Dora zum ZweiundzwanzigstenDritten: Erleuchtung

Als ich heute etwas lustlos in alten Fotos rumscrolle – der Tag ist kalt und ungemütlich, und da sind solche Fotoarchive ein ganz guter Ersatz für neue Erlebnisse – ruft Dora plötzlich: „Halt mal! Was ist denn das?“

„Hm“, mache ich. „Das sind Lampen aus der Bronzezeit. So was Ähnliches wie deine Latüchte“ – „Bronzezeit?“ – „Ja, die sind irgendwann vor dreieinhalbtausend Jahren  entstanden.“ – „Entstanden?“ – „Nun, jemand hat sie gemacht, damals. Aus Ton. Und bemalt. Und gebrannt. So viel ich mich erinnere, war das auf der Insel Thera.“ – „Du erinnerst dich? Hast du denn dort gelebt?“ – Ich lache. „Nee, nee, das nun nicht.  An das Museum erinnere ich mich, da gibt es solche Sachen anzuschauen. Auch noch viel bessere. Soll ich sie dir zeigen?“

Aber Dora winkt ab. Sie ist nachdenklich. „Ist schon lange her, oder?“ fragt sie schließlich ein bisschen beklommen. „Mich gab es da noch nicht, oder?“ Was soll ich ihr antworten! Sie ist aus dem Jahr 2022 unserer Zeitrechnung, und diese Tonlampen sind womöglich 2022 vor unserer Zeitrechnung entstanden – pardon, gemacht worden. Gab es Dora da schon? Also Geschenke gabs sicherlich auch damals. Vielleicht hat der Töpfer  diese Lampen seiner Frau geschenkt. Oder seiner Geliebten, was weiß ich….. Vielleicht war der Töpfer gar kein Mann, sondern eine Töpferin, und sie machte diese Lampen für Kinderschlafzimmer, damit sich die Kleinen nachts nicht fürchten….

Während ich noch grübele, wie ich Dora am geschicktesten antworte, ist sie zur Tat geschritten. „Ich schenke dir jetzt ein bisschen Erleuchtung!“ ruft sie, wieder fröhlich. „Nachher weißt du auch die Antwort!“

Und  tatsächlich: Ich weiß sie jetzt. Du?

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Dora zum einundzwanzigstenDritten: Drachensurfen unter Saharastaub

Ihr wisst schon: Dora liebt es zu fliegen. Und begrüßte daher freudig den Drachen, der einen Surfer über das bewegte Meer zog. Dass Saharasand den Himmel trübte, störte sie nicht.

Hier sehr ihr, wie der Surfer sich abmüht, den Drachen sicher an Land zu bringen. Dora kommentiert seine Bemühungen sachverständig: langsam – mehr nach rechts, noch mehr, Leine nachlassen – Vorsicht, er stürzt gleich ab – ich schicke dir jetzt ne leichte Böe dann geht er wieder hoch….

Mit ihrer Hilfe gelingt es schließlich, den widerstrebenden Drachen sicher einzuholen.

Besonders nett fand ich, wie der Surfer sich am Ende bei Klein-Dora für ihre Hilfe bedankte. Es ist ja möglich, dass er es auch ohne ihre Hilfe geschafft hätte – aber ist ein Dankeschön  nicht trotzdem am Platze? Es hätte ja auch schiefgehen können….

 

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Montags ist Fototermin: roter Mohn im Licht und im Schatten, Bildausschnitt

Noch ist der Mohn selten, aber gelegentlich findet er sich schon zwischen den roten Anemonen.

Als ich eine Mohnblüte treffe, möchte ich sie gern fotografieren. Aber wie? Im Licht oder im Schatten? Sehr oft schon habe ich die Ergebnisse enttäuschend gefunden, wenn ich eine starke Farbe im Licht fotografierte. Im Schatten gibt es differenziertere Farbtöne und Formenreichtum.  Das volle Licht macht platt, und es bleicht aus. Andererseits … Links in der Sonne, rechts in meinem Schatten.

Ein anderes Thema, das wohl jeden Fotografen gelegentlich plagt, ist der Bildausschnitt. Oben habe ich die Blüte ins Zentrum gesetzt. Im Originalfoto gebe ich dem Stiel, den Blättern und der Wiese mehr Raum. Links ist mein Schatten an den Rand gerückt, rechts fällt er über die Blume. Es handelt sich immer um dieselbe Mohnblüte.

Welchen Bildausschnitt ich wähle, ist hier zum Glück nur ein ästhetisches Problem. Im Zeitgeschehen ist es ein Problem von Krieg und Frieden.

Mehr dazu schrieb ich hier:

Dora zum VierundzwanzigstenZweiten: Mohn und der Krieg

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Dora zum ZwanzigstenDritten: Kloster in den Bergen

Heute waren wir zu Dritt in unserem Zentraldorf in den Bergen, um Nahrungsmittelspenden bei der dortigen Sammelstelle für Ukraineflüchtlinge abzuliefern. Bei der Gelegenheit sah ich auch die Räume des Kulturvereins und war beeindruckt. Freiwillige haben dort eine gut bestellte und geordnete Leihbibliothek aufgebaut, die Bücher müssen in die Hunderte gehen, es gibt auch angenehme Sitzecken zum Dort-Lesen. Dabei ist es wirklich nur ein Bauerndorf fern vom umtriebigen Meer.

Vorher waren wir wandern. Eisig blies es von den Bergen herab, die immer noch verschneit sind. Wir schritten schnell aus, um ein kleines Frauenkloster zu erreichen.

Das Kloster war festlich mit Fähnchen geschmückt. Am Freitag ist sein Feiertag, da werden dann viele Menschen dort vorfahren und an der Liturgie teilnehmen. Vor allem aber werden sie sich treffen wollen, um ein Schwätzchen zu halten, nach den Verwandten zu fragen und das Weltgeschehen zu erörtern.

Dora ist schon da, als wir am Tor ankommen. Das wird nur von einem dicken Strick zusammengehalten,  und so treten wir …

auf den Vorplatz. Weiter kommen wir nicht, denn das eigentliche Kloster ist vergittert und verschlossen. Dora schlüpft durchs Gitter und macht eine Inspektionsrunde. „Niemand hier!“ schreit sie vom Balkon vor den Zellen herunter. „Wollt ihr nicht auch reinkommen?“ Wir würden ja vielleicht wollen, aber für uns ist das Vorhängeschloss am vergitterten Eingang ein ernstes Hindernis.

Stattdessen betrachten wir die Grabplatte der letzten Bewohnerin dieses Klosters. „Kaliniki, Nonne, entschlafen am 24.2.2014“ ist in die marmorne Platte eingraviert. Kaliniki – der gute Sieg. Seither lebt niemand mehr hier.

Als ich mich noch einmal nach dem Kloster umdrehe, sehe ich Dora mit ihrem Lämpchen gegen die wachsende Finsternis anleuchten. Hübsch sieht das aus, auch wenn es nicht viel bringt. Das Leben kann sie dem Kloster nicht zurückgeben.

 

 

 

 

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Kalamata: Blüten, Stämme und eine Hafenskizze (kleine Beobachtungen)

Unterwegs nach Kalamata machten wir beim Bäcker halt. Ich nutzte die Gelegenheit,  dieses blühende Bäumchen zu betrachten. Seinen Namen verriet es mir leider nicht, aber es spendete mir eine Priese seinen feinen Duftes. Mit mir freuten sich ein paar Bienen, zum Beispiel die auf den nächsten Fotos. Zum Glück wisst ihr ja alle dank besserer Fotografen, wie Bienen aussehen, also macht es nichts, wenn ich sie nicht besonders scharf getroffen habe. Stattdessen kann ich eine ganze Palette von schönen Staubgefäßen samt ihren  Schattenbildern bieten.

Während eines längeren Halts zwecks Einkaufen (was wieder mein Mann erledigte) spazierte ich zum Hafen hinunter. Dabei kommt man durch einen kleinen Park. Ich setzte mich auf eine sonnige Bank, verspeiste meine beim Bäcker erstandene Spanakopitta (Spinatgebäck), trank auch Wasser aus der Plastikflasche dazu … denn ja, ich gehöre immer noch zu den Unbelehrbaren, vor denen man die geimpften Kaffeehausbesucher schützen muss. Die Tauben begrüßten das und kamen mit ihrem flinken Watschelgang und vor-zurück-ruckendem Kopf angerannt. Sie pickten wie wild auch dort, wo ich bei bestem Willen nichts Heruntergekrümeltes sehen konnte. Nun, es sind Tauben, und sie werden schon wissen, wofür das Picken gut ist.

Als nächstes zogen zwei große Bäume meine Aufmerksamkeit auf sich. Der eine ist wohl eine Art Gummibaum, riesengroß und mit dichtem Blattwerk. Zuvor waren mir nie die Bärte aufgefallen, die von den Zweigen herabhängen und sich teilweise auch dicht um die dicken glatten Äste winden.

Gleich neben ihm steht eine gewaltige Palme. Der Aufbau des Palmenstamms von unten nach oben – wie er als mächtiger Elefantenfuß beginnt und sich stufenweise zum Schuppentier wandelt – ist immer wieder sehenswert, finde ich.

Am Hafen setzte ich mich auf ein paar sonnenwarme Steinstufen, die zum Hafenbecken hinabführen, und skizzierte in meinen kleinen Reporterblock das Boot der Hafenpolizei „Ag. Nikolaos“ mitsamt seiner Spiegelung und den Wohnhäusern dahinter. Der heilige Nikolaus ist der Schutzpatron aller Seefahrenden.

 

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Dora zum AchtzehntenDritten: Abstammung mütterlicherseits

Heute überraschte mich Dora wirklich. Sie hat, wer hätte das gedacht, eine Mutter! Du glaubst es nicht? Ich wollte es auch nicht glauben, aber Dora zauberte ein Foto herbei: und das ist ja wohl Beweis genug. Fotos können nicht lügen. Ihre Mutter heißt übrigens Susanne. Ein schöner Name, finde ich.

Das Bild ist aus den Schnipseln gelegt, die mir Susanne Haun einst schenkte.

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Jawas, Jawas? Was ist denn das?

Bei Mondschein gebiert die Nacht allerlei luftige Gestalten, die sich in den Träumen spiegeln.

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Bootsfahrt auf Sand-, Licht- und Meereswogen (für Dora)

Für Klein-Dora habe ich ein Schifflein gebaut, das über Sand-, Licht- und Meereswogen in den Abend segelt. Sie war hocherfreut, dass auch sie mal ein Geschenk bekam. Das Steuer übernahm ein alter Bekannter aus Jürgen Küsters Schnipselset, und auch der Kopf der Bugfigur, ein Teil des Schiffsrumpfs, die große Welle und die Segel sind von ihm. Die bräunlich gemusterten Teile sind Scherben eines bemalten Glasscheibe….

Das Ganze habe ich überblendet mit dem gestrigen Foto vom Abendhimmel.

Schifflein ahoi! Und Gute Nacht, angenehme Träume!

 

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Sandwellen – Lichtwellen und ein weinfarbenes Meer (kleine Beobachtungen)

Sandwellen – Lichtwellen – und ein fast erstarrtes weinfarbiges oder purpurnes* Meer. Die Farben entfalten sich komplementär: Orange (rotgelb) und Violett (blaurot) – aber stark gedämpft durch den Einfluss des Saharastaubs, der in der Atmosphäre treibt. Die sonst vorhandene Lichtigkeit fehlt, er herrscht Zwielichtigkeit.


*Falls dich interessiert, wie im Altertum die Meerfarben wahrgenommen wurden, schau mal hier.  Ich zitiere daraus:

Um das Ausmaß des Unterschieds in der Wahrnehmung zu verstehen, genügt es, die Farben in Betracht zu ziehen, die die Menschen der Antike dem Meer in den Texten und Bildern verleihen, in denen sie es darstellen. Diese Beobachtung ist besonders auffällig, wenn man sich der archaischen Zeit zuwendet. In den homerischen Epen etwa ist das Meer keineswegs blau. Die große Meeresfläche erscheint farbig wie Wein (οἶνοψ) oder Veilchen (ἰοειδής); seine Fluten sind entweder purpurfarben (πορφύρεος), schwarz oder dunkel (μέλας, κελαινός); das Ufer und die von Schaum bedeckten Wellen werden weiß und dann grau (πολιός). Erst in einem Gedicht des Bakchylides am Ende der archaischen Zeit kommt zu dieser reichen Palette eine Farbe »von dunklem und tiefem blau« hinzu (κυάνεος). Man könnte über ein solches Schillern des Meeres erstaunt sein, und mehr noch über das anfängliche Fehlen der Farbe, die wir unsererseits im ersten Moment mit ihm in Verbindung bringen: das Blau.

 

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Dora zum SiebzehntenDritten: Mit dem Mond

Heute Nacht um halb vier. Die Nacht ist kühl, ein merkwürdiger weicher Dunst liegt in der Atmophäre, die von einem fast vollen Mond durchlichtet wird.  Der Mond ist von einem  rötlich-gelben Hof umgeben, der außen von einem klaren farbigen Ring abgeschlossen wird. Auf dem Foto ist dieser Ring leider viel diffuser, als er sich dem Auge darstellte. Saharasand.

Wie ich so stehe und schaue, bemerke ich ein zweites Licht. Da hockt doch tatsächlich Dora im Gezweig eines Olivenbaums. Ihre Geschenkbox hat sie sich als Kopfkissen unter den Kopf gelegt.  „Was machst du denn da, mitten in der Nacht?“ frage ich verblüfft.  „Bist du denn gar nicht müde?“ –  „Und du? was treibst du dich hier herum, statt im warmen Bett zu liegen?“ kräht sie zurück. „Ich konnte nicht schlafen und dachte, ich werfe noch mal ein Auge in die Nacht“, sage ich in ihre Richtung. „Und ich beleuchte die Nacht, damit dein Auge sich nicht verirrt!“ gibt sie zurück. „Aber wieso denn?“ frage ich. „Das tut doch bereits der Mond!“. „Der Mond, der Mond. Ist auf den Verlass? Heute ist er da, morgen nicht. Da helfe ich eben ein bisschen nach!“, brüstet sich Klein-Dora.  „Ihr Menschen habt es ja gern hell, oder?“

Ach, Dora, ja, wir hätten΄s gern hell, doch dafür brauchst du nicht Wache zu schieben. Das Licht, das wir suchen, ist von anderer Art…. Aber das sage ich lieber nicht laut. Laut sage ich: „Danke, Dora, das ist wirklich lieb von dir. Aber nun wollen wir beide schlafen gehen, ja? Morgen ist ja auch wieder ein Tag.“

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