Als ich heute etwas lustlos in alten Fotos rumscrolle – der Tag ist kalt und ungemütlich, und da sind solche Fotoarchive ein ganz guter Ersatz für neue Erlebnisse – ruft Dora plötzlich: „Halt mal! Was ist denn das?“
„Hm“, mache ich. „Das sind Lampen aus der Bronzezeit. So was Ähnliches wie deine Latüchte“ – „Bronzezeit?“ – „Ja, die sind irgendwann vor dreieinhalbtausend Jahren entstanden.“ – „Entstanden?“ – „Nun, jemand hat sie gemacht, damals. Aus Ton. Und bemalt. Und gebrannt. So viel ich mich erinnere, war das auf der Insel Thera.“ – „Du erinnerst dich? Hast du denn dort gelebt?“ – Ich lache. „Nee, nee, das nun nicht. An das Museum erinnere ich mich, da gibt es solche Sachen anzuschauen. Auch noch viel bessere. Soll ich sie dir zeigen?“
Aber Dora winkt ab. Sie ist nachdenklich. „Ist schon lange her, oder?“ fragt sie schließlich ein bisschen beklommen. „Mich gab es da noch nicht, oder?“ Was soll ich ihr antworten! Sie ist aus dem Jahr 2022 unserer Zeitrechnung, und diese Tonlampen sind womöglich 2022 vor unserer Zeitrechnung entstanden – pardon, gemacht worden. Gab es Dora da schon? Also Geschenke gabs sicherlich auch damals. Vielleicht hat der Töpfer diese Lampen seiner Frau geschenkt. Oder seiner Geliebten, was weiß ich….. Vielleicht war der Töpfer gar kein Mann, sondern eine Töpferin, und sie machte diese Lampen für Kinderschlafzimmer, damit sich die Kleinen nachts nicht fürchten….
Während ich noch grübele, wie ich Dora am geschicktesten antworte, ist sie zur Tat geschritten. „Ich schenke dir jetzt ein bisschen Erleuchtung!“ ruft sie, wieder fröhlich. „Nachher weißt du auch die Antwort!“
Und tatsächlich: Ich weiß sie jetzt. Du?
















