Welttheater 2. Akt, 11. Szene: Unwetter droht

Was zuletzt geschah: Am Himmel hat sich dunkles Gewölk zusammengezogen. Schurigel verlässt unter dunklen Reden die Bühne.

Hera:

Ich hör ihn grollen, meinen Gatten

ihm passt’s nicht, wenn wir lustig sind

Am liebsten würd ers nicht gestatten

und trieb uns fort mit Blitz und Wind.

 

Domna (selig die Flügelarme ausstreckend)

Regen, Regen,
Himmelssegen!
Bring’ uns Kühle, lösch’ den Staub
Und erquicke Halm und Laub!

Regen, Regen,
Himmelssegen!
Labe meine Blümelein,
Laß sie blüh’n im Sonnenschein!

Regen, Regen,
Himmelssegen!
Nimm dich auch des Bächleins an,
Daß es wieder rauschen kann!*

Clara (ängstlich weinend)

Ich habe Angst, ich mag nicht bleiben

wenn es da oben blitzt und grollt

wenn böse Geister Unfug treiben

ein Kopf wohl über Treppen rollt!

Jenny:

Ich sags ja, du bist blöd geblieben

wo siehst du böse Geister, Kind,

die Totenköpfekugeln schieben?

Wer Krach macht, das ist nur der Wind.

Danai:

Ich hör ihn auch, den Donnerton

Der Himmel ist ganz finster schon

es gibt wohl Regen, und die Stadt ist weit

Um Schutz zu suchen, bleibt uns wenig Zeit.

 

Ihr könntet, wenn ihr wollt, bei mir schnell unterkriechen

ich hab ne Höhle, die ist gar nicht schlecht

so ähnlich wie schon bei den alten Griechen

ich zeig sie euch, wenn es euch recht.

 

Danais Höhle

—————————–

* Dieses „Kinderlied“ von Heinrich Hoffmann von Fallersleben entnahm ich Christianes Sammlung „Regensucherin“

 

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Was sehe ich, wenn ich aus der Haustür trete? Aprikosenbaum Januar 2023 (Fotoprojekt Royusch)

Ich nahm einmal an einem vergleichbaren Projekt teil, das Zeilenende angeregt hatte (12-Monats-Bild). Auch Roland will rund ums Jahr dasselbe Motiv fotografieren und auf diese Weise die jahreszeitlichen Veränderungen bewusst und sichtbar machen. Mir gefällt das sehr, und so werde ich also möglichst zu Beginn jeden Monats ein Foto einstellen, das zeigt, was ich sehe, wenn ich die Haustür öffne.  

Ich sehe da ein paar Äste des Aprikosenbaums. Würde ich nach unten schauen. sähe ich mindestens ein Kätzchen, das auf Futter oder Streicheleinheiten wartet.  Das aber ist kein „jahreszeitliches“ Motiv.

Der eigentliche Indikator für jahreszeitliche Veränderungen ist der Aprikosenbaum. Auf ihn werde ich mich konzentrieren.  Heute kam mir sehr zu passe, dass es geregnet hat und sich weiterhin Wolkenberge am Himmel aufbauten. Das sieht doch viel mehr nach „Januar“ aus als die blauen Sonnentage, die uns das Jahr bisher beschert hat. 

 

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Welttheater, 2. Akt, 10. Szene:

Was zuletzt geschah: Der Angstmacher lobt Jennys „Realismus“ und tadelt Claras Glauben an Naturgeister, empfiehlt stattdessen die Lektüre von Gruselmärchen mit Orks und Zombies, damit das Kind lernt, sich zu fürchten.

Clara, Domna, Danai und Hera intonieren einen Wechselgesang, dem sich auch Jenny anschließt. Sie möchten den Angstmacher höflich vertreiben.

Clara: Die wilden Biester fürcht ich nicht

Domna: Den wilden Laistrygonen wirst du nicht begegnen

Danai: Fürs Böse gibts ein göttliches Gericht

Hera: Den Tapferen die Götter segnen!

 

Clara: Die Geister tanzen immerfort!

Domna: Möge dein Herz von Liebe befeuert sein!

Danai: Die Freiheit ist kein leeres Wort.

Hera: Möge das Leben täglich erneuert sein!

 

Jenny TheKid:

An Götter glaub ich nicht, auch nicht an gute Geister

Schon gar nicht aber glaub ich diesem Schurken

der mich mit Ängsten füttert wie mit sauren Gurken

Schurigeln lass ich mich von keinem, darin bin ich Meister.

 

Hau ab, Schurigel, mach, dass du verschwindest

und lass die Clara endlich mal in Ruh

Sie ist ein Kind noch, und kein Mann wie du

Macht΄s Spaß, wie du ihr Kinderherzchen schindest?

 

Alle zusammen:

Angst macht unfrei, Angst macht dumm

Geh schon weg und nimms nicht krumm!

Wir sind so frei, uns nicht zu sorgen

Was morgen kommt, das sehn wir morgen.

 

Schurigel

Schön dumm seid ihr, ihr werdet es bereuen

Dass ihr nicht auf den guten Rat gehört

Denn schwarze Wolken schon am Himmel dräuen

Euch hat die Glaubensseligkeit betört.

 

Wenns an der Zeit ist, sprechen wie uns wieder

dann kommt ihr heulend angerannt

dann fallt ihr bettelnd auf die Knie nieder

dann ist die Suppe leider angebrannt.

 

Noch keiner konnt die große Angst besiegen

die uns im Leben klug und tüchtig macht

so dass wir nicht auf Brechen und auf Biegen

den Bogen überspannen bis es kracht.

 

 

 

 

 

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Welttheater, 2. Akt, 9. Szene: Angstmacherei

Was zuletzt geschah: Danai bedauert Jenny, weil sie durch ihre schweren Lebensumstände hart geworden ist. „Auch du warst ein Kind, wie meins, das ich verlor“, sagt sie – und sogleich tritt Clara, das spielende Kind, hervor, Jenny verdeckend (m.a.W. Clara ist Jennys „inneres Kind“).


Ho:

Hoho, ein herzensliebes Kind

Ro:

Rot ihre Mütz und Schleifchen sind

Lu:

Es spielt mit einem goldnen Ball

Wa:

Es tanzt und singt mit süßem Schall

Ma:

Mama mia, welch ein Kind!

Ist hold wie nur die Kinder sind!

Clara:

Spielt mit mir, ihr Süßen

Die Mama lässt schön grüßen

Mein Ball das ist die Sonne

Ich fischt sie aus der Tonne.

Da fiel sie nachts hinein

Tauchte ins Wasser rein.

Am Morgen half ich ihr heraus

Nun ist sie glücklich wieder drauß!

Jenny springt hinter dem Kind hervor:

Die Kugel ist der Sonnenball?

Du hast wohl, Clara, einen Knall!

Du willst mit diesen Mücken spielen,

die nur nach deinem Blute schielen?

Es sind Vampire, glaub es mir

Ich mach mich besser fort von hier.

Schurigel, der Angstmacher tritt auf. Die Spitits verschwinden. Jenny zieht sich in den Hintergrund zurück.

Schurigel, der Angstmacher:

Götter gibts nicht, das ist klar

auch Spirits nicht, das ist ne Mär

Nur Spinner halten sie für wahr

und rennen ihnen hinterher.

 

Brav, Jenny, du verstehst die Sachen

Du lässt dich nicht für dumm verkaufen

Du weißt, was die Insekten machen

Dass sie dein süßes Blut wegsaufen.

 

Gefährlich ist uns die Natur

mit ihren Sümpfen, ihren Mücken

wir taten viel dagegen, nur

sie hat noch immer ihre Tücken.

Schurigel zieht eine große Papierrolle aus dem Ärmel und hängt sie auf. Es ist mit einem Märchen beschriftet. Durch einen Ausschnitt lugt Jenny theKid.

Und du, mein Clärchen, solltest lesen

und brav daheim bei Mama bleiben,

Statt dich hier draußen rumzutreiben

Und Quatsch zu reden mit den Wesen

 

Die es in Wahrheit gar nicht gibt.

In Büchern findest du, was Spaß macht

und was ein jedes Kindchen liebt,

wenn es in Nächten ängstlich wacht.

 

Da kannst du lesen von Gespenstern

und Orks und Schurken jeder Art

die steigen rein zu deinen Fenstern

mit Kugelaugen oder Bart.

 

Da gruselts dich, du wirst ganz sicher

auch tags dann um die Ecke schielen

ob Zombies, Trolle, Maskenritter

ihr Stückchen in der Stube spielen.

 

Gelobt die Angst, die sie verbreiten,

die auch euch Kinder ängstlich macht!

Denn welcher Mensch kann schon bestreiten:

Die Angst ist eine Himmelsmacht.

 

Wer dieser Macht dient, der wird immer

gerüstet sein, wenns schlimmer kommt.

Und kommt es einmal doch nicht schlimmer,

So weiß doch jeder, was sich frommt.

Hera, die Göttin:

Pst, Clara, lass dich nicht beschwätzen

und gegen unsereins aufhetzen

wir sind bei dir, wir stehn dir bei

Wer ängstlich ist, der ist nicht frei!

Danai, die Hilfesuchende:

Wahr ist, die Welt ist sehr verroht,

Doch Angst hab nicht, an Gott nur glaub!

Wenn echte Not dich mal bedroht,

Hebt Er dich sicher aus dem Staub.

 

Domna, die blinde Dichterin (in tiefen Gedanken, murmelnd)

„Wenn du aufbrichst nach Ithaka, 

wünsche dir, dass der Weg lang sei,

voller Abenteuer, voller Erkenntnisse.

Die Laistrygonen und die Zyklopen,

den wütenden Poseidon fürchte nicht,

solche wirst du auf deinem Wege niemals finden,

wenn dein Denken hoch, wenn erlesene

Empfindung deinen Geist und Körper anrührt.

Den Laistrygonen und den Zyklopen, 

dem wilden Poseidon wirst du nicht begegnen,

wenn du sie nicht in deiner Seele trägst,

wenn deine Seele sie nicht vor dich hinstellt.“*


*Konstantinos Kavafis, Ithaka. Eigene Übertragung. Das ganze Gedicht findest du unter https://gerdakazakou.com/2015/12/01/griechische-lyrik-konstantinos-kavafis-ithaka/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Kunst als Dekor

Viel zu wenig Kunst sehe ich hier in meinem Paradies. Umso gieriger sauge ich auf, was mir gelegentlich vor Augen kommt, so wie letzten Sonntag, als wir in einem großbürgerlichen Haus zum Essen eingeladen waren. Das Gute an solchen Häusern ist: sie haben viele große Wände. Und wenn eine der Töchter des Hauses zudem Kunst studiert hat (in Lissabon zuerst, dann in Brüssel), kann man auf ein paar interessante Bilder hoffen.

Nun, das meiste, was an den Wänden hing, war der „klassischen“ Art und in seinen Farben erdig-dunkel. Wie lebendige Lichtblicke wirkten dagegen die beiden großformatigen starkfarbigen Arbeiten der Tochter.

Natürlich ging es in der Unterhaltung der Anwesenden – ein Arzt, der in England praktiziert und auf das dortige Gesundheitssystem schimpfte, ein gutmütiger älterer Herr, der die meiste Zeit seines Lebens in den Staaten verbrachte, ein stellvertretender Peripheriarch der Peloponnes, der das Wort „stellvertretend“ bei nächster Gelegenheit eliminieren möchte, zwei emiritierte Professoren der politischen Wissenschaften, drei Ehefrauen – nicht um Kunst, sondern vor allem um parteipolitischen Hickhack.

Die Frauen? Die lebhafte Ehefrau des Peripheriarchen langweilte sich offenbar, als ihr Mann eines seiner Projekt wortreich erklärte, denn diesen Vortrag hörte sie sicher nicht zum ersten Mal, Die kluge, gebildete Hausfrau, für die Küche und den stark bewegungs- und sprachbehinderten erwachsenen Sohn zuständig, war ohne Ehrgeiz, sich in die Unterhaltung einzumischen. Ich selbst war etwas neben der Kapp und zog mich irgendwann auf den großen sonnigen Balkon zurück, von wo ich beim fernen Stimmengewirr und Gelächter der Männer sanft einschlief.

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Welttheater 2. Akt, 8. Szene: Über die Spirits, das Göttliche und das Kind

Schau Domna, auch die Göttin ist zurück

mir scheint, zum Guten neigt sich mein Geschick.

Sie rief herbei die klugen Geister der Natur

sehr mächtig, wenn auch winzig von Statur.

Ho: 

Hoho, ei do! ein grünes Blatt!

Ro:

Ich roll mich gleich im Blütenbad!

Lu: 

Lüfte lachen, leuchten, lieben

Wa:

Welle wird an Land getrieben

Ma:

Mama mia schaut nur her

Ein saubrer Strand, ein saubres Meer!

 

Ro-Ho im Duett:

Blüten und Blätter sind unser Metier

Lu-Wa im Duett

Wir kümmern uns lieber um Luft und die See

Ma:

Ich sorge mit meinem beseligten Singsang

Dass Pflanzen und Meer und Lüfte im Einklang.

Lu-Ho-Ro-Wa-Ma im Chor:

Wellen von Licht

 und blühende Wiesen

 Meeresrollen

und Harmonie

wir sorgen, dass nie

solange wir sollen  

an Stränden wie diesen

das Leben zerbricht.

Jenny springt in die Mitte:

in der Mitte Jenny theKid

Jenny TheKid

Ha, wer sind denn die?

So welche sah ich nie! 

Grad wie die Insekten und andres Getier

das mich zersticht mit wütender Gier.

Und was sie da singen!

Ob sie mir ein Ständchen bringen?

Danai:

Pst, Jenny, sei still, du musst jetzt gut lauschen

Dann hörst du die Kleinen wispern und rauschen!

Sie mögen so gar nicht den menschlichen Spott

Sind höchst empfindlich, genauso wie Gott. 

Jenny:

Gott? was isn das? Ist das der Alte mit Bart,

der mit dem Knüppel an jeder Ecke harrt?

Ne, lass man Danai, den brauche ich nicht

man führt mich schon lang nicht mehr leicht hinters Licht.

Danai:

Ach Jenny, du hast in deinen jungen Jahren

viel Hunger, Böses und Härte erfahren.

Doch denk nur, auch du warst ein Kind

und tapfrer als die meisten sind.

Auch ich hat ein Kind, ich verlor es im Meer

und bittere Tränen wein ich seither.

Doch werde ich immer die Göttlichen loben

egal wie die bösen Gewalten auch toben.

Als habe Danai es gerufen, springt das „spielende Kind“, Clara,  in die Mitte, Jenny verdeckend.

in der Mitte das spielende Kind, hinter ihr Jenny, diese verdeckend

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Welttheater, 2. Akt, 7. Szene: Poetin und Flüchtlingin

Was zuletzt geschah: Trud, die Fragende, stellt ihrer Art gemäß Fragen um des Fragens willen. Hera reagiert unwillig: Das Offensichtliche zu hinterfragen, sei wenig hilfreich. Hera und Trud verlassen die Szene, Jenny theKid verharrt unschlüssig. Domna wendet sich Danai zu. Sie rezitiert mit inniger Stimme ein Gedicht*.

Domna

„Bräunliche Haide im Sonnenduft,
Wandervögel in blauer Luft,
Und eine Welle, die weit vom Fluß
Sich in das träumende Land verirrt
Und nun im Sande verrinnen muß. –
Während der Zug vorüber schwirrt,
Prägt sich das seltsame Bildchen mir ein,
Um mich dann später heimlich zu fragen:
„Was bist du Andres, als solch eine Welle,
Die von des Ufers sicherer Schwelle
Ruhlose Sehnsucht ins Weite getragen?“*

 

Gleichst du nicht auch einer Welle

die das Schicksal fortriss von der Quelle

liebe Danai?

Es trug dich fort von deinem Land

und spülte dich an diesen Strand

ganz nahebei

Ein Strand, ein Volk, im irgendwo

du kennst es nicht, es scheint dir roh.

Es ruft: sei frei

Doch Freiheit ist ein leeres Wort

wenn feindlich dir der fremde Ort

wo es auch sei.

Danai:

Ich höre dich, Domna, Liebe,

doch glaub mir, wenn ich bliebe

in meiner Heimstatt, mit den Kindern

mit Schaf und Hund und bunten Rindern

ich wäre tot jetzt samt den andern

die es nicht schafften fortzuwandern.

In meinem Land gibt es nur Krieg und Hass

Nicht morgen, Morden, darauf ist Verlass.

Wir Frauen solln den Männern dienen

wie Sklaven gehorchen und nur ihnen.

Und wer sich wehrt, der wird gezwungen.

Schon meine Ahnin hat gesungen:

‚Die Freiheit ist kein leeres Wort

nicht hier, nicht dort, an keinem Ort‘.

Domna (nachdenklich)

Ich hör dir zu, denn wenig kenne ich die Welt

Ich weiß nicht recht, wie es um sie bestellt.

In dieser Ecke geht es friedlich zu

Zur Ruhe komme hier auch du.

Danei (froh und aufgeregt):

Schau Domna, auch die Göttin ist zurück

mir scheint, zum Guten neigt sich mein Geschick.

Sie rief herbei die klugen Geister der Natur

sehr mächtig, wenn auch winzig von Statur.

 

 

——————————————————————————————————–

Christiane hat mir erlaubt, in ihrer reichen Gedichtssammlung zu stöbern und mich zu bedienen. Es ist eine wunderbare Quelle der Inspiration.  Danke, Christiane!

(Anna Ritter, Verirrte Welle, aus: Befreiung, 1900, Online-Quelle)

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Welttheater 2. Akt, 6. Szene: Hinterfragen

Was zuletzt geschah: Hera hat ihren Monolog über die wahre Version der Danaidengeschichte beendet.  Jenny protestiert heftig und verkündet ihre Lebensdevise: sie will nicht für „weibliche“ Arbeiten eingespannt werden, sondern frei sein.

.

Moment mal, Hera,

willst du uns etwa erzählen

wie gut das Dienen sei?

Solln wir uns weiter quälen?

Ich selbst bin lieber frei!

Trud, die Fragende, hat ihrerseits etliche Grundsatz- und Detailfragen. Hören wir sie selbst:

Trud:

Bist du sicher, hohe Göttin, dass die Frauen besser sind

als die Männer, nur weil sie im Bauch ein Kind

tragen können, Männer nicht?

Führen nicht auch Frauen Kriege?

Neigen Fraun nicht auch zur Lüge

Führen andre hinters Licht?

 

Bist du sicher, dass die Zahl

der Frauen wirklich fünfzig war?

Vielleicht warns zehn, die diese Qual

erdulden mussten Jahr um Jahr?

 

Wo stehts geschrieben, gibts Beweise

dass die Männer sie entehrt?

Oder machten sie die Reise

Weil die Heimat nichts mehr wert?

 

Viele Fragen bleiben offen

viel Geschwätz und wenig Sinn

Weils so ist, bleibt nur zu hoffen

dass ich selbst im Irrtum bin.

Hera zieht sich langsam zurück, Trud rutscht auf den Knien hinter ihr her, immer weiter ihre Fragen murmelnd.

Trud

Stets muss man die Quellen kennen

Wer was sagte und warum

Muss auch stets die Namen nennen

Und vom Ereignis das Datum.

Hera

Das ist das Schlimme dieser Zeit

Dass niemand glaubt, was er vor Augen

Und selbst wenn laut die Wahrheit schreit

Fragt ihr, was die Beweise taugen.

 

Und so geschieht, was offenbar

Schon längst den Menschen, die gescheit.

Die andern spalten Haar um Haar,

Zum Handeln sind sie nicht bereit.

Hera und Trud gehen ab.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Welttheater, Zweiter Akt, Fünfte Szene: Theophanie* der Hera

Zum besseren Verständnis des folgenden Textes:

a) Wikipedia zu Danaiden

„…töteten alle bis auf eine in der Brautnacht ihre jungen Ehemänner…Zur Strafe muss jede von ihnen im Tartaros Wasser in ein durchlöchertes Fass schöpfen, weshalb heute eine qualvolle, sinnlose Mühe eine Danaidenarbeit genannt wird….“

Mondpriesterinnen traten in der Regel in einer Gemeinschaft von fünfzig Jungfrauen auf – was auch immer geschah, daran änderte sich nichts. Sie hatten die Pflicht, durch ihre Rituale dem Land Regen zu bringen und – konkreter – Brunnen und Quellen zu erhalten. Mit Sieben oder durchlöcherten Töpfen wurden die Kulturen mit Wasser besprüht.“

b) Theophanie bedeutet „Erscheinung der Gottheit“, so dass sie für die menschlichen Sinne wahrnehmbar wird.  Griechische Gottheiten erscheinen sehr häufig in menschlicher Gestalt. Aber auch im Alten Testament gibt es Beispiele:  Gott erscheint im „Brennenden Dornbusch“, aus dem er zu Moses spricht. Im Neuen Testament geschieht Ähnliches bei der Taufe Jesu (die heute als Epiphaniasfest gefeiert wird): Der Heilige Geist erscheint in Gestalt einer Taube und eine Stimme (Gott) spricht: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“.

Ende der Erläuterungen.

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Wir verließen die vier (Domna, Danai, Jenny und Trud), als Danai ihre Version der Sage von den Danaiden beendet hat und die Göttin Hera auftritt. Hera verlangt entschieden das Wort:

Halt ein, Danai! Jetzt rede ich!

Denn so, wie deine Ahnen dirs gesagt, so war es nicht!

Lügengespinste breiten

sich über jene Zeiten

auf tausenden von Seiten

schreiben männliche Gelehrte

was uns Frauen tief entehrte.

 

Wir hätten, wie sie sagen

wehrlose Männer erschlagen

uns dann aber glücklich vermählt

mit einem, den wir uns erwählt

 

Doch all das ist erlogen

und später zurechtgebogen

Der Mord ist nicht, was Frauen wollen

die stets dem Leben Tribut zollen

Denn Leben ist’s, was wir bereiten

Wer wagt es, dieses zu bestreiten?

 

Die Frauen, die hier Zuflucht suchten

weil sie geflohen vor verruchten

gewaltbereiten Männerhorden

die sie verfolgten, um zu morden

die Danaiden

waren hinieden

Priesterinnen von meiner Huld

mir dienten sie ohn jede Schuld

Als ich die Große Göttin genannt

Bei euch nur noch als „Mond“ bekannt.

 

Fünfzig Danaiden, Mondpriesterinnen, landen an Argos Küste.

 

Ich war der Segen, ich war das Boot

ich trieb durch die Himmelsfluten

ich stand als Sichel im Abendrot

und verlosch in den Sonnengluten.

 

Im Osten stieg ich als Spiegel empor

wenn im Westen die Sonne versank

wenn der Glutball seine Herrschaft verlor,

und in Meerestiefen ertrank.

 

In meinem Namen sprangen die Quellen

aus berstenden Steinen hervor

Ich selbst war΄s, die für Meereswellen

und Flüsse die Hüter erkor.

 

In diesem Land,

an diesem Strand

war nichts als Dürre und Stein

Wer brachte die Quellen

wer netzte den Stein?

wer tanzte im hellen

im Mondesschein?

 

Das waren die Meinen, Danaiden genannt

 geflohn warn sie aus Ägyptens Land!

Und immer noch füllen sie Krüge

auf dass das Leben auch heute gedeih

Doch Männer verbreiten die Lüge

dass ihr Dienst eine Strafe fürs Morden sei.

 

Jenny TheKid unterbricht Heras Monolog:

Moment mal, Hera,

willst du uns etwa erzählen

wie gut das Dienen sei?

Solln wir uns weiter quälen?

Ich selbst bin lieber frei!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Tagebuch der Lustbarkeiten: Segnung der Gewässer

Alle Jahre wieder – am 6. Januar – findet mein Lieblingsfest statt: die Segnung des Wassers. Epiphanias-Taufe-Hl 3 Könige-Weihnachten der Ostkirche: das Erscheinen Gottes auf Erden ist ein gewaltiger Festtag. Ich feiere ihn hier meistens am Wasser, allein, mit Willi oder Dora, oder auch als Zuschauer beim Tauchen nach dem Kreuz, das ein Priester ins Meer geworfen hat, so dass eine Schar tapferer Jugendlicher hinterherspringt, um es herauszufischen.

Da ich dieses Fest liebe, habe ich bereits mehrfach drüber berichtet, so unter den folgenden drei links. 

Epiphanias. Dora zum Sechsten

6.1.2021. Epiphanias mit Will.i am Meer

6. Januar: Weihnachten, Theophanie und Segnung der Gewässer

Heute aber begebe ich mich nicht ans Wasser, sondern in die Berge, zum „Kleinen Kloster“, von dem ich auch immer mal wieder erzähle. Aus der schön gestalteten Kirche, die erst in den letzten Jahren entstanden ist …

wird das gesegnete Wasser nach der Liturgie herausgetragen, und jedem, der möchte, wird das mitgebrachte Gefäß gefüllt.

Danach versammeln sich die Menschen zum gemeinsamen Anhören erbauender Texte, dazu wird griechischer Kaffee, Wasser, Gebäck und Treberschnaps gereicht. Ein Höhepunkt: zwei Mönche singen „Kalanda“ (traditionelle Lieder, die die Kinder, von Haus zu Haus gehend, singen, um Geld und Geschenke einzusammeln), der dritte bläst die Flöte. Zwischen ihnen sitzt im Rollstuhl der Älteste, der wegen einer zunehmenden Lähmung nicht mehr sprechen kann.

Ein inniges fast familiäres Fest.

Draußen herrscht Zauberlicht, denn nicht nur ist der Tag hell und trocken, sondern es ist auch Vollmond. Sicher, den Mond werde ich erst am Abend aufgehen sehen, aber sein Licht verwebt sich bereits am Tage zärtlich mit dem der Sonne.

Wohin das Auge schweift: nichts als Schönheit und Harmonie. Ob der Blick hinübergeht zum Hochgebirge, den kleinen Dörfern, Kirchlein, Zypressenwäldchen und allgegenwärtigen Ölbäumen….

oder hinunter zum Nachbardorf vor dem großen Meeresblau …

oder in das Gärtchen mit ersten Frühlingsblühern und mit Früchten, die ich nicht kenne …

alles atmet Heiterkeit an diesem Tag, an dem das Wasser gesegnet wird. Mögen seine Quellen für uns und die ganze Natur immer rein und reichlich sprudeln!

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