
(Das Brot des Bäckers, 1.1.2020)
Ich bin nicht gut drauf. Mein Magen ist ein Knoten. Was ist mit Butscha, dieser kleinen Stadt bei Kiev? Was ist dort geschehen? Was ist dort wirklich geschehen? Ich weiß es nicht. Ich muss es aber wissen. Die Welt muss es wissen.
Waren es die abziehenden russischen Truppen, wie behauptet wird? Und die Leichen ließen sie liegen, verstreut auf den Straßen und in offenen Kanälen, unbedeckt, manche gefesselt, und machten sich dann gemütlich auf den Rückzug? Damit sich die Fotografen drauf stürzen und mit dem Finger auf die Russen zeigen: diese Sadisten, diese Nichtmenschen, dieses Pack? Schrieb nicht sogleich ein ukrainischer Bürgermeister (Boris Filatow, Dnjepropetrowsk) auf seiner Facebook-Seite: „Jetzt haben wir das volle moralische Recht, ruhig und bei völlig klarem Verstand diese Nichtmenschen (d.i. die Russen) auf der ganzen Welt zu töten, mit unbegrenzter Zeit und in der größtmöglichen Menge.“? Und der Ukrainische Präsident sagte in einer Video-Botschaft: „Denn das ist die Natur des russischen Militärs, das in unser Land gekommen ist. Sie sind Unwesen, die nicht wissen, wie sie es anders machen sollen.“
Ist es so? Wenn es so ist, so handelt es sich um ein grausames Kriegsverbrechen, das geahndet werden muss. Dennoch, auch dann sind nicht „die Russen“ schuldig, sondern es sind die, die es taten. Und durch nichts gerechtfertigt ist der Aufruf zur Ermordung der Russen.-„Nichtmenschen auf der ganzen Welt“.
Wenn es aber nicht so ist?
Wenn die russischen Truppen schon weg waren, wie Moskau behauptet? Wenn niemand zu Schaden kam, solange die Russen als Besatzung dort waren? Wenn es stimmt, dass jeder jederzeit frei seines Wegs ziehen konnte? Das wird ja von russischer Seite gesagt. Dann waren es ukrainische Verbände, die das ganze schaurige Geschehen inszenierten, um den Druck auf Russland zu erhöhen. Dann wären „WIR“ es gewesen. Wir, die wir mit solchen Verbrechern kooperieren, um die „Freiheit“ zu verteidigen. Wir, die mitmachen beim Schüren von Hass, beim Verbreiten von Lügen, beim Konstruieren von Vorwänden, beim immer gleichen „Der Zweck heiligt die Mittel“.
Ich weiß nicht, was geschah. Ich kann es nicht wissen. Ich weigere mich aber, in solchen schwerstwiegenden Fragen dem offiziellen Narrativ einfach zu folgen. Warum lehnen die Briten es ab, das Thema im Weltsicherheitsrat zu behandeln? Wird sich eine wirklich neutrale Organisation finden, um das Verbrechen aufzuklären? Solange das nicht geschieht, glaube ich nichts.
„Liebe Dora“, sage ich in meiner Qual. „Kannst du mir helfen? Du repräsentierst doch dieses Jahr. Du müsstest es doch wissen!“
Aber Dora weiß auch nicht, was geschehen ist. Und eigentlich will sie es wohl auch nicht wissen. „Es ist Krieg“, sagt auch sie, als wäre damit alles erklärt. „Ich besorge dir jetzt ein Brot. Frisch vom Holzfeuer. Brot ist wichtig, wenn Krieg herrscht.“
Ach, Dora, du hast ja recht. Wenn ich nichts tun kann gegen all den Wahnsinn, so darf ich dennoch den Duft des frischen Brotes einsaugen und mir vorstellen, wie Frieden schmeckt.
