

Impulswerkstatt – Einladung für März
Er liegt immer noch ungenutzt herum, der Schlüssel-Impuls. Vielleicht, weil er so viel und so viel Unterschiedliches in mir auslöst. Zum Beispiel folgende Schlüsselerlebnisse:
Da sind die Schlüssel, die einem mal sehr viel bedeuteten, für die aber jetzt die Tür fehlt. Da sind die Schlüssel, die man verloren hat, so dass sich die Tür, vor der man steht, nicht mehr öffnen will, egal wieviele Sesam-öffne-dich man auch ruft. Da sind die Schlüssel, die man jemandem anvertraut hat, aber dieser jemand ist verloren gegangen samt den Schlüsseln. Da ist die Freude über ein neues Schlüsselbund, einen neuen Zugang, ein neues Leben. Da sind die Schlüssel, die die Vertriebenen in der Tasche tragen, immer hoffend auf eine Rückkehr. …
„Was willst du mit den alten Dingern“, sagt Will.ie. „Die haben höchstens noch Wert als Altmetall“. Recht hat sie. Um etwas zu sein, müssen zwei Dinge hinzukommen: ein zu Öffnendes und eine Person mit Schlüsselgewalt. Die Schlüssel-Tür-Schlüsselinhaber bilden eine Dreierbeziehung, und wenn sie segensreich zusammenwirken, ist alles paletti. Doch wehe, eins fehlt oder ist fehlbesetzt! Dann bist du drinnen und kannst nicht raus, oder du bist draußen und kannst nicht rein, oder der Schüssel dreht sich in fremder Hand, du hörst es und du stirbst vor Schreck. Und was der Kombinationen mehr sind.
Myriade hat ein Dreier-Schlüsselbund abgebildet, wodurch sich das Problem verdreifacht. Denn das zu Öffnende sind offenbar drei verschiedene Türen. Da ist ein großmächtiger Torschlüssel, alt und durchaus vertrauenswürdig, sofern er nicht in der Hand des Gefängniswärters ist und du auf der falschen Seite sitzt. Da ist ein dünner kompliziert wirkender Schlüssel, der womöglich eine Extraverriegelung bedient, die nicht weicht, auch wenn man den großen Schlüssel ergattert hat. Und da ist ein dicklicher Schlüssel, der womöglich einen Tresor absperrt, so dass, sofern er fehlt, man dumm dasteht, den großen und dünnen Schlüssel in der Hand, aber die Schätze des Tresors bleiben einem dennoch verschlossen….
„Was gehen dich diese Schlüssel an! Warum machst du dir so viele Gedanken darüber! Schmeiß sie doch einfach weg!“ sagt Will.ie, nun schon etwas entnervt, denn wie es leider meine Gewohnheit ist, habe ich laut zu mir selbst geredet. Ich seufze. Sie hat ja so recht. Was gehen mich diese Schlüssel an. Sie haben absolut keine Bedeutung für mich. Weder habe ich sie noch die dazugehörigen Schlösser in meiner Gewalt. Also vergiss sie!
„Schlüssel“, sage ich, um mich zu rechtfertigen, „haben irgendwie eine magische Kraft. Früher hat man damit sogar Beschwörungen gemacht, wenn kein Nachwuchs kam oder so.“ – „Hihi, Schlüssel und Schloss, klar, Mann und Frau, Penis und Vagina logisch“, lacht Will.ie. „Ich erinnre mich an Zeiten, wo der Herr, wenn er zu einem dieser dummen Kriege aufbrach, den Schlüssel zu seines Weibes Keuschheitsgürtel mit sich führte. Die Zeiten haben sich zum Glück geändert, meine Liebe.“
Ja, und wieder hat Will.ie Recht. Die Zeiten haben sich geändert. Auch die Schlüssel. „Stimmt, Will.ie“, sage ich daher. „Die Zeiten haben sich geändert. Heute heißen die Schlüssel Code. Wer den Code kennt, kann den verschlüsselten Inhalt lesen und nach Belieben benutzen. Das gilt für alles Mögliche, in diesem digitalen Zeitalter. Drum bin ich ja auch gegen den verdammten digitalen Impfausweis. Da haben andere den Schlüssel und ich bin die Dumme“. – „Wer denn?“ fragt Will.ie. „Deine Daten dürfen doch nur von Befugten abgelesen werden.“ – „Befugte! Du bist gut! Meine Haustürschlüssel gebe ich nicht jedem, der sich selbst für befugt erklärt. Da bin ich sehr sehr wählerisch und schaue ihn mir gründlich an. Ist er vertrauenswürdig? Wird er mich nicht bestehlen, mein Hab und Gut an sich bringen und an den Meistbietenden verhökern? Und da handelt es sich ja nur um mein Hab und Gut und nicht um mich als Mensch!“
„Da hast du freilich einen Punkt,“ sagt Will.ie. „Wer der Befugte ist, musst du schon selbst entscheiden. Deine persönlichen Daten gehören dir und sonst niemandem, und es darf sie nur lesen, wem du und solange du deine Erlaubnis dazu gibst. Ich dachte, das wäre klar.“
„Ist es aber leider nicht, liebe Will.ie. Daten sind heutzutage ein großer Schatz, und wer den Schlüssel zum Datentresor hat, der beherrscht bald die ganze Welt. Das sagte auch der Typ von der US-Firma, die das Geschäft mit dem digitalen Impfausweis eingeheimst hat. Wer an die Daten ran kann, ist König, kann sie benutzen, verscherbeln, was weiß ich.“ – „He“, sagt Will.ie. „Das klingt aber gar nicht gut. Ich glaube fast, dass es Zeit wird, das zu stoppen. So haben wir nicht gewettet. Da spiel ich nicht mit! Meine Daten gehören immer noch mir!“

Will.ie spielt mit ihrem Datensatz…