
Noch eine zweite Etüde mit den Wörtern, die Myriade vom Blog https://laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com/ uns schenkte. Wie immer: Danke, Christiane!
Auch diese Moritat ist von der elenden Covid19-Epoche inspiriert.

Mit monotoner Stimme und leicht verblödet vorzutragen:
Von der Maske kommt das Heil
Maskenträger sind sie natürlich,
doch mein ich das vor allem figürlich.
Die Menschen, die eben noch dachten,
Dass Masken sie unkenntlich machten
wurden inzwischen anders belehrt
Masken zu tragen ist nicht mehr verkehrt
Ganz im Gegenteil!
Von Masken kommt das Heil!
Die Maske verbirgt nicht mehr den Charakter
Sie macht dich eher noch mal nackter.
Denn sie verdeckt nur Mund und Nase
Nicht aber das Herz, das Gedärm und die Blase
Und so manchen andern Teil
Von der Maske komt das Heil.
Gläserne Menschen. Sie tanzen beglückt
Jeder für sich, auseinander gerückt
auf ihrem je eigenen Terrain
Zwei Meter in der Breit und Läng.
Von Ferne winken sie sich zu
Mit flatternden Ärmchen, und rufen: Du!
Siehst du mich?
Ich sehe dich!
Sag selbst, ist das nicht supergeil?
Von der Maske kommt das Heil
Für alle Fälle ist gebreitet
Weil sich darauf viel sanfter schreitet
Ein Teppich farbenfroh und dick
Der dient dem altbekannten Trick:
Wenn was nicht stimmt und wenn was fehlt
Wenn Unrecht gilt und dich was quält
Dann liegt der Teppich schon bereit
Und drunter fegt man alles Leid.
und das ist gut und schicklich, weil
von der Maske kommt das Heil.
