Ljuba begann eine harte Zeit. Andriy schlug sie bei jeder Gelegenheit, demütigte und vernachlässigte sie. Sie musste in der Fabrik arbeiten und ihren Lohn bei Andriy abliefern. Für sie selbst blieb nur das Kraut im Garten und ab und zu ein Ei von der Henne.

Den Andriy, der ein rauer ungehobelter Geselle war, verlangte es nach Höherem. Er suchte die Gesellschaft der Herren, die mit Frack und Zylinder in feinen Kaleschen vor den städtischen Clubs vorfuhren. Andriy schmiss sich an sie ran und erbot sich zu allerlei Dienstleistungen. Doch es nagte ihm eine Wut an der Leber, denn er fühlte, dass sie ihn für einen Lakaien und nicht für Ihresgleichen hielten. Kam er betrunken nach Haus, beschimpfte er Ljuba und zwang sie, die Beine breit zu machen, damit er sich Entlastung verschaffte.

Ljuba litt. Sie wollte heim zu ihrer Mutter. „Ehe ich dich gehen lasse, schlage ich dich tot!“ schrie Andriy. „Aber warum? Du liebst mich nicht, hast mich nie geliebt. Lass mich gehen!“ flehte Ljuba. Doch nichts half. Sie war sein Besitz, basta. Er konnte mit ihr tun, was er wollte.

Da schrieb sie an ihre Verwandten: „Kommt, holt mich hier raus!“ Und sie kamen und forderten, Ljuba freizugeben. Doch Andriy holte seine neuen Freunde aus den Clubs. Die stellten sich breitbeinig hin und drohten: „Wenn ihr Ljuba mitnehmt, bekommt ihr es mit uns zu tun. Ljuba gehört dem Andriy. Bis dass der Tod sie scheidet“. Und  ihr Mund unter ihren Zylindern verzog sich zu einem feinen bösen Lächeln.

298 Wörter

 

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Steinwüste und Abendmeer (mit Dora)

Dora quengelt, wenn ich zu faul bin, um rauszugehen. Sie ist da durchaus einem Hund zu vergleichen. Tito kannte auch kein Erbarmen. Es ist ein Glück, solche Quengler zu haben. Denn egal wie das Wetter ist: Strand, Himmel und Meer bringen mich immer zurück zu mir selbst.

Die Strubbelköpfe der Tamarisken vor der Umzäunung eines Stradcafes gleichen meinen eigenen Strubbelkopf, und meine Stimmung hebt sich, wenn ich Dora auf dem höchsten Gipfelpunkt des Baumes herumtanzen sehe, als wäre es eine Flachlandwiese.

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