19.3.2021. Impulswerkstatt: mit Will.ie über Schlüssel und Codes reden.

https://laparoleaetedonneealhomme.wordpress.com/2021/03/01/impulswerkstatt-einladung-fuer-maerz/

Er liegt immer noch ungenutzt herum, der Schlüssel-Impuls. Vielleicht, weil er so viel und so viel Unterschiedliches in mir auslöst. Zum Beispiel folgende Schlüsselerlebnisse:

Da sind die Schlüssel, die einem mal sehr viel bedeuteten, für die aber jetzt die Tür fehlt. Da sind die Schlüssel, die man verloren hat, so dass sich die Tür, vor der man steht, nicht mehr öffnen will, egal wieviele Sesam-öffne-dich man auch ruft. Da sind die Schlüssel, die man jemandem anvertraut hat, aber dieser jemand ist verloren gegangen samt den Schlüsseln. Da ist die Freude über ein neues Schlüsselbund, einen neuen Zugang, ein neues Leben. Da sind die Schlüssel, die die Vertriebenen in der Tasche tragen, immer hoffend auf eine Rückkehr. …

„Was willst  du mit den alten Dingern“, sagt Will.ie. „Die haben höchstens noch Wert als Altmetall“. Recht hat sie. Um etwas zu sein,  müssen zwei Dinge hinzukommen:  ein zu Öffnendes und eine Person mit Schlüsselgewalt. Die Schlüssel-Tür-Schlüsselinhaber bilden eine Dreierbeziehung, und wenn sie segensreich zusammenwirken, ist alles paletti. Doch wehe,  eins fehlt oder ist fehlbesetzt! Dann bist du drinnen und kannst nicht raus, oder du bist draußen und kannst nicht rein, oder der Schüssel dreht sich in fremder Hand, du hörst es und du stirbst vor Schreck. Und was der Kombinationen mehr sind.

Myriade hat ein Dreier-Schlüsselbund abgebildet, wodurch sich das Problem verdreifacht. Denn das zu Öffnende sind offenbar drei verschiedene Türen. Da ist ein großmächtiger Torschlüssel, alt und durchaus vertrauenswürdig, sofern  er nicht in der Hand des Gefängniswärters ist und du auf der falschen Seite sitzt. Da ist ein dünner kompliziert wirkender Schlüssel, der womöglich eine Extraverriegelung bedient, die nicht weicht, auch wenn man den großen Schlüssel ergattert hat. Und da ist ein dicklicher Schlüssel, der womöglich einen Tresor absperrt, so dass, sofern er fehlt, man dumm dasteht, den großen und dünnen Schlüssel in der Hand, aber die Schätze des Tresors bleiben einem dennoch verschlossen….

„Was gehen dich diese Schlüssel an! Warum machst du dir so viele Gedanken darüber! Schmeiß sie doch einfach weg!“ sagt Will.ie, nun schon etwas entnervt, denn wie es leider meine Gewohnheit ist, habe ich laut zu mir selbst geredet. Ich seufze. Sie hat ja so recht. Was gehen mich diese Schlüssel an.  Sie haben absolut keine Bedeutung für mich. Weder habe ich sie noch die dazugehörigen Schlösser in meiner Gewalt. Also vergiss sie!

„Schlüssel“, sage ich, um mich zu rechtfertigen, „haben irgendwie eine magische Kraft. Früher hat man damit sogar Beschwörungen gemacht, wenn kein Nachwuchs kam oder so.“ – „Hihi, Schlüssel und Schloss, klar, Mann und Frau, Penis und Vagina logisch“, lacht Will.ie. „Ich erinnre mich an Zeiten, wo der Herr, wenn er zu einem dieser dummen Kriege aufbrach, den Schlüssel zu seines Weibes Keuschheitsgürtel mit sich führte. Die Zeiten haben sich zum Glück geändert, meine Liebe.“

Ja, und wieder hat Will.ie Recht. Die Zeiten haben sich geändert. Auch die Schlüssel. „Stimmt, Will.ie“, sage ich daher. „Die Zeiten haben sich geändert. Heute heißen die Schlüssel Code. Wer den Code kennt, kann den verschlüsselten Inhalt lesen und nach Belieben benutzen. Das gilt für alles Mögliche, in diesem digitalen Zeitalter. Drum bin ich ja auch gegen den verdammten digitalen Impfausweis.  Da haben andere den Schlüssel und ich bin die Dumme“. – „Wer denn?“ fragt Will.ie. „Deine Daten dürfen doch nur von Befugten abgelesen werden.“ – „Befugte! Du bist gut! Meine Haustürschlüssel gebe ich nicht jedem, der sich selbst für befugt erklärt. Da bin ich sehr sehr wählerisch und schaue ihn mir gründlich an. Ist er vertrauenswürdig? Wird er mich nicht bestehlen, mein Hab und Gut an sich bringen und an den Meistbietenden verhökern? Und da handelt es sich ja nur um mein Hab und Gut und nicht um mich als Mensch!“

„Da hast du freilich einen Punkt,“ sagt Will.ie. „Wer der Befugte ist, musst du schon selbst entscheiden. Deine persönlichen Daten gehören dir und sonst niemandem, und es darf sie nur lesen, wem du und solange du deine Erlaubnis dazu gibst. Ich dachte, das wäre klar.“

„Ist es aber leider nicht, liebe Will.ie. Daten sind heutzutage ein großer Schatz, und wer den Schlüssel zum Datentresor hat, der beherrscht bald die ganze Welt. Das sagte auch der Typ von der US-Firma, die das Geschäft mit dem digitalen Impfausweis eingeheimst hat. Wer an die Daten ran kann, ist König, kann sie benutzen, verscherbeln, was weiß ich.“ – „He“, sagt Will.ie. „Das klingt aber gar nicht gut. Ich glaube fast, dass es Zeit wird, das zu stoppen. So haben wir nicht gewettet.  Da spiel ich nicht mit! Meine Daten gehören immer noch mir!“

Will.ie spielt mit ihrem Datensatz…

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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20 Antworten zu 19.3.2021. Impulswerkstatt: mit Will.ie über Schlüssel und Codes reden.

  1. Myriade schreibt:

    Die Schlüssel hast du im Kopf in alle möglichen Richtungen gedreht und aus allen möglichen Perspektiven betrachtet. Gefällt mir sehr-
    Was den Datenschutz betrifft, fürchte ich, sind wir ohnehin alle schon sehr transparent …

    Gefällt 4 Personen

    • gkazakou schreibt:

      .. und so wurde mein Kopf zum Schlüsselloch…. Was du zum Datenschutz sagst: stimmt, wir sind recht durchsichtig geworden. Dennoch gibt es einen deutlichen Unterschied: wir selbst bestimmen über die Daten, die wir freigeben,

      Gefällt 1 Person

      • Myriade schreibt:

        Schon, schon, aber wenn du denkst, was allein zB in diesem Blog alles über dich drin steht, freiwillig erzählt. Wenn man alles zusammenfügt, bist du in jeder Hinsicht völlig durchsichtig

        Gefällt 1 Person

  2. Olpo Olponator schreibt:

    Also bitte – zuerst alle Daten freiwillig rausrücken und dann jammern ? Will.ie, Will.ie … das paßt nicht zusammen.
    Alleine wenn ich mir ansehe, wie oft mein Facebook-Container genanntes Tool anspringt (hier, bei Myriade ebenfalls sowie bei den meisten WP-Nutzern…). Es ist ein Werkzeug für den Firefox, welches die im Hintergrund laufenden fb-Links einsperrt. Zuckerberg, der Nichtsnutz, der Will.ies Nutzerdaten ungeniert nutzt und an die Dienste weitergibt weiß also, auf welcher Seite sie rummacht, weil fb sie verfolgt – und ich weiß meinerseits, weil mir angezeigt wird wenn der Container aktiv ist, wer auf WP diese heimliche Verlinkung nicht mittels der Grundeinstellungsseite abgestellt hat, es sind die Wenigsten – die Mehrheit will ihr Gesicht möglichst breit verteilen, ‚da sein im Netz‘, einer der blöden Verführersprüche, welche auf die Eitelkeit abzielen und verheimlichen, was eigentlich passiert mit dem Dasein … Den Container gibt es übrigens hier kostenlos für FF fertig zur automatischen Installation, er ist aber auch für chrome verfügbar (und natürlich auch für edge ;-)).
    https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/facebook-container/?src=external-www.mozilla.org-welcome-7&utm_source=mozilla.org-firefox-welcome-7&utm_medium=referral&utm_campaign=welcome-7-fbcontainer
    Ich mein‘ ja bloß … 😉

    Gefällt 2 Personen

  3. Leela schreibt:

    eine interessante Geschichte, die die Schlüsselbedeutung immer weiter spinnt. Vor längerer Zeit schrieb ich auch eine Schlüsselgeschichte. Ich könnte sie posten, kapiere aber nicht wie. Wird sie unter verfassen auf meiner Seite geschrieben mit dem Link zur Impulwerkstatt als Beitragsbeginn oder müsste ich da sonst noch was machen? Erscheint das Schlüsselbeitragsbild dann automatisch?

    Gefällt 2 Personen

  4. Johanna schreibt:

    Schlüssel, Codes… spannend betrachtet… und dann sah ich gerade ein Himmelschlüsselchen 😍

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