Zu gerne wüsste ich, was Will.ie in Afrika treibt. Wie ihr, die ihr hier mitlest, wohl noch erinnert, ist sie am 21.3., unter Zurücklassung ihrer Sprösslinge Elpis (Hoffnung) und Apelpis (Verzweiflung), Richtung Afrika entschwunden. Elpis habe ich dann dem Narren anvertraut, der sie nun durch die Weltgeschichte trägt.

Leider habe ich von Will.i, seit sie mir aus Agadez in Niger eine kurze Message schickte, nichts mehr gehört, und so blieb mir nichts übrig, als meine spärlichen Kenntnisse über Afrika im Allgemeinen und Niger im Besonderen aus diversen Presse- und Reiseberichten im Netz zu erweitern.
Sein Wissen aus dem Netz zu speisen, ist ein mühseliges, trügerisches und oft auch frustrierendes Geschäft. Immerhin bestätigte sich Will.ies Hinweis, dass es dort uralte Höhlenmalereien gibt. Aber sicher ist sie nicht deshalb dort. Denn sie interessiert sich, wie ich immer wieder feststelle, ausschließlich für die Lebenden. Was also sucht sie dort?
Niger also: Subsahara, kein Zugang zum Meer. Ein wüstenartiges Gebiet von der Ausdehnung Österreichs ist Natur-Schutzgebiet. – Die Stadt Agadez, 115000 Einwohner, liegt im Zentrum von Niger. Als 2011 Gaddafi unter massiver Mithilfe von Frankreich und den USA-gestürzt und ganz Libyen destabilisiert wird, müssen die Schwarzafrikaner aus der Subsahara, die bis dahin in Libyen arbeiteten, um ihr Leben fürchten und setzen sich nach Agadez ab.
Jetzt beginne ich zu verstehen, was Will.ie in Agadez sucht: „Agadez wird zu einer Drehscheibe für den Menschenschmuggel in Richtung Europa“ (Wiki).
Also suche ich gezielt weiter im Netz und finde zB dies:
Deutschlandfunk 2016: Agadez als Durchgangsstation für Flüchtlinge
Agadez liegt im Zentrum des afrikanischen Staates Niger. Das Land gilt als eine der ärmsten Nationen der Welt. Auch in Agadez gibt es hohe Arbeitslosigkeit, viel Armut, viel Staub und viel Müll. Ein Wirtschaftszweig allerdings boomt: der Transport von Migranten durch die Wüste Richtung Libyen und Algerien. Von dort aus hoffen viele auf eine Chance, einen Weg nach Europa zu finden. Etwa 120.000 Migranten werden pro Jahr durch die Stadt geschleust.“
Sie hoffen. Hörst du, ELPIS?
Süddeutsche Zeitung 2019: Nirgendwo in Afrika
Die EU hat einen Deal mit Niger abgeschlossen: Ihr sperrt eure Fluchtroute, wir belohnen euch dafür mit Geld. Wie hoch der Preis wirklich ist, sieht man in der Wüstenstadt Agadez.(…)
Minister Gerd Müller besucht dieses Zentrum und sagt anschließend:„Also, man sieht erst mal, was Hoffnungslosigkeit bedeutet, wenn man in die Gesichter schaut und mit den jungen Leuten spricht….“
Hoffnungslosigkeit. Hörst du, APELPIS?
„Es geht um Sicherheit und Dienstleistungen in den Heimatländern. Menschen haben keinen Zugang zu Wasser, sie sehen keine Zukunft für ihre Kinder, sie vermissen Institutionen, die es ihnen möglich machen würden, zuhause zu bleiben. Und wenn wir uns um Auswanderung kümmern wollen, dann sollten wir uns auf diese Punkte konzentrieren.“
Also doch eine Message für dich, ELPIS?
Europas wichtigstes Ziel: Die Zuwanderung begrenzen, möglichst effektiv. Deshalb fließen viele Millionen Euro in eine Mission mit den Namen EUCAP-Sahel. Europäische Polizisten und Zöllner versuchen schon seit einiger Zeit, ihre Kollegen in Mali oder Niger zu schulen…. 7.000 Kilometer Grenzen hat Mali und ganze 19 ausgebaute Grenzstationen. Da muss noch sehr viel Geld in den Grenzschutz investiert werden, um auch nur annähernd die Kontrolle zu bekommen.
Ach, so geht „Migrationsursachen bekämpfen“? Mehr Grenzpolizei, um die Flüchtlinge an der Weiterreise zu hindern? Verstehe. Viele Millionen sollen dafür via „Migrationspartnerschaften mit Mali, Nigeria, Senegal und – natürlich – Niger“ fließen – leider fließen sie nicht für sauberes Wasser, was ja vielleicht auch eine Möglichkeit wäre, oder?
Nicht wenig, was da so fließt: „Der Europarat hat beschlossen, das Mandat der zivilen EU-Mission EUCAP Sahel Mali bis zum 31. Januar 2023 zu verlängern, und für den Zeitraum vom 15. Januar 2021 bis zum 31. Januar 2023 Mittel in Höhe von über 89 Mio. EUR bereitgestellt.“
90 Millionen Euro also nur für Mali. Es sei Mali gegönnt. Seit 2015 fließen diese Mittel schon. Nein, nicht für Wasser, sondern „um die internen Sicherheitskräfte bei der Wiederherstellung der Autorität der Regierung gegenüber dem gesamten Land nach der „Nord-Mali-Krise“ zu unterstützen. (…)“. „Der Konflikt in Mali ist eine Kombination aus dem Aufbegehren der Tuareg im Norden, einer sozio-ökonomischen Krise und der dschihadistischen Expansion in der gesamten Sahel-Zone…“
Ich kann leider nicht herausfinden, wie diese „Wiederherstellung der Autorität“ im einzelnen aussieht. Aber die Geldgeber wissen es sicher und passen auf, dass es nicht in den Taschen korrupter Politiker, Generäle Polizisten verschwindet. Und die Tuareg finden sicher woanders Arbeit.
Und wie sieht es nun in Agadez aus? EUCAP Sahel Niger soll durch Beratung und Ausbildung zum Aufbau der nigrischen Sicherheitskräfte (Polizei, Nationalgarde, Gendarmerie) beitragen und diese zur effektiven Bekämpfung von Organisierter Kriminalität und Terrorismus befähigen. (… ) Seit 2016 hat die Mission auch einen Standort in Agadez im Norden von Niger.“
Ach, Will.ie, melde dich doch mal! Kein WLAN? Auch nicht bei der EUCAP in Agadez?
Um mich abzulenken, mache ich eine Collage: Der Narr irrt mit Elpis durch eine Afrika-Show.

Diese Legebild-Collage habe ich heute aus verschiedenen Elementen zusammengesetzt: Den Narren mit EΛΠΙΣ (Hoffnung) in den ausgestreckten Händen kennt ihr. Rechts stehen zwei und links vier afrikanische Holzfiguren. Die sah ich im St.Annen-Museum in Lübeck und schrieb dazu einen Beitrag, dem ich jetzt nichts hinzufügen möchte: Africa is on my mind. Das zentrale Legebild stammt aus einem anderen Eintrag: Mama Afrika.
Die vier Bilder in den Rahmen legte und montierte ich heute aus Schnittresten, die mir Jürgen Küster aka Buchalov einst schickte, bevor er sich wegen meiner C-Berichterstattung von mir abwandte. Danke für deine Schnipselspende, Jürgen. Es entstanden fünf neue Bilder, deren Geschichten noch nicht erzählt sind. Anklicken macht sie größer.