Heute stiegen Freundin E und ich die entsetzlich vielen steilen Stufen hoch, die bis an den Waldrand des Lykabettos hinaufführen. Schön war das Wetter, sonnig und kühl, aber oben angekommen waren wir doch recht verschwitzt. Mein Ziel war eine Ausstellung mit dem Titel „IXNH“ (Spuren).
Unterwegs machten wir in der Galerie Alma halt: ein nicht sehr geräumiges Erdgeschoss und ein zweiter durch eine Innentreppe erschlossener kleiner Raum – nicht viel Platz für die großen in starken Farben prangenden Bilder. Giorgos Kazasis gab seiner Ausstellung den Titel «Von West nach Ost“ und den Untertitel „Eine Reise in der reinen Malerei“. Warum? Nun, weil er wohl gern von abends bis morgens malt – und ein Titel muss sein. „Reine Malerei“ stimmt insofern, als es kaum gegenständliche Anspielungen gibt. Über seinen Werdegang erfuhr ich, dass er 1983 seine Studien an der Athener Kunsthochschule beendete und seither in verschiedenen Stilarten unterwegs ist. Sympathisch der frische unkomplizierte Umgang mit Farbe und Form, originellen Bilderfindungen und offensichtlicher Freude am Malen. Eindruck machte mir eine große Bleistiftzeichnung, die, ohne gegenständlich zu sein, mich in der Wirkung an manche Arbeiten von Dali erinnerte.
Nun aber gings steil hinauf zur Ausstellung „Spuren“ in der Galerie Ersi : ein recht enger Raum im Erdgeschoss und eine Treppe hinab ins Untergeschoss, das – o wie schön! – kein Kellerraum ist, sondern in einen bepflanzten Hof mündet. Denn der Berg ist hier steil, das Haus ist daher auf zwei Ebenen gebaut. Nach hinten raus bist du im Keller ebenerdig.
Durch die Vitrine erblickte ich als erstes einen der taumelnden knallroten „Kleinbürger“ von Giorgos Lappas, einem sympatischen verspielten Bildhauer und Hochschullehrer, der leider vor drei Jahren 66-jährig starb.

Die Lebensdaten von Giorgos Lappas sind nicht untypisch für Griechen der Diaspora: Er wurde 1950 in Kairo geboren, studierte klinische Psychologie in Oregon/USA, wo er auch in der Psychiatrie arbeitete. Mithilfe eines US-Stipendiums erforschte er die Architektur indischer Tempel, studierte in London Architektur, kam dann nach Athen und nahm ein Studium der Bildhauerei auf. Seine Studien setzte er in Paris fort – diesmal mit Stipendium des französischen Staates -, arbeitete in Frankreich und England, bekam erneut ein französisches Stipendium, bereiste Japan, wurde 1992 Professor für Bildhauerei in Athen. Über seine Kunst sagte er: „Das wahre Talent eines guten Bildhauers ist die Fähigkeit, das seelische Material des Schwindels zu beherrschen“.
Im Raum zogen mich die Arbeiten von Giorgos Lazongas besonders an, die auch den Titel der Ausstellung rechtfertigen. Denn seine Malerei ist oft nicht mehr als ein Hinterlassen von Farbspuren auf einer Malfläche.

Giorgos Lazongas, Jahrgang 1945, studierte zuerst in Thessaloniki, dann in Paris. Er malte in späteren Phasen nur noch am Boden, hinterließ auf den Bildträgern Spuren, die er mit Farbstaub oder Spray auftrug, kratzte sie ab, auch Spuren von Menschen gab es darunter. Hier zwei kleine Beispiele, gesprayt.
Sehr viel reiste er in arabischen Ländern, einmal auch nach Indien, aber vor allem immer wieder nach Ägypten. Spuren davon zeigen sich in seiner Malerei, die er mit Hieroglyphen und anderen Schriftformen durchsetzt. Zur Illustration ein Original und zwei Bildausschnitte.
Auch der dritte hier vertretene Künstler, Konstantinos Xenakis, wurde in Kairo geboren, doch ist er deutlich älter (Jg 1931) als Lappas. Auch er ging nach Paris, um zunächst Architektur zu studieren. In den 70er Jahren lehrte er an den Kunstakademien von Paris und Berlin – und so ist er der in Deutschland wohl bekannteste der hier vertretenen Künstler. Auch er arbeitet mit verschiedenen Alphabethen – altägyptischen, griechischen und phönizischen vor allem, dazu auch mit Gegenständen, deren Zeichenhaftigkeit es erlaubt, sich mit Menschen über alle kulturellen Grenzen hinweg zu verständigen (Semiologie). Zwei seiner kleinen Installationen waren in der Ausstellung zu sehen.
Müde? Ja, zugegeben, der Besuch von Ausstellungen ist keine Vergnügungsreise. Ich mache hier ein Päuschen und beginne einen neuen Eintrag mit dem vierten Künstler dieser Ausstellung, um euch dann noch in eine weitere Galerie zu schleppen, in der zwei Frauen ausstellen.