Dora zum ZwanzigstenDritten: Kloster in den Bergen

Heute waren wir zu Dritt in unserem Zentraldorf in den Bergen, um Nahrungsmittelspenden bei der dortigen Sammelstelle für Ukraineflüchtlinge abzuliefern. Bei der Gelegenheit sah ich auch die Räume des Kulturvereins und war beeindruckt. Freiwillige haben dort eine gut bestellte und geordnete Leihbibliothek aufgebaut, die Bücher müssen in die Hunderte gehen, es gibt auch angenehme Sitzecken zum Dort-Lesen. Dabei ist es wirklich nur ein Bauerndorf fern vom umtriebigen Meer.

Vorher waren wir wandern. Eisig blies es von den Bergen herab, die immer noch verschneit sind. Wir schritten schnell aus, um ein kleines Frauenkloster zu erreichen.

Das Kloster war festlich mit Fähnchen geschmückt. Am Freitag ist sein Feiertag, da werden dann viele Menschen dort vorfahren und an der Liturgie teilnehmen. Vor allem aber werden sie sich treffen wollen, um ein Schwätzchen zu halten, nach den Verwandten zu fragen und das Weltgeschehen zu erörtern.

Dora ist schon da, als wir am Tor ankommen. Das wird nur von einem dicken Strick zusammengehalten,  und so treten wir …

auf den Vorplatz. Weiter kommen wir nicht, denn das eigentliche Kloster ist vergittert und verschlossen. Dora schlüpft durchs Gitter und macht eine Inspektionsrunde. „Niemand hier!“ schreit sie vom Balkon vor den Zellen herunter. „Wollt ihr nicht auch reinkommen?“ Wir würden ja vielleicht wollen, aber für uns ist das Vorhängeschloss am vergitterten Eingang ein ernstes Hindernis.

Stattdessen betrachten wir die Grabplatte der letzten Bewohnerin dieses Klosters. „Kaliniki, Nonne, entschlafen am 24.2.2014“ ist in die marmorne Platte eingraviert. Kaliniki – der gute Sieg. Seither lebt niemand mehr hier.

Als ich mich noch einmal nach dem Kloster umdrehe, sehe ich Dora mit ihrem Lämpchen gegen die wachsende Finsternis anleuchten. Hübsch sieht das aus, auch wenn es nicht viel bringt. Das Leben kann sie dem Kloster nicht zurückgeben.

 

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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4 Antworten zu Dora zum ZwanzigstenDritten: Kloster in den Bergen

  1. Gisela Benseler schreibt:

    Lese ich alles noch in Ruhe.

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  2. Peter Klopp schreibt:

    Das Kloster wirkt wie eine Festung des Glaubens.

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  3. Gisela Benseler schreibt:

    Die entschlafene Nonne sieht aus wie Du, Gerda.

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  4. ,Ein lebloses Kloster ist ein trauriger Ort, aber von einer Bücherei zu lesen in einem abgeschiedenen Dorf, das ist etwas ganz Besonderes, liebe Gerda

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