Die Ölpresse – eine kleine Führung

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„Unsere“ Ölpresse liegt in dem kleinen alten Mani-Dorf Stavropygio auf dem Wege von Kalamata nach Kardamyli. Sie wird seit 1896 von der Familie Milionis betrieben: Urgroßväter-Großväter-Vater-Söhne… . Das Innenleben der Fabrik ist hochmodern und pieksauber, die Menschen sind freundlich und hilfsbereit. Du kannst den ganzen Vorgang von der Entleerung „deiner“ Säcke bis zum Endprodukt verfolgen. Da wird nichts geschummelt, nichts geschieht im Geheimen. Am 5. Januar 2011 machte ich dort viele Fotos, während ich wartete. Ein wahrer Fotografierrausch hatte mich gepackt, denn mich faszinierte alles. Wenn du den Lärm aushältst, der in diesen Räumen herrscht – komm mit auf einen Spaziergang.

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Von den Säcken in die Waschanlage. Hier werden die Oliven von Laub, Staub und Zweigen getrennt. Die gewaschenen Oliven werden dann durch diverse Rohre ins Innere der Anlage geleitet.

Die Oliven jedes Kunden werden in voneinander getrennten Becken zerkleinert, gequetscht, gewirbelt, bis eine Art Mus entsteht. Das dauert ne Weile. Die Becken sind nummeriert und mit Namensschildchen versehen, also weißt du, wann „deine“ dran sind. Fasziniert schaue ich dem Zerkleinerungsprozess zu und fotografiere inzwischen allerlei Details.

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Endlich ist es so weit. Das Öl sammelt sich in einem Becken, wo es weiter gerührt und gereinigt wird, um schließlich in meinen Kanistern zu enden.

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Die stehen schon bereit. Ich nehme die 5l-Kanister, die üblichen mit 15 l kann ich nicht heben.

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Aus diesem blanken Edelstahlbehälter rinnt das Öl durch die Wanne bis in meine Kanister.

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Nun gehts ans Abrechnen:  Wieviel Liter? die Mühle erhält einen Prozentsatz in Form von Öl oder Geld, muss für die Kanister und den Transport der Säcke bezahlt werden. Alles wird genauestens abgerechnet.

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Nein, das bin ich nicht, diesen Kunden, der mich freundlich beäugt, kenne ich nicht. Hinter dem Schreibtisch Vater Milionis der Alte. Die Jungen haben ihre Rolle woanders im Arbeitsprozess gefunden.

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Ölernte

Zwei Tage haben wir geerntet, heute gingen neun schwere Säcke in die Mühle und heraus kamen 62 Liter goldgrünes duftendes Öl. Ich brachte es heim, abgefüllt in 5-l-Kanister und ein paar 1-l-Flaschen.

Viel war es dieses Jahr nicht, etliche Bauern haben gleich ganz auf die Ernte verzichtet. Schädlingsbefall, Bakterien, vermindertes Wachstum der Früchte – sehr viele lagen schon Boden, als wir ankamen, unbrauchbar. Aber ich bin zufrieden, für uns und unsere Freunde reicht es. In anderen Jahren konnten wir einen Teil nach Deutschland verkaufen, wo die Preise deutlich höher liegen als hier, und so die Erntekosten wieder reinholen. Das geht dieses Jahr nun leider nicht.

Eine Freundin fragte mich, wie denn der Ablauf so einer Ernte sei. Alsooo: Zuerst suchst du Erntehelfer, die was von der Arbeit verstehen. Das ist gar nicht so leicht, denn hier haben alle Leute Olivenbäume, die alle innerhalb von zwei-drei Monaten (November-Januar) geentet werden müssen.  Und  warum müssen die Erntehelfer was von der Arbeit verstehen? Weil mit der Ernte das Beschneiden der Bäume einhergeht.

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Unter den Bäumen werden große Netze ausgelegt – bei unseren steilen Terrassen gar nicht so einfach. Die fruchttragenden Äste werden abgesägt und am Boden mit Stöcken bearbeitet  (oder in einen Rüttler geworfen). Manche Äste werden nicht abgesägt, sondern beharkt oder mit  einem Vibrator geschüttelt, und in einigen Fällen erntet man auch per Hand. Mithilfe der Netze werden Oliven und Restzweige zusammengeschoben, die Restzweige entfernt und die Oliven, grob vermischt mit Blättern, in die Jutesäcke gefüllt.

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Ja, richtig! Auch Kinder und Hunde haben eine wichtige Rolle beim Olivenernten. Morgen zeige ich euch, wie es in der Ölmühle aussieht.

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Die Fotos sind nicht von diesem Jahr, denn diesmal hatten wir wegen der geringen Ernte nur ein albanisches Ehepaar als Erntehelfer, die die Arbeit in zwei Tagen bewältigten. Ich half nach Kräften mit.

 

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Alphabet des freien Denkens / A wie Anthropos

Unter  https://gerdakazakou.com/2016/11/30/apropos-documenta/ kommentierte Ulli: Dein Alphabet in diesem Zusammenhang, liebe Gerda, ist so wahr und real, wie traurig- schon denke ich über ein Gegenüber nach, eins, dass von mutigen Träumen gespeist wird. Das gefiel mir sehr, und so schlug ich vor: Du machst ein deutsches Alphabet zum mutigen Träumen und ich mache ein griechisches Alphabet zum freien Denken.

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Ein  griechisches Alphabet zum freien Denken? Mut hat auch der kleinste Muck, ist einer meiner Lieblingssprüche. Also lass dich nicht einschüchtern von der Größe des Vorhabens, Gerda! Fang einfach mal an!!

Beginnen wir mit A – Alpha – Aleph. Aleph hieß der erste Buchstabe bei den Phöniziern. Aleph nannten die Phönizier den Stier, und so sah auch der Buchstabe aus: ein Stierkopf mit Hörnern. 64px-phoeniciana-01-svgDie Hellenen stellten es entschlossen auf die Füße: A. Und da steht es bis heute, kein Stierkopf mehr, sondern ein Mann, ein Mensch. img_4231 (vergl. https://gerdakazakou.com/2015/07/16/die-rinder-des-helios/).

Auch die Aussprache änderte sich: aus dem Konsonanten HA (Hauch) wurde der reine Vokal A (Atem), aus dem träumerischen Eingebundensein in die Natur wurde der sich seiner Selbst bewusste Mensch. Aus dem Zeitalter des Stieres (ca 4000-2000 vor Christus) kommen wir herauf ins Zeitalter des Menschen, des ΑΝΘΡΩΠΟΣ (Anthropos).

ΑΝΘΡΩΠΟΣ (Mensch) sei mein erstes Wort im „Alphabet des freien Denkens“. Denn nur der Mensch ist zum freien Denken befähigt. Oder etwa nicht?

Was ist der Mensch? Die Antwort wusste Ödipus, und die Sphinx stürzte sich in den Abgrund. https://gerdakazakou.com /2016/01/20/was-ist-der-mensch/

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Viel wurde spekuliert darüber, was ΑΝΘΡΩΠΟΣ (Anthropos) bedeutet. Ich darf ein wenig mitspekulieren:

ANTI bedeutet „gegen“.  Du kennst es von Antwort, aber auch von Antipathie, Antibiotika. Das T wird zum stimmlosen Reibelaut Θ (zu sprechen wie thank you). Θ  ist das Zeichen für das Göttliche. ΘΕΟΣ (Theos) = Gott. Du findest es in Theologie, Theophanie, Theosophie,  und auch in Theodor und Dorothea. Dieses Θ nimmt aber auch die Bedeutung von Schauen an (Θεατρο = Theater,  θεαμα = Show, Θεα = Sicht, Aussicht).

ΑΝΘ (anth) bedeutet mithin :  „Gegenüber dem erschauten Göttlichen“.

Θ trifft auf Ρ – das hört sich ungefähr an wie das englische thr  in thriller. Sprich es mal laut vor dich hin: ein stimmloses englisches Zischen zwischen den Zähnen (Th) und ein zungenrollenden vibrierendes spanisches R. Das göttlichen Θ (Thron) geht über ins sprudelnden, strömenden ΡΟΗ (Roi = Strom, Fluss, Flux). Mit diesem ΘΡ (thr) beginnt das Wort  Θρισκία (Thriskia = Religion).  Ergo: Wo menschliches Wollen und göttliches Sein aufeinander treffen, entsteht eine Reibung  ΘΡ thr – Thriskia, Religion.

Nun bleibt uns noch das  ΩΠΟΣ am Ende von ΑΝΘΡΩΠΟΣ.  In diesem opos steckt als Wurzel altgriechisch „sehen“. Du kennst es von Optik, vielleicht auch von Op-Art.  Und wieso kann der Mensch sehen? Weil er im Auge eine ΟΠΗ (Opi) hat, eine enge Öffnung, ein rundes Loch: die Pupille. vasarely (Vasarely, Vertreter der Op-Art) Durch die kleine Öffnung im Auge guckt der Mensch hinaus – hinauf – hin zu dem erschauten Göttlichen, das ihm entgegenströmt. So also ist das Wort ΑΝΘΡΟΠΟΣ zu verstehen.

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El Greco, Christus wird seiner Kleider beraubt

In allen religiösen Darstellungen wirst du das finden: dies Aufblicken zum göttlichen Θ (Thron) – diese P (roϊ ) = Strömen zwischen oben und unten.  Ecce homo. Sieh da, der Mensch. Aber der moderne Mensch fühlt dies kaum noch. Er sucht die Quelle seines Seins in sich selbst. Wie Prometheus, der den Menschen nach der großen Flut noch einmal schuf. Wer half mir / Wider der Titanen Übermut? / Wer rettete vom Tode mich, / Von Sklaverei? / Hast du’s nicht alles selbst vollendet, / Heilig glühend Herz?  (J.W.Goethe, Prometheus)

Und so sind auch meine Menschenbilder:  Skizzen von heutigen Menschen, drei zufällig herausgegriffene aus einer sehr großen Zahl, vor vielen Jahren entstanden und jetzt für dich fotografiert.

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A wie ΑΝΘΡΩΠΟΣ

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Montags ist Fototermin: Zeit für Eulen (und ein bisschen Reklame)

 

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Bei uns wimmelt es von Eulen. In fast fünfzig Jahren sind jede Menge dieser merkwürdigen Geschöpfe aus Holz, Keramik, Fell, Federn, Metall, Halbedelsteinen, Granit, Papier, Plastik, zusammengesetzte, schlichte, durchlöcherte, bunte, lustige, ehrwürdige Eulen…. zusammengekommen. Die erste zog bei uns ein, als ich 1967 meinen Mann kennenlernte und ihm eine Eule mit dem tröstenden Satz schenkte: „Keine Bange, wir werden schon noch Eulen nach Athen tragen“. Das war 1967 in Kiel, und eine Junta aus Offizieren hatte grad die Macht in Athen übernommen. Sieben Jahre später konnten die ersten Eulen nach Athen übersiedeln. Seither haben sie sich vermehrt wie Mäuse. Denn wer immer uns ein Geschenk machen will: er sucht und findet eine Eule, die in unserer Sammlung noch fehlt. Wir selbst sind auch nicht faul: von jeder Reise bringen wir mindestens eine mit.

img_1119Nun bin ich wieder in der Mani, und so dachte ich: ich stelle ich euch ein paar der hiesigen Eulen vor. Und zugleich damit auch ein „Shelfie“, wie Petra von https://phileablog.wordpress.com/ ihre tolle Sammlung von Bücherstellplätzen genannt hat. Die Eulen-Leidenschaft ist auf unseren Sohn übergeschwappt, der sein Blog mit unternehmerischen start-ups „Eulen aus Athen“ nennt http://www.eulenausathen.com/. Petra und Wassilis machen zusammen das Koch-Blog Mjamjams http://www.mjamjams.com/, in dem jeden Sonntag eine Eule aus Nahrungsmitteln zu bestaunen ist und ein einfaches griechisches Rezept bei passender Musik nachgekocht werden kann.

Wenn ihr auf die Seite meines Mannes geht https://panoskazakos.com/2016/08/07/i-argosurti-uperbasi-tou-kratismou-stin-ellada/, dann versteht ihr wahrscheinlich nichts, aber eine Eule aus Kaffeebohnen und zwei griechischen Kaffeetassen wird euch von dort entgegenlächeln (es ist ein Werk von Lina Malandra).lina-malandra

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Der Mensch ist gar nicht gut

Dies habe ich eben auf dem Mitmachblog zum Thema „Jenseits“ reblogged. Die Moral von der Geschicht? Das Jenseits ist eine Fortsetzung des Diesseits. Im Diesseits (unten) kämpfen Männer, man schlägt sich tot, das Jenseits (oben) betrifft den Zustand der Seelen. 

Nichts ändert sich – außer wir ändern uns. 

Der Mensch ist gar nicht gut

Der Mensch ist gar nicht gut
Drum hau ihn auf den Hut.
Hast du ihm auf den Hut gehaun
Dann wird er vielleicht gut.
Denn für dieses Leben
Ist der Mensch nicht gut genug
Darum haut ihm eben
Ruhig auf den Hut!

Dies ist die vierte, letzte Strophe der „Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens“.  Bertold Brecht schrieb sie für die Dreigroschenoper, die 1928 uraufgeführt wurde. Sie inspirierte mich zu dem folgenden Bild. In der unteren Zone kämpfen die Männer. Jeder kämpft gegen jeden. Warum? Vermutlich tun sie es, um die jeweils anderen besser zu machen. So wie zB die Deutschen die Griechen auf den Hut hauen, damit sie das Sparen und Arbeiten nach deutscher Art lernen.  Aber die Griechen sind auch nicht faul, sie hauen zurück. Na, ihr kennt das ja, in jeder Familie, in jeder Nachbarschaft ist es dasselbe. Hau den andern auf den Hut, dann wird er vielleicht gut.

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Oben im Bild sieht man die Seelen der Kämpfenden

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Einige der Streithammel sind schon im Jenseits gelandet.

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Sind sie nun gut geworden? Das entzieht sich leider meiner Kenntnis.

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Anverwandlung

Als ich Ullis Oktober-Rückblick betrachtete (https://cafeweltenall.wordpress.com/2016/12/03/rueckblick-2-oktober-2016/), rief ich meine eigenen Bilder und Erinnerungen auf und fragte mich:  Was von all dem vielen, das ich erlebte, ist in mich eingegangen, um sich zu wandeln und mich in ihm? An den Stadien eines Bildes, das ich im Oktober malte, möchte ich diesen Gedanken deutlicher machen.

Zuerst ist da eine ältere Leinwand, die ich wild übermale. Was soll mir das Alte? Das Gewesene muss in den Energiestrom des Jetzt eingetaucht werden.

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Ich stehe vor dem Bild und starre es an. Greife zur Kohle, zeichne ein Motiv hinein. In mir lebt noch der Tiber mit seinen Brücken, ich war ja erst kürzlich dort. Du erkennst ihre Bögen oben und unten im Bild

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Ich räume das Mittelfeld auf. Zugleich wird der Hintergrund komplexer, dichter. Eine Brücke überspannt bald das gesamte Mittelfeld, möchte Vorder- und Hintergrund verbinden. Der Fluss beruhigt sich, verliert an Kraft.

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Die vordere Brücke gefällt mir, sie erinnert mich an etwas, was mir lieb ist. Aber der Bildaufbau macht  mich nervös. Da muss mehr Ruhe hinein.

Und dies ist nun das Bild, das ich stehen ließ: ein Oktoberbild, das sich über das Ältere lagerte. Bewegt ist auch dieses, aber nicht mehr hektisch, und die Verbindung zwischen Vorder- und Hintergrund ist an die linke Seite gerückt, als sei es ein friedvoller Weg, der Pferdewagen und Karren herabführt.

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Mich erinnert dies Bild vage an ein anderes, viel älteres, das ich daneben halte. Und vergleiche: das war ich damals – das bin ich jetzt, in diesem Moment. Beide Momente sind für mich verbunden wie zwei Stationen auf einer langen Reise.

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Aristoteles und die Ermitage

Du warst in St. Petersburg, du Glückliche? – Nun, nicht wirklich. Aber in der Ermitage war ich. – Aber die befindet sich doch … – ja, ja, in St. Petersburg. Doch im Rahmen des „russischen Jahres“ sind einige der Schätze der Ermitage nach Athen gelangt, und die habe ich mir angeschaut.

Zuerst stattete ich freilich dem „Lykeion“ des Aristoteles einen Besuch ab. Eine nicht besonders ansehnliche Ausgrabung zwar, aber dort zu wandeln, wo einst Aristoteles lehrte, ist immerhin ein erhabenes Gefühl. img_9204

Auch hat man sich große Mühe mit der Bepflanzung dieses noch nicht lange fürs Publikum freigegebenen innerstädtischen Geländes gegeben.

Aber da sind wir schon fast im Nachbargrundstück, das zum Byzantinischen Museum gehört.

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Dort war die Ermitage zu Gast. …. und grüßte ihrerseits die Gastgeberin Athen mit der Leihgabe eines herrlichen Gemäldes von Theotokopoulos (genannt El Greco): Petrus und Paulus, die beide Besucher der antiken Stadt Athen waren. Aber das ist lange her, wenngleich, nun, Aristoteles war da schon 300 Jahre tot.

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Aber was soll ich zu dem Goldschmuck sagen, den das nomadische Volk der Skythen im 6.-4. Jahrhundert v.Chr. (also lange bevor Aristoteles lebte) fertigte! Ich war schwer beeindruckt. Peter der Große ließ alle Stücke, die nicht bereits durch Raubgrabungen im Ausland gelandet waren, aus den Weiten Sibiriens zusammentragen.

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Wie weit dieses Sibirien war (und ist), siehst du hier.

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In der Gemäldeabteilung begleiteten mich einige Freunde aus Bloghausen. ZB Runa, die so herrlich witzig von Amor und Psyche zu erzählen weiß  (https://lehmofen.wordpress.com/2016/12/01/wenn-wuensche-sich-erfuellen/) ….

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Auguste Rodin, Amor und Psyche

oder Dieter Motzel, dessen wundervolle Beträge zur „Sehnsucht nach dem Licht“ mit dem Italien-Verweigerer Caspar David Friedrich beginnen …

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und mit den lichthungrigen Nördlern im Mezzogiorno enden. https://haushundhirschblog.wordpress.com/2016/11/28/die-sehnsucht-nach-dem-licht-4/

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Franz Xaver Winterhalter, Neapolitanische Siesta, 1837

Natürlich fehlte auch die Geliebte des Zyklopen Polyphem, Galatea, nicht, über die ich gelegentlich berichtete https://gerdakazakou.com/2016/11/20/mirror-of-the-mind-2-nachtrag-die-liebe-des-polyphem/

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Luca Giordano, Triumph der Galatea (1675-77)

und der immer beliebte Gott des Weines Bacchus war sogar durch ein Gemälde des Caravaggio präsent.

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Ohne die Kunst, behauptet Aristoteles, gäbe es für Vieles kein Ventil und keine Ausdrucksmöglichkeit. Was im tatsächlichen Leben unerträglich sein kann, lässt sich im Medium der Kunst nicht nur viel leichter ertragen, sondern sogar genießen. Und es kann dabei auch zum Erkenntnismittel werden. „Denn von den Dingen, die wir in der Wirklichkeit nur ungern erblicken“, heißt es in der Poetik, „sehen wir mit Freude möglichst getreue Abbildungen, z. B. Darstellungen von äußerst unansehnlichen Tieren und von Leichen.“ (Wikipedia zu Mimesis)

Beispiele für derlei Kunst (mit Leichen und anderem unangenehmem Wirklichkeitswert) fehlten in der Sammlung der Ermitage weitestgehend. Die Zaren und Zarinnen hielten sich, scheints, die hässliche Welt gern vom Leibe und bevorzugten hübsche Stadt-Veduten wie diese

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Bernardo Belotti, Blick auf Pirna, 1753-55

 

oder Bilder ihres eigenen Palastes (den Namen des Malers habe ich nicht notiert),

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oder träumten, wie ihre bayrischen Kollegen in Griechenland, von einem noch größeren, noch schöneren Palast (Klenzes Entwurf für den königlich-bayrischen Palast in Athen, im Hintergrund die Akropolis)

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Doch dann kam die Revolution.

 

Aus der Zeit danach sind mir nur zwei Werke aufgefallen: das eine ist ein Hamburger Werftarbeiter von Heinrich Vogeler  (1872-1942), der deutliche Angriffe auf die aristotelische Maxime von der „naturgetreuen Nachahmung“ zeigt: kubistische und futuristische Elemente machen deutlich, wie sehr sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts das Kunstideal vom klassischen Vorbild entfernt hat.

 

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Noch ausgeprägter ist dies in einem Selbstportrait (1923) von Chaim Soutine, dessen Bilder wie eine Vorwegnahme der Schrecken wirken, die das 20. Jahrhundert heimsuchen werden.

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Apropos Documenta

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Wer wie was ist die documenta? Offenbar was Deutsches. Aber was geht sie uns an? Von Deutschland kommen allerlei Hausaufgaben und Rüffel, weil wir sie nicht  ordentlich gemacht haben. Wieder und wieder sollen wir das Alpahbet herunterbeten wie Erstklässler. A = Arbeit, B  =  Bank, C = Check, D =  Deutschland, E = Euro, F =  Fond, G = Geld, H = Hausaufgaben, I = Investition, J = Ja, K = Kredit, L = Lohnkürzung, M = Mindestlohn, N = Notenbank, O = Offenbarungseid, P = Pleite, Q =  Quittung, R =  Rechnung, S = Schulden, T = Tarif, V = Vermögenssteuer, W = Währungsunion,  X = das ist die Unbekannte oder wenn dir jemand ein X für ein U vormacht. ….Irgendwie hat Deutschland neuerdings mit der dunklen Seite der Ökonomie zu tun. Oder, als Reminiszenz, mit Krieg und Besatzung.

Das Goethe-Institut Athen hat sich der armen unwissenden Athener Bürger angenommen. Und erklärt ihnen, was documenta ist. Du weißt es natürlich: „Die Kasseler Weltausstellung der Gegenwart“. Und die findet 2017, zumindest halbwegs, in …. Athen statt.  Das Motto ist:

„Von Griechenland lernen“.

Also da bin ich wirklich gespannt. Das zu lernende αλφαβητα (Alphabet) beginnt dann vielleicht so : α = απεργία β=βουλή, γ=γελοίο, δ=δημοκρατεία, ε=ελευθερία…..

Im Goethe-Institut von Athen ist eine kleine Aufklärungsecke entstanden, und da trank ich heute meinen Kaffee. Ich fotografierte auch die Bilder, die auf zwei Screens liefen: Fotos von der Documenta seit ihrem Beginn, also seit 1955. Einige der Documentas habe ich selbst besucht, und so wars für mich ein sentimentales Wiedersehen.

Hier der Beginn, 1955:

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Und so gings weiter:

In wenigen Monaten kommt die 14. Documenta nach Athen. „Von Griechenland lernen“ ist die Absicht. Da bin ich wirklich sehr sehr gespannt.
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„Stets lustig, heisa! hopsasa!“ (Der Vogelfänger)

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Dieses Bild habe ich auf demselben kriegerischen Grund wie das gestrige gelegt (Der Krieg von Troja...), und die Schnipsel sind auch dieselben. Nur steht die Pappe auf dem Kopf, und an die Stelle eines Mischwesens aus Schiff, Pferd und Mensch ist ein Mensch-Vogel-Mischwesen,  ein Vogelfänger getreten.

„Stets lustig, heisa! hopsasa!“

Wenn Männer (und manchmal auch Frauen) schon morden müssen – dann doch lieber Vögel? Das ist besser als Krieg? Na, ich weiß nicht. Mir dreht sich der Magen um, wenn ich die kalten Zahlen der jedes Jahr ermordeten Vögel lese oder wenn ich mir die manchmal altmodischen, manchmal hoch modernen Methoden dieses Mordsvergnügens anschaue (hier griechische Beispiele https://www.youtube.com/channel/UCnK1klcPOWkAqI51AVUbXdA).

Gedanken und Bilder dazu habe ich schon mal am 13. 9.2015 veröffentlicht https://gerdakazakou.com/2015/09/13/jetzt-beginnt-die-jagdsaison/, dort auch das folgende Bild.  Schau doch mal rein.

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Der trojanische Krieg findet immer noch statt

Kennst du das einst viel gespielte Stück von Jean Giraudoux (1882-1944): Der trojanische Krieg findet nicht statt? Giraudoux, der ein großer Freund der deutschen Sprache und Literatur war und während des ersten Weltkriegs unter dem sinnlosen „Bruderkrieg“ zwischen Deutschen und Franzosen sehr litt (er war selbst Soldat und wurde mehrfach verwundet), sah früh die neue Katastrophe auf Europa zukommen. 1935 schrieb er das Stück, im selben Jahr wurde es im Theater Théâtre de l’Athénée uraufgeführt. Ursprünglich sollte es ein Happy End geben, daher der französische Titel La guerre de Troie n’aura pas lieu (der Krieg von Troja wird nicht stattfinden). Doch Giraudoux lässt das Stück tragisch enden. Denn die Dummheit und Borniertheit der Menschen ist halt grenzenlos – fand er. Und, wie wir wissen, behielt er leider Recht.

Angesichts der grassierenden Progaganda für erneute Aufrüstung und der Konstruktion von Kriegsgründen (russische Bedrohung, Besetzung der Krim) machte ich ein Bild, das ich nenne „Der Krieg von Troja findet immer noch statt“.

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Ihr könnt darauf, wenn ihr wollt, allerlei kriegstaugliches Gerät sehen, zB Segelschiffe und Antennen, Ruder und eine Kanonenkugel und im Zentrum eine Kriegsmaschine, die zusammengesetzt ist aus Schiff und Pferd. Oben drauf kommandiert ein militanter Kopf, innen drinnen sitzt ein fieser Geldmensch und freut sich über die stets abrufbare Dummheit der Menschen.

Übrigens: Plato wollte die homerische Dichtung aus dem Bildungskanon der Schulen streichen (Politeia). Nichts sei schlimmer, als der Jugend die Flausen von Heldentum und Krieg in den Kopf zu setzen.

Das Bild habe ich am 26.11.2016 auf einem Karton (50×70) mithilfe von Granitstift, Tinten und Schnipseln hergestellt.

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