Dora zum AchtenVierten: Verwirrte Ankunft

Wir sind nach Athen gefahren. Mein Kopf schwirrt noch von der Autofahrt. Die Küchentür zum hinteren Balkon malt zur Begrüßung ein extra-helles Trapez auf die Fliesen. Schön und friedlich sieht das aus. Ich wäre zwar gern bei Prinkipessa und ihren Kleinen geblieben, aber nun freue ich mich, angekommen zu sein.

Als ich die Tür öffne, zerbricht die Ordnung. Ein chaotisches Muster aus Dingwelt, Lichtbild und Schatten tritt an seine Stelle.

Werde ich durch diese Tür hinausgehen können? Dora steht schon auf dem Sprung. „Nur zu! Keine Sorge! Ich helfe dir! Hier gehts lang!“ schreit sie und winkt mir zu.

Na besten Dank! Durch solche spitzen Winkel und Brechungen mag eine Dora unbeschadet hindurchgehen. Ich aber, ein Mensch mit irdischer Schwere und Konsistenz?

Als es mir schließlich doch gelingt, reißt die wachhabende Eule erstaunt ihre Blauaugen auf.

Dora aber ist schon aufs Nachbarhaus gesprungen und rühmt die Aussicht. Blau und wolkenlos sei der Himmel, aller Staub sei weggeblasen, man könne von dort bis hinunter zum Meeer sehen.

Mag sein, Dora, mag sein, aber ich werde deshalb nicht hinüberspringen. Erstens ist das nicht erlaubt, und zweitens… Nun, die Trauben sind mir eh zu sauer.

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Dora zum SiebtenVierten: Mama Prinkipessa

Prinkipessa erscheint zu regelmäßigen Zeiten im Hausflur, um gefüttert zu werden. Dora eilt sofort hin, um sie mit Leckereien zu überschütten.“Komm, friss!“ ruft Dora und preist ihr Futter an. „Du musst fressen, damit deine Kinder groß werden! Außerdem musst auch du kräftig sein!“ So lockt Dora ihre scheue Katzenfreundin, doch die schaut sorgenvoll in die andere Richtung …. dahin, wo ihre Kleinen sind.

Denn es stimmt, Prinkipessa hat wieder Junge. Vor etwa zwei Wochen hat sie sie geboren. Wo? Das verriet sie nicht mal Dora. Wir sahen sie in verschiedene Richtungen verschwinden. Einmal brauchten wir trockenes Holz für den Kamin, machten die Eisentür zum Holzschuppen auf, da faucht uns Prinkipessa an. Aha, sie ist hochschwanger durchs Fensterchen gesprungen und hat sich da drinnen eingerichtet, wie schon einmal.  Am nächsten Tag mauzt es aus den Nachbarschuppen mit der höheren Eisentür. Nanu? Hat sie die Jungen am Schlawittchen gepackt und sie hoch-runter-hoch-runter geschleppt,  damit sie sicher sind? So sieht es aus.

zweites Quartier  ——————————————————— erstes Quartier

Wie würde es weitergehen? Vom Boden zum Fenster der Eisentür sind es etwa 1.70 m. Die Kleinen würden es nicht schaffen, da rauszukommen. Sollten sie etwa ihre Kindheit hinter dieser Tür verbringen? Wäre es klug, die Tür einen Spalt zu öffnen, damit sie heraus können? Aber das war letztesmal der Grund für die Metzelei, der fünf von sechs Kleinen zum Opfer fielen. Das möchte ich nicht noch mal erleben. Also ließen wir die Finger von der Tür. Mama Prinkipessa würde schon wissen, so hofften wir, wie mit der Situation zu verfahren sei.

So war es dann auch. Vorhin kam Dora angerannt und flüsterte: „Ich habe sie gesehen!“ Ich schlich hinter Dora her und sah …, nun, ich sah nur das Köpfchen von Prinkipessa, verbarrikadiert hinter dem Efeu an der Terrassenmauer, machte einen schnellen Schnappschuss und hoffe nun, dass sie die Kleinen nicht erneut durch die Gegend schleppt. Wie viele es wohl diesmal sind?

Zu dumm, dass wir nun für ein paar Tage nach Athen müssen. Fürs Füttern haben wir gesorgt. Aber werde ich die Jungen sehen, wenn wir wiederkommen? Oder wird Kater Nabucco, der schon singend und auf Freiersfüßen durch den Garten zog, oder wer es sonst war, auch diese Jungen umbringen? Bitte nicht!

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Frühstück bei Tiffany

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Weiße Schönheit

Weiß zu erleben ist etwas völlig anderes als Weiß zu erklären (wie im vorigen Eintrag). Hier ein Abbild der ersten Schwertlilie in meinem Garten. Weiß und einfach schön.

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Dora noch mal zum SechstenVierten: Weiß, weiß nicht.

„Was sind das für Blumen?“ fragt  Dora und zeigt auf eine Ansammlung hübscher vierblättriger Blüten. – „Weiß nicht,“ ist meine kurze Antwort.

„Und die hier?“ fragt sie angesichts einer nicht wenger hübschen Ansammlung von kleinen sechsblättrigen Sternen. „Weiß nicht“, antworte ich einsilbig.

„Und warum sind sie beide weiß?“ hakt Dora nach. „Weiß nicht“, möchte ich antworten, denn Doras neu erwachte Wissbegier ist zwar sympathisch, aber auch recht ermüdend. Daher antworte ich kurz, aber ordentlich: „Die Farbe weiß entsteht durch Totalreflexion.“ 

„Und wieso?“ will Dora nun wissen. O weh! Ich krame in einem der Kästchen, in denen ich angelesenes Wissen aufbewahre, und beginne: „Also, das ist so. Ja. Also. Das liegt daran, dass der Raum zwischen den Zellen in der Blüte luftgefüllt ist. Das Sonnenlicht trifft erst auf diese Luft und dann auf die Zellwände der Blütenblätter. Die sind, wie du siehst, auch ziemlich dünn, sogar fast transparent, aber eben doch dicker als die Luft. Da kann das Licht nicht so durchmarschieren. Es wird gebrochen, und zwar so sehr, dass gar nichts, keine einzige Farbschwingung eindringen kann.  Das ganze Licht wird von der dünnen Blüte siegreich abgeschlagen. Dieses Licht sehen wir dann als weiß, nicht so hell wie das Sonnenlicht freilich, sondern etwas diffuser.“

Dora hat mir mit gerunzelter Stirn zugehört. Nun bleibt sie bei einer Zyklame stehen und fasst ihr neu gewonnenes Wissen zusammen: „Also, diese hier hat keine Luft zwischen den Zellen. Darum kann das Licht direkt rein in die Blüte. Wenn es wieder rauskommt, ist es nicht weiß, sondern ein bisschen angeschlagen, lila und rot wie geprügelt. Und ein paar Farben hält die Blüte gleich ganz gefangen. Welche aber?“

„Gelborange wie  du,“ sage ich.

Zweifelnd blickt mich Dora an: „Jetzt machst du dich über mich lustig, oder?“

 

 

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Dora zum SechstenVierten: Extra-Licht

Seit Tagen fällt mir das Atmen schwer, Sand treibt in der Atmosphäre, angereichert durch den Rauch der Feuer, die die Bauern anzünden. Sie verbrennen die abgechnittenen Olivenzweige samt allem Unrat, der sich so angesammelt hat. Ab 1. Mai sind offene Feuer verboten, also beeilen sie sich, es jetzt zu tun….

Aber es ist doch Frühling! Ein lindes Lüftchen rührt in der Suppe. Also mache ich mich mit Dora auf. Sie hält ihre Latüchte hoch, um ein bisschen Extra-Licht zu spenden. Danke, Dora!

Inzwischen laufen Gerüchte um, es handle sich gar nicht um Saharastaub. Gespeist wurde dies durch Berichte über ein geo-engeneering-Projekt, von dem im Vorjahr unter anderem die Frankfurter Rundschau berichtete. Nebst dem Absaugen des lebenswichtigen Kohlenstoffdioxids hat Bill Gates laut der Frankfurter Rundschau auch die Technologie zur Abschirmung der Sonne finanziert….“

 

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Dora zum FünftenVierten: Kopfstehen

Ich sitze im Atelier und grüble über einem Bild. „Was ist denn das?“ wundert sich Dora. „Das Haus steht ja Kopf!“ – „Wie die Welt, Dora.“  – „Lass mich mal machen, Gerda, ich rücke sie grade!“

Ich lächle. „Dora, liebe kleine Dora. Wie willst denn du mit deinen schwachen Kräften die Welt gerade rücken?“ Aber Dora ist schon eifrig am Umschaffen. „Ich stelle die Welt vom Kopf auf die Füße!“ ruft sie siegesgewiss. Ha, Karl Marx, der Ähnliches mit der Hegelschen Philosophie versuchte, würde sich über seine kleine Nachfahrin freuen.

Doch wie schon Marx vor ihr erreicht auch Dora mit der Umkehrung nichts wirklich Überzeugendes. Denn nun steht das Haus zwar richtig herum, aber die Sonne liegt am Boden, und das Boot klebt verkehrt herum am Horizont.

„Wie wärs, wenn wir zur Abwechslung mal These und Antithese verlassen und zu einer neuen Synthese schreiten?“ frage ich Dora, die, so fürchte ich, meinem Gedankenflug nicht wirklich folgen kann. Doch sieh mal einer an! Man soll die heutige Menschheit nicht unterschätzen! In Windeseile hat sie die Welt zurückgedreht, die Sonne erstrahlt an ihrem gewohnten Platz, und auch das Haus steht jetzt, wie es soll, „auf den Füßen“. Dora selbst aber hockt im Kahn und segelt fröhlich der Zukunft entgegen.

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Dora zum ViertenVierten: Das Brot des Bäckers

(Das Brot des Bäckers, 1.1.2020)

Ich bin nicht gut drauf. Mein Magen ist ein Knoten. Was ist mit Butscha, dieser kleinen Stadt bei Kiev? Was ist dort geschehen? Was ist dort wirklich geschehen? Ich weiß es nicht. Ich muss es aber wissen. Die Welt muss es wissen.

Waren es die abziehenden russischen Truppen, wie behauptet wird? Und die Leichen ließen sie liegen, verstreut auf den Straßen und in offenen Kanälen, unbedeckt, manche gefesselt, und machten sich dann gemütlich auf den Rückzug? Damit sich die Fotografen drauf stürzen und mit dem Finger auf die Russen zeigen: diese Sadisten, diese Nichtmenschen, dieses Pack? Schrieb nicht sogleich ein ukrainischer Bürgermeister  (Boris Filatow, Dnjepropetrowsk) auf seiner Facebook-Seite: „Jetzt haben wir das volle moralische Recht, ruhig und bei völlig klarem Verstand diese Nichtmenschen (d.i. die Russen) auf der ganzen Welt zu töten, mit unbegrenzter Zeit und in der größtmöglichen Menge.“? Und der Ukrainische Präsident sagte in einer Video-Botschaft:  „Denn das ist die Natur des russischen Militärs, das in unser Land gekommen ist. Sie sind Unwesen, die nicht wissen, wie sie es anders machen sollen.“

Ist es so? Wenn es so ist, so handelt es sich um ein grausames Kriegsverbrechen, das geahndet werden muss. Dennoch, auch dann sind nicht „die Russen“ schuldig, sondern es sind die, die es taten. Und durch nichts gerechtfertigt ist der Aufruf zur Ermordung der Russen.-„Nichtmenschen auf der ganzen Welt“.

Wenn es aber nicht so ist?

Wenn die russischen Truppen schon weg waren, wie Moskau behauptet? Wenn niemand zu Schaden kam, solange die Russen als Besatzung dort waren? Wenn es stimmt, dass jeder jederzeit frei seines Wegs ziehen konnte? Das wird ja von russischer Seite gesagt. Dann waren es ukrainische Verbände, die das ganze schaurige Geschehen inszenierten, um den Druck auf Russland zu erhöhen. Dann wären „WIR“ es gewesen. Wir, die wir mit solchen Verbrechern kooperieren, um die „Freiheit“ zu verteidigen.  Wir, die mitmachen beim Schüren von Hass, beim Verbreiten von Lügen, beim Konstruieren von Vorwänden, beim immer gleichen „Der Zweck heiligt die Mittel“.

Ich weiß nicht, was geschah. Ich kann es nicht wissen. Ich weigere mich aber, in solchen schwerstwiegenden Fragen dem offiziellen Narrativ einfach zu folgen. Warum lehnen die Briten es ab, das Thema im Weltsicherheitsrat zu behandeln? Wird sich eine wirklich neutrale Organisation finden, um das Verbrechen aufzuklären? Solange das nicht geschieht, glaube ich nichts.

„Liebe Dora“, sage ich in meiner Qual. „Kannst du mir helfen? Du repräsentierst doch dieses Jahr. Du müsstest es doch wissen!“

Aber Dora weiß auch nicht, was geschehen ist. Und eigentlich will sie es wohl auch nicht wissen. „Es ist Krieg“, sagt auch sie, als wäre damit alles erklärt. „Ich besorge dir jetzt ein Brot. Frisch vom Holzfeuer. Brot ist wichtig, wenn Krieg herrscht.“

Ach, Dora, du hast ja recht. Wenn ich nichts tun kann gegen all den Wahnsinn, so darf ich dennoch den Duft des frischen Brotes einsaugen und mir vorstellen, wie Frieden schmeckt.

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Dora zum DrittenVierten: Redestein

Dora findet meinen neuen Stein Klasse. „Es ist ein Redestein“, erkläre ich ihr. „Wer ihn in der Hand hält, darf reden. Die anderen müssen solange zuhören. Wenn der Steinehalter zuende geredet hat, gibt er den Stein weiter an jemanden, der nun reden will undsoweiter.“

Seither will sie den Stein überhaupt nicht mehr aus der Hand lassen. Und ich kann ihr nicht sagen, dass ich ihn auch mal haben möchte. Denn solange ich ihn nicht habe, muss ich schweigen. Schließlich kann ich die Regel nicht brechen, die ich eben gerade aufgestellt habe, um mehr Ordnung in unsere Unterhaltungen zu bringen.

Ich schaue mir also Doras Kunststücke schweigend an, bis…. ja, bis sie „Hilfe“ schreit. Der Stein ist zwar immer noch in ihrer Hand, aber sie liegt jetzt drunter und zappelt. „Nimm den verflixten Stein runter!“ schreit sie. Und das tue ich dann auch.

„So“, sage ich und grinse. „Nun rede ich, solange ich will, und du musst den Mund halten.“

Dann aber sage ich nichts mehr, sondern freue mich nur noch, diesen merkwürdig-schönen Stein in der Hand zu halten.

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Glasscherbenspiel: Figurales-Minimales für die abc-etüden

Ich habe nur wenige schwarz bemalte und zerkratzte Scherben. Da sind die Erzählstoffe ziemlich begrenzt. Aber die Scherben gefallen mir sehr, und ich mag sie nicht mit anderen Schnipseln mischen*. Also probiere ich aus, was sie hergeben.

Ein paar der Scherbenbilder habe ich schon gezeigt (Glasscherbenpädagogik), und damit sind die möglichen Varianten weiter geschrumpft.

Was aber ist mir dennoch gelungen?

WANDERVÖGEL: Schwungvoller Aufbruch…

Doch bei Hamburg auf der Chaussee, da taten ihnen die Beinchen weh….

Also geht ihre Geschichte nicht weiter. Wie wärs mit einer

GESCHICHTE ZUR SEE?

Sanft gleitet der Einhandsegler vorbei. Der Typ auf dem kleinen Boot fühlt sich lebendig nur, wenn der Motor unter ihm heftig vibriert.

Meine Sache ist das nicht. Lieber mache ich das Motorboot zum lächelnden Fisch und lasse ihn frei davonschwimmen.

Die beiden Seeleute aber versetze ich auf einen Felsen. Da mögen sie dem Leben der Fische nachsinnen,…

während das Segel führerlos davontreibt.

In ihren gläsernen Leibern vibriert die Erinnerung an Aufbruch und Abenteuer. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sitzen sie da noch heute … Es sei denn, die Erzählfee erbarmt sich und lässt die Glasscherben sanft  in den endlosen Erzählstrom zurückgleiten.

*Zur Hilfe nehme ich schließlich doch drei schwarzweiße Papierschnipsel. Ich brauche sie für die Köpfe und eine Mütze.


Dies ist mein dritter Beitrag zu Christianes abc-etüden mit einer Wortspende von Katha-kritzelt.

Schreibeinladung für die Textwochen 14.15.22 | Wortspende von Katha kritzelt

abc.etüden 2022 14+15 | 365tageasatzaday

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