Ölernte

Zwei Tage haben wir geerntet, heute gingen neun schwere Säcke in die Mühle und heraus kamen 62 Liter goldgrünes duftendes Öl. Ich brachte es heim, abgefüllt in 5-l-Kanister und ein paar 1-l-Flaschen.

Viel war es dieses Jahr nicht, etliche Bauern haben gleich ganz auf die Ernte verzichtet. Schädlingsbefall, Bakterien, vermindertes Wachstum der Früchte – sehr viele lagen schon Boden, als wir ankamen, unbrauchbar. Aber ich bin zufrieden, für uns und unsere Freunde reicht es. In anderen Jahren konnten wir einen Teil nach Deutschland verkaufen, wo die Preise deutlich höher liegen als hier, und so die Erntekosten wieder reinholen. Das geht dieses Jahr nun leider nicht.

Eine Freundin fragte mich, wie denn der Ablauf so einer Ernte sei. Alsooo: Zuerst suchst du Erntehelfer, die was von der Arbeit verstehen. Das ist gar nicht so leicht, denn hier haben alle Leute Olivenbäume, die alle innerhalb von zwei-drei Monaten (November-Januar) geentet werden müssen.  Und  warum müssen die Erntehelfer was von der Arbeit verstehen? Weil mit der Ernte das Beschneiden der Bäume einhergeht.

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Unter den Bäumen werden große Netze ausgelegt – bei unseren steilen Terrassen gar nicht so einfach. Die fruchttragenden Äste werden abgesägt und am Boden mit Stöcken bearbeitet  (oder in einen Rüttler geworfen). Manche Äste werden nicht abgesägt, sondern beharkt oder mit  einem Vibrator geschüttelt, und in einigen Fällen erntet man auch per Hand. Mithilfe der Netze werden Oliven und Restzweige zusammengeschoben, die Restzweige entfernt und die Oliven, grob vermischt mit Blättern, in die Jutesäcke gefüllt.

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Ja, richtig! Auch Kinder und Hunde haben eine wichtige Rolle beim Olivenernten. Morgen zeige ich euch, wie es in der Ölmühle aussieht.

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Die Fotos sind nicht von diesem Jahr, denn diesmal hatten wir wegen der geringen Ernte nur ein albanisches Ehepaar als Erntehelfer, die die Arbeit in zwei Tagen bewältigten. Ich half nach Kräften mit.

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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24 Antworten zu Ölernte

  1. Myriade schreibt:

    Super, ein Eindruck von einer OLivenernte. Bei euch in der Gegend muss doch auch die Firma der Bläuels sein, mit dem Mani-Olivenöl

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  2. kunstschaffende schreibt:

    Sehr interessant liebe Gerda und ich freue mich schon auf die nächsten Eindrücke! Ihr hattet dieses Jahr doch leider auch Großbrände, die soviele wunderbare Olivenbäume vernichtet haben!

    Bis bald Babsi

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  3. finbarsgift schreibt:

    Interessant, dein Bericht!
    Über 60 Liter kommen MIR nicht wenig vor…
    Auf jeden Fall keine leichte Arbeit!
    Liebe Morgengrüße vom Lu

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  4. Susanne Haun schreibt:

    Sehr gelungene Fotos, Gerda, ich wusste bisher nicht, wie man Oliven erntet.

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  5. kormoranflug schreibt:

    Das soll die schönste Zeit in Griechenland und auf den griechischen Inseln sein. Die Touristen sind endlich weg – man kann sich um die Oliven und Familie kümmern.

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    • gkazakou schreibt:

      Da hast du nicht ganz Unrecht, Kormoran. Der Sommer ist auch schön, aber an manchen Orten ist es arg voll (nicht bei uns) und natürlich manchmal auch arg heiß. Früher reisten die Menschen nicht im Sommer in den Süden. Diese Mode ist erst mit dem Massentourismus aufgekommen.

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  6. Monika schreibt:

    Ich würde gern die Frage stellen, wieviel Zentner Oliven benötigt werden, um zirka 60 Liter Öl zu gewinnen? Entscheidet sich da nicht der Preis. Reines Olivenöl, habe ich hier und überhaupt noch nicht genossen. Na ja, ist so.
    LG. Monika

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    • gkazakou schreibt:

      In Zentnern kann ich es dir leider nicht sagen, da ich nicht weiß, wie schwer ein voller Sack ist. Jedenfalls ist er so schwer, dass ich ihn keinesfalls heben kann. Wir haben 9 solcher Säcke gefüllt, um 60 l Öl zu gewinnen. wenn die Bäume gewässert werden, ist die Ölmenge größer, aber das Öl ist weniger kräftig. wenn man früh (also im November) erntet, erhält man ein tiefgrünes Öl, das als Medizin geeignet ist, weil es alle guten Bitterstoffe enthält, die der Mensch braucht. Wenn man spät erntet (Februar), ist das Öl auch bitter, aber so gut. Wenn man gar die runtergefallenen Früchte mit verwendet, ist das Öl verdorben.
      Der Verkaufspreis ist hier sehr niedrig, er deckt nicht mal die Kosten der Produktion (Beschneiden der Bäume, Behandeln gegen Schädlingsbefall, Düngen, Arbeitskosten beim Ernten, Pressung), er liegt bei 3 E pro Liter. Die Produzenten sind auf Subventionen angewiesen. Ökologisch reines, überprüftes Öl ist in der Herstellung sehr viel aufwendiger und kostet mehr. Wir verkaufen einen Teil unseres Öls über eine deutsche Freundin, die es für 14 E den Liter an ihre Kunden weitergibt, von denen wir 7 E erhalten (der Rest sind Transportkosten, Aufwandsentschädigung etc.) Dies „Unter-der-Hand-Verkaufen“ ist inzwischen sehr verbreitet und hilft uns kleinen Produzenten sehr. Aber das meiste griechische Öl (ca 80%) geht weiterhin in großen Tanks nach Italien, wo es dem schlechteren italienischen Öl beigemischt wird. Italien produziert nur die Hälfte des „italienischen Öls“ selbst, das steht dann auf dem Etikett als Produktionsort. Der Rest kommt aus Marokko, Tunesien, Spanien (mindere Qualitäten) und Griechenland (bessere Qualität), nach Standard-Geschmackskriterien wird es zusammengemischt (das ist eine hoch entwickelte Wissenschaft!) und wird in schöner Verpackung vermarktet. Solche Flaschen enthalten zwar echtes Extra-Virgin-Olivenöl, aber es fehlt ihnen der Charakter eines wirklich guten Öls. Außerdem werden gelegentlich auch andere Öle untergemischt, was ausgezeichnet werden muss und gelegentlich strafbar, da gesundheitsschädlich ist.

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      • kunstschaffende schreibt:

        Das war jetzt super interessant! Deine ausführliche Info hat mich auch deshalb so interessiert, weil meine, schon lange verstorbene Großmutter, sich in den 70ger Jahren Olivenöl auf dem spanischen Markt abfüllen ließ. Dann war dieser Ölskandal und sie wurde sehr krank!
        Im Grunde ist Euer Olivenöl garnicht bezahlbar, weil es so natürlich und traditionell hergestellt wird!

        Lg Babsi

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  7. Random Randomsen schreibt:

    Eine besonders schöne und umweltfreundliche Art der „Ölförderung“. 😉

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  8. jeannettepaterakis schreibt:

    Ein wunderbarer Beitrag ,danke für all die Informationen.Die liebsten Grüsse an Dich ,liebe Gerda

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  9. kormoranflug schreibt:

    Es soll auch viel auf die gute Steinmühle ankommen. Bin schon ganz gespannt auf Deinen Bericht.
    „Kleiner Spass am Rande: die Italiener in Apulien sagen, das Öl wäre schlechter weil es mit dem griechischen, minderwertigen Öl gepanscht wird.“ So hat jede Landbevölkerung ihre eigene Meinung.

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  10. mmandarin schreibt:

    Während ihr das grüne Gold erntet, habe ich Hagebutten im Eismantel fotografiert. Eine etwas andere Lese. So hat alles seine Zeit und Schönheit. Marie

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  11. Pingback: Ölernte | GERDA KAZAKOU

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