Mirror of the Mind, 2. Nachtrag: Die Liebe des Polyphem

Babsi („Kunstschaffende“) hat mich gebeten, etwas zu dem Werk von Meret Oppenheim  zu sagen, das den Titel „Love of Polyphemus“ trägt.  Das will ich gern tun.

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Das Werk besteht aus einem großen Handspiegel, der auf einen viel größeren Spiegel aufmontiert ist. (Die Spiegelungen – insbesondere auch die des Tisches rund um den Mund des „Polyphem“ – musst du dir wegdenken). Was siehst du? Ein Gesicht, dass sich an einem Spiegel die Nase und den Mund plattdrückt und dessen zwei Augen und Augenbrauen zu einem verschmelzen. Das Ganze ist hübsch gesprenkelt.  Das Gesicht wurde per vier-farbigem Seidendruck auf Akryllglas gedruckt und mit einer Spiegelschicht überzogen.

Die Message, die sich mir erschließt, ist: Narziss wird, indem er mit seinem Idol im Spiegel zu verschmelzen versucht, zum primitiven Zyklopen. Oder: wer immer nur sich selbst und seine hübsche Fratze anbetet, verliert den Sinn für den Mitmenschen. Das ist die Liebe des Polyphem. (Hier der ausführlichere Text von Calas)

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Polyphem war, wie u.a. Ovid erzählt, tatsächlich sehr verliebt in die wunderschöne, milchweiße Nymphe Galatea (so wie Man Ray in die schöne Meret, die er wieder und wieder fotografierte). Um sie für sich zu gewinnen, rühmte er sich der großen Zahl seiner Schafe, die er sein Eigen nannte, und forderte sie auf, zu ihm zu kommen und ihm zu helfen, sie zu zählen.

Polyphem, Sohn des Poseidon, war der Zyklop, den wir bereits von Homers Odyssee her kennen. Ihr erinnert euch? Wenn nicht: Hier findet ihr einiges dazu. https://gerdakazakou.com/2015/05/22/odysseus-und-der-zyklop/

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Zum Thema des Narziss habe ich auch ein Post anzubieten:https://gerdakazakou.com/2015/10/17/der-spiegel-des-narziss/.   Hier ein Bildausschnitt

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Die bedeutende Schweizer-deutsche Künstlerin Meret Oppenheim (lies bei Wikipedia nach) siehst du hier in einem Werk von Yves Klein.

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Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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5 Antworten zu Mirror of the Mind, 2. Nachtrag: Die Liebe des Polyphem

  1. kunstschaffende schreibt:

    Ich sehe ganz unten auch eine rausgestreckte Zunge, als wolle sie sagen, ja und ich bin eine Narzisstin!
    Deine Legearbeiten dazu erzählen die Geschichte wieder sehr anschaulich!

    Lieben Dank für diesen feinen Beitrag!

    ❤Grüße Babsi

    Gefällt 1 Person

  2. Monika schreibt:

    Liebe Gerda,
    Danke für diese Bilder und die Beiträge, aber ich brauche Tage, um annähernd zu verstehen, was gesagt werden will. Nur so viel, es zeigt mir nur eine Seite, unser Gegenstück.
    Das Bild – Pallingdrome – ist ein Beispiel dafür, nur einen Teil des gesamten Körpers, des Künstlers ist abgelichtet.
    Da kam mir der Gedanke, vielleicht ist „Narziss“ nur deshalb ins Wasser gefallen, weil er eine Verbindung zur Gesamtheit seiner Person herstellen wollte, nicht weil er sich so sehr liebte. Es ist das Ganze, was wir niemals begreifen, nur am anderen erkennen können, dass es etwas
    – Ganzes – gibt. Alles scheint vollkommen, nur wir (ich), sehen uns (mich) niemals vollkommen. Ist das vielleicht die Suche nach sich selbst und dann dem eigenen Absturz.
    LG. Monika

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Aristoteles und die Ermitage | GERDA KAZAKOU

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