Das Brot des Bäckers – überzeitlich-surreal.

Das Brot des Bäckers war meine erste Zeichnung in diesem Jahr 2020. Sie ist für mich überzeitlich – selbst wenn die abgebildeten Personen und das Bäckerei-Interieur von heute sind. Um das Überzeitliche der Handlung des Brotbackens, die in allen Kulturen ausgeübt wird, sichtbar zu machen, habe ich Bruckstücke meiner Dürer-Kopien mit dieser Zeichnung verbunden.

Wenn man die gewöhnliche Ordnung der Dinge so verändert, dass sich Merkmale unterschiedlicher Epochen und Gegenden vermischen, entsteht der Eindruck des Surrealen. Wie auf diesem Bild. Und nicht nur dort.

Welche Teile der Dürer-Zeichnungen habe ich oben hinzugefügt? Zum Vergleich die Originale:

 

 

Über gkazakou

Humanwissenschaftlerin (Dr. phil). Schwerpunkte Bildende Kunst und Kreative Therapien. In diesem Blog stelle ich meine "Legearbeiten" (seit Dezember 2015) vor und erläutere, hoffentlich kurzweilig, die Bezüge zum laufenden griechischen Drama und zur Mythologie.
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30 Antworten zu Das Brot des Bäckers – überzeitlich-surreal.

  1. kopfundgestalt schreibt:

    Fassbinder ist heilig. Das sollte man immer beachten.
    Arm, Totenschädel, Löwe, alles involviert und eingebracht – eine interessante Idee, Gerda.

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  2. kopfundgestalt schreibt:

    Aber der Film ist nicht von Fassbinder, sondern mit Günther ksmprecht.

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  3. Gisela Benseler schreibt:

    Was Du da alles zusammengebracht hast, Gerda! Bei Dir ist ja alles möglich und sieht auch nicht schlecht aus. Daß das nicht in eine Backstube gehört, weißt Du ja. Aber es ist ja „surreal“.Aber ich glaube den Grundgedanken zu verstehen: daß dieser Bäcker auch ein Modell für Dürers Hironymus hätte sein können. Insofern paßt es, daß der Löwe ruhig an seiner Seite liegt.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Gisela, ja, das war einer der Gedanken. Der andere war: In unseren heutigen Gesellschaften treffen die verschiedensten Menschen, Dinge, Haltungen aufeinander und bilden ein buntes Gemisch („multi-kulti“). Ich erwähnte in einem Kommentar einen Film über die Pariser Vorstädte, in dem alles vorkommt, was hier zusammen abgebildet ist – auch der Löwe. Und trotzz allem Wirrwarr und aller Gewalttätigkeit, trotz allen Formwandels des menschlichen Zusammenseins bleibt auch da einiges Grundsätzliche erhalten: die Hoffnung auf das tägliche Brot und den direkten menschlichen Austausch.

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      • Gisela Benseler schreibt:

        Hironymus meinte eigentlich eine andere Hoffnung. Und weil er die höher stellte als das tägliche Brot und menschliche Gesellschaft, blieb er einsam, arm und wohl auch gefährdet. Aber er war dennoch geschützt, wie das Gemälde von A. Dürer es ja so überzeugend zeigt. Und Dein Bäcker ist wohl auch beschützt, weil er das tut, was er soll und muß und dadurch auch für das täglich Brot der Menschen und den menschlichen Frieden etwas tut.

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  4. TeggyTiggs schreibt:

    …klasse! …ich finde, es hat neben aller ernsthaftigen Gedanken, die es auslösen kann, auch witziges…jedenfalls habe ich herzlich gelacht und das kann nicht verkehrt sein…

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  5. juergenkuester schreibt:

    Das Brot des Bäckers: aus der Zeit gefallen, oder ?
    Liebe Grüße

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    • gkazakou schreibt:

      oder vielleicht „in die Zeit gefallen“? Denn die Vermischung der Kulturen ist ein „postmodernes“ Zeitphänomen. Ich sah kürzlich den Film „Les Miserables“ von Ladj Ly über das Leben in Pariser Banlieus. Da ist alles da: das friedliche Brot, der muslimische Bart, der Löwe, jede Form der Bekleidung…..und der Totenkopf mit dem Heiligenschein würde durchaus hineinpassen.

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  6. Jules van der Ley schreibt:

    Es wäre auch gut, deine Collage aus Zeichnungen einfach so zu präsentieren, also ohne Erklärung und Beschreibung des Herstellungsprozesses, ohne deutende Attribute wie „surreal.“ Das verspricht mehr Spannung beim Betrachten. Obwohl das Betrachten im Internet meistens flüchtig ausfällt, würden einzelne Elemente der Collage vielleicht stutzig machen, und man schaut genauer hin.

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    • gkazakou schreibt:

      Danke, Jules. Ich kann deinen Einwand gut verstehen. Man möchte nicht gern herumgeführt werden, sondern selbst entdecken. Nun habe ich mir aber in diesem Blog angewöhnt, Rücksicht auf die Sehgewohnheiten der meist eiligen und in Kunstdingen wenig beschlagenen Besucher zu nehmen. Wer das nicht mag, muss die Texte einfach ignorieren oder sie erst hinterher lesen. Jedenfalls danke fürs Mitgehen!

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  7. felsenquell schreibt:

    Gefällt mir ungemein, gibt was zu entdecken, gibt was denken.Tolle Idee und tolle Ausführung – tatsächlich auch ohne Kommentar.

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  8. Ulli schreibt:

    Liebe Gerda,
    mir geht es immer häufiger wie Jules und Hella einwenden, ich kommentiere meine Bilder kaum noch, ich lasse sie für sich sprechen. Das zeigt sich auch in den Kommentaren, die jetzt detaillierter sind als vorher, als ich noch Vorgaben durch meine Erklärungen machte.
    Zwar finde ich deine Idee witzig, aber so wirklich gefallen tut mir das Bild nicht. Ich fand gerade die Bäckersituation schon vorher gelungen. Ja, nun ist es etwas anderes und klar kann man das machen, aber mich spricht es nicht an. Sorry.
    Herzlichst, Ulli

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    • gkazakou schreibt:

      kein Grund für „sorry“, liebe Ulli. Es muss dir doch nicht gefallen. Mich und einige andere regt es zum Nachdenken an. Das ist nicht gleichbedeutend mit „gefallen“. Es ist widerständiger als die beiden Originale, fügt sich nicht den kulturellen Erwartungen, ist insofern anstößig. Liebe Grüße!

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  9. Ule Rolff schreibt:

    Auf „multikulti“ wäre ich ohne den Hinweis gar nicht gekommen. Ich fand die Idee, die Elemente einerseits witzig, andrerseits mochte ich die Anspielung darauf, wie gut sich zeitlich und räumlich weit auseinanderliegende Elemente gut ineinander integrieren lassen – und in der Anspielung sreckt eben auch das Spiel, das Offene, Nicht-Zielgerichtete. Und für solches habe ich dein Experiment genommen.

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    • gkazakou schreibt:

      so wars auch gemeint, Ule. Multikulti ist ja nichts anderes als dies: „wie gut sich zeitlich und räumlich weit auseinanderliegende Elemente integrieren lassen“. Oder hast du einen anderen Begriff von Multikulti?

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      • Ule Rolff schreibt:

        nein, eigentlich ist es schon das für mich, aber der Begriff wird – nach langer Zeit des sympathisierenden Positivums – immer mehr zum unverbindlichen Schlagwort einerseits, zum herablassenden Beinahe-Schimpfwort von Rechten gegenüber als naiv angesehener Weltoffenheit. Darum verwende ich es eigentlich nicht mehr – an sich beschreibt es ja auch eine Selbstverständlichkeit, die – so besonders hervorgehoben – durch den Begriff schon wieder geschwächt und verniedlicht wird .

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    • gkazakou schreibt:

      ich bin mit den Feinheiten der deutschen Diskussion offenbar nicht mehr recht vertraut. Für mich ist MultiKulti ein friedlicher Mix, Koexistenz und teilweise Vermischung von Kulturelementen, die verschiedenen Weltgegenden und Epochen angehören. So hab ich es gemeint. Eine Selbstverständlichkeit ist es vielleicht früher gewesen, aber seit der Bildung von Nationalstaaten haben sich die Kulturen stark voneinander abgegrenzt und nur langsam, seit den 60er Jahren, sind die Dinge wieder in Bewegung geraten (so kommt es mir vor).

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      • Ule Rolff schreibt:

        Das eine ist ja immer, was ein Begriff bedeutet, das andere, wer ihn wie verwendet.
        Diskutiert wird der Bedeutungswandel meines Wissens nicht, ich bemerke nur einen veränderten Gebrauch in der Politik.

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  10. www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

    *lächel*, sehr originell, was Du hier machst, liebe Gerda.

    Der Bäcker bekam von Hyronimus den Bart und sein Ärmel zeigt das Muster des Vorhangs?, während Dein Mann wohl aus dem Stoff von Hyronimus Umhang seine Jacke ändern ließ 🙂 Der Löwe legte sich gemülich an die Seitw des Bäckers, der TotenKopf kam ins Regal und das, was ich für eine Lampe halten könnte oben rechts ins oberen Brotregal. *schmunzel*
    Eine feine Spielerei!

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    • gkazakou schreibt:

      Die Lampe ist ein Kürbis. (Wiki: „, etwa der von der Decke herabhängende Kürbis, der für einen theologischen Disput mit dem Kirchenvater Augustinus steht, wo sie sich in der Bibelübersetzung vom Hebräischen ins Griechische (Kürbis oder Efeu?) nicht einig sind.“) und das Muster auf dem Ärmel des Bäckers sind Licht-Schatten-Spiele der Butzenscheiben. Interessant, denn zu Hieronymus Zeiten gab es sicher noch keine.

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  11. gkazakou schreibt:

    Ja, das ist eben das Interessante: heute gibts die Butzenscheiben nicht mehr, zu Hieronymus Zeiten gab es sie noch nicht, nur Dürer konnte die schönen Lichtmuster an der Wand sehen und zeichnen. So ist ein Merkmal der Gegenwart (das Bild) in einer Vergangenheit (Dürers Beobachtung) aufgehoben, die auf eine ältere Vergangenehit hinweist (Hieronymus im Gehäus), als es das Phänomen noch gar nicht gab. .

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    • www.wortbehagen.de.index.php schreibt:

      Zeitenübergreifendes in seiner Kunst.
      Aber ich mag sie heute noch, die Butzenscheiben, obwohl sie nun der Vergangenheit angehören, liebe Gerda

      Gefällt 1 Person

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