Artischockenblüte

Als ich das erste mal das unwahrscheinliche Blau der Artischocke sah, blieb mir fast das Herz stehen. Nie hätte ich mir dieses Blau vorstellen und ausmalen können. Wie so oft, stand ich fassungslos vor der Natur, deren Farben so rein sind, dass alles Gemalte dagegen schmutzig wirkt. Die Artischockenblüte filtert aus dem Spektrum des Lichts alle anderen Farben, so dass nur dies unglaubliche Blau übrig bleibt.

photo 7

Leider sind dies nur Fotos. Die Auta des Blau geht verloren.

photo 11 Quadrat

Sieh zu, dass du einmal eine blühende Artischocke findest, doch atme vorher tief ein, damit dich das Blau nicht umhaut. Diese hier stand ganz allein auf einem verunkrauteten Feld. Besser konnte ich sie nicht fotografieren, da sie sich hinter einer Wand von Feigenkakteen verbarrikadiert hatte.

photo 8 Quadrat

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Leben, Natur | Verschlagwortet mit , , | 26 Kommentare

Architektur. Brüchige Strukturen II

IMG_0102x

Brüchig zwar, aber lebensvoll. So meine ich es. Dass ein Zustand nicht für die Ewigkeit, sondern für den Moment geschaffen ist, dass er nur gilt, solange und weil ich ihm Bedeutung beimesse – das zu lernen bemühe ich mich.

IMG_0102

Kleine Momente. Unwichtiges. Wie die beiden Männer, die ich heute am Strand traf. Ihre Angeln steckten im Sand, kein Fisch biss an. Na und? Sie saßen auf der Ummauerung der Strandstraße, aßen ihr Brot und gaben meinem Hund ab, der sich wedelnd vor sie stellte. Der eine rühmte das Leben, der andere nickte zustimmend. Die beiden, einfache Männer in der Gegend zu Haus, fanden, dass sie im Paradies leben und ihnen nichts fehlt.

IMG_0103

Auch mir fehlte nichts. Das Geröll unter meinen Stiefeln gab nach und brachte mich nicht zu Fall. Der Himmel war dunkel, fast schwarz, und das Meer leuchtete silbern. Große Wellen rollten auf die Küste zu, obgleich kein Wind ging.

IMG_0104

Bald würde die Nacht fallen, das Licht würde schwinden. Vielleicht gäbe es Regen. Vielleicht erwachte der neue Tag mit Sonne. Ist das so wichtig? Nichts ist in Beton gegossen, nichts in Marmor gehauen – es wechseln die Zeiten.

IMG_0102xx

Veröffentlicht unter Allgemein, Kunst, Leben, Malerei, Natur, Psyche, Vom Meere | Verschlagwortet mit , , , , , , | 13 Kommentare

Architektur: brüchige Strukturen I

IMG_0100Ein besonderer Charme eignet zerbrochenen Strukturen: Burgruinen, Ausgrabungsstätten, zerbröckelnden Mauern, umgefallenen Säulen.  Diese Art von Ruinen beweisen eine Festigkeit über die Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg – etwas blieb, es lässt sich berühren, man kann seine Hand drauf legen und sich verbunden fühlen mit längst verflossenen Zeiten. Das macht ihren Charme aus.

Ganz anders die Bomben, die bewohnte Städte in Ruinen, oder richtiger: in Trümmer verwandelten. In Deutschland sind einige Ruinen als Mahnmale erhalten geblieben, zB die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche von Berlin. Im übrigen hat man sich ans Renovieren, Nachbauen, Neubauen gemacht – fest, sauber, ordentlich, so, als wäre der Krieg eine Episode, die man vergessen möchte und darf. Besonders sorgfältig baute man Mittelalterliches wieder auf, als wolle man sich der Kontinuität der eigenen Existenz und Kultur vergewissern. Doch tief im Innern halten sich die Bilder der Zerstörung und hallen die Sirenen wider, das Sirren und Dröhnen, der Lärm des Einschlags, das Feuer und die verbrannte Puppe.

IMG_0101

Andere Völker haben so wenig Vertrauen in die Stabilität der Verhältnisse, dass sie sich in brüchigen Häusern einrichten. Da stürzt schon mal ein Wohnhaus zusammen und begräbt seine Bewohner unter sich, oder es reicht eh nur für ein paar Wände mit einer Wellblechbedeckung darüber. Brüchige Strukturen, durch die Unwetter und Kriege fegen. Kein bisschen romantisch. Und doch ziehen sie mich an. Sie kommen mir irgendwie wahrer, wirklicher vor als die schön gemalten Fachwerkhäuser einer deutschen Kleinstadt. Ich glaube ihnen, was sie sind. Sie entsprechen meiner eigenen Wahrnehmung von der Brüchigkeit des Daseins. „Wir sind alle nur Vorübergehende“.

IMG_0087

In vielen Varianten und über viele Perioden meines Bilderschaffens kehren sie wieder, diese brüchigen,  zerbrechlichen, zerbrechenden Strukturen. Heute möchte ich zwei neuere  zeigen – jeweils ganz und als Bildausschnitt. Die Technik, die mein Gefühl am besten widergibt: Klebestreifen, Wasserfarbe, Kugelschreibergekritzel auf Papier.

IMG_0084 b

Veröffentlicht unter Allgemein, alte Kulturen, Katastrophe, Krieg, Kunst, Leben, Malerei, Psyche | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 14 Kommentare

Nichts bleibt, wie es war

Panta rhei. Nichts bleibt, wie es war. So lautet das Motto dieses Blogs. In den Strom der Veränderung müssen auch meine Bilder eintauchen.

Hier ein Bild, das ich vor ca 9 Jahren malte und „Poseidon“ nannte. Größe 100 x 60 cm, Akryllpigmente und Kleister auf Leinwand. Ich experimentierte damals mit „zusammengesetzten“ Bildern“ – so als bestünden sie aus Ansichtskarten. Die einzelnen Bildteile waren klar gegeneinander abgegrenzt und sollten dennoch ein Bildganzes ergeben.

Bilder EETE, 3

Vorgestern nun setzte ich die Wassermassen, die sich rund um den Gott Poseidon (im Kreis) angesammelt hatten, in Bewegung: Die Dämme brachen und eine Flutwelle stürzte über die Welt herein.

IMG_6647

Als sich die Wassermassen verzogen, starrten die Überlebenden auf eine wüste Welt. Sie begannen erneut zu bauen, verwendeten dabei auch alte Materialien, deren Funktion sie nicht mehr recht kannten. Und so entstand dieses Bild: Hütten und Gehöfte, dem Wasser abgerungene Felder, Brücken und neue Besiedlung.

IMG_6649

Langsam vergaßen die Menschen das Desaster. Sie erträumten sich Häuser, die in den Himmel stiegen, mächtige Schiffe, die den Ozeanen standhielten. Sie begannen den Gott, Poseidon, zu vergessen.

IMG_6650

Bis zu diesem Punkt schritten die Bildverwandlungen fort. Noch ist alles schwankend, träumerisch und in der Schwebe, noch kann dies und das draus werden. oder es löst sich endgültig auf und versinkt in den Fluten, wie andere Zivilisationen, die nur noch in Mythen einen Widerschein hinterlassen haben.

 

Veröffentlicht unter Allgemein, alte Kulturen, Katastrophe, Leben, Malerei, Methode, Mythologie, Natur, Psyche, Träumen, Umwelt, Vom Meere, Zwischen Himmel und Meer | Verschlagwortet mit , , , , , , | 14 Kommentare

in memoriam. Just let go.

14.1. Just let go (in memoriam)

in memoriam

Akryllpigmente, Kleister und Wasser auf Leinwand.

Hier Details des Bildes.

14.1. Fliessen Detail d  14.1. Fliessen Detail b

14.1. fliessen Detail a in memoriam            14.1. Fliessen, Detail b

14.1. Fliessen, Detail

 

Veröffentlicht unter Allgemein, Kunst, Malerei, Psyche | Verschlagwortet mit , , , , | 5 Kommentare

Montag ist Fototermin: Train Dreams

IMG_6670 Bei Mannigfaltiges las ich den schönen Bericht „Train Dreams“. Am gleichen Tag besuchte ich mal wieder den stillgelegten Bahnhof von Kalamata, dachte an den Spraykünstler Flo und seine Kumpane, dachte auch an Nina, die meinte, es spuke dort, und an Luise, die ein trauriges Ende auf den grasüberwachsenen Gleisen eines Güterbahnhofs fand. (Ihr kennt sie aus meinen Legebild-Geschichten, inspiriert durch Juttas geschichtengenerator). Ich dachte natürlich auch an den Sackbahnhof von Heiligenhafen, und an unseren ersten zahlenden Feriengast (1951) – eine Dame aus Hamburg -, den/die die ganze Familie von eben jenem Bahnhof mit seinem prächtigen Stationshaus abholte … während ich auf einem der bequemen Korbsessel des Cafes saß und meinen leicht gesüßten griechischen Kaffee schlürfte.

Heute ist er stillgelegt, der Bahnhof von Kalamata. Und der in Heiligenhafen. Den Nordosten (West-)Deutschlands, wo ich aufwuchs, und den Südwesten Griechenlands, wo ich gelandet bin, verbindet keine Eisenbahnstrecke mehr. Schluss mit der Bahnhofsromantik. Busse sind prosaisch und praktisch. Flugzeuge sind schnell und effektiv.

Der Bahnhof von Kalamata war Endstation der schmalspurigen Peloponnesstrecke Athen-Kalamata, die in weiten Kurven und gelegentlich mächtigen Steigungen an so geschichtsträchtigen Orten wie Korinth und Mykene vorbeizog. Die Stadt Kalamata machte daraus einen ansehnlichen Museumspark – ohne Eintritt und Aufsicht, ohne Verbotstafeln und Hinweisschilder. Die Kleinen lernen immerhin, wie die Loks und Güterwagen mal aussahen, dürfen auch hineinklettern. Und die jungen Leute üben sich in Graffiti-Sprayen und Vandalismus. Lange Zeit wurden die Waggons auch von Obdachlosen benutzt – wie in meiner Geschichte über Nina, Manni und die Pakistani (https://gerdakazakou.com/2016/01/29/manni-in-aktion-fortsetzung-von-john-bahnhof-was-sagen/)

Und heute? Prächtig, prächtig: die Loks frisch gestrichen, die Kinder frisch gewaschen, die maroden Waggons ausrangiert, und die Graffitis nur noch in Restspuren sichtbar.

So sah es vor drei Jahren aus::IMG_2941

IMG_2942

…aber auch damals hatte die Gemeinde die Loks bereits in guten Zustand gebracht.-

Heute ist die Anlage samt umliegendem Park ein kleines feines Paradies. Vor dem Bahnhofsgebäude kann man seinen Kaffee trinken und, weiter schlendernd, den Müttern zuschauen, die ihren Sprösslingen in die Loks helfen. Ich veröffentliche keine Kinderfotos, also seht ihr hier nur die Maschinen und ein bisschen von dem Park runherum.

IMG_6666 IMG_6670    IMG_6678    IMG_6667

IMG_6673

                          IMG_6677  IMG_6679

photo 6

Für uns Nostalgiker habe ich auch Schwarz-Weiß-Fotos produziert…

                        IMG_6679a IMG_6676a

Doch warum diese Nostalgie, wenn die Gegenwart alles bietet – sogar einen Teich mit Springbrunnen und Enteninsel, den kein Hund betreten kann.

                       021 022

Selbst wenn die Züge nicht mehr fahren: Bahnhöfe können schön sein. Man kann träumen und im Traum reisen, wohin man will, sogar in die Vergangenheit.

photo 6 Quadrat a

Veröffentlicht unter Allgemein, Fotografie, Juttas Geschichtengenerator in Aktion, Leben, Psyche, Reisen | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , | 13 Kommentare

Griechische Kunst am Sonntag: Iannis Spyropoulos

Heute möchte ich euch wieder einen griechischen Maler vorstellen, den ihr vermutlich nicht einmal dem Namen nach kennt: Iannis Spyropoulos. Seine dunklen großformatigen abstrakten Bilder in Öl faszinieren mich. Ich hatte vor drei Jahren Gelegenheit, eine Retrospektive seines Werkes in den ausgezeichneten Ausstellungsräumen der Benaki-Stiftung in Athen, Piräusstraße zu sehen und drei Fotos zu machen. Dieses hier und das folgende sind Bildausschnitte.

IMG_1736

Eine Kurzbiographie gibt euch den Rahmen, in dem der Künstler sich entwickelte:

1912 in Pylos, Messenien, geboren. Seinen Vater kannte er nicht, denn der war nach Amerika ausgewandert. Als er 12 ist, stirbt die Mutter, und er wächst bei Verwandten der Mutter auf. 1930-36 studiert er Malerei an der Kunstakademie Athen. 1938 gewinnt er ein 3-jähriges Auslands-Stipendium und geht nach Paris. 1940 kehrt er wegen des Kriegs zurück nach Athen.

Ab 1951 wird seine Malerei abstrakt. Collage, Tachismus, gestisches Malen, informell. 1957 beginnt seine Zusammenarbeit mit einem New Yorker Kunsthaus. Er vertritt Griechenland bei verschiedenen internationalen Ausstellungen, u.a. Guggenheim NY und Biennale Venedig (1960) und schafft den Durchbruch zu internationaler Anerkennung. Er entwickelt eine breite Ausstellungstätigkeit weltweit und erhält hohe Ehrungen (u.a. Wien, Jerusalem, USA). 1964 und 1975 ist er  auf der  Documenta Kassel vertreten.

Im Mai 1990 stirbt Iannis Spyropoulos im Alter von 78 Jahren. Sein Nachlass (250 Werke) wurde von seiner Frau bis zu ihrem Tod in seinem Haus-Museum verwaltet. Heute ist die Sammlung heimatlos, da sein Haus verkauft und das neue Museum aus Geldmangel nicht fertiggestellt wurde.

 

IMG_1735

Das folgende ist ein ganzes Werk großen Formats und mit dem iphone natürlich nur unzureichend zu fotografieren.

IMG_1734

Weitere Arbeiten, insbesondere seiner früheren Schaffensperiode, finden sich im internet. Hier ein paar Beispiele.

und hier noch zwei Beispiele seiner gestischen Arbeiten (Öl auf Papier).

Veröffentlicht unter Allgemein, events, Kunst zum Sonntag, Malerei | Verschlagwortet mit , , , , , , | 7 Kommentare

Rot: Frohe Ostern, froher Mai!

O O O  Durch Blut und TOd zum OsterrOt.

Bild 9.7.13 b In diesem Jahr treffen der Beginn des schönen MOnats Mai und das Osterfest an einem Tag zusammen – das gibt einen besonderen Klang, einen tiefen vollen O-O-O Klang, wie mein GOng, der aus 12 Metallen geschmiedet ist und den SOnnentOn ertönen lässt, wenn man ihn anschlägt.

Das TOdes-ROt wird sich zum SOnnen-GOld veredeln.

DOch heute ist Ostern und sO wOllen wir nach altem Brauch das Oval des Eis rOt einfärben und  die Spitzen gegeneinander schlagen. Brechen wir es auf. Im Innern lagert schon das GOld der Zukunft.

Bild 3 adiaforia

 

Veröffentlicht unter Allgemein, alte Kulturen, events, Feiern, Kunst zum Sonntag, Malerei, Mythologie | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 4 Kommentare

Durchgang durch die Fläche

001 mein Bild

Vorsicht! Alice schritt durch Spiegel ins Wunderland, aber kannst du das auch? Findest du zurück? Ich las heute bei Mme Wildgans das Wörtchen „verirren“ und bei Mme Arabella eine Geschichte über das wundersame Verschwinden und Wiederauftauchen eines Engels. Bei Susanne und Jürgen sehe ich gewaltige Werkzeuge sich am Nullraum abarbeiten, und so manches Mal kann einem angst und bange werden, ob man nicht doch hineingesogen wird in diesen Raum hinter den Dingen, der eigentlich kein Raum ist, denn, wie Susanne richtig anmerkt, Räume haben Grenzen. Und dieser hat …, ist … also: Ist er überhaupt?

photo 30aUnter „Nachdenklich“ las ich bei, ja, bei wem? (schon vergessen!), dass die Dinge womöglich nicht so sind, wie wir meinen, und dass sie womöglich doch auch wieder nicht anders sind.

002 mein Bild aGenug! Wer kennte nicht die Magie von Spiegeln! Tritt ein und hindurch! Und wenn du magst, erzähle uns, was du auf der anderen Seite gefunden hast.

photo 10Ich wünsche allen BloggerfreundInnen einen fröhlichen Start in den Mai!

Veröffentlicht unter Allgemein, Feiern, Fotografie, Kunst, Kunst zum Sonntag, Psyche | Verschlagwortet mit , , , , | 9 Kommentare

Ostern: Frohe Auferstehung

IMG_6665a Heute Nacht feiert die orthodoxe Christenheit die Auferstehung. Merkwürdig? Euer Ostern liegt dieses Jahr schon so weit zurück! Aber in Griechenland, Russland, in Ägypten und Armenien, Bulgarien und Serbien und allen orthodoxen Gemeinden wird heute Nacht der Höhepunkt des christlichen Jahres erreicht.

IMG_6663

IMG_6661

IMG_6665

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein, alte Kulturen, events, Fotografie | Verschlagwortet mit , , , | 11 Kommentare