Was ist das? Und von wem? Malerische Rätselfragen No.3

(Zum Vergrößern bitte anklicken)

Auch das sah ich in Basel: riesige Leinwände, bei denen ich weder das Bedürfnis hatte, sie von fern zu betrachten nach nahe heran zu treten oder sie gar zu berühren. Sie hingen in großer Zahl an den Wänden der Stiftung Beyerle, die dem Maler zu seinem 80 Geburtstag eine große Sonderausstellung ausrichtete. Der Maler ist guter Dinge, und sein Portemonnaie ist immer gefüllt, denn seine Bilder gehen für Zig-Millionen-Beträge weg, werden deshalb auch gelegentlich aus Lagerräumen gestohlen oder gefälscht…. Auch seine beiden Söhne haben eine ordentliche Position im weltweiten Kunsthandel.

Die Qualität von Malerei bemisst er schon mal am Marktwert – und danach ist er tatsächlich ein Großer. Frauen seien die schlechteren Maler, behauptet er frech, und hat auch gleich die Erklärung: man sehe es ja an ihrem Marktwert. Ein Malerkollege aus der sächsischen Heimat, der anders als er die Aufnahmeprüfung zur Dresdener Kunstakademie bestand (Gerhard Richter), verkauft sich allerdings noch teurer.

Aber kann er malen? Einst bezweifelte er es selbst. Und ich kann seinen Zweifel gut nachvollziehen.

Warum aber zeige ich ihn hier? Wieder geht es um die räumliche Beziehung zwischen Bild und Betrachter. Diesmal geht es  aber nicht um den Abstand vom Bild – ich sagte es bereits. Auch verlangen seine Bilder keine großen hellen Räume (wie Monets Seerosen), noch schummriges Licht und Stille (wie Rothkos Farbfelder), seine großflächigen Leinwände sind genauso gut in Tresoren wie in Lagerhallen aufgehoben, man kann sie ansehen oder es auch bleiben lassen…

Und doch kommt es auf ihre Präsentation an. Sie müssen auf den Kopf gestellt oder, in einem Fall, seitswärts gedreht aufgehängt werden.  Die Fotos oben habe ich in die Position gedreht, in der sie gemalt, aber nicht präsentiert wurden. That’s it. Ja, lieber Bild-Beschauer, verdreh nur deinen Kopf und versuche zu entziffern, was da abgebildet ist! Das ist Chupze, das ist Baselitz! (Zum Vergrößern bitte anklicken)

Einige der Bilder, die ich in Basel sah, verzichteten übrigens auf den Trick der Umkehrung, durch den ein Portrait oder eine Landschaft in ein abstraktes Bild verwandelt wird. (Kandisky erfand dadurch, dass eins seiner Bilder verkehrt rum stand, zufällig die abstrakte Kunst, heißt es). Ich finde, dass man an diesen Beispielen die Qualität seiner Malerei besser studieren kann.  Am Ende tue ich ihm Unrecht?

Wenn du mehr von Georg Baselitz (eigentlich Hans-Georg Kern, geboren in Kamenz, Ortsteil Deutschbaselitz) wissen willst, schau in dies Interview, das er zu seinem 75. Geburtstag dem Spiegel gegeben hat. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-90638333.html

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Was ist das? Und von wem? Malerische Rätsel No. 2

Immer noch bin ich unterwegs – in Gedanken, in Erinnerung an das, was ich vorige Woche im Zürcher Kunsthaus, in der Stiftung Beyerle und im Tinguely-Museum in Basel sah. Große Kunst, große Werke…

Bei der heutigen Betrachtung geht es, wie bei dem Seerosenbild von Monet, um den richtigen Abstand. Dieser Maler hat vorgeschrieben, wie groß er idealerweise sein soll: 45 cm.

Ich fand drei Meter gerade recht, denn die erlaubten mir, den Balken aus Sichtbeton oben an der weißen Wand als Gegenstück zu dem schwebenden grauen Balken im Schwarz des Gemäldes festzuhalten. (Kunsthaus Zürich, eigenes Foto)

Aber um die Kraft des Bildes zu fühlen, musste ich schon die vom Maler verlangte 45 cm-Distanz einhalten. Du stehst dicht vor der Leinwand  und tauchst ein in ein Schwarz, das dich ansaugt, verschlingt. Das feine Grau liegt zu hoch, um es ins Auge zu fassen, es ist wie das schmale Fester in einem Keller, einem Gefängnis, nicht mehr als ein blasser Hoffnungsschimmer über tiefer seelischer Niedergeschlagenheit.

Der Maler war glücklich verheiratet, hatte zwei Kinder, seine Bilder verkauften sich prächtig – zeitweise waren sie die weltweit am teuersten verkauften -, er konnte sich ein Traumatelier bauen, reisen, die Menschen verehrten ihn als einen der ganz Großen – – – und er brachte sich um.  Mark Rothko, eigentlich Marcus Rothkowitz, 1903 geboren in russisch Dwinsk, lettisch Daugavpils, deutsch Dünaburg, durchschnitt sich 1970 in New York die Pulsadern. Der Maler des abstrakten Expressionismus, der durch seine schwebenden Farbfelder berühmt geworden war, ging an seiner Depression zugrunde.

Falls du mehr lesen willst, fand ich diesen Artikel in der „Jüdischen Allgemeinen“ anlässlich einer Rothko-Ausstellung in Den Haag recht informativ:

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/20527

 

 

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Stillleben mit afrikanischer Skulptur (Bleistiftzeichnung)

Zusammengetragen habe ich erneut kunstvoll Hergestelltes und von der Natur Geformtes: den Kopf eines Afrikaners aus sehr dunklem Holz, den ich mit einem Glasperlenschmuck krönte – den bereits bekannten hockenden Indonesier, auch „kleiner Denker“ genannt – eine blaue Kugelvase mit kristallinen Kunstblumen – die Athener Eule aus weißem Kunststein einerseits //  zwei große und ein paar kleine Gehäuse von Molusken (Muscheln, Schnecken) – eine vertrocknete Knoblauchblüte – ein dunkles bizarres Stück Holz andererseits. Einen Stapel Bücher zog ich willkürlich aus dem Regal, um die Skulptur höher zu setzen. Es waren: E.T.A.Hoffmann, Die Elixiere des Teufels, Christian Kellerer Der Sprung ins Leere – Objet trouve, Surrealismus, Paul Gauguin, Noa Noa,  Kurt Badt, Die Farbenlehre van Goghs, Hayden Herrera, Frida Kahlo  – Malerin der Schmerzen, Rebellin gegen das Unabänderliche. 

 

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Rückblende Malerei. „Arabische Fassade“

„Arabische Fassade“ (c) gerda kazakou. Akryll auf Leinwand. 2009

Dieses Bild entstand unter dem Eindruck einer Ägyptenreise.  Die Vielgestaltigkeit der Bauelemente, die sich über- und ineinanderschoben, beeindruckten mich besonders bei einem Besuch der nord-ägyptischen Stadt Abukir. Das Bild ist mit 100 x 110 cm recht groß, mit Akryllpigmenten und Kleister in vielen Schichten auf Leinwand gemalt.

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Was ist das? und von wem? Malerische Rätsel (1)

Was ist das? und von wem? Hiermit eröffne ich eine kleine Rätsel-Serie über moderne Malerei. Ich zeige Details von größeren Werken, und ihr sollt versuchen, sie zuzuordnen. Die Auflösung findet er dann gleich unten.

Los gehts

Was ist das, und von wem? Rätsel No. 1

Vorhin las und betrachtete ich bei https://hjschlichting.wordpress.com/2018/05/03/bizarre-unterwasserschatten/ Seerosen und ihre Schatten. Und sofort standen die Seerosenbilder von Claude Monet wieder vor meinem inneren Auge. Erstmals sah ich sie vor vielen Jahren in Paris, und ich erinnere mich an den gewaltigen Eindruck, den sie auf mich machten. „Ein Revolutionär der Malerei“ murmelte ich. „Unglaublich“. Denn wenn man Monets Werke nur von Abbildungen kennt, hat man nicht die geringste Ahnung, mit wem man es zu tun hat. Viel mehr dazu kannst du hier nachlesen: https://gerdakazakou.com/2016/01/06/mein-malen-fortsetzung-3-tritt-naeher/

Vor ein paar Tagen, bei meinem Besuch im Kunsthaus von Zürich, stand ich wieder vor einem dieser gewaltigen Seerosenbilder. Und wieder begann ich den Tanz vor und zurück, durch den sich diese Bilder überhaupt erst erschließen. Stehst du in ordentlicher Entfernung, siehst du: einen weiten Seerosenteich. Trittst du nah heran, siehst du: locker, luftig über die Leinwand tanzende Pinselstriche, die nichts beschreiben. Und so, vor- und zurücktanzend, gibst du dich dem Wunder des Auges hin, das mit großer Leichtigkeit aus diesem Gewimmel ein Bild zusammenfügt.

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Wenn jemand eine Reise tut (plus Begegnungen mit Eule, Rabe, Rotmilan, jungem Rentier und Schlange)

Wenn jemand eine Reise tut,
So kann er was verzählen.
D’rum nahm ich meinen Stock und Hut
Und tät das Reisen wählen.

(Matthias Claudius, Urians Reise um die Welt)

Eine Station meiner Weltreise von fünf Tagen war bei …. Nun rate mal. Kennst du diesen weiten Blick?

Wenig später betrat ich eine reizende kleine Wohnung unter schrägem Dach. Dort nahm ich Quartier.

Die Hausherrin ging Müll wegtragen und das Hausschwein füttern.

Wie, du hast das Rätsel noch nicht gelöst? Bei Ulli war ich, und zusammen waren wir dann auch Kunst anschauen … wie hier, im Tinguely-Museum von Basel.

In Ullis Wohnung fanden sich natürlich auch Dinge zum Abzeichnen : eine plüschige Schneeeule und ein rotschnabeliger borstiger Rabe, eine hölzerne Schange und ein Schlangenholz, zwei andere Hölzer und eine russische Matruschka und ja, eine Flasche Rotwein war auch vorhanden.

Eines der Hölzer hatte eine ganz besondere Gestalt und Geschichte, das musste ich auch noch zeichnen (hinten) – zusammen mit einem Holz-Mitbringsel aus Griechenland (vorn) und der hölzernen Schlange.

Schließlich fanden das Geweih eines jungen Rentiers, eine Klangschale und die Feder eines Roten Milan (Gabelweihe, Königsweihe) auf einer Zeichnung zusammen.

 

 

 

 

 

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Rückblende Malerei: Ausfahrt der Segelboote

Dieses Bild soll mein letzter Beitrag für Ullis Blogparade „Boote“ sein. Ich malte es 2008 mit Akryllpigmenten und Kleister auf Leinwand, 50×60 cm.

Zugleich möchte ich mich hiermit für ein paar Tage abmelden, da ich verreise. Ab 2. Mai bin ich, so hoffe ich, wieder da. Euch allen, die ihr hier mitlest, wünsche ich einen schönen Rest-April und einen herrlichen Maien-Beginn. Alles Gute!

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Boote und kein Ende – Kohlezeichnungen, Akryll, Collagen, mixed media.

Boote. Für Ullis wundervolle Blogparade „Boote“ bin ich noch mal in die Archive gestiegen, nur ein Jahr ging ich zurück. Im vergangenen April entstand eine ganze Serie von Kohlezeichnungen, danach kamen anderen Malmittel zum Tragen.  Ein paar der Fundstücke möchte ich dir, Ulli, zum Verlinken anbieten.

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Griechische Kunst am Sonntag: „Tagebuch einer Schneiderin“

Alexandros Psychoulis

Wie stellt sich der Mensch zu seinem Körper und wie präsentiert er seinen Körper der Gesellschaft? Im fünften Stock hoch über dem Straßengewimmel von Psyrri, in der Galerie a. antonopoulou.art, gehen 14 Künstlerinnen und Künstler diesen Fragen nach. Ausgangspunkt ist das Notizheft einer jungen Frau, 1958 Schneiderlehrling –  griechisch „μοδiστρα“ (Modistin). Es war eine Zeit, in der Griechenland langsam aus den Trümmern von Krieg und Bürgerkrieg hervorkroch und modebewusst, „modern“ wurde – was freilich für die vielen nur ein Traum war. Dem Traum zur Wirklichkeit zu verhelfen, waren die „Modistres“, die modischen Modistinnen-Schneiderinnen berufen, die in den renommierten Modehäusern der Zeit ausgebildet wurden. Für Frauen aus dem „Volk“ war es ein Aufstiegsberuf. So manche eröffnete ihr eigenes Atelier und genoss den Umgang mit ihren Kundinnen – Damen der „guten Gesellschaft“. Eine der Erfolgreichen war wohl die junge Frau von damals, denn ihr Enkel, der ihre Notizen fand und zur Verfügung stellte, ist ein bekannter Athener Architekt geworden.

Alexandros Psychoulis

Mit dem nach oben gerichteten, enthusiastischen Greco-Blick betrachteten sie wohl die feinen Kundinnen und träumten sich, Stich vor Stich, die gesellschaftliche Leiter hinauf.

Alexandros Psychoulis

Der Körper der Frau – mehr noch als der des Mannes – wurde umgeben mit einer modischen  Projektionsfläche für angenommene oder tatsächliche Männerwünsche.

Eine künstlerische Interpretation setzt an die Stelle des männlichen Gesichts gleich den heiß ersehnten Swimmingpool mit Kunstpalme….

oder erträumt sich den modischen Helden – nun schon sehr zeitgemäß – ins Land Fantazio.

Ilias Kafouros, «A bigger splash»

Es ist eine historisch und künstlerisch faszinierende Ausstellung (Kuratorin: die Journalistin Efi Falida), die noch bis zum 26. Mai läuft. Nur wenige Exponate konnte ich fotografieren, denn oft handelt es sich um komplexe Gebilde wie Musterbücher, Schnittmuster, handschriftliche Notizen etc., teils Originale, teils künstlerisch interpretiert. Einige Fotos mehr findet ihr bei Interesse in griechisch-sprachigen Kommentaren zur Ausstellung hier und hier.

 

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Athens is now: Jakovos Volkov, Streetart, Geschäfte und Altstadt von oben

Ein paar Eindrücke von meinem Athenbummel am 20. April. Wo ich mich mal wieder fragte:

Was ist Athen eigentlich?

Eine Stadt? Eine Freilichtbühne? Ein Antiquariat, ein Trümmerhaufen? Ein Alles-geht? Ein Unikum und ein Riesenspaß ist es auf jeden Fall, wenn die Begleitung angenehm ist und das Wetter mitspielt. Diesmal stimmte alles, denn ich war mit meiner lieben Künstlerfreundin Slobodanka Stupar, die zwischen Athen, Belgrad und Köln lebt,  unterwegs, und ein heftiger Frühlingswind hatte den berühmten attischen Himmel blankgefegt.

Zunächst das titelgebende Bild und einiges mehr von einem jungen russisch-griechischen Künstler namens Jakovos Volkov:  Der Ausstellungsraum „Alibi“ mitten im umtriebigen Stadtteil Psyri neben Monastiraki (Sarri 12), ebenerdig, darin Installationen aus Weggeworfenem besonderer Art. Begonnen hat Volkov als Straßenkünstler – und das merkt man seinen Werken auch jetzt noch an. Aus sich wiederholenden Elementen kreiert er Sinn als Wort. Aber seht selbst!

Draußen beherrscht die herkömmliche Straßenkunst die Wände. Etliche eindrucksvolle Werke sind seit meinen letzten Spaziergängen mit Ulli Gau bzw mit Susanne Haun neu entstanden. Auch sonst: Bilder über Bilder und der Kuriositäten kein Ende.

Wir besuchten dann noch eine andere Ausstellung in der Galerie a. antonopoulou.art (ein Beitrag dazu folgt morgen). Die Galerie liegt im 5. Stock, man kann auf die Terrasse hinaustreten und den Stadtteil von oben bewundern. Wo möchtest du Quartier beziehen?

 

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