Dora zum FünfzehntenDritten: Sich etwas vorstellen

Heute las ich bei Stefan Kraus ein Gedicht, das ihm sein noch junger Onkel zum ersten Lebensjahr schenkte, und darin die Zeile: „das eigene Sein in Banden gefangen der Mächte, die selbst du aus Träumen schufst.“ Ich las auch Stefans Gedanken dazu, hörte seine Musik, und mir kam das Gedicht von Konstantin Kavafis „Ithaka“ in den Sinn, darin die Zeilen „Den Laistrygonen und den Zyklopen, / dem wilden Poseidon wirst du nicht begegnen, / wenn du sie nicht in deiner Seele trägst, / wenn deine Seele sie nicht vor dich hinstellt.“ Diese Zeilen haben mich lange beschäftigt und tun es bis heute. Im Jahr 2016 machte ich dazu einen Eintrag, der mir außerordentlich aktuell vorkommt.

Ithaka revisted (Gedankenformen)

Die „Mächte, die ich selbst aus Träumen schuf“ heißen bei Kavafis Laistrygonen und Zyklopen, bei mir „moderne Medizinmänner und Medizinfrauen“….Sie jonglieren mit Welten aus genetischem Material, sie tragen allerlei Bakterienkram in ihrem durchstrahlten Brustraum und Gepäck und produzieren im Nu aus Sperma und Eizelle einen rennenden Homunkulus (weiblich). Wie sie es machen? Na, indem „meine Seele es vor mich hinstellt“.

Tja, aus Gedankenkraft entsteht Wirklichkeit, dachte ich. Und schwupps! war sie da.

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Ich schloss meine damaligen Überlegungen ab mit dem Satz:

Wenn es so leicht ist: warum erschaffe ich, warum erschaffen wir nicht eine Welt des Friedens und der Liebe?

Heute schaute ich diesen Eintrag und die Kommentare dazu an. Ulli Gau schrieb damals: „…weil es einfach ist, weil wir Schöpferinnen und Schöpfer sind, weil jede und jeder kreieren kann und darf und soll – aber ach … eben … alle … herrjeh … das sind sie, die Ritter der Unersättlichkeiten, der Eroberungs- und Unterdrückungswut … nehmen wir ihnen ihre Energie, senden wir unsere – alles, was in die Welt kommt, wird nie mehr vergehen, bereit für den zig-fachen Wandel- füttern wir die Liebe und den Frieden!“

Wie prophetisch war das alles.  Sind wir schuld, weil wir nicht entschlossen genug an einer Welt der Liebe und des Friedens gebaut haben? Nicht einmal in unseren Gedanken? Stattdessen wurde wahr, was ich in wüsten Träumen mir erdachte…

„He!“ schreit Dora. „Was treibst du da gerade? Wenn du eine Welt der Liebe und des Friedens bauen willst, dann fang gefälligst JETZT an! Wie wäre es, wenn du mal positive „Gedankenformen“ in die Welt setzt? Das wäre jedenfalls hilfreicher, als sich mit deinen Schreckgespenstern zu befassen.“

„Und woran hast du gedacht, kleine Dora?“, frage ich zaghaft zurück.

„Na, lass doch deine beiden Gegner – ich meine diese Russen und Ukrainer – mal zusammen friedlich Fußball spielen ….

Und

wenn sie genug gespielt haben, könnten sie sich zusammen in die Frühlingswiese setzen und meinetwegen nach Schmetterlingen haschen.“

 

 

 

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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11 Antworten zu Dora zum FünfzehntenDritten: Sich etwas vorstellen

  1. Werner Kastens schreibt:

    Wenn wir Gott und seinen Widerpart Satan auch selbst geschaffen hätten aus unseren Träumen heraus, was sind sie dann Abbild unserer Wünsche oder Abbild unserer Erfahrungen? Und müssen wir uns deshalb schuldig fühlen, weil es alte Träume sind oder vielleicht gar nicht unsere eigenen?

    Gefällt 2 Personen

    • gkazakou schreibt:

      Das kann ich dir leider nicht beantworten, lieber Werner. Was ich ausdrücken wollte, ist nur: wir müssen unsere Gedanken hüten. Denken ist wichtig, denn Geist wirkt. Es ist gut, an menschenfreundliche Lösungen zu denken, sie sich vorzustellen und auszumalen. Wenn du an den jetzigen Konflikt denkst: kannst du solche inneren Bilder produzieren? Oder kommen dir nur Bilder mit Verbrechen, Angst, Rache und Strafe? Versuch es mal.

      Gefällt 4 Personen

  2. elsbeth schreibt:

    ….Έτσι σοφός που έγινες, με τόση πείρα,
    ήδη θα το κατάλαβες η Ιθάκες τι σημαίνουν…
    .So weise, wie du wurdest, in solchem Maße erfahren,
    wirst du schon begriffen haben, was die Ithakas bedeuten….

    DANKE, !!! Gerda…das berührt mich tief. Gerade habe ich mir noch einmal wieder das ganze Gedicht von Kafavis angehört.
    Keineswegs reicht mein Altgriechisch aus, um alles zu verstehen. Aber ich folge dem Rhythmus, dem Klang, der Melodik und der Weltweisheit dieses Gedichtes. Und es „passt“ mit der Tiefe und der Weite seiner Gedanken zu unserem JETZT..

    „Den Laistrygonen und den Zyklopen, / dem wilden Poseidon wirst du nicht begegnen, / wenn du sie nicht in deiner Seele trägst, / wenn deine Seele sie nicht vor dich hinstellt….“

    Genau…das ist die Aufgabe, die Arbeit…
    Dora hat da ja schon ein paar Ideen… Sehr herzlich !!! Elsbeth

    Gefällt 1 Person

  3. Stefan Kraus schreibt:

    „Sind wir schuld, weil wir nicht entschlossen genug an einer Welt der Liebe und des Friedens gebaut haben?“ Schuld ist da ein schwieriger Begriff, aber dass es der Menschheit dabei tatsächlich an Entschlossenheit mangelt(e), daran habe ich keinen Zweifel.
    Auch für’s Verlinken meinen Dank, und liebe Grüße an dich!

    Gefällt 4 Personen

  4. sonnenspirit schreibt:

    Zu dem Thema passt der heutige podcast von Gunnar Kaiser, zur Entstehung unseres Weltbildes. Philosophisch betrachtet.

    Gefällt mir

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