Die letzten Tage…

… nicht überhaupt, aber doch dieses Jahres kommen auf uns zu und gleiten vorbei. Grad war ein Tag noch da, schon ist er nicht mehr da. Und so gehts Tag um Tag. Am Ende der Reihe kommt der Doppelgesichtige, der Janus, der dem Januar seinen Namen gegeben hat.IMG_4953Am Boden sammelt sich der Schutt des Lebens. Carpe diem, fasse den Tag am Schopf, denn bald schon kommt Janus daher.

Oder, die Brecht dichtet: „Der Tag steht in den Türen, du kannst schon Nachtwind spüren“ — Nein, den Rest verrate ich nicht.

Hier also Janos (griechisch) oder Janus (lateinisch) bei der Arbeit:IMG_4619

Rechts geht ein Paar ab, steigt die Stufen hinunter, ich weiß nicht, wohin ihr Weg führt. Ein schwarzer Schwan ist bei ihnen, und über ihnen herrscht der abnehmende Mond.

Links kommt eine rotlippige Mama mit einem rosa Baby ins Bild geschritten, bei ihnen ist ein Jungvogel in Weiß und Schwarz. Über ihnen steht der junge zunehmende Mond. Janos hofiert sie mit seinem rosa bewimpelten Stab herein, während er die anderen mit den schwarzen Wimpeln hinauswinkt. Unter ihm gibt ein dicker Pfeil die Richtung der Bewegung an. Nur in die Richtung, bitte! Einbahnstraße!

Mich erinnert das ein bisschen an ein Lied, das wir in der Grundschule lernten und dazu auch tanzten. Das ging etwa so: Geh von mi, geh von mi, ick mag di nich seihn – komm to mi, komm to mi, ick bin so alleen – fidjerallala, fidjerallala ich hev eene andre un dei is so schön.

Ich weiß, ich weiß, es ist noch nicht so weit. Aber besser, man macht sich rechtzeitig drauf gefasst, nicht wahr? Bekanntlich läuft die Zeit schneller, als manchem lieb ist. Und plötzlich ist eine andre gefragt und man selbst steigt die Stufen des Vergessens hinab.

Tröstlich ist immerhin, dass die Einbahnstraße in Wirklichkeit zugleich ein Kreisabschnitt ist. Ich lebte mal in einem Athener Vorort – Nea Philadelphia -, da konnte ich, wenn ich aus dem Haus trat, immer grad aus gehen und kam sicher wieder nach Haus. Denn die Straßen waren als Kreis rund um eine zentrale verkehrsachse angeordnet.

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Die Bilder habe ich schon mal gezeigt, glaube ich. Aber wer erinnert sich IMG_5481a dran? Und wenn schon, zweimal hält besser.

 

 

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Alexander von Humboldts Reise nach Südamerika

Alexander von Humboldt, geboren und gestorben in Berlin (1769-1859). Dazwischen viel unterwegs.

Als sich jeder, der die „Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann (2005 bei Rohwoldt erschienen) gelesen hatte – und das waren ein paar Millionen Menschen – für einen Alexander von Humboldt-Experten hielt, vertiefte ich mich ein bisschen in seine Berichte über den „politischen Zustand des Königreichs Neu-Spanien“.  Eigentlich wollte ich Humboldt gegen die Vereinnahmung durch einen begabten zeitgenössischen Schriftsteller verteidigen – und immer noch finde ich die Art und Weise, wie man durch Fledderung eines großen Toten Weltruhm erreichen kann, wenig geschmackvoll -,  aber schließlich blieb nur eine Imagination von den mexikanischen Silberminen zurück.  Schuld war eine eher beiläufige Bemerkung in einer Rezension: Dass nämlich Alexander von Humboldts Beschreibungen der mexikanischen Silberminen internationale Konsortien zu massiven Investitionen anregten und Humboldt selbst zu einem privilegierten Reisestatus verhalfen.

Und so entstand das Bild, das ich euch heute zeige: Akryllpigmente und Kleister über teils mit Wellpappe überklebter Leinwand. Die Sonne ein Silberdollar. Die Behausungen der Arbeiter Verschläge. In Spiegelschrift ein Satz aus Humboldts Reisebeschreibung. Na, seht selbst.

humboldt

A von Humboldts Reise nach Südamerika: Silbermine (c) Gerda Kazakou

und zur besseren Sichtbarkeit in Ausschnitten: humboldt ab humboldt a

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Von Vögeln, Pflanzen und Politik

 

Kürzlich fragte mich eine Freundin*: Sag mal, wolltest du mit deinen Bildern nicht das griechische Drama illustrieren? Ihre Stimme klang misstrauisch.

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Und jetzt erzählst du ständig von Vögeln! Willst du etwa behaupten, dass wir Griechen alle einen Vogel haben? 

Aber nein, rief ich entetzt. Nichts liegt mir ferner! Ich wollte bloß…

Aber meine Freundin insistierte: Du weißt doch, wie die Deutschen über uns denken. Nix als Vögeln haben wir im Sinn, behaupten sie.

Puh! Da hatte ich mich nun schön in die Nesseln gesetzt.  Ich hatte mich den Märchen zugewandt, um die haarige Politik zu vermeiden, aber offenbar  das falsche Sujet gewählt.

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Also schicke ich die Vögel für heute heim und lege unschuldige Pflanzen. Da wird ja wohl niemand auf dumme Gedanken kommen.

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Allerdings, ich gebe es zu, konnte ich es nicht lassen, den Pflanzen allerlei Bienen- und Schmetterlingsvolk in die Fruchtstände zu setzen. Das kitzelte sie sehr. O je, war das ein Gekicher und Gegacker! IMG_5488Sie wanden sich, sie tanzten einen Indianertanz und versuchten, ihre Wurzeln aus dem Boden zu ziehen. Das sah echt anzüglich aus. Ein ernster Vogel flog vorbei. Vielleicht will er nachschauen, wie dieser fröhlichen Bande Ordnung beizubrigen sei. Ein Happs, und Ruhe tritt ein.

Ob das nun ein politischer Kommentar ist?

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*Es handelt sich um eine fiktive Freundin und einen fiktiven Dialog. Das möchte ich hiermit klarstellen.  🙂

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Keramik-Kunst: schwebende Boote

Fast täglich komme ich bei meinen Spaziergängen zum Stadtwald Syngrou an einer Installation vorbei, die weitgehend vergessen vor dem Anwesen eines großen Bauunternehmers steht – oder besser: schwebt. Nirgends ist ein Hinweis auf den Künstler zu finden, aber ich weiß, wer diese faszinierende Installation geschaffen hat: die Keramikerin Theodora Horafa.

Drei Boote sind es, nicht leicht gemeinsam aufs Bild zu bringen, denn das  Wasserbecken, in dem sie sich spiegeln, macht den Zugang schwierig.

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Und da ich keine Fotoausrüstung, sondern nur ein iphone besitze, müsst ihr ein wenig eure Fantasie anstrengen, um die Magie der schwebenden Boote zu erfassen.

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photo 1 (Installation Xorafa) a

Ich habe ein wenig nachgeforscht und herausgefunden, dass die Keramik-Künstlerin Horafa, die heute auf der Insel Ägina lebt, ein ähnliches Werk mit dem Titel „Passages“ auf der Biennale Athen-Bologna (1988) und auf einer Wanderausstellung «L’europe des céramistes» (1989) zeigte. Ihre  heutige Arbeit unterscheidet sich sehr von der damaligen, denn jetzt benutzt sie ihr Material, um hauchdünne wellenartige Formen oder Gefäße zu schaffen. Wer möchte, findet Abbildungen unter Θεοδώρα Χοραφά im internet.

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Tiu-Ti’s Geschichte, 5. und letzte Episode : Wie es uns gefällt.

Wie es uns gefällt.

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Gestern ist mir die Geschichte der Tiu-Ti ins Tragische abgeglitten. Doch wer möchte schon ein trauriges Ende? Ich nicht. Also habe ich ein bisschen in die Zukunft geschaut.

Der Winter und die Jagdsaison sind vorbei. Tiu-Ti hat einen neuen Gefährten gefunden, den sie recht innig liebt, und, ja, er liebt sie auch, gerade so wie sie ist: rund und hübsch findet er sie mit ihren kurzen netten Flügeln und ihrem Stummelschwanz, und ich kann ihm da eigentlich nur beipflichten. Besonders jetzt, wo sie geduldig auf ihren beiden hellblauen Eiern sitzt, vor sich zwei schon ausgebrütete Nacktlinge. IMG_5482a Fröhlich stimmt mich auch, dass die klitzekleine I-Kuick zurückgekehrt ist. Sie ist nicht mehr allein, denn sie hat einen Allerliebsten gefunden, mit dem sie ununterbrochen turtelt. IMG_5481a

Mir scheint, sie ist gerade so heftig verliebt, wie es vordem unsere Tiu-Ti war.

Schön ist der Ort, den unsere Freunde für sich und ihre Lieben gefunden haben. Schön und sicher unter dem dicken dornigen Ast. Der wölbt sich über ihrem Nest, als sei er ein Delphin, sprungbereit, falls sich ein feindlicher Mensch nähert.

Aber da steht doch ein Grabstein? Ach was, es ist nur ein großer Felsen, gerade dort, wo im letzten Herbst O-Kuock plötzlich tot aus dem Himmel fiel. Unter dem Felsen quillt seither eine Kuelle mit kristallklarem akuamarin-blauem Wasser hervor. IMG_5483

Das Wasser (Akua) sucht sich seinen Weg hinab zu den Wiesen. Und so ist auch das Inselchen entstanden, auf dem Tiu-Ti und ihr Liebster brüten.

Und wenn ich noch ein wenig weiter in die Zukunft lausche, höre ich, wie Tiu-Ti ihren neugierigen Kleinen erzählt vom Beginn aller Zeiten:

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Am Anfang waren Tui der Helle und Tiu die Dunkle. Die beiden liebten sich herzlich. Jeden Tag sangen sie Tui-tiu-tui-tiu-tuitt. Aber etwas fehlte. Und was war das? Tui-tiu-tui-tiu-tuitt – ach wären wir, ach wären wir, ach wären wir zu Dritt!

Als die Zeit reif war, legte Tiu ein wunderschönes blaues Ei. Tui war begeistert, drehte es, wendete es, setzte sich auch drauf – und plötzlich sprang es auf. Und was glaubst du, was da herausspazierte?

Ein Ziuzui – schreien die Kleinen begeistert, denn sie lispeln noch etwas. Ich!

Recht so, spricht die Mama. Ein Ziuzui kam herausspaziert. Und so hat alles angefangen.

Und wenn du hinaufschaust in den Himmel, dann siehst du Tiu die Dunkle und Tui den Hellen.

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Immer wechselt der Helle Tui mit der Dunklen Tiu ab. Und so ist es mal hell, meine Kleinen, und mal dunkel in der Welt. 

Dunkel und Hell gehören zusammen und sind Eins im Großen TIUTUI .

So, die Geschichte ist aus. Zeit, den Vögeln ihre Ruhe zu gönnen. Die Quelle plätschert und gluckert sacht über die Kiesel und durch das Wiesental. Es hört sich an wie Nachtgesang. Tiu die Dunkle übernimmt die Herrschaft. Gute Nacht allen Vogel- und Menschenkindern.

Ei, Oktober , bb ab

 

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Tiu-Ti, 4. Episode: Früher Tod und stilles Leid

Die Geschichte von Tiu-Ti ist ein Selbstläufer geworden. Ich kann sie nicht mehr stoppen, und ich kann sie auch nicht beeinflussen.

Ihr erinnert euch an die ersten drei Episoden?

Erste Episode: Mama Tiu erzählt der kleinen Ziu-Zui von dem großen Weltenschöpfer TIUTUI und von der Entstehung der Welt aus dem Ei .

IMG_5427aaa2. Episode: Besuch aus der Fremde. Mama Kua-Ack ist mit ihren vier Kindern aus einem Land, dessen Quellen zerstört wurden, geflohen und bittet um Aufnahme. Ziu-Zui ist etwas mulmig zumute, denn sie fürchtet, bei so vielen Essern bleibe nicht genug für sie selbst.

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3. Episode. Erste Liebe. Ziu-Zui, die sich jetzt Tiu-Ti nennt, ist heftig in den exotischen Flüchtling O-Kuock verliebt. Sie lässt sich schwarze Flügel wachsen, denn sie möchte schlanker scheinen und fliegen lernen, um ihm zu gefallen. Er aber liebt nur sein Schwesterherz, die klitzekleine I-Kuick.

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Und nun also die vierte Episode. Früher Tod und stilles Leid. Um Himmels willen, was ist hier geschehen?

IMG_5479Früh am Morgen war es, da hörte man ein Piff und ein Paff, und der schöne, der edle, der angebetete O-Kuock fiel aus dem Himmel herab. Wie freute sich der Jägersmann! Prächtige Federn hatte der Vogel, der Jäger riss ihm drei aus und steckte sie sich an den Hut. Die eine würde er seiner Geliebten schenken, die andere seiner Ehefrau. Die kleine Rote würde er behalten, um seinen Hut zu schmücken und seinen Kumpels zu zeigen, was für ein toller Jägersmann er ist.IMG_5476aa

Arme Tiu-Ti! Vor deine Füße ist der schöne, der edle, der angebetete O-Kuock gefallen. Deine schwarzen Flügel – nicht helfen sie dir nun, schlanker zu erscheinen und zu fliegen, sie sind dein Trauerkleid.

IMG_5474Ja, weine nur, klage! Mit dir klagt die Natur. Der Baum lässt seine Blätter fallen, das Schilf seufzt traurig wie ein verlassenes Kind. IMG_5479bIMG_5479bb   IMG_5479bbb Die kleine I-Kuick flieht entsetzt. Ihr rechter Flügel ist rauchgeschwärzt. Weit weit weg will sie, dorthin, wo keine mörderischen Kugeln ihren Bruder töten.

Kleine I-Kuick! Wo ist dieses Land? Sag es mir, wenn du es findest, damit ich es den anderen Vögeln weitersage, und auch den Menschenkindern.

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Montags ist Fototermin: Tito studiert Cy Twombly

Tito liest Twombly  Dezember, und draußen wird es schneller dunkel. Ein gutes Buch im warmen Zimmer, das ist keine so schlechte Alternative zum Spazierengehen. Also her mit dem dicken Band über Cy Twombly, den ich von einer Reise nach München mitgebracht habe. „Ich“, das bin ich. Der auf dem Foto ist Tito.

Tito studiert Cy Twombly

Kann es sein, dass Tito sich für Cy Twomblys Malerei interessiert? Er schaut, als würde er über das Gelesene nachdenken, aber ich bleibe misstrauisch. Vermutlich täuscht er Interesse nur vor, um den Platz auf dem Sofa zu rechtfertigen, auf dem er eigentlich nicht liegen darf.  Es ist mein Platz.

Schließlich setze ich mich durch. Tito gibt Lektüre und Sofa auf. Ein Sessel tut es zur Not ja auch. Der ist zwar ebenfalls nicht erlaubt. Aber vielleicht träumt Tito ja jetzt von Cy Twombly, und da möchte ich ihn nicht rüde wecken. (Tito ist ein Rüde, versteht sich.)

30.12. Tito 2  30.12, Tito

Und morgen? Spazierengehen! Man braucht es mit der Bildung ja nicht zu übertreiben, besonders wenn man ein Hund ist.

8.12., 17 Uhr, Tito

 

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Agrostis

I think its more than interesting for small farmers and those who want to become

Avatar von eulenausathenEulen aus Athen

Traditionelle Landwirtschaft trifft die Moderne

Wenn ich an Landwirtschaft denke, dann denke ich vor allem an eine idyllische Landschaft. Beim Spaziergang sieht man weite Felder, gesunde und glückliche Tiere, ab und zu einen Bauern, der entspannt auf seinem Traktor über das Feld fährt und einen vielleicht noch nett grüßt. Nicht nur, weil ich mich beruflich immer mehr mit dem Thema IT und Agrarwirtschaft beschäftige, ist mir natürlich bewusst, dass die moderne Landwirtschaft wenig mit dieser Idylle zu tun hat. Die Landwirtschaft heute ist ein hochoptimierter Produktionsbetrieb und bewegt sich wie kaum eine andere Branche in einem Spannungsfeld zwischen Natur- und Landschaftsschutz und Profit bzw. Überlebenskampf sowie Tradition und Moderne. Aber schon die alten Griechen haben sich Gedanken zur Optimierung der landwirtschaftlichen Produktion gemacht, beispielsweise Archimedes mit seiner „archimedischen Schraube“ (Schneckenpumpe) zur Beförderung von Wasser.

Essen müssen wir alle und auch wenn man es in Zeiten des Internets und…

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Griechische Kunst am Sonntag: Jannis Kounellis im Kykladenmuseum

Jannis Kounellis (Γιάννης Κουνέλλης), Jahrgang 1936, ist einer der international bekanntesten griechischen Künstler und Mitbegründer von arte povera in Italien. Für mich ist er einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler überhaupt.

Eine seiner schönsten Ausstellungen sah ich vor Jahren in einem morschen verrosteten Schiff im Hafen von Piräus. Es war wie eine Heimkehr, denn Kounellis stammt aus dem Piräus, und seine Materialien – alte Säcke, Kohle und dergleichen – passten vorzüglich in dieses Ambiente.

Im Athener Kykladenmuseum (ich berichtete schon über dieses Museum und einen anderen Arte-povera-Künstler, den Italiener Mario Merz) sah ich einen Raum, den ich euch heute vorstellen möchte. An einer weißen Wand hängt eine Reihe von schwarzen Mänteln an Kleiderhaken. Sonst nichts.

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Die Geschichte dahinter – der Raum eines Kafenion, der nicht mehr existiert … abwesende Männer, die ihre Mäntel dort hin hängten … Trauer um was? um wen? – sie steckt in den Falten der Mäntel und in den Schatten, die sie an die weiße Wand dahinter werfen.

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In Deutschland war Yannis Kounellis, der seinen Sitz in Rom hat, mit vielen Aktionen präsent, so u.a. auf der Dokumenta 5 (1972) und 7 (1982) in Kassel, aber auch in Berlin (Ada-Aktionen der Avantgarde), Köln (Kolumbia-Museum) und in Schwäbisch-Gmünd, wo sein riesiger Leinenbeutel, den er an einen Galgen neben dem gotischen Münster platziert hatte, für nicht geringe Empörung sorgte. 1991 startete er ein Projekt in der ehemaligen Synagoge Stommeln, das seither von anderen Künstlern weitergeführt wird. Von 1993 bis 2001 war er Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie – eben dort, wo Josef Beuys bis zu seinem Rausschmiss 1972 gewirkt hatte.

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Griechische Lyrik am Sonntag: Giorgos Seferis, Über den Ginster

Über den Ginster.

Giorgos Seferis, geboren 1900 in Smyrna (heute Izmir, Türkei), als 14Jähriger mit seinen Eltern vertrieben aus der Heimat, in allen Ländern zu Haus und nirgends. Diplomat und Dichter, 1963 als erster Grieche geehrt mit dem Nobelpreis für Literatur. Als er 1971 starb, sangen zu seinem Grabgeleit die Menschen an den Straßenrändern eines seiner Gedichte von 1931, das Mikis Theodorakis vertont hatte und das jeder Grieche kennt. Beide – Dichter und Komponist – waren zu jener Zeit Verfehmte. Griechenland stöhnte seit vier Jahren unter dem Verlust der Freiheit, und bis es sie wiedergewinnen würde, sollten weitere drei Jahre vergehen.

Das Gedicht ist das letzte, das Seferis, zunächst auf französisch, veröffentlichte. In Griechenland erschien es einen Tag nach seinem Tod. Es ist ein Gedicht der Verzweiflung und des Zorns, wie es  nur wenige von ihm gibt.

Zur Erläuterung: Der pamphylische Tyrann Ardaios, von dem Platon in seinem großen Werk Politeia (Der Staat, 616) spricht, war bereits zu Platons Zeiten mythisch. Er wurde, so Platon,  an der Pforte zwischen Himmel und Unterwelt in der beschriebenen Weise für seine Untaten bestraft. Seferis, so scheint es, wünschte den Tyrannen seiner eigenen Tage ein gleiches Ende.

Die Übersetzung habe ich selbst besorgt. Falls jemand von euch sich für die Gedichte von Seferis interessiert: es gibt eine gute zweisprachige Ausgabe bei Suhrkamp, mit Übersetzungen von Christian Enzensberger.

Blick von Ramnous Richtung Euböa, im März, blühender Stechginster (c) Gerda Kazakou

Giorgos Seferis

Über den Stechginster

Schön war Sounion an jenem Tag von Mariä Verkündigung / erneut mit dem Frühling./ Wenige grüne Blätter ringsum auf den verrosteten Steinen / Rote Erde und der Stechginster

Altar der Artemis, gegenüber vom Poseidontempel in Sounion (c) Gerda Kazakou

 

Er zeigte seine großen Stacheln, bereit, / und seine gelben Blüten. / Weit dahinter die archaischen Säulen, Saiten einer Harfe, die noch klingen.

Poseidons Tempel in Sounion, gesehen vom Tempel der Athene (c) Gerda Kazakou

Seelenfrieden.

Was war es nur, was mir den Ardaios in Erinnerung rief? / Ein Wort von Platon nehme ich an, verloren in den Windungen meines Hirns, / der Name des gelben Busches hat sich seit jenen Zeiten nicht verändert. / Am Abend fand ich den Abschnitt. / „Sie fesselten ihn an Händen und Füßen“, sagt er uns, „sie warfen ihn zu Boden und prügelten ihn / sie schleppten ihn weiter und zerrissen ihn über den Stacheln des Ginsters. / Und sie warfen ihn in den Tartaros, einen Lumpen.“

So bezahlte in der Unterwelt für seine Verbrechen / der Pamphylier Ardaios, der elende Tyrann.

  1. März 1971

 

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