Linien IV

Nachdem ich den Baum zwischen den beiden Frauen im Greco-Bild Visitatione freigelegt hatte (https://gerdakazakou.com/2016/05/12/jeden-tag-eine-linie-iii-ikonographischer-vergleich/), begann ich mich mit der Frage rumzuschlagen:  Kann man das, was zwischen zwei Menschen geschieht, im Bild fassen? Die Art ihrer Beziehung – wie sieht sie aus? Welche Form hat sie?

Eine erste winzig kleine Skizze notierte ich in dem Heft, das ich meist bei meinen Spaziergängen mit mir führe. Ich dachte an ein Paar, das ich aus meiner therapeutischen Arbeit kenne. Er hat die Neigung, sie zu „überschwemmen“ und dann, wenn sie ihre Grenzen respektiert wissen will, sich frustriert zurückzuziehen: eine große Woge rollt – und zieht sich zurück; Flut – Ebbe. Die Frau gleicht eher einem Streifen festen Landes mit einem Bachgeriesel. Hinter sich hält sie ein Kind, das sie vor den Fluten schützt. So dachte ich und kritzelte. Ich versuchte, die Bewegung des Mannes zu mildern und die der Frau zu verstärken, dachte auch: Wässert euren Garten. Dann wird dort ein schöner Baum wachsen und Früchte tragen. Noch hängen seine Wurzeln im Leeren. Auch der Boden braucht Bearbeitung, Stabilität.

IMG_6759Im Atelier nahm ich einen großen Zeichenkarton und Kohle und dachte an zwei andere Personen, ebenfalls ein Paar. Sie haben eine starke Herzensverbindung, aber die sexuelle Anziehung ist wenig ausgeprägt und ihre Denkweise ist so unterschiedlich, dass sie sich schwer verständigen können. Die entstandene Skizze sieht so aus:

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Durch Filter  konnte ich das Gemeinte noch einmal verdeutlichen:

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oder auch

IMG_6754aaSollte ich es in Worte fassen, so würde ich sagen: sie haben eine Gefühlsbrücke zwischen sich errichtet und das ist schön, aber der Fluss darunter ist trocken, und über die Brücke geht kaum ein Gedanke.

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Jahr 2

Mein zweites Blogger-Jahr ist an den Start gegangen. Heute. Ist es da angebracht, mal nachzuschauen, was ich am ersten Tag meines Blogger-Daseins so veröffentlicht habe? Oder soll ich das Jahr passe laufen lassen, Höhepunkte, Wandlungen, neue Impulse würdigen? Oder einfach euch, meinen Lesern, Zuguckern und Mitbloggern ein fröhliches Hallo zurufen?

Ich bleib mal bei der ersten und dritten Variante. Denn draußen steht ein schöner Sommertag vor den Fenstern, gleich kommt eine Freundin zu Besuch, Sohn und Schwiegertochter sind grad auch noch da, der Hund will spazierengehen, das Atelier habe ich heute noch nicht betreten …. also viel zu tun. Und am 12.5.2015 kanntet ihr mich ja noch nicht.  Was für mich Rückblick ist, ist für euch keine Wiederholung.

Diese vier Beiträge habe ich an meinem ersten Bloggertag für Wert befunden, in die Welt zu schicken.

Symposion

Gefährliche Fahrt

Between Sky & Sea

Odysseus und die Sirenen

 

Für die, denen das zu wenig ist, hier noch ein Link zu meinem vorjährigen Pfingstbeitrag, der leider weiterhin hoch aktuell ist. https://gerdakazakou.com/2015/05/30/warten-auf-das-pfingstwunder/

Alsdann und Hallo! Auf gehts in die nächste Runde. Und wem es gefällt, der läuft ein Stückchen mit mir. Danke! Gerda

 

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Jeden Tag eine Linie III: ikonographischer Vergleich

Die Kohlezeichnungen von vorgestern möchte ich um zwei weitere ergänzen.

 

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Mir war, als wollten die hoch ragenden Formen sich zu Figuren verdichten. Und plötzlich erinnerte ich mich an ein Bild von Domenicus Theotokopoulos alias El Greco, das ich vor vielen Jahren zu kopieren versuchte. Ich fand die alte Zeichnung – etwas enttäuschend, denn in der Erinnerung schien sie mir doch gelungener zu sein – und suchte auch das Original im internet: Visitatione – Maria besucht Elisabeth. Übrigens war ich einmal dort, in den Bergen Jordaniens, an dem Ort dieser Begegnung.

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Mich hatten diese beiden Figuren, die auf einander zueilen und deren Schicksale sich dramatisch verbinden, fasziniert, und ich hatte versucht, der Dramatik dieser Begegnung in den Linien Ausdruck zu geben.  Um die beiden Bilder besser vergleichen zu können, formte ich heute das Greco-Gemälde per Filter so um, dass die Linienführung deutlicher wird:

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und ich sah, dass die beiden Frauen bei Greco aufeinander zuwachsen und zwischen sich einen Baum erschaffen. Auch im „Röntgenbild“ meiner Zeichnung ist dieser innere Baum zu erkennen, doch gleicht er mehr einem abgehauenen Stumpf. Ihm fehlt das Lebendig-Vegetative, das dem Thema angemessen ist (frühe Schwangerschaft der Maria, Johannes „hüpft vor Freude“ im Bauch der Elisabeth).

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Und was hat das Ganze mit den beiden oberen Kohlezeichnungen zu tun? Eine Gedankenverbindung aus dem tiefen Gedächtnis, aus dem ich meine Formen schöpfe, ohne mir dessen bewusst zu sein. – Die Erinnerung an die Zeichnung stand Pate auch bei einer anderen Zeichnung, die ich im Januar machte. Hier handelt es sich um ein Paar, Mann und Frau, die, sich beäugend und fremd, gegenüber stehen. Verbunden nur auf der Genitalebene will nichts zwischen ihnen wachsen, was einem Baum vergleichbar wäre.

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Impression: Meer

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Unerschöpflich ist das Bilderbuch der Natur. Und seit es so einfach ist, sich Bilder aus diesem Buch herauszukopieren – mit einem einfachen Klick auf den Auslöser des iphone – haben sich meine Archive damit gefüllt. Sie quellen über. Sie wollen gezeigt werden.

Heute ein paar dieser Bilder von „meinem“ Meer. Es ist ein kleines Stück von hier bis dort, das ich fast täglich besuche. Und täglich ist es anders.

Diese Serie ist von einem Apriltag. Genauer: vom 3. April gegen sechs Uhr abends, gesehen teils von der Terrasse meines Hauses, teils von unterwegs.

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Das gewaltige Himmelsschauspiel hatte sich schon vorbereitet, als ich meinen täglichen Spaziergang am „Sandova-Strand“ absolvierte.

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Außer den Lichtspielen am Himmel und über dem Meer bietet solch ein Spaziergang auch immer Interessantes am Boden: Fundstücke, wie ich sie liebe.

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Strandgut 2

vielleicht auch ein neu angeschwemmtes Stück Holz, ein Wurzelballen, hergetragen von den nächtlichen Wellen.

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Der Hund  wartet geduldig, bis ich mit der Fotografiererei fertig bin. Lieber Tito!

Tito

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Kein Tag ohne Linie II

Ich hatte mir geschworen: Kein Tag ohne Linie. https://gerdakazakou.com/2016/03/15/kein-tag-ohne-linie-paul-klee/

Manchmal ist es gar nicht leicht, solche Schwüre zu halten. Aber ich versuche mein Bestes. Diese Skizze von Vertikalen, die einen horizontalen Raum für sich beanspruchen, habe ich recht gern.

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Andere sind vielleicht ein wenig zu dicht, zu geschwätzig, zu wenig prägnant. Aber es sind Schritte, Versuche, und die eine oder andere Idee kann dabei schon auch sprießen.

IMG_0122zum Beispiel: eine Lichtung

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oder eine weit sich ausbreitende Landschaft. Ein Weg führt hinein, aber nicht wieder hinaus.

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Post!

Eine Postadresse habe ich hier in der Mani nicht. Und so wird seltene Post in „unserer“ Taverne abgeliefert. Die Gebrüder Pouleas – oder vielleicht richtiger ihre Frauen und Töchter – bereiten köstliches preiswertes Essen, für die Familie wie auch für die Besucher. Am liebsten sitze ich auf der Hof-Terrasse und schaue durch allerlei Blumen hinunter auf rote Dächer und das Meer.

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Heute war ich nicht dort, aber …. unser Sohn Wassilis und seine Frau Petra (viele von euch BloggerInnen kennen sie). Und sie brachten etwas mit: ein Päckchen, an mich addressiert! Wer bekommt nicht gern ein Geschenk? Also ich gehöre nicht zu denen, die da sagen: Nein danke.

IMG_6744Was mochte sich wohl hinter dieser hübschen Verpackung verbergen?

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Aha, ich ahnte es ja! Meine Lübecker Freundin war in Juttas Lesung gewesen. Und schickte mir die „Wiederholten Verdächtigungen“ als Geburtstagsgeschenk.

Danke Elke! Danke Jutta!

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Schluss mit der Vorrede! Jetzt wird gelesen.

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Blaue Blume

Ullis Blau-Pause, die mir nun schon arg lange dauert, schreit förmlich nach einer Blau-Gegenwart. Und was wäre gegenwärtiger als eine Blume?

Biene copy Mit der unscheinbaren Biene oder mit dem prächtig orange Kontrastprogramm eines Schmetterlings …

Schmetterling 2 copy

… dieser Gast aus den Azoren, der sich in meinem Garten einfand und uns zum Erstaunen brachte, als er  in weit ausholenden Schlangenbewegungen dem ebenso blauen Himmel entgegen wuchs und die Berge erblaut zurückgrüßten …IMG_0263… dieser Gast, der sich neben unserem Haus so wohl fühlte und unsere Freude zu teilen schien …

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…. eines Tages warf ein Sturm ihn nieder. Sein holziges Geäst brach, sein flacher Wurzelstock verlor den Kontakt zum Boden. Und so wurde er Erinnerung ….

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Erinnerung – vorbei, verblüht, verschwunden  Erinnerung an ein blaues Wunder. Und doch, und immer wieder: Volle Gegenwart. Panta rhei.

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Mein Atelier …

sah ich heute nur sehr flüchtig, denn ich hatte anderes zu tun. Lieber Besuch war gekommen.

Atelier

Allen feiernden und nicht feiernden Müttern, Töchtern, Söhnen, Geburtstagskindern eine Gute Nacht.

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Abschied vom Tag

 

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Segel – noch eingebunden

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Weiße Wolken locken und Segel spiegeln sich im Blau eines Hafengewässers. Es will ausfahren, das Boot. Doch noch ist es mit dem Leben an Land innig verbunden. Es bereitet sich vor, langsam, geduldig.

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Dann, eines Tages, wird es hinaus segeln, und du wirst es sehen, ein fernes weißes Dreieck, das sich im Unendlichen verliert.

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