Anverwandlung

Als ich Ullis Oktober-Rückblick betrachtete (https://cafeweltenall.wordpress.com/2016/12/03/rueckblick-2-oktober-2016/), rief ich meine eigenen Bilder und Erinnerungen auf und fragte mich:  Was von all dem vielen, das ich erlebte, ist in mich eingegangen, um sich zu wandeln und mich in ihm? An den Stadien eines Bildes, das ich im Oktober malte, möchte ich diesen Gedanken deutlicher machen.

Zuerst ist da eine ältere Leinwand, die ich wild übermale. Was soll mir das Alte? Das Gewesene muss in den Energiestrom des Jetzt eingetaucht werden.

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Ich stehe vor dem Bild und starre es an. Greife zur Kohle, zeichne ein Motiv hinein. In mir lebt noch der Tiber mit seinen Brücken, ich war ja erst kürzlich dort. Du erkennst ihre Bögen oben und unten im Bild

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Ich räume das Mittelfeld auf. Zugleich wird der Hintergrund komplexer, dichter. Eine Brücke überspannt bald das gesamte Mittelfeld, möchte Vorder- und Hintergrund verbinden. Der Fluss beruhigt sich, verliert an Kraft.

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Die vordere Brücke gefällt mir, sie erinnert mich an etwas, was mir lieb ist. Aber der Bildaufbau macht  mich nervös. Da muss mehr Ruhe hinein.

Und dies ist nun das Bild, das ich stehen ließ: ein Oktoberbild, das sich über das Ältere lagerte. Bewegt ist auch dieses, aber nicht mehr hektisch, und die Verbindung zwischen Vorder- und Hintergrund ist an die linke Seite gerückt, als sei es ein friedvoller Weg, der Pferdewagen und Karren herabführt.

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Mich erinnert dies Bild vage an ein anderes, viel älteres, das ich daneben halte. Und vergleiche: das war ich damals – das bin ich jetzt, in diesem Moment. Beide Momente sind für mich verbunden wie zwei Stationen auf einer langen Reise.

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Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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17 Antworten zu Anverwandlung

  1. Ulli schreibt:

    Liebe Gerda, Brücken zwischen gestern und heute für morgen zu bauen (zu malen) ist eine wunderbare Idee, nichts anderes sind letztlich meine Rückblicke, zu schauen was gewesen ist, um zu forschen was davon sich wirklich in mir verankert hat und was nur einfach vorübergezogen ist.
    Brücken bauen ist ja sowieso etwas, das viel mehr betrieben werden sollte, anstatt immer nur Grenzen zu verteidigen …
    herzliche Sonntaggrüsse mit Sonnenschein
    Ulli

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  2. teggytiggs schreibt:

    …ich mag es, Dein Oktoberbild…so ein warmer, rosa Hauch über einer kühlen Landschaft…bewegt und ruhig, sich seiner Kraft bewusst…

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  3. Arabella schreibt:

    Ich bewundere dich für deine Fähigkeit dich und deine Zeit in Bildern gestalten zu können. Eine große Gabe besitzt du.

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  4. afrikafrau schreibt:

    deine Bildsprache Gerda ausdrucksstark…..

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  5. kunstschaffende schreibt:

    Liebe Gerda,
    diese Bildentwicklung ist wunderbar, denn aus Chaos entsteht ein harmonisches, in Linie gebrachtes und ausgeglichenes Werk. Es ist immer noch viel Bewegung darin, im Gegensatz zum letzten gezeigten Bild, dass ja aus der Vergangenheit ist.
    Dieses Bild strahlt so eine grandiose Stimmung aus, man spürt förmlich die Liebe und Ruhe, die Dich zu dieser Zeit wohl umgab. Dies ist mein Eindruck liebe Gerda!
    Beide Werke sind wieder so aussagekräftig, so Gerda speziell und eben mit einem Können auf hohem Niveau!

    ❤Grüße Babsi

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    • gkazakou schreibt:

      Danke dir von Herzen, liebe Babsi. Ich weiß wirklich nicht, wie ich mich damals fühlte, aber ich mag das Bild auch besonders gern wegen seiner ruhigen sicheren Gestaltung und hab es immer an einer Wand hängen.-

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  6. Art of Arkis schreibt:

    Hallo Frau Kazakou, die Brücke schafft insofern einen Ausweg, da bei den vorherigen Arbeiten kaum ein Durchkommen ist. Später lichtet es sich … eine Öffnung, wenn auch durch die Berge wiederum begrenzt, hinterm Horizont geht es weiter … man weiß nicht wohin, doch es bewegt sich darauf zu … Lieben Gruß, Arkis.

    Gefällt 1 Person

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