abc etüde: Kleiner Prosa-Dialog mit Personen des Welttheaters

Die ersten etüden-Wörter des Jahres sind schon fast zwei Wochen im Angebot. Vollbeschäftigt durch das „Welttheater“, bin ich bisher nicht dazu gekommen, eine abc-etüde zu erdichten. Doch da mir die Wörter Fluchtsieger, füttern, wunderbar gefallen, die von Etüdenerfinder Ludwig Zeidler stammen,  möchte ich nun doch den Dialog teilen, der sich zwischen zwei Darstellern des Welttheaters entspann.

 

Clara: Hattest du da, wo du herkommst, auch Katzen, Danai?

Danai: Ja, einen ganzen Haufen.

Clara: Wunderbar, ich mag Katzen. Und wer füttert sie jetzt, wo du weg bist?

Danai: Katzen werden dort selten gefüttert. die Leute haben ja selbst nicht genug zu essen. Höchstens wenn mal was verdorben ist, kriegen es die Hunde und Katzen.

Clara: Aber was essen sie denn? Sind sie nicht hungrig?

Danai: Die traurige Wahrheit ist:  ja, sie sind hungrig. Aber kein Mensch macht sich wegen hungriger Katzen Sorgen, solange er nicht genug hat, um sein Kind satt zu bekommen.

Clara: Das versteh ich. Ich geb den Katzen auch nur von meinem Essen ab, wenn ich genug habe. Aber hier fütterst du die Katzen, oder?

Danai: Ja, Clara. Hier ist es besser. Ich habe immer etwas zum Essen. Für mich selbst brauche ich nicht viel, da kann ich den Katzen was abgeben.

Clara: Dann sind die Katzen Fluchtsieger, Danai? Weil du jetzt hier bist und sie fütterst?

Danai (lächelnd): Ja, und ich selbst ja irgendwie auch. Katzen sind gut für die Seele.

Danai und Clara sind Figuren aus dem Welttheater. Aus rechtlichen Gründen zeige ich sie ohne Kopf bzw von hinten. Die Jungkatze heißt Witch.

 

 

 

 

 

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Welttheater, 3. Akt, 3. Szene: Überlebenskunst (2)

Was zuletzt geschah: Jenny hat sich Claras Geschenkebox unter den Arm geklemmt und ist den steilen Abhang zu Wilhelm, dem Überlebenskünstler, hochgeklettert.  Sie beginnt eine Unterhaltung, um ihn einzuwickeln und so ein Frühstück zu ergattern, ohne die Geschenkbox einzutauschen.

Jenny

Guten Morgen, lieber Mann

schaust du dir auch die Gegend an?

Wilhelm

Ganz recht, meine Kleine.

Und du? Ganz alleine?

Jenny

Nein, da unten sind noch andere

doch ich alleine wandere.

Die andern sitzen gerne im Kreis

begucken Pflanzen, Stein und Gneis

Erzählen Geschichten als alter Zeit

die wissen sehr viel, sind furchtbar gescheit.

Sind sehr edle Damen

die aus der Großstadt kamen

und sich in dieser Bergnatur

erholen wolln, Gesundheit pur.

Und du, was treibst du selbst allhier?

Wilhelm

Sehr gern erzähle ich es dir:

Ich bin der Wilhelm, hab den Willen

dass – wenn sich alle Menschen killen

und alles wird vergiftet sein –

ich überlebe ganz allein.

In diesen Bergen ist mein Lager

das ich gesichert gegen Nager

und jede andre Unbill habe

Ich bin geschickt, von Haus aus Schwabe.

Jenny:

Ach ja? Wie nett, das kenn ich auch!

Die Schwaben haben diesen Brauch.

Wilhelm

Im Lager ist das, was ich brauchen werde

wenn alles leer und tot ist auf der Erde

Konserven mit Butter und Schinken und Speck

Und Werkzeug für jeden erdenklichen Zweck

Auch Filter für Wasser und viel Vitamine

Natürlich gibts auch ne Kaffeemaschine….

Soll ich dir mal mein Lager zeigen?

wir brauchen nur hinab zu steigen

und durch die Schlucht am Ende links

Ich hab da Essen und auch Drinks.

Hab lange keinen Gast gesehn

Na komm, so lass uns gleich hingehen.

Jenny

Sehr gern, doch denk ich, auch die Frauen

 wolln gerne hören und beschauen

was du so sammelst und warum

in deinem Refigurium

Wilhelm (lachend)

Du bist gescheit und gar nicht dumm.

Korrekt heißt es Refugium,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Kaminfeuer und Bergtee (Steinegartens Fotoprojekt)

Es ist mal wieder an der Zeit, einen Beitrag zu Steinegartens schönem Fotoprojekt zu liefern: „Was ist Winter für mich?“

Nun, eine der schönsten Eigenschaften des Winters ist es, dass man seine Abende am flackernden Kaminfeuer verbringen kann. Dazu eine Tasse heißen Bergtee trinken, am besten mit Honig vonder befreundeten Imkerin.  Oliven-Schnittholz gibt es genug, und der duftende durch seine therapeutischen Eigenschaften berühmte Bergtee (eine Art Salbei) wächst massenhaft in unserem Garten. Ich brauche nur ein paar der eingetrockneten Blütenstände und Blätter aus dem Pflanzenbündel zu brechen.

Und was soll ich nun zeigen? Das herrlich wärmende dramatische Kaminfeuer oder den stillen Bergtee? Erstes hat hier im Blog schon öfter Aufmerksamkeit gefunden, also nehme ich etwas Bergtee in die Hand, dazu stelle ich einen halb gefüllten Becher mit dem fertigen Getränk und mache ein Foto,

 

Den grauen Becher mit aufgedruckten Katzen-Pfötchen-Spuren habe ich übrigens am Weihnachtsstand des Tierschutzvereins von Kalamata erstanden. Irgendwann werde ich ihn wohl auch zeichen….

 

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Welttheater: Wie es begann und erste Zwischenbilanz

Sicher gibt es etliche unter euch, liebe Leserinnen und Leser, die ab und zu ein Stückchen des Welttheaters überfliegen und vielleicht sogar lesen. Aber wer das Geschehen auf der Bühne nicht kontinuierlich verfolgt, verliert leicht den Faden. Daher werde ich ab und an eine Zwischenbilanz einschalten, in der ich den Faden rot einfärbe.

Wie das Welttheater begann

Im Dezember 2022 begann ich mit dem „Welttheater“. Doch zunächst ahnte ich gar nicht, DASS ich es begann. Denn mir ging es zunächst nur darum, Dora durch einen Repräsentanten des Jahres 2023 zuersetzen. Zu diesem Zweck eröffnete ich eine Agentur für Kandidaten, bei der sich 17 Interessenten meldeten. Ihr, meine Leserinnen und Leser, stimmtet dann ab, wer den Job haben sollte. Die „Blinde Poetin“, noch namenlos, gewann den Preis des Publikums (hier die Auswertung). Dora, die ich, um sie nicht zu kränken, erst spät benachrichtigte, bemängelte freilich das Verfahren:  eine schriftliche Bewerbung reiche keineswegs aus, um eine Kandidatur zu beurteilen. Sie bot sich an, die Bewerber zu interviewen, was sie dann mit großer Hingabe vom 2. bis 17. Dezember 2022 auch tat. Ihre Berichte machten mir die Figuren immer lebendiger. Was aber sollte ich mit dem Ergebnis anfangen?

Der Dezember war fast schon vorbei, da lachte mich Myriades „Vorhang“ (Impulswerkstatt) an: Eine Bühne! Sogleich erschien zwischen den zaghaft sich öffnenden Vorhängen die „blinde Dichterin“, die nun auch einen Namen trug: Domna (benannt nach einer blinden russischen Dichterin des 19. Jahrhundert). Und da sie eine Dichterin ist, bediente sie sich einer berühmten Dichtung  als Rhythmusgeber für ihren ersten Auftritt.

Goethes „Zueignung“ (Beginn Faust I), auf die sie sich dabei bezieht, kennt ihr natürlich alle.

Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,

Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
Versuch ich wohl, euch diesmal festzuhalten?
Fühl ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?
Ihr drängt euch zu! nun gut, so mögt ihr walten,
Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt;
Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert

Vom Zauberhauch, der euren Zug umwittert.

Durch diesen Auftritt gab Domna nicht nur die gereimte Form vor, sondern drückte auch einen gewaltigen Anspruch aus: Sie wollte in einem dem „Faust“ vergleichbaren „Welttheater“ auftreten. Da saß ich nun in einer Falle.

Das Neue Jahr würde beginnen, und ich ängstigte mich: Unmöglich, dem Anspruch gerecht zu werden. In der Silvesternacht aber erschien, mich zu trösten, Dora. Sie dürfe, teilte sie mir mit, unsichtbar als meine Regieassistentin wirken. Chronos (Zeitgott) persönlich habe es ihr gestattet.

Am 2. Januar beginnen dann die Figuren, nach und nach auf der Bühne aufzumarschieren und sich, immer in gereimter Form, vorzustellen. Die ersten sieben sind:

Domna, die blinde Poetin

Trud, die Fragende (sie hieß zuerst Ungur)

Tschinn, der Macher

Yin und Yang, das Paar

Isolde, die Hedonie

Jerma, die Sowiedu

Hera, die Göttin

Am 3. Januar bekommen dann auch die übrigen zehn Figuren die Gelegenheit, sich vorzustellen. Um das Verfahren abzukürzen und mehr zu dramatisieren, geschieht dies in Form von , die sich ineinander verschränken.

Diaphania, die Transparenz. Sie beäugt und kritisiert

Schurigel, den Angstmacher, der alles andere als transparent ist.

Wilhelm, der Überlebenskünstler stellt sich als Schüler Schurigels vor

Danai, die Flüchtlingin, erbittet Hilfe von Wilhelm

Eine spaziergehende Familie mit Hund marschiert an Danai vorbei. Es sind Statisten,die unterstriechen, wie wenig die Normalbürger das Drama der am Rande Lebenden bemerken.

Clara, der Spielende Kind, versucht vergebens, mit dem Kind der spazierenden Familie Kontakt aufzunehmen

Jenny TheKid taucht auf. Clara spendiert ihr die Hälfte ihrer Banane.

Während die beiden essen und spielen, haben einen Kurzauftritt:

Jonas, der Weltraumforscher,

die Spirits Ma, Lu, Ro, Ho und Wa,

der neue Mensch Humunkulus 

Hera, die Große Göttin des Matriarchats

Luise, das Traumwesen, erscheint als Letzte. Dann fällt der Vorhang.

Damit endet der erste Akt, der eigentlich kein Akt, sondern ein Einführung der Personen ist. Überhaupt ist die Einteilung in Akte und Szenen überholungsbedürftig. Ich kann nicht alles sorgfältig durchplanen, denn die Figuren haben mich überrumpelt. Sie drängen nach Leben, sie wollen auftreten! Am nächsten Tag ist  es dann auch schon so weit.

Szenen 4.-11. Januar

Am 4. Januar beginnt dann das eigentliche Drama. Den Startimpuls liefert mir Christiane mit ihren Montagsgedichten, konkret Eichendorffs Wünschelrute.

Klar, eine Wünschelrute brauche ich, damit ich, die Ahnungslose, mich in den Strömungen der Zeit zurechtfinde. Die Leitfigur des Jahres, Domna, nimmt dieses Instrument in ihre Hände und wird fündig: „geben, gib“ sei das Zauberwort. Sie findet es, als sie in einem verwahrlosten städtischen Randbezirk ihre Runden dreht und auf  Trud,  Danai und schließlich auf die obdachlose Jugendliche Jenny trifft, die schon seit Tagen niemanden mehr gesehen hat und hungrig ist. Gebt mir ein bissel,  es sei was es sei, sagt sie. Und als sich die vier schließlich rund um Truds X-Scherben setzen, der zum Erzähltisch wird, bereit zu teilen, was sie haben, verschwindet die traurige Vorstadtkulisse, und an ihre Stelle tritt ein sonniger Meeresstrand. Die „Bereitschaft zu teilen, was sie haben“ drücken sie in einem Wechselgesang aus. Die zuvor vereinzelten, vereinsamten undgegeneinander gleichgültigen Menschen sind zu einer Gemeinschaft geworden, die sich austauscht:

Ich erzähl euch eine Geschichte                                Und ich stelle Fragen  

Ich rezitier euch Gedichte                                          Ich weiß alte Sagen

Ich weiß was von Witzen                                           Und ich, ich kann lachen

Komm her, bei uns sitzen                                          Bring mit deine Sachen

Komm her, dich zu wärmen                                     Bring mit deinen Kummer

Wer wird sich denn härmen?                                   Ich sing dich in Schlummer.

 

Am 5. Januar erzählt Danai die Geschichte ihrer Ahnen, der Danaiden.

Am 6. Januar tauschen sich die vier über diesen alten Mythos aus

Am 6. Januar, im östlichen Christentum als „Epiphanie“ und „Segnung der Gewässer“  gefeiert, hat Hera ihren Auftritt, um die Interpretation des Danaiden-Mythos zurechtzurücken: Die Danaiden seien Mondpriesterinnen, zuständig für die Bewässerung der Erde. Anstatt sie zu verleumden und zu verfluchen, sollte man sie segnen.

Am 7. Januar schließt sich eine Erörterung von Heras Ansichten an. Die Frauen haben höchst unterschiedliche Meinungen zum Thema „Frau“ und „dienen“.

Am 8. Januar kommen sich Domna und Danai näher. Danai ist keine hilflose Bittstellerin mehr, sondern den anderen gleichwertig.

In der nächsten Szene (immer noch 8. Januar) kommt erneut Hera dazu, in Begleitung der Spirits. Die unterschiedliche Haltung der Frauen zu spirituellen Fragen wird deutlich: Für Danai ist das Göttliche in allen seinen Erscheinungen etwas ganz Selbstverständliches, für Jenny existiert es nicht. Die Härten des Lebens haben sie gelehrt, sich an die „Tatsachen“ zu halten. Ihr „inneres Kind“ ist stumm geworden. Danai erinnert sich an ihr totes Kind, das nun als Clara, das „spielende Kind“  auf der Bühne erscheint.

Am 9. Januar greift Schurigel, der Angstmacher, ein. Jennys  erklärter Unglauben an alles Göttliche ist für ihn das Eingangstor. Nun versucht er, auch Clara entsprechend zu erziehen. Es geht darum, dem kleinen Kind seinen Glaube an „gute Geister“ auszutreiben , um an seine Stelle sogleich den Glauben an „böse Geisterr“ zu setzen. Gottvertrauen gibt dem Kind Kraft, Angst macht es gefügig. 

Am 10. Januar folgt wieder eine Erörterung: Clara behauptet, sich vor Monstern nicht zu fürchten. Jenny schickt den Angstmacher zum Teufel, an den sie anscheinend doch irgendwie glaubt. Schurigel zieht beleidigt ab,  eine etwas verdüsterte Kulisse hinterlassend.

In der nächsten Szene (imm noch 10.1.) gibt das aufziehende Gewitter Gelegenheit, der Frage der Angst vor Naturgewalten nachzugehen. Danai lädt die Versammelten in ihre „Höhle“ ein. (Danai ist zwar ein Flüchtling, aber sie ist zugleich eine Nachfahrin der Danaiden, die in eben dieser Gegend wirkten. Sie kennt  die Gegend daher besser als alle anderen).

Am 11. Januar – nun in der Höhle – betten die Frauen das müde Kind, und Luise, das Traumwesen, erscheint über ihr. Clara träumt vom Blauen Wal (Luftschiff), in dem der Weltraumforscher Jonas und Dora sitzen. Dora lässt ihre Geschenkbox zu Clara herabfallen, mit den besten Wünschen für eine glückliche Zukunft. 

Der Morgen im Gebirge (noch 11. Januar) zeigt die Frauen in ihren unterschiedlichen Einstellungen zum Leben. Für Jenny ist die Beschaffung eines Frühstücks vordringlich

In der Folge (immer noch 11. Januar) konkretisieren sich diese Einstellungen weiter: wie reagieren die Individuen auf die Tatsache, dass sie sich ohne Nahrung im Gebirge befinden?

Clara glaubt an die Magie der Dinge. Die werden ihr schon das Gewünschte verschaffen.

Jennys Überlebensstrategie ist ausgefuchster: Beschwätzen, Sachen „besorgen“, Warentausch sollen sie in den Besitz des Gewünschten bringen.

Danai kennt sich in der Natur aus, sie kann sich von Pflanzen ernähren, und teilt ihr Wissen gern.

Trud hat leider keine Ahnung,´. Die wer, wie, was, wo und warum – Fragen, die sie ständig im Munde führt, hindert sie,  Antworten zu befreifen und zu akzeptieren, denn sie muss auch diese hinterfragen.

Domna lebt im Reich der Poesie. Sie ist blind für die sogenannten „harten Realitäten“, aber versteht sehr wohl den Kummer des Kindes, das sie zu trösten sucht.


So, da sind wir in der Gegenwart angekommen. Wilhelm, Überlebenskünstler oder neudeutsch auch Prepper, erscheint am Berghang. Jenny schnappt sich Claras Dora-Geschenkbox und steigt zu ihm hoch, um mit ihm ein Geschäft zu besprechen, an dessen Ende hoffentlich ein reichhaltiges Frühstück steht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Welttheater 3. Akt, 3. Szene: Überlebenskunst, erster Teil

Was zuletzt geschah: Im Gebirge vor der Höhle gehen die Personen ihren Interessen nach. Jenny und Clara sind hungrig. Das Kind Clara glaubt an die Magie der Geschenkebox, die hart gesottene Jugendliche Jenny denkt, damit ein gutes Tauschgeschäft zu machen.

Jenny:

Da kommt noch einer, ist ein Mann,

mal sehn was ich ertauschen kann.

Denn eines wisse, ohne Geld

bekommst du nix auf dieser Welt.

Doch der ist ja vielleicht ein Ochs

und gibt uns Essen für die Box.

Jenny schnappt sich die Box und klettert den Berg hoch, um zu Wilhelm, dem Überlebenskünstler zu gelangen. Clara bleibt jammernd zurück, Domna versucht sie zu trösten.

Clara (weinend):

Die Jenny hat mir die Dose geklaut

die ich im Traum hab erhalten

ich habe der Jenny immer vertraut.

Ich wollt doch die Dose behalten.

Domna (tröstend)

Mein liebes Kind, nun wein man nicht

die Jenny ist nicht böse

Sie hat nur eine andere Sicht

auf dieses Weltgetöse.

 

Auch Jenny glaubte, als sie klein

an Güte und Magie

doch schwor sie sich, so ganz  allein:

‚Ich fall nie auf die Knie‘.

 

Sie glaubt, dass sie ein Meister ist

im Überlebenskampf

dass jeder Fisch den andern frisst

und Güte sei nur Krampf.

Clara (bestimmt):

Doch meine Dose will ich zurück!

Sie bringt mir im Leben immer nur Glück!

So sah ichs im Traum, und das ist auch wahr!

Die Jenny denkt anders, das ist mir schon klar. 

Domna (lächelnd)

Schon recht, liebes Kind, ich seh, du bist klug

doch Klugsein ist manchesmal auch nicht genug.

Nun warten wir ab, was die Jenny erreicht

ob sie des Mannes Herze erweicht.

Danai und Trud knien am Boden. Sie untersuchen die Pflanzen, ob sich was Essbares findet. Denn auch sie haben Hunger.

Trud:

Kennst du die Kräuter? Taugt dies was?

Weißt du bestimmt, dass auf jenes Verlass?

Danai

Freilich kenne ich sie, liebe Trud

von manchen kochst du einen Sud,

doch manche kannst du auch roh essen,

bevor die Tiere sie wegfressen.

Bei manchen ist die Wurzel gut,

vor ihrem Blatt sei auf der Hut.

Manche sammelst du am Morgen

eh die Sonne noch erwacht

Andre musst du dir besorgen

unterm Mond um Mitternacht.

Trud

So sag mir, wie heißt dieses Kraut?

Oder ist’s dir nicht vertraut?

Danai

Das ist die Vogelmiere,

kannst essen Blüt und Blatt

Ich ess sie wenn ich friere

Viel Vitamin sie hat.

 

Und dies ist Giersch, doch schaue ganz genau

denn andre Pflanzen ähneln ihm doch sehr

und isst du die, so wirst du, liebe Frau

wahrscheinlich krank, womöglich schwer.

Der Giersch schmeckt fast wie der Honig,

die Blätter ess ich auch

Die schmecken leicht zitronig

sie machen warm im Bauch.

 

Inzwischen ist Jenny den steilen Hang hochgeklettert und nähert sich dem fremden Mann. Doras Geschenkebox hat sie sich unter den Arm geklemmt.

Fortsetzung folgt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Genau, genau! Ich bin gut vorbereitet

und wenn die dumme Menschheit auch bestreitet

dass Unheil kommt und Hungersnot

Ich kenne der Vernunft Gebot.

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Bereicherung durch Bloglektüre

Täglich lese ich in vielen Blogs, fühle mich dadurch bereichert, informiert, angeregt. Die Blogs sind eine Fundgrube und Schatztruhe, die meinen Geist in der paradiesischen Weltabgeschiedenheit, in der ich meistens lebe, füttert und nährt. (Ich überlege: muss es die Pluralform „füttern und nähren“ sein? Passen die Verben überhaupt zu „Schatztruhe und Fundgrube“? Einerlei, so steht es nun da,)

Da wir, die wir uns gegenseitig lesen, ein recht dicht kommunizierendes „Bloghausen“ bilden (ich glaube, der Ausdruck, den ich sehr mag, weil er meiner sentimentalen Verbindung zu euch Mitblogger*innen entspricht, stammt von Ulli Gau), kommt es nicht oft vor, dass ich mich auswärts rumtreibe. Ist halt ne Zeitfrage. Doch einen „auswärtigen“ Blog verfolge ich mit großer Aufmerksamkeit und sogar Spannung: Er nennt sich sagemaere, ist englischsprachig, wird von einem US-Germanisten geführt und bespricht deutsche Literatur des Kaiserreichs, von der ich fast nichts weiß.

Alte Hüte? Nicht wirklich. Was ich dort lese, geht mich unmittelbar an, denn es wirft ein Licht auf das literarische Milieu meiner Großmütter und auf das Erbe, das meine Mutter in sich trug und mit dem ich mich nicht anfreunden mochte.

Als Kind und Jugendlicher nämlich schien mir der in Lyzeen und höheren Bildungsanstalten vermittelte Kunstgeschmack sehr suspekt.  „Gefühlskitsch“ war mein harsches Urteil.  Der Nazi-Propaganda hatten sie nichts entgegenzusetzen, krochen ihm gierig auf den Leim. Kurt Deschners „Kitsch, Konvention und Kunst“ diente mir als Leitfaden. Auch später hatte ich keinen Bock, mich mit jener Zeit zu befassen.

Durch den Sagemaere-Blog fühle ich mich nun herausgefordert,  einen unvoreingenommeneren Blick auf diese Literatur zu werfen. Mit Spannung las ich dort die Besprechungen zu Walter Bloems Roman „Brüderlichkeit“, in dem es um den nach WKI zunehmenden Antisemitismus der schlagenden Verbindungen und den scheiternden Versuch eines idealistischen jungen Mannes geht, seine Verbindung zu „reformieren“. (Ja, mein Vater war in so einer Verbindung, und ja, er war Antisemit und wurde früh Nazi, um später im brutalen deutschen Angriffskrieg vor Stalingrad zu fallen, so dass ich ihn nicht kennenlernte und ihn nicht zur Rede stellen konnte. Mit all dem haderte ich als Jugendliche.)

Langer Rede kurzer Sinn (ich neige heute zu Abschweifungen): im heutigen Blog wird eine bayrische Dichterin mit ihrem Prosagedicht „Never again“ vorgestellt. „Nie wieder“ echote es in mir. Aber nein, es war eine andere Zeit, von den Kriegen und dem Nazihorror ahnte sie noch nichts, und so heißt das Gedicht im Original ganz unpolitisch „Nie mehr“. Die Dichterin: Anna Croissant-Rust (1860-1943)

Wenn es dich interessiert, folge den links. Ich mag nicht wiederholen, was dort steht.  Doch dieses berauschend-berauschte Rosengedicht sprach mich an und macht mich neugierig auf mehr:

Rose in meinem Garten

Den Text habe ich aus dem Blog von Sagemaere herauskopiert, da ich finde, dass die  Frakturschrift unbedingt dazu gehört. Was aber ist die Frakturschrift, politisch gesehen? Riecht die nicht nach deutschem „Sonderweg“, ist das nicht sogar Nazi-Kram? So einfach ist das nicht, werde ich durch entsprechende Recherche belehrt. 1941 wurde die Fraktur sogar offiziell verboten – vielleicht, weil man in Hitlers Hauptquartier plante, die ganze unterworfene Welt mit lesbaren deutschen Texten zu beglücken…. (Wenn du nichts über das Thema weißt und es dich interessiert, folge dem Link)

 

 

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Welttheater, 3.Akt, 2. Szene: Morgen im Gebirg

Was zuletzt geschah: Unsere Gesellschaft fand in Danais Höhle ein Nachtlager. Das Kind Clara träumte vom blauen Fisch des Weltraumforschers Jonas und von Dora, die ihr ihre Geschenkebox schenkte.

Im Gebirge ist der Morgen angebrochen. Die Personen treten aus der Höhle und schauen sich um. Von hoch oben grüßt Hera.

Hera:

Guten Morgen den Göttern, euch Menschen, der Welt

Guten Morgen auch dem der singt und der bellt

Der kräht und die mauzt, die muht und der röhrt

Lebendiger Laut hat noch niemand gestört.

 

Es säuselt und brummt, es bewegt sich das Blatt

Die Bien findet Blüten und wird richtig satt

Der Bock frisst die Blätter, was ist schon dabei

Schon morgen gibts neue, so ists einerlei.

 

Ein Geben und Nehmen, das ist die Natur

Der Mensch kennt manchmal das Nehmen nur

Dann bricht der schöne Einklang entzwei

Und nichts zum Nehmen bleibt übrig, o wei!

 

Drum halte, das wünsch ich, das Gleichgewicht

Im Geben und Nehmen, vergiss das ja nicht!

Ist dieses gewahrt, dann gibts keine Not

Dann hat ein Jeder zum Essen sein Brot.

Domna:

Wie herrlich leuchtet mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne, wie lacht die Flur!
Es dringen Blüten aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen aus dem Gesträuch,
Und Freud‘ und Wonne aus jeder Brust.
O Erd‘, o Sonne, o Glück, o Lust!*

Trud:

Wer hat wohl diesen Fels gemacht?

Wie wurd der Stein hierher gebracht?

Was ist dies nur für ein Gestein?

Vielleicht könnt es ein Glimmer sein?

Und jenes Tierchen, will mir scheinen,

ist wohl ein Eidechs mit fünf Beinen?

Ob es hier auch Insekten gibt,

die solch ein Eidechs sicher liebt?

Jenny (zu Clara)

Zeig mal das Ding in deiner Hand!

Es leuchtet hübsch, ist amüsant.

Clara:

Die Dora schenkts mir in der Nacht

Hat es vom Himmel mitgebracht.

Wenn ich was wünsche, krieg ichs auch.

Das ist im Himmel so der Brauch.

Jenny:

Ich wünschte jetzt ein Omelett

mit Pommes und mit Butterfett.

Clara.

Mir knurrt tatsächlich auch der Magen.

Meinst du, ich soll die Dose fragen?

Jenny:

Ach Quatsch, das gibts nicht, nicht im Leben

das kann es auf der Welt nicht geben

Ich hau mal ab, geh was besorgen

kannst du mir kurz die Dose borgen? 

Die tausch ich gegen ein Schock Eier

Das gibt ne super Frühstücksfeier.


*Erste Strophe vom „Mailied“, von Johann Wolfgang Goethe:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Welttheater, 3. Akt, 1.Szene: Traumwesen.

Was zuletzt geschah: ein Gewitter braute sich zusammen, Klein-Clara bekam Angst, und Danai lud alle in ihre Höhle ein.

Danai:

Herzlich Willkommen! Kommt nur herein!

Die Höhle ist leer, ich wohn ganz allein.

Jenny:

Coole Bude, gefällt mir sehr

und leer ist sie ja nun auch nicht mehr.

Clara:

Ein Bett, ein Bett! Ich leg mich hin

weil ich schon schrecklich müde bin

Danai:

Schlaf gut, wir werden dich nicht wecken

ich geh und such dir ein paar Decken.

 

Trud, die Fragende

Darf ich auch zu euch herein?

Wer ist gern draußen ganz allein?

Ist euch im Dunkeln nicht auch bange?

Die Höhle, gibt es die schon lange?

 

Truds Scherbe, später der Erzähltisch, wird jetzt zur Zudecke für Clara.

 

Domna:

Es träumen vielhundert Gedichte

in der Höhle seit altersher.

Sie träumen im schummerigem Lichte

und wissen den Ausgang nicht mehr.

 

 Es schweben die Traumgestalten

in der Höhle dunkelndem Raum

Sie wollen die Nacht verwalten

bis alles wird zum Traum.

 

Über dem schlafenden Kind erscheint Luise, das Traumwesen.

Luise:

Wer rief mich?

Hier bin ich.

Ich bin und ich werde,

ich wachse, ich schwinde.

bin luftig

und flüchtig

So hasch mich

und fass mich

doch nichts kann mich halten

Mich wollen die Jungen

mich suchen die Alten

doch nie ist’s gelungen

den Traum zu verwalten.

In dem Moment erscheint der Weltraumforscher mit seinem Luftschiff über dem träumenden Kind. Und wer ist da mit an Bord?

 

Trud:

Wie ist das möglich? Das Jahr ist vorbei

wo Dora erschien? doch es sei wie es sei!

Ich lasse das Fragen, ich gebe es auf

ich lasse den Dingen einfach den Lauf.

Dora

Ein Gastspiel nur, man hats mir gestattet

ich wollte euch sehn, denn ich liebe euch sehr

Ich bin vom Leben noch gar nicht ermattet

es fehlt mir, zu gerne hätte ich mehr.

Nun darf ich in euren Träumen erscheinen

und euch eure heimlichen Wünsche erfüllen

Wenn Menschen vor Kummer sich in den Schlaf weinen

dann werd ich sie in einen Goldmantel hüllen.

Dem Kinde, der Clara, der schenke ich heute

damit sie Glück hat im Leben und lacht

meine Geschenkbox, da staunt ihr, ihr Leute!

Das hat ihr die Dora gebracht.

Ich (aus dem Off):

Gute Nacht ihr Lieben!

Wo ist nur der Schlaf geblieben?

Jetzt kommt er wohl mit leisem Schritt

Ach komm doch Schlaf, und nimm mich mit!

Und du, kleine Dora, besuch mich im Traum,

Komm her zu mir aus dem Weltenraum

Der Jonas bringt dich sicher her

Ich bitt dich sehr.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Regen

Wenn sich heute im „Welttheater“ Regenwolken zusammen ballen, so hat das durchaus einen realen Hintergrund: Nach allzu langer Trockenheit setzte auch bei uns der Winterregen ein. Der ist freilich anders als in Deutschlands Tiefebenen. Selten regnet es sich ein. Es pladdert ein Weilchen, dann blitzt das Licht schon wieder hier und da auf, die Sonne lässt alles funkeln, bis eine andere Wolke diesem Spiel ein Ende bereitet. So gehts hin und her zwischen Lichtfluten und strömendem Regen.

Mit einem Ausschnitt dieses Fotos, aufgenommen von der Haustür (der Aprikosenbaum ragt ins Bild) überblendete ich das Welttheater.

Den schnellen Wechsel zwischen Licht und Eintrübung kann ich an zwei Fotos demonstrieren, die ich in kürzestem zeitlichem Abstand aufnahm:

Wenn der Regen in den Löchern unserer Straße als Pfützen stehen bleibt, kann ich den Olivenhain doppelt sehen: in echt und gespiegelt. Das macht mich froh.

Wie du siehst, ist der Himmel schon wieder ziemlich blau…

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Welttheater 2. Akt, 11. Szene: Unwetter droht

Was zuletzt geschah: Am Himmel hat sich dunkles Gewölk zusammengezogen. Schurigel verlässt unter dunklen Reden die Bühne.

Hera:

Ich hör ihn grollen, meinen Gatten

ihm passt’s nicht, wenn wir lustig sind

Am liebsten würd ers nicht gestatten

und trieb uns fort mit Blitz und Wind.

 

Domna (selig die Flügelarme ausstreckend)

Regen, Regen,
Himmelssegen!
Bring’ uns Kühle, lösch’ den Staub
Und erquicke Halm und Laub!

Regen, Regen,
Himmelssegen!
Labe meine Blümelein,
Laß sie blüh’n im Sonnenschein!

Regen, Regen,
Himmelssegen!
Nimm dich auch des Bächleins an,
Daß es wieder rauschen kann!*

Clara (ängstlich weinend)

Ich habe Angst, ich mag nicht bleiben

wenn es da oben blitzt und grollt

wenn böse Geister Unfug treiben

ein Kopf wohl über Treppen rollt!

Jenny:

Ich sags ja, du bist blöd geblieben

wo siehst du böse Geister, Kind,

die Totenköpfekugeln schieben?

Wer Krach macht, das ist nur der Wind.

Danai:

Ich hör ihn auch, den Donnerton

Der Himmel ist ganz finster schon

es gibt wohl Regen, und die Stadt ist weit

Um Schutz zu suchen, bleibt uns wenig Zeit.

 

Ihr könntet, wenn ihr wollt, bei mir schnell unterkriechen

ich hab ne Höhle, die ist gar nicht schlecht

so ähnlich wie schon bei den alten Griechen

ich zeig sie euch, wenn es euch recht.

 

Danais Höhle

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* Dieses „Kinderlied“ von Heinrich Hoffmann von Fallersleben entnahm ich Christianes Sammlung „Regensucherin“

 

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